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Der Plattenspieler und ich

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  • Dieses Thema hat 9 Antworten und 8 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Monat von Rincewind.
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    • #56918
      Rincewind

      Hallo,

      der Plattenspieler ist das älteste Massengerät für die Wiedergabe von konservierten Tönen.
      Die Geschichte des Gerätes ist sehr interessant, doch hier geht’s um die persönliche Erfahrungen mit der “Rillenfräse”

      Das Besondere an diesem Wiedergabe-Gerät ist die messtechnische Unvollkommenheit, die immer noch dem Ohr schmeichelt. Es gibt kein anderes Abspielgerät an dem sich der persönliche Klanggeschmack so mannigfaltig ausleben lässt.

      Der Thread ist den persönlichen Geschichten und Empfindungen verschrieben.
      Schreibt über die Vinyldreher mit denen ihr Mal die Vinyl-Rillen ausgekratzt habt, über die die jetzt für hörgenuss sorgen.

      Grüße
      Rincewind

    • #56932
      Karl-Heinz Stock

      Amen.

    • #56933
      Gipsohr

      Hallo Karl-Heinz,

      ich hoffe du hast deine Vinylfräse nicht begraben😉

       

      Meine 2. selbstverdiente Kohle ging vor fast 40 Jahren für den preiswerten Tangentialspieler von Technics drauf. So richtig glücklich war ich mit dem allerdings nie. Bevor ich mich weiter umschaute hatten sich die Scheiben im Durchmesser gedrittelt und alle waren plötzlich silbern…die Schwarzen und der zugehörige Dreher verschwanden ganz tief im Keller.

      Vor 3 Jahren hat meine Frau gemeint „…du wir haben doch noch so 200 Schallplatten hier liegen…“
      “Kein Problem Liebling!“

      De Spieler angeschlossen, lief sofort wieder (!!!), die ersten Platten mit nostalgischen Gefühlen gehört. Ach war dass schön 😀

      Die Realität und mein Ohr holte mich wieder ein – der Klang hat mir immer noch nicht gefallen.

      Gegoogelt, gelesen, gesucht – für nen Fuffi nen 40 Jahre alten 601-er geholt. Dickes EXTRA-Danke ans Dual-Forum. Ein Forum in dem sofort geholfen wird. Entfettet, geölt, gefettet, Knallfrosch getauscht. Nach 3-4 Stunden ist die Automatik und der Lift wieder tadellos gegangen.
      Angestöpselt – was soll ich sagen, auch wenn es sich abgedroschen anhört, der Klang rastete sofort ein…

      Neue Platten sind immer wieder im Postkasten zu finden und die Nostalgie schlägt, trotz neuer Platten, immer wieder zu.

      Grüße Gipsohr

    • #57005
      Knutbox

      Hallo zusammen,

      der gute alte Braun Spieler meines Vaters ist bis heute einer meiner ersten Kindheitserinnerungen. Sonntags morgens, wenn die Brötchen dufteten, kam ich runter und dann lief nicht selten eine Beatles Scheibe auf dem Dreher, Udo Lindenberg, Boney M oder, mein Favorit, von Jean-Michel Jarre das Album “Musik aus einer anderen Zeit”. Natürlich gab’s auch Hänsel und Gretel, die in unbeobachten Momenten gerne mal eine Scratch Einlage hingelegt haben:-). Auch interessant ist nach wie vor ein Stück Papier in die Rillen zu halten und dem verzerrten Klang zu lauschen.

      Heute dreht ein Dual 604 seine Runden in unserem Wohnzimmer. Ein gelungenes Gerät, optisch Geschmackssache aber technisch einwandfreie Mechanik. Ich liebe das Prozedere des Plattenauflegens. Ganz besonders in Zeiten unendlich verfügbarer Musik dank Spotify und Co. Ich nutze einfach beides, die schwarze Scheibe für den bewussten Genuss und Streaming für die Hintergrundberieselung. Schön, dass die Platte wiederkommt. Heute war ich noch in einer Drogerie mit dem orangenen ‘M’ und habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass dort mittlerweile zwei Reihen Vinyl auf Kundschaft warten anstatt wie bisher eine. Wenn ich die Platten durchschaue fühle ich mich immer wie ein Exot und werde nicht selten von jüngeren Semestern merkwürdig angeschaut. Aber da mach ich mir nix vor, die finden das nicht doof sondern einfach nur cool:-)

      Ob die Platte nun besser klingt oder nicht ist mir (fast) egal, das wichtigste ist ich kann die Musik wieder bewusster genießen. Wenn ich mir denke, dass auch ich statistisch irgendwie repräsentativ bin, dann geht es anderen wie mir. Vielleicht ist es auch nur ein Modetrend unter den Jüngeren, aber irgendwas sagt das doch über unsere Zeit aus! Die schwarze Scheibe bedeutet Entschleunigung in einer Leistungsgesellschaft, und das auch mit 45RPM 😉

    • #57011
      foo

      Moin zusammen,

      Plattenspieler,…

      Eine fast lebenslange Beziehung. Tatsächlich gab es vielleicht ein paar Jahre, wo die CD dem Vinyl zahlenmäßig den Rang abgelaufen hat, aber der Dreher steht seit meiner frühen Kindheit immer spielbereit.

      Anfangs, noch im Kleinkindalter, bekam ich vom Patenonkel einen Philips 603. Ein Wundergerät von Kofferplattenspieler. Die Saphirnadeln hielten vielleicht zwei Monate, waren dafür aber billig. Karl May, Grimms Märchen und andere Hörspiele habe ich mit diesem Gerät komplett abgenutzt. Später auch die erste Pop Musik. Meine erste Musik LP war ABBA “The Album”. Die Platte habe ich noch heute und hört sich scheußlich an, nach 45 Jahren. Der Spieler war tatsächlich eine echte Vinylfräse 🙂

      Dann, etwa zur Konfirmation bekam ich, wiederum vom Patenonkel, seinen gebrauchten DUAL CS 505-1 geschenkt. Was war das für ein Quantensprung. Vor allem, als dann einige Zeit später, die erste komplett selbst mit Ferienjobs erarbeitete Anlage die Aufbereitung der Signale übernahm. Übrigens schon damals, Mitte der 80er, mit Selbstbau Lautsprechern aus einem Bausatz. Einziger Überlebender jener Zeit ist mein damaliger Verstärker, ein Luxman L190. Nach mehreren Revisionen im Laufe der Jahre macht er immer noch sehr viel Spaß.

      Irgendwann mussten wir Kerle damals zum Bund (oder Zivildienst). Der Sold hatte immerhin dazu beigetragen, den inzwischen sehr betagten und nur noch mit Sekundenkleber zu reparierenden DUAL ersetzen zu können. Eines schönen Sommertages im Jahre 1988 habe ich dann stolz einen Thorens nach Hause getragen. Das Modell TD 166 MK 2 war damals gerade angesagt und ich war froh, mein erstes “High End” Gerät zu besitzen.

      Es ist zwar “nur” eine abgespeckte Version des berühmten TD 160, aber die Zuverlässigkeit der Konstruktion belegt die Tatsache, das er immer noch läuft. Und Läuft…

      Allerdings, und da wirds für mich jetzt emotional, der Thorens ist heute äusserlich nicht mehr der Alte. Aber nicht das übliche Tuning mit Edelzarge oder Klavierlack.

      Eigenbau bei Lautsprechern ist ja schon, … jetzt gehts mit Plattenspielern weiter.

      Ich habe schon vorher an Eigenbau Tonarmen getüftelt. Aber die mechanische Qualität eines Acos Lustre GST-1, wie ich mal einen bekommen habe, habe ich nie hinbekommen. Der Acos Lustre hatte aber eine andere Länge und eine ganz andere Aufnahme hat als der Thorens TP 21 der original verbaut war. Also habe ich angefangen mir über eine komplette Eigenkonstruktion Gedanken zu machen, zumal mir der Acos Lustre so gut gefiel, das ich den unbedingt mal hören wollte.

      Zudem wurde die Dämpfung der Kegelfeder-Aufhängung irgendwann sehr schwach. Da 1:1 Ersatz nicht aufzutreiben war, habe ich den guten alten Thorens in seine Bestandteile zerlegt und daraus einen neuen Spieler gebaut. Die Zarge besteht nun aus Schichtholz, im Inneren habe ich verschiedene Elastomere unterschiedlicher Härtegrade ertüftelt, so das die Federung etwas steifer ist als ursprüglich, die Dämpfung aber gut funktioniert. Meines Erachtens ist der Spieler klanglich gegenüber dem Original deutlich beruhigt.

      En weiterer schöner Baustein des Plattenspielers ist ein selbstgemachtes Headshell aus ca. 500 Jahre altem Eichenholz. Darunter werkelt zur Zeit ein Audio Technica AT VM 95 SH. Ein tolles System, spielt ähnlich gut wie der deutlich teurere Benz Micro MC Gold, den ich vorher drauf hatte. Der Benz ist sehr diffizil einzustellen, das geht beim AT viel unkomplizierter. Das Spiel mit den Tonabnehmern und deren unterschiedlichen Charakteren ist für mich einer der wesentlichen Gründe für die Beschäftigung mit der ganzen Thematik Vinyl.

      Man kann viel reden über Klang, über digitale Perfektion und modernen Komfort. Aber nichts kann das Gefühl ersetzen welches der Umgang mit dem Gesamtkunstwerk “Schallplatte” und dem bedächtigen Betätigen eines mechanischen Gerätes wie einem Plattenspieler erzeugt.

      Nur meine Meinung….

      Viele Grüße, foo

       

    • #57026
      Sparky

      Hach ja, Schallplatte…

      eigentlich bin ich mit meinen 33 Lenzen zu jung dafür. Meine erste Erinnerung an Musik, kann aber auch an monetären Familienverhältnissen liegen, ist die Musik Kassette, natürlich alles Mitschnitte aus dem Radio. Der Seat Marbella der Mutter, nachdem der Opel Kadett zu Rostpulver zerfallen ist, war voll davon.
      Ich war als jugendlicher Beifahrer der DJ. “Mach mal ne Kassette rein.” “Welche denn?” “Egal.” “Ok.” “Nicht die!” 😀

      Berührung mit Schallplatte hatte ich tatsächlich erst bei Udo so richtig. Und zwar in der Form, dass man da hin und wieder auf dem Sofa saß und Gäste kamen, die dann ihre Musik zum Boxen hören mitgebracht haben, halt oft als CD oder als File auf nem USB-Stick oder wie auch immer. Bei Stücken, die Udo kannte und mochte, hat er dann das Genöhle aus gemacht und gemeint “Ich spiel dir das jetzt mal nochmal in anders vor, das ist gerade nicht erträglich”. Wie er dann zügig die entsprechende Platte aus seiner Ladenrückwand, die zu 90% aus Schallplatten und zu 10% aus ausgelaufenen Chassisserien und Katzenverstecken besteht,  finden konnte, ist mir bis heute ein Rätsel. Jedenfalls stellte ich halt da schon fest, dass Musik von Platte zwar nicht technisch “besser” ist als die “modernere” Aufnahme, aber einen irgendwie mehr mit nimmt. So entstand dann ein loses Interesse an Plattenspielern, ein Blick auf neue Modelle zeigte aber im Vergleich zu technischen Daten, dass das nicht zu bezahlen ist.

      So kam in ner gemütlichen Sofa Runde das Gespräch auf das Thema, welche alten Drehwürmer man denn nehmen könne, und es fielen einige Vorschläge, unter anderem Dual 701. Kurzum suchte ich in den Kleinanzeigen, fand einen 701 in erster Generation in gutem Schuss und kaufte den. Der Verkäufer erlaubte mir es auch, mir eine Schallplatte aus seinem Konvolut auszusuchen, ich entschied mich für eine Soul Schallplatte.

      Stolz erzählte ich Udo, jetzt auch so ein Gerät zu besitzen und beim nächsten Besuch drückte er mir spontan ein paar Platten in die Hand mit den Worten, die höre er eh nicht oder habe diese doppelt.
      So war der Startschuss getan und seither hat sich ein Regalbrett mit Schallplatten gefüllt. Meist irgend welche Zufallsfunde in Kroskisten auf dem Flohmarkt oder Internet, wo man sagt “Oh, das kenne ich von früher, nehme ich” oder aber teils auch neu gepresste Platten.

      An Drehern gefallen mir Direkttriebler gut, bei denen bin ich geblieben.
      Dennoch machte ich den zu der Zeit schon stetigen Trend,
      Mondpreise für alte Schallplatten und Dreher zu zahlen, nicht mit. Trotzdem hab ich einige durch:
      Der Erste war ein Dual 701.
      Als nächstes zog ein Dual 731Q ein. (Tipp von Karl Heinz)
      Danach ein Metz Mecasound TX 4963 (Geheimtipp von Karl Heinz)
      Zuletzt ein  Luxman PD-291, (Tipp von Rincewind) für den der Dual 701 einen neuen Besitzer fand.

      Jetzt darf man natürlich fragen, warum stellt man sich zwei Plattenspieler auf sein HiFirack, man hat doch auch nur einen Streamer. Ja, stimmt. Doch wie Rincewind sagte:

      Es gibt kein anderes Abspielgerät an dem sich der persönliche Klanggeschmack so mannigfaltig ausleben lässt.

      Soll heißen, ein Dreher, der die Schallplatte rotieren lässt, macht noch keine Musik. Er macht das erst mit einem passenden Tonabnehmer zusammen und derer gibt es mehr wie Blätter an den Bäumen gefühlt.
      Wenn der eigene Dreher da kein Bajonett hat, um den TA schnell wechseln zu können, stellt man halt nen zweiten daneben, um mal kurz wechseln zu können (mit einem kleinen weißen Zaun drum herum! 🙂 )
      In meinem Fall ein MM und MC System.

       

      Gruß aus dem Panoptikum,
      -Sparky

       

    • #57030
      SCI3NTIST

      Als typischer Boomer des 64 Jahrgangs bin ich mit der Platte sozusagen aufgewachsen. Die erste Single war Juliane Werding in den 70ern, die erste LP (natürlich!), “The Dark Side of the Moon”. Der Dreher war ein damals verpönter direkt angetriebener Sony (“pfui,” aber ich musste ihn halt selbst bezahlen), der irgendwann einen gehypten Ortofon Abnehmer bekommen hat. Ich liebte den Plattenladen, beim Stöbern drehten über einem die angesagten Scheiben, am Ende ging man mit einer nahezu quadratischen Tüte (in grün und weiß) und den Neuerwerbungen zufrieden nach Hause. Das Stroboskop glomm und tauchte das Zimmer zu Santana in ein sehr angenehmes Licht, man kennt es es, die Damen liebten es …

      Und dann kam Japan. Ich hatte in jedem mir bekannten CD Laden in der Stadt eine Kundenkarte, war dort bekannt wie ein bunter Hund (“Gaijin”!), und am Ende des Jahres bin ich nahezu ohne Kleidung nach Europa geflogen, aber mit einem Koffer voller CDs. Selbst die Anlage habe ich nach Deutschland verschifft.

      Man möge mich steinigen, aber den Dreher und die Scheiben habe ich entsorgt und ich habe nie wieder zurück geschaut, auch wenn mich die ästhetischen Vorzüge eines schönen Plattenspielers durchaus ansprechen. Inzwischen sind auch die CDs Geschichte, sie stehen noch als Staubfänger in meinem Zimmer genau wie der CD Player.

      Grüsse

      Thomas

    • #57035
      Peterfranzjosef

      Ich habe mich ca. 2010 vom letzten Plattenspieler getrennt, den ich zuvor auch schon nicht mehr oft in Gebrauch hatte.

      Es war ein Dual 504-4 (?) mit einem teurem Ortofon-System.

      Das Chassis war an eine ca. 20-25kg schwere MDF-Sandkiste angeschraubt. Meine Interpretation eines Masselaufwerkes, und jenseits von Schönheit.

      Zeitweilig war das Chassis auch auf einem eigenen Wandregal installiert, um ja auch die Übertragung der letzten Bodenschwingungen zu eliminieren. Das konnte ich auch hören.

      2006 oder 2007 hatte ich folgenden Gedankengang (wahrscheinlich war mir langweilig):

      Masselaufwerk und Wandmontage zur Verminderung der Vibrationsübertragung, schweinsteures System zur Klangverbesserung. ABER kein Schutz der offenliegenden Abtastmechanik vor dem Luftschall/Druck!! Das ist nicht sehr konsequent.

      Versuch: Haube aus 16mm Spanplatte zusammengekloppt, Fensterdichtband dran und dann auf den

      Plattenspieler drauf.

      Die Physik hatte auch diesmal keine Nachsicht: Befreit von Luftdruckschwankungen wars noch einen deutlichen Ticken besser. Wesentlich klareres Klangbild, luftiger und noch bessere Darbietung von Feinheiten.

      Ja, und der Holzhaufen sah echt elend aus.

      Die Handhabung der Haube erforderte Zielgenauigkeit und Vorsicht beim Aufsetzen.

      Das kostete Zeit, die Musik lief schon an, bevor der Hörplatz besetzt war. Ein beschwingter Hörabend mit Single Malt o.ä. zur Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit war ohne wachsende Gefahr eines fehlerhaften Abnehmens oder Aufsetzen nicht möglich.

      Der Prototyp war wirklich nicht praktisch.

      Nun, Führungsstangen aus Edelstahl und einen Absenk/Hebemechanismus  wollte ich nicht basteln.

      Abgesehen von der Ästhetik des zu erwartenden Konstruktes war der Plattenspieler bereits auf dem Ausrangiergleis gestanden. Er fand seinen Weg zu einem Platten-, und Single Malt Fan.

      Klanglich wäre es schon auf CD-Niveau hinausgegangen.

      Es war eine geile Zeit mit Plattenspielern, stöbern im Plattenladen, Plattenkisten zu Parties schleppen. Seitenlanger intensiver Kontakt zum anderen Geschlecht, mit (ahem) Unterbrechungen des Fummelfortschritts beim Umdrehen. (bin Jahrgang 1960)

      War schön, ist aber rum. Macht nix.

      „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ und Leben und Leben lassen (angeblich in Bayern erfunden)

      Ich verstehe sowohl Plattenspielerbesitzer, als auch die, die keinen mehr haben.

      Aber die Emotionalität eines Plattenspielers kann wirklich kein anderes Gerät ersetzen.

      Servus Peter

    • #57113
      Sparky

      Moin,

      derzeit habe ich einen Dual CS 505-3 unter dem Messer. Bestechend einfach konstruiert, da ist sozusagen nix dran zum Kaputtgehen, dennoch kann er mehr, als heutige vergleichbare Dreher zum doppelten Preis (z.B. das “Beinchen heben” und anhalten, wenn die Auslaufrille erreicht ist).

      Egal, ob man Zerkratzapparaturen für radial vorzerkratzte Plasteplatten mag, eines hat sich hier bereits gezeigt: Das “Benutzen” ist Teil des Hörens. Ich habe ein NAS mit gefühlt mehr Musik, als ich gefühlt zu Lebzeiten hören kann. Dennoch hört man meist das Selbe, wenn man mal spontan was sucht. Überforderung….

      Da mag ich halt Platte, das Ding hat zwei Seiten, die man sogar wie bei der MC “aktiv” “anwählen” muss und bei Doppel-LP Alben kommt man auch gern durcheinander. Alles Teil des Prozesses, analog ein Lied zu suchen, was digital mit einem Klick da ist. Die Nadel in die Übergangsrille zu setzen ganz zu schweigen.
      Die einen machen Zen-Meditation, die anderen drehen Plastikscheiben um am Abend, so what.
      Der Weg ist das Ziel 🙂

      Gruß,
      -Sparky

    • #57312
      Rincewind

      Ach, die Rillenfräsen meiner Lebenszeit…

      Als aufwachsender Jugendlicher hatte ich kein Interesse an Plattenspielern (oder wie Udo einst schrieb “Drehorgeln”). Ja, ich hatte eine Bertelsmann Buchclub Schneider “Krachanlage” mit eingebauter Rillenvernichtungsmaschine. Doch schon damals war die Compact Cassette und der Walkman (ich war ein überzeugter AIWA Anhänger) mehr in meinem Fokus. Erst Jahr(zehnte) später hat mich die Couch bei Udo und sein Plattenspieler in den Bann des Vinyls gezogen.

      Als erstes kam ein reimengetriebener Dual 601 ins Wohnzimmer. Udo hat mir sogar aus seiner Restekiste ein AT13EaV mitgegeben, damit ich den Spaß am Vinyl lerne 😉

      Karl-Heinz half mir bei der Montage und Ausrichten des AT13EaV – ein schöner Nachmittag mit viel Vinyl folgte.

      Irgendwann bekam der Dual einen AT440mla spendiert und alles war Gut bis mir ein Technics SL 1300 über den Weg lief. Vom seltenen Sofa-Gast Walter Fuchs habe ich den Tipp erhalten einen Goldring 1042 Tonabnehmer auf dem Technics zu montieren. Naja, das Budget reichte damals nur zu einem Goldring 1022…

      Der Dual durfte irgendwann mit dem At440mla gehen, da mir der Klang des AT440mla mittlerweile zu “Höhen-Betont” wurde und das Ohr sich über den “grellen” Klang beschwerte.

      Ein weiterer Tipp von Walter war der Oehlbach PhonoPre XXXL – samt verbesserten Netzteil – statt des eingabeuten Phono-Entzerrers im Verstärker. Der Tipp erwies sich als enorm hilfreich.  Viele, sehr viele Stunden mit Vinyl Genuss folgten. Die Zahl der Vinyl-Scheiben wuchs und ich musste Regale für die Plattensammlung basteln.

      Mich überkam die Lust nach experimentieren, daher wurde ein Thorens TD 146 mit “Verbastel-Potential” angeschafft. Der “verbesserte” Thorens mit Ortofon VM Silver wanderte ins Arbeitszimmer. Dennoch tauschte der Thorens immer wieder den Platz im Wohnzimmer mit dem Technis SL 1300.

      Doch die Lust am Erkunden von “Old-Fidelity” Rillenfräsen war ungebrochen. Denn ich stellte fest, dass mich am meisten “Vollautomaten” ansprechen. Da fand sich in Hamburg ein Luxman PD 288. Ein wenig entsaubt, mit At13EaV ausgestattet und mit neuen Absorber-Füßen zeigte der Dreher, dass der Klang des Vinyls eine ganz gnadenlose Droge ist. Stunden und Stunden in Hören wurden investiert. Das faszinierende ist, dass die technische Unvollkommenheit der Schallplatten und Plattenspieler dem Ohr dennoch unglaubliche Glücksmomente bescheren.

      Die ganze digitale, ultrabequeme Armada von DACs kann dem Vinyl in seiner Emotionalität in meinen Ohren nicht das Wasser reichen.

      Und der Basteltrieb lässt sich auch bei Rillenfräsen ausleben. Besonders wenn es um die Umsetzung eigener Vorstellung von “Klangsoße” geht. Meine Wohnzimmer Klanglage läuft mittlerweile mit Technics SL 1300 und Goldring 1042 (Walter, Du hattest verdammt Recht!) über Aikido PhonoPre zur Höchstform auf.

      Der Thorens hat mich im Tausch gegen einen schottischen “Strathclyde Transcription Developments” STD 305 verlassen. Das neue Bastel-Objekt STD 305 wartet geduldig auf dem Schrank bis ich wieder Zeit zum Frickeln habe.

      Ich schrieb an einer anderen Stelle:

      Wer jetzt noch den Komfort in Form von modernen Schnittstellen dennoch vermissen sollte, der kann einen Phono Vorverstärker mit eingebauten USB/Bluetooth erwerben. Aber eigentlich: wozu?

      Ich bleibe dabei. Der DAC basierte Netzwerkplayer ist bequem und hat ausgezeichnete technische Eigenschaften bei der Wiedergabe, von denen Plattenspieler samt Tonabnehmern nur träumen können. Dennoch findet sich mehr Emotion in der eingravierten Rille einer Vinylscheibe.

      Grüße
      Rincewind

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