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Die Einspieldauer – wirklich?

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    • #9342
      Rundmacher

      Hallo zusammen,

      der Thementitel ist bewußt ein wenig provokativ gestaltet, ich weiß.
      Das Lautsprecherchassis, egal ob hier in der Entwicklungsabteilung oder bei den vielen Nachbauern sehr gern ‘eingespielt’ werden ist kein Geheimnis.
      Ich frage einmal ganz direkt: Warum?
      Natürlich lese ich “der Klang wird besser” (wird er?), egal ob durchsichtiger oder was weiß ich welche Formulierungen da noch fallen. Und natürlich glaube ich das alles schon was da von den vielen Nachbauern geschrieben wird.
      Ich meine auch das alle der hier verwendeten Chassis nicht gerade von nachlässiger Qualität sind, niemals sind sie das.
      Was passiert denn da mit der Membran oder der Membranaufhängung? Gibt die nach? Was verändert sich denn da während der Einspieldauer?
      Oder, gewöhnt man sich einfach während der ersten Tage bis Wochen an den Klang der neuen Boxen, hört man sie sich ‘schön’?

      Gleich vorab, danke für eure Meinungen, ich lerne gern dazu, das ist neu für mich.

      Es grüßt freundlich
      Rundmacher

    • #9343
      Henning

      Hallo Herr/Frau Rundmacher,

      ich bin auch immer faziniert was dieses “Einspielen” oder sogar “Einbrennen” für ein Thema ist. Letzteren Begriff halte ich einfach für Quatsch. Bezogen auf Kabel und anderes Gedöns.

      “Einspielen” sehe ich als physikalische Eigenschaft. Ja, Materialien müssen weich und geschmeidig werden. Egal ob Chassis oder Tonabnehmer. Ob das Monate dauert? IMHO nein (natürlich abhängig von der Nutzung). Es ist der Gewöhnungseffekt der die grössere Rolle spielt. (immer noch IMHO).

      Ich könnte bei meinem neuen TA am Technics nicht sagen, ob der jetzt nach Wochen total *wow* ist, oder natürlich “WOWer” als am Anfang. Allerdings weiß ich jetzt, dass meine Satorique2 mein Herz wärmt und das ist definitiv der Gewöhnungseffekt.

      Bei einem Alufaltblatt (oder was auch immer für eine Folie…) wie dem ER4 mag es auch sein, dass der mit den Wochen, man munkelt ja von Monaten, immer besser wird. Auch hier denke ich, dass man sich erst an den fein auflösenden, etwas unterkühlten, grundehrlichen Klang gewöhnen muss.

      Ein Wochenende die Lautsprecher einwobbeln und dann Hirn anpassen. Meine Meinung.

      Gruß, Henning

    • #9344
      Matthias (DA)

      Moin moin,
      Hatte jetzt ja nen 6 Jahre eingespielten er4 in der Duetta versus brandneu in der Linie 54.
      Die erste Hörprobe ging voll in die Hose, es klang schrill im Vergleich zur duetta.
      Dann war ich 4 tage unterwegs und hab 100 Stunden Rauschen bei guter lautstärke drauf gejagt.
      Die nächste Hörprobe lief dann toll, sprich der neue er4 war nicht mehr im Nachteil

      Eingewöhnung würde ich in diesem Fall ausschließen, die Balance zwischen ht und tmt hat sich gefühlt deutlich verschoben.

      Den Effekt finde ich beim er 4 aber deutlich stärker als bei anderen Chassis

      Matthias

    • #9345
      Udo Wohlgemuth
      Verwalter

      Hallo Rundmacher,

      in der ersten Duetta, die ich für die K+T gebaut hatte, gab es einen Spannungsteiler für den ER4, der ihm knapp 2 dB Pegel nahm. Nach ein paar Wochen habe ich zuerst den Parallelwiderstand entfernt, dann auch den Vorwiderstand. Später habe ich den ER4 nur noch eingespielt gemessen. Er braucht tatsächlich grob 100 Stunden, bis alle Faltungen sich “eingewackelt” haben. Danach ändert er sich nicht mehr.

      Bei Bässen und Mitteltönern ist die Einspielzeit wesentlich kürzer, aber auch vorhanden. Nach dem Einwobbeln sind die Parameter nicht mehr mit den vorher gemessenen identisch. Nach 24 Stunden mit 10 Hz und knapp 5 V bewegt bleiben sie konstant. Auch hier müssen die Sicken und Zentrierspinnen geschmeidig werden.

      Aber: Den Gewöhnungsfaktor darf man sicher nicht außer Acht lassen.

      Gruß Udo

    • #9346
      Rundmacher

      Hallo,

      es gibt nicht allzu viele Foren wo zeitnah auch auf sehr spezielle Anfragen kompetent reagiert wird.
      Dies ist eines.
      Ich darf nach 3 1/2 Stunden bereits zusammen fassen: ja, da ist etwas messbar; und ja, es ist auch hörbar. Eine Symbiose zwischen Mensch und Box ist niemals auszuschließen.

      Okay.

      Es grüßt freundlich
      der Rundmacher

    • #9348
      Jürgen

      Hallo Rundmacher,
      habe an meinem Laptop die Ceap Trick 242 laufen. Erst nach ca 4 Monaten und ca,30 Stunden Betrieb hat sich erst der ganze “Klang” gebildet. Und in Gegenspruch zu Udo da erst der ganze Bass.

      Grüße Jürgen

    • #9409
      Sparky

      Guten Abend Rundmacher,

      das Einspielen (besonders bei Eton präsent) konnte ich zum ersten Mal bei schülzken´s Keras, danach bei meinen LP´s und sehr prägnant bei meinen GD´s erleben. Der Effekt, er ist da.

      Meine Meinung: Es ist immer eine Mischung aus beiden.
      Zum Einen ist da die Psychoakustik: Gerade Eton hat den Anspruch, “perfekte” Chassis zu bauen. Das gefällt nicht jedem, die sind auch oft gnadenlos, da muss man sich dran gewöhnen. Zitat: “Der Lautsprecher erzieht seinen Hörer”. Hat sich das Gehör erst an den Detailreichtum, respektive aber auch das manchmal harsch penetrierende, gewöhnt, kann anderes wiederum schnell als dumpf oder übersteuert empfunden werden.

      Zum Anderen sehe ich da durchaus die Chassis in der Verantwortung, diese müssen ja auch erst mal “weichgekloppt” werden. Gerade bei harten Membranen kann ich mir vorstellen, dass sich bei den ersten Pegelorgien Microfissuren bilden, die das Schwingungsverhalten, respektive Klangbild “weicher” gestalten. Beim ER4, dessen Einspielverhalten bisher das Wahrnehmbarste war, das ich je erlebt habe, kann ich es nur so erklären, das sich das Ding “setzt”, sprich die Membran des AMT tüddelt sich im Gehäuse auf ihre optimale Position zurecht und parallel gewöhnt sich das Gehör psychoakustisch an den Detailreichtum.

      Gruß,
      Sparky

    • #24403
      Kai

      Hallo, beim stöbren im Forum entdecke ich gerade dieses Thema. Die Mehrheit hat wohl recht: einerseits hört man sich auf die LS ein, andererseits spielen sich parallel dazu die fabrikfrischen Chassis ein.

      Da ist es schwierig eine sinnvolle Differenzierung entwickeln zu wollen. Für den Keramikhochtöner gesprochen (sowohl 26 HD1 als auch 26 HD3) habe ich ich auch nach weit mehr als 100 Stunden Spielzeit, also nachdem ich mich insgesamt auf die neuen Boxen eingehört hatte, klare Veränderungen wahrgenommen.

      Jedenfalls meine ich, dass dieser Hochtöner extrem lange braucht, bis er, ja wie klingt? Schwer zu beschreiben, ist halt auch subjektiv. Ich beschreibe es als zurückhaltender in dem Sinne, dass er sich anders einfügt, weniger prominent ist, dennoch extrem detailliert bleibt. Nur irgendwie sanfter, dabei aber nicht weniger dynamisch.

      Ich habe aus reiner Neugierde – und sicher nicht, weil ich der Meinung wäre, es gäbe da den besten Kondensator aller Zeiten – mit dem Hochtonkondensaor experimentiert. Ich wollte eigentlich nur wissen, OB ich Unterschiede höre, ohne spezielle bzw. definierte Erwartung.

      Für mein Gehör waren die Unterschiede deutlich. Ich bin dann zum Original zurückgekehrt, das mag aber bei anderen anders sein. Jedenfalls bleibt mir als Fazit, dass ‘Sounding’ möglich ist. “High-End”-Geschwurbel bringt hier sicher nicht weiter, daher belasse ich es bei der Aussage, dass ich Veränderungen wahrgenommen habe, deren Größenordnung – für meine Wahrnehmung und Bewertung, wenn man so will – mich überrascht hat. Von richtig(er) oder besser spreche ich ausdrücklich nicht, Sounding halt. 😉 Gruß,

      Kai

      PS: das geht in sehr inviduelle Hörempfindungen hinein, der Nächste tippt sich bestimmt wild an die Stirn, und das ist dann so.

    • #24507
      geloescht

      Moin, an diesem schönen Montag.

      Mechanische Einspielzeiten fata-morganen hier immer wieder durchs Forum, die spielen, besonders im Hochtonbereich, eher ein untergeordnete Rolle. Automotoren mussten früher eingefahren werden, bei heutigen Fertigungspräzisionen völlig überflüssig, ebenso ist es auch bei Lautsprechern.

      Ich hatte kürzlich das Privileg hat, an einem fachübergreifenden Gespräch über Akustik als ganzes, Hörgeräteentwicklung , Verarbeitung und Speicherung akustischer Signale im Hörzentrum im Besonderen, teilzunehmen. Leider eines meiner Hobbies.

      Kleines Beispiel: Sehr kompakte Lautsprecher, wie z. B. die SB 15, strahlen im Tiefbass nur marginal Energie ab, wir meinen aber, deutlich tieferes Bassgeschehen wahrzunehmen. Dies liegt ganz einfach daran, dass unser Gehirn ein meisterhafter Gaukler ist und sich die Tieftöne einfach dazu konstruiert. Es wird wieder den Ruf nach Verschwörung geben, das ist aber eine längst standardisierte Erkenntnis in der Neurologie.

      Nehmen wir an, dass ein Kunde einen guten geschlossenen Lautsprecher von Herstelle XXXXXXX 30 Jahre gehört hat. Er baut sich ein Konstrukt von Udo mit ER4 oder hochwertiger Keramikkalotte. Das ist erst einmal ein Kulturschock, nicht ohne Folgen. Wenn sich 30 Jahre Klang- und Soundmuster in das Unterbewusstsein “eingebrannt” haben, dauert es eine ganze Weile, bis das Gehirn die Verbesserung akzeptiert und automatisiert. Das gilt abgemindert auch für modernere Lautsprecher mit kürzerer Hördauer. Das hat aber rein gar nichts mit einer mechanischen “Einspielzeit” zu tun.

      Mechanisch sieht es so aus, dass, nehmen wir an, der ER4 oder die Kalotte schwingen im Mittel mit 20 kHz, in einer Minute 1,2 Millionen mal. In einer Stunde sind das schlappe 72.000.000 Schwingungen und ein paar Kilometer Weg. Ich kann mir schlechterdings nicht vorstellen, dass ein Metallbändchen oder ein von einer so geringen Masse, nach 72 Millionen Hin- und Herbewegungen nicht seine Arbeit vollwertig aufnehmen kann.

      Genauso verhält es sich bei Vergleichen von hochertigen mit “High-End”-Weichenbauteilen oder gar Kabeln. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens und das Gehirn ein meisterhafter Gaukler.

      Persönlich würde ich die eher die “Einspielzeit” durch den Begriff “Gewöhnungsphase” ersetzen. Wenn ich mir ein hochwertiges, technisches Gerät, z. B. ein Auto oder auch einen hochwertigen Mixer kaufen würde, dass bei einer durchschnittlichen Nutzungstiefe von einer Stunde am Tag, seinen Vollbetrieb erst nach mehr als 3 Monaten aufnehmen würde, wäre es schnell zurück auf dem Ladentisch. Die Dauer der Einwobbelphase ist auch auf keinen Fall ein Qualitätsmerkmal.

      Beste Grüße und viel Spaß mit Deinen Lautsprechern

      Hesse

      • #24510
        Matthias (DA)

        Moin Hesse,
        Deine Überlegungen sind nachvollziehbar. Insbesondere Gewöhnung und Psychologie sind wichtige Faktoren.
        Dennoch tut sich für mich eine Kluft zwischen Theorie und Praxis auf. Nach 7 Jahren ER4 hören hab ich für meine Tante die Linie54 gebaut. Ich denke also, dass meine Ohren den HT schon gewohnt waren. Nichtsdestotrotz war es beim Neubau der Linie anfangs eher nervig spitz was sich mit der Zeit (und damit meine ich nicht nur Stunden sondern eher Wochen) entspannt hat.

        Klar, alles subjektiv und nicht gemessen, aber für mich bleibt die Einspielzeit Realität.
        Ja, da kommt einiges an Schwingungen sehr schnell zusammen, in Bezug auf die Lebensdauer allerdings auch nach ner Woche einspielen eher im Promillebereich was den Anteil an der Lebenszeit angeht. Da darf sich durchaus noch mal was setzen auf dem Weg von Neu zu Ende der Lebensphase und ausgeleiert.

        Ob ich das nun gut finde das es nötig ist wäre dann ne andere Frage…

        Meines Wissens lässt Udo seine Chassis auch ne Zeit lang wobbeln bevor er sich ans Messen macht, das tut er sicherlich nicht aus Spaß an der Freude

        Udo, bitte um Korrektur wenn ich mich da irre…. oder vielleicht hast Du ja dazu passend erhellende Messergebnisse im Vergleich neu versus eingespielt?

        Edit: Aah, grade das Zitat entdeckt: “Später habe ich den ER4 nur noch eingespielt gemessen. Er braucht tatsächlich grob 100 Stunden, bis alle Faltungen sich “eingewackelt” haben. Danach ändert er sich nicht mehr.”

        Mechanische Effekte gänzlich ausschließen würde ich also bei aller Psychologie sicher nicht.

        Matthias

      • #24511
        max

        Hallo Hesse,

        ich bin ja selbst kein Fan von “Voodoo” und sicher ist das mit der psychoakustischen Gewöhnung richtig.
        Aber dass es die “mechansiche Einspielzeit” beim Chassis nicht gibt wage ich doch sehr zu bezweifeln. Selbst Udo behauptet ja “nach dem Einwobbeln sind die Parameter nicht mehr mit den vorher gemessenen identisch” – das ist nunmal handfest messbar und Udo ist nun wirklich alles andere als ein Voodoo-anhänger, der zu viel Freizeit für solche Einspielaktivitäten hat – trotzdem spricht auch er von 100h für den ER4, Matthias’ Erfahrungen bestätigen dies (auch hier sind “Gewöhnungsfaktoren” definitv ausgeschlossen).

        Den ER4 müsstest du Udo also wohl zeitnah zurück geben.

        Gruß Max

        PS: Dass man aktuelle Motoren auf Grund der Fertigungspräzision nicht mehr eingefahren werden, ist so auch nicht richtig. Das Einfahren ist bei den aktuellen Downsize-Turbozwergen wichtiger denn je – so wichtig, dass es ein normaler Kunde nicht mehr kann, weshalb es ins Werk verlegt wurde. Motorradmotoren werden teilweise gar für die ersten paar tausend Kilometer elektronisch in der maximalen Drehzahl und -Last beschnitten. Saugmotorische Literleistungen von 150kW in Grosserie benötigen das wohl. Um den Kunden zu ärgern? Eher nicht.

        Edit: Zu langsam 😀

        • #24522
          Rundmacher

          Hallo,

          …Das Einfahren ist bei den aktuellen Downsize-Turbozwergen wichtiger denn je – so wichtig, dass es ein normaler Kunde nicht mehr kann, weshalb es ins Werk verlegt wurde.

          Es wird nicht mehr eingefahren -Sonderanfertigungen, Erstmuster und ähnliche Kandidaten ausgenommen-, definitiv nicht. Es wird auch kein Spülöl mehr aufgefüllt. Die Zulieferer haben sich an extrem strenge Restschmutzanforderungen zu halten, alle Teile welche in den Motor kommen dürfen nur Fremdpartikel im mikroskopischen Bereich mitbringen, der Autobauer führt Wareneingangskontrollen durch. Ist da ein NIO (nicht in Ordnung) geht die ganze Lieferung zurück zu Lasten des Lieferers. Jeder Motor wird lediglich heiß gefahren, dann ab zum Kunden.
          Seit den 80ziger Jahren haben sich die Bauteiltoleranzen -vor allen Dingen durch die computerisierten Messmaschinen- ca. um den Faktor 10 verkleinert, da passt vieles sofort.
          Ein deutscher Autobauer fährt einige Modelle noch in der Serie ein, den Namen habe ich vergessen.

          Aber was das jetzt bei unseren Lautsprechern bedeutet?
          Oh, Udo schreibt gerade……

          Es grüßt freundlich
          Rundmacher

    • #24514
      bauerwilkins

      @Matthias: Auch Udo kann sich mal irren, was nicht sein kann, darf nicht sein. Akzeptiere es!

      @Hesse: Ich kenne einen Boardie, der der ahnungslosen Welt da draußen seit Jahren vorgaukelt, dass er seine Lautsprecher seit Jahren konsequent Stück für Stück der Perfektion entgegen bringt. Ist das nicht völlig unnötig, wenn das das Gehirn eh von ganz alleine macht?

      Ich habe letzte Woche ein Paar D7 für meinen Onkel fertig gestellt. Im Vergleich zu meinen vier Jahre alten D7 war der Hochton deutlich schriller, im Mitteltonberich war alles etwas verwaschener und undefinierbarer, der Bass dünner. Bühnenstaffelung und Räumlichkeit deutlich eingeschränkt. Kann aber auch Einbildung gewesen sein, meine Ohren sind nicht mehr so gut.

      Nicht zu viel philosophieren, hört Musik. Be mir läuft gerade BB King in London aus schwarzem Gold gewobbelt.

      Schöne Vorweihnachtszeit
      BW

    • #24521
      Udo Wohlgemuth
      Verwalter

      Nun, dann auch ein paar Worte von mir dazu:

      Jedes mechanisch bewegte Teil hat eine Einspielzeit nötig, um die Struktur von jungfräulich zu gebraucht zu ändern. Kauf eine Hose, sie muss erst einmal recht eng sein, um später zu passen. Danach nimmt sie nach dem Waschen wieder an Festigkeit zu, ist abr viel schneller wieder angepasst. Bis Löcher in den Knien sind, dauert es etwas, hier findet jedoch Abnutzung statt. Beim Lautsprecher sind es in erster Linie die Zentrierung und die Sicke, die sich auf ein bestimmtes Verhalten einstellen, das sie lange Zeit beibehalten. Zum ersten Zustand kehren sie nicht mehr zurück. Auch bei Kalotten und erst recht gefalteten Membranen gibt es die Einspielzeit. Als ichvor fast 20 Jahren die Duetta gebaut habe, gab es vor dem ER4 einen Spannungsteiler, der 3 dB klaute, später war es nur noch der Vorwiderstand (1,5 dB), am Ende war auch der weg. Matthias und bauerwilkins haben die gleiche Erfahrung gemacht, doch sind es sicher nicht nur wir drei, die das Leiserwerden, aber die Zunahme beim Feinzeichnen bestätigen. Im Bass wird es im direkten Vergleich eingespielt gegen neu leicht sein, Unterschiede zu hören, beim ER4 merkt man es deutlicher.

      Richtig ist aber ohne Zweifel, dass Musikhören im Kopf stattfindet und von vielen Faktoren abhängt, an die leider meist nicht gedacht wird. Nicht umsonst hören wir bei schlechter Laune keinen Blues, es sei denn, wir wollen uns anschließend aus dem Kellerfenster stürzen 😉

      Gruß Udo

    • #24523
      geloescht

      Moin.

      @ Matthias, Max, Rundmacher und Udo So macht das Spass. Bei der Diskussion nimmt man auch wieder was mit nach Hause, ohne konträr ausgetragene Meinungen würde gar manch einer seine Duetta noch auf zwei Balken hinter sich her schleppen, keiner hätte so etwas wie ein Rad erfunden.

      Hallo, Bauer. Schön, wieder einen Deinen bissigen Beiträge zu lesen, ich habe sie, das meine ich ganz ehrlich, vermisst. Irgendwie immer Frischluft. Ich steige mal kurz auf mein Emotionsstühlchen und wir sehen uns waagerecht ins Auge.

      Vorab kleine Kritik: Das Ding mit dem vorgaukeln hättest Du stecken lassen können. Sieh mal alles als Verbesserung ab dem Gewöhnungslevel und Spaß an der Freude. Einen Tonarm zu bauen z. B. käme mir nie in den Sinn. Mein Anspruch im Umgang mit Menschen lässt es aber einfach nicht zu, den, der es wagt, veräppeln zu wollen.

      Außerdem wusste ich schon eine ganze Weile vor Dir, wie gute Lautsprecher zu klingen haben. Meine Hai-Vieh-Anfänge liegen zeitlich fast mit der Löschung des Nero´schen Brandes in Rom zusammen. So kommt es mir wenigstens manchmal vor. 🙂

      Zur Sache: Universell gilt, wie immer: Erst genau gucken, dann schreiben. Kai hat explizit von “Hochtönern” geschrieben, darauf habe ich geantwortet. Dass Bass- und Mitteltonlautsprecher, bedingt durch die wesentlich schwereren und differenten Materialien, die auch noch verschiedene Massen und Elastizitäten aufweisen, eine Einlaufzeit benötigen, ist wohl Allgemeingut. Da diese frechen Kerle auch noch Obertöne erzeugen (auf Harmonien, Disharmonien und Interferenzen brauchen wir hier nicht eingehen), die bis in den Bereich des Hochtöners wirken, dürfte auch geläufig sein.

      Daher kann, nicht muss, der Hochtonbereich schrill und verzerrt klingen und die Räumlichkeit ist futsch, obwohl der Hochtöner längst am Ziel ist. Das ist aber schon wieder komplexer als Ausgangsfrage fordert. Es stellt sich nur die Frage, wie lange diese “Einwobbelphase” dauert.

      Bei den ganzen Bemühungen um Perfektion haben meine Mitstreiter und ich eines ganz klar festgestellt: Der Hochtonbereich deckt die Flanken, die Schlacht wird im Tief- und Grund-Mitteltonbereich entschieden, dort entstehen 90% der Schadereignisse. Auch verständlich, da das menschliche Ohr genau in diesem Bereich am empfindlichsten ist. Das bedeutet aber nicht, dass man irgend einen Shit-Hochtöner verwenden kann, da sollte schon ein Glöckchen läuten.

      Erweiterte Inhalte zu den beiden vorstehenden Absätzen kann man in den Schriften von Hermann von Helmholtz nachlesen, der die Grundlagen dafür geschaffen hat.

      Ich habe mir vor rund zwei Monaten von Udo zwei neue Hochtonkalotten senden lassen, da ich vermutete, eine hätte den Geist aufgegeben, was es aber letztendlich nicht war. So what, gute Hochtöner braucht man immer mal. Nach 20 Minuten waren die Unterschiede im Bereich der Chargenspreizung, die “Neuen” fügten sich bruchlos ein. Jetzt könnte man vermuten, dass die SB-Chassis ja nicht “Made in Germany” sind und somit den Hauch des Unvollkommenen haben könnten. Dem ist aber nicht so, die Produktionsqualität und maschinelle Ausstattung ist gleichwertig wie bei allen anderen Qualitätsherstellern. Schon erkennbar an der sehr guten Luftspalttechnik.

      Nix für ungut, nobody is perfect. Ab und zu muss man einfach mal auf die Kacke hauen.

      KH

      PS. Schreiben ist für mich Ergotherapie, daher haue ich recht viel in die Tasten. Also keine Angst, dass ich zu viel philosophiere, 4 Stunden Musik am Tag sind auch genug. Trotzdem Dank für Deinen Rat.

      • #24542
        Matthias (DA)

        Moin Hesse,
        Na, man muss doch nicht immer ausfighten wer jetzt am schlausten sei oder mehr Hörerfahrung hat, das kann doch zu nix produktivem führen. Wenn bw sich jetzt von seinem Ego verleiten lässt und wieder einen drauf setzt? Und dann wieder du? Wem nutzts?

        Ich beziehe meine Aussage rein auf den ER4 der ein zwar sehr spezieller aber trotzdem ein Hochtöner ist.
        Und der braucht um Dimensionen länger als Mittel- und Tiefton. In diesem speziellen Fall finden die von Dir genannten 90% für mich eher oben statt. Solang der ER4 vorlaut spielt ist der Bass mickrig und der Rest schrill.

        Beim SB Hochtöner mag es wieder anders sein. Daher ist es ja auch hilfreich wenn wir beide nicht aus den unterschiedlichen Erfahrungen verallgemeinern.

        Einig sind wir sicherlich dann wieder mit der Aussage das es nach 200 Stunden besser klingt als ganz am Anfang, dann ists nämlich egal ob es an hoch, mittel oder tieftöner liegt und auch die Psychologie hat ihren Platz.

        Und die BW Kommentare – na, das wirst Du doch aushalten, frei nach dem Motto mit dem Austeilen und dem Einstecken 😉

        Matthias

        PS: somit Fazit zur Ausgangsfrage: Einspieldauer – wirklich?: ja, wirklich. Ursache: es kommt darauf an.

        • #24558
          geloescht

          Moin.

          Hallo Matthias. Mit dem Bauer komme ich schon klar, er ist ein wenig emotional, bin ich aber auch. Emotionsreduzierte Menschen sind auch nicht so mein Ding. Wenn es mal zu herb wird, muss man halt Flagge zeigen und kurz darauf hinweisen, dass die grauen Zellen unter der Schädeldecke noch funktionsfähig sind, dann ist alles gut.

          Meine Meinung ist, dass uns nur eine vielfältig geführte Diskussion und eine ordentliche Streitkultur weiterbringt, da bin ich dabei, auch wenn es mal ein wenig derb wird. So auch die ewige Diskussion über den ER4, die ich immer wieder interessant finde. Ich bin auch kein Spezialist in Sachen ER4, aber mir Air-Motion-Wandlern kenne ich mich ganz gut aus. Habe selbst schon welche eingebaut, da waren viele hier noch nicht in Planung.

          Der Tatsache, dass die Fa. Eton ein solch hochwertiges Produkt auf dem “Schnäppchen- und Geizmarkt” Deutschland auf den Markt bringt, hat meine ungeteilte Hochachtung. Auch ein mutiger kaufmännischer Schritt. Aber erfunden haben es Andere.

          Das Patent ist aus 1969, die Fa. ESS hat als Erster 1970 den AMT in Lautsprechern verwendet, also mehr als 30 Jahre, bevor Eton den Schritt gemacht hat. Es gab dann kurze Zeit später Chassis, die das selbe Grundprinzip verwenden, so auch die legendären Technics-Bändchenhochtöner vom Schlage eines TH 400.

          Diese Hochtöner sind weltweit in durchaus ernst zu nehmende Konstrukte eingebaut worden und sind heute für viel Geld auf dem Gebrauchtmarkt gehandelt. In Auflösung und Charme sind sie ebenbürtig.

          Also, ein sehr, sehr gutes Lautsprecherchassis, dat ER4, aber nichts wirklich Neues. Nichts, um mich auf die Knie zu werfen oder Heiligenbildchen zu verteilen.

          Über die Probleme am Beginn eines Lautsprecherlebens brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich weiß, wie der Hase läuft, das reicht mir. Der Fa. Eton wäre aber freundschaftlich zu empfehlen, in den Prospekten einen entsprechenden Hinweis einzuarbeiten. Es gibt auch streitsüchtige Menschen.

          Hesse

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