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Duetta in Kastenform

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Dieses Thema enthält 6 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Audicz vor 9 Monate, 2 Wochen.

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  • #24779

    Carsten_01

    Liebe Freunde des gepflegten Lautsprecherbaus.
    Ich heiße Carsten, komme aus Süddeutschland und baue seit mittlerweile 30Jahren in mehr oder weniger großen Abständen auch immer mal wieder Lautsprecher.
    Von Udo habe ich bereits den Lautsprecher Quickly 18 der in der Küche auch bei längeren Rezepten für gute Stimmung sorgt.
    https://www.acoustic-design-magazin.de/wp-content/uploads/2017/12/IMGP1819_komp.jpg
    https://www.acoustic-design-magazin.de/wp-content/uploads/2017/12/IMGP1853_Komp.jpg
    Letztes Jahr im Sommer hat mich die Neugier in die heiligen Hallen von Bochum geführt. Drei Erkenntnisse sind geblieben.
    1) Würde ich nicht 400km entfernt wohnen, würde ich dort regelmäßig Gast sein, einfach weil die Atmosphäre bei Udo so inspirierend ist.
    2) Blues Klasse ist generell empfehlenswert, trotzdem sind zwischen SB Acoustic und Eton deutliche Klangunterschiede auszumachen. Nicht in der Kategorie gut oder schlecht, sondern in der Art der Darstellung. Jeder der mit so einer großen Investition in Zeit und Geld ein paar Jahre glücklich werden möchte, sollte sich vor dem Kauf selber ein Bild der verschiedenen Modelle machen.
    3) was die Grösse der Lautsprecher angeht habe ich ein Problem weniger als viele andere Musikliebhaber. Nachdem ich bei Udo recht zielgenau auf die Linie 43 zusteuerte hat mich meine Frau von der Seite gefragt: „ Was, so klein soll der Lautsprecher werden?“ ich denke selbst Udo wird dies nicht jeden Tag hören. Auch wenn es letztlich nun doch nicht die Linie 43 wird, so ist er nach wie vor einer meiner absoluten Lieblingslautsprecher. Die Kombination der 3 Chassis klingt in meinen Ohren faszinierend.
    Nach längeren Diskussionen mit meiner besseren Hälfte welcher Lautsprecher letztlich unsere sehr guten Schweizer Referenzboxen ersetzen sollte, führte mich dies Ende 2016 noch einmal nach Frankfurt auf´s Hörevent in Axel´s Tanzschule. An dieser Stelle noch einmal Danke für diesen lustigen Nachmittag. Dieses Jahr werde ich daran nicht teilnehmen, denke aber gerne an euch, während bei mir die Holz-Platten für Duetta auf der Kreissäge Stück für Stück Gestalt annehmen.
    Meine kleine ganz subjektive Wahrnehmung bezüglich der Priorisierung. Jo´s Linie 44 dann Duetta und die Linie 43 wenn nicht gerade ein Saal beschallt werden muss.
    Linie 44 ist nach einigen Zeichenstrichen aufgrund der Bauhöhe und der damit nicht kompatiblen Möblierung im Zimmer ausgeschieden. Eine Box in der Grösse der Linie 43 habe ich bereits vor 2 Jahren von einem in Hifi-Kreisen allseits bekannten Wettbewerber 30km südlich von Bochum gebaut. Sie steht als Stereostandbox links und rechts vom Fernseher.
    Beispiel für Verstrebungen
    3-Wege Lautsprecher
    Und ohne hier einen Glaubenskrieg losbrechen zu wollen. Beide Produkte haben ihre ganz spezifischen Merkmale die mal das eine mal das andere Produkt für den ganz individuellen Einsatzzweck geeignet machen. Leben und leben lassen. Aber wie gesagt meine Frau und ich möchten auch Musik in Konzertatmosphäre haben und Duetta kann diesen Zauber ins Wohnzimmer bringen.
    Dabei ist gerade Duetta auf den ersten Ohrenhöhr die Langeweile pur auf 1Meter und 10cm verteilt. Nichts sticht da irgendwie heraus. Die Musik ist im Raum, wo sie herkommt weiss man nicht genau. Gerade das dürfte eines ihrer Erfolgsrezepte sein. Duetta ist nur ein Diener der Musik und nimmt sich selbst zurück. Ich denke auf 20Jahre gesehen dürfte dies ein gutes Rezept für viele Entdeckungen in der Musik werden.

    Der Bau der einteiligen Duetta mit 90 Litern im unteren Abteil sowie 11Liter für den TMT hat die letzten Tage begonnen und wird sich bis zum Lackieren noch bis März/April hinziehen. Gut Ding´ will Weile haben. Als Selbstbauer muss ich damit ja nicht mein Geld verdienen ;-). Gebaut wird sie in Spanplatte mit etwas MDF und OSB. Die Mindestwandstärke wird 33mm betragen, gerne auch etwas mehr. Im Bodenbereich sind es 80mm. Das Gewicht soll am Ende bei mindestens 50kg liegen. Auf aufwendige Holzverbindungen wird aufgrund des zeitlichen Aufwands verzichtet. Deshalb kommen reichlich Fugenleim, Schrauben, Verstärkungen und Holzdübel zum Einsatz. Um dies auf die Spitze zu treiben wird das Gehäuse in zwei Schalen gebaut. Nachdem die erste Schale aus 16mm Spanplatte entsprechend verstrebt wurde, wird sie von außen rundum noch großzügig verschraubt und verdübelt. Dies ist technisch sicher nicht nötig, macht mir aber ein gutes Gefühl. Und dies ist zumindest bei mir der Hauptgrund warum ich Lautsprecher selber baue. Dann kommt die zweite Schale ohne Schrauben drauf (möchte keinen Spachtel benutzen). Die Kohäsion und Adhäsion des Leims wird genügen. Die äußere Schale bekommt an den Kanten Gehrungsschnitte und wird im letzten Schritt rundum furniert. Die Schallwand aus 18mm MDF und 45Grad Fase wird in einem der letzten Arbeitsschritte vorne aufgesetzt. Das Holz zum Verstreben ist Restholz aus anderen Möbelprojekten, nicht schön aber es erfüllt innen seinen Zweck.
    Erste Klopfproben lassen eine gute Basis für ein gelungenes Lautsprecherprojekt erahnen.
    Weiter geht es die nächsten Wochen.
    Duetta am Anfang

  • #24805

    Carsten_01

    Anbei noch ein paar Details des Gehäusebaus.
    Das Häusle des TMT mit den rückseitigen Verstrebungen:
    TMT
    Die 90Liter des Tieftöners:
    TT
    Der Bassreflextunnel, MDF schwarz foliert und gebügelt damit´s besser hält:
    Bass 1
    Von der Vorderseite mit Überstand, da hier noch die nächste Schale folgt. Diese bekommt eine entsprechende Fräsung damit es bündig wird:
    Bass 2

  • #24846

    Matthias (DA)

    Moin,
    Schweizer Referenz klingt doch nach Piega? Feine Dinger, und noch feiner die Idee, sie durch Duetta zu ersetzen… diese schweizer hatte ich auch schon mal im Visier und auf einmal bei Uso gelandet und schwupp, Piega uninteressant geworden für mich

    Frohen Bau

  • #24878

    Carsten_01

    Hallo Matthias,

    es handelte sich um die RP 200 von ACR. Ende der 80er Anfang 90er gehörte sie noch zu den highfidelen Boxen in einem recht umkämpften Markt.
    Um die Gunst der Käufer im Selbstbau Segment warben ja noch unter anderem Firmen wie Audax, Teufel, Focal, Dynaudio, Kef, Magnat, Visaton, Lowther, Vifa, Heco and so on. Mir gefielen die ACR wahrscheinlich gerade weil sie im Bassbereich gegenüber den Mitten eine deutliche Überhöhung hatten. Zu der Zeit wurde ja auch gerne noch der Bassregler am Verstärker auf „volle Kanne“ gestellt 😉
    Achtziger Jahre halt….möchte sie nicht missen!
    Die RP war mit den japanischen Magnetostaten von Fostex bestückt. Dies galt in dieser Zeit ihrer Zeit weit voraus. Die Bässe mit Bextrene Membran kamen von Eton aus Ulm. Allerdings noch vom Erstbesitzer. Da hat sich seitdem ja auch einiges getan. Ich habe damals ein robustes Gehäuse aus 25mm MDF beigesteuert. Und habe in den Sommerferien 2 Wochen lang Schwalbenschwanzverbindungen auf Passung gefräst. Das war ein Spaß. Immerhin haben sie 25Jahre klaglos gehalten und erfreuen heute immer noch ihren Zweitbesitzer.

    Jetzt darf es mit Duetta aber gerne noch etwas ausgewogener werden. Der Bassregler am Verstärker steht schon mal brav in der Mitte ;-).

    “Alte Referenz” beim Nachlackieren ohne die Chassis:
    Nachlackiert

  • #25543

    Carsten_01

    Die letzten Tage ging es langsam weiter mit dem Bau. Im Vordergrund stehen folgende technischen Forderungen: Stabil, schwer, Kombination verschiedener Materialstärken (nie weniger als 33mm) und Materialien, unterstützt durch Verstrebungen, dabei am Ende auch noch nett anzuschauen. Wände in verschieden große Abschnitte unterteilen, die alle mit verschiedenen Resonanzfrequenzen schwingen. Alles mit niedrigen Toleranzen und entsprechender Sorgfalt zusammen gebaut, max. +/- 1mm. Klar der schnellste Weg zum Hörvergnügen ist das nicht, aber ich habe ja auch keine echte Not ;-).
    Interimslösung:
    Interimslösung

    Damit bin ich die letzten Jahrzehnte immer gut gefahren. Als Selbstbauer kann man ja problemlos immer noch eine Schippe drauf legen solange man die grundsätzlichen physikalischen Gegebenheiten berücksichtigt. Als Beispiel sei hier bei mir die 52mm starke Schallwand genannt. Um dem rückseitig abgestrahlten Schall keinen unnötigen Widerstand entgegen zu setzen sind die Durchgangslöcher im Grundgehäuse im Radius über 32mm größer ausgelegt, als es das Chassis eigentlich erfordern würde. Deshalb täuschen eventuell auch die Proportionen auf den Bildern.
    Durch das zweischalige Gehäuse können nun noch rundum Schrauben gesetzt werden.
    Aktuell ist die erste Schale noch ohne Rückwand, sodass noch einiges von der Technik zu erkennen ist.
    Rückseite
    Vorderseite
    Detail1
    Detail2
    Detail3
    Detail4

    Hat schon mal jemand Erfahrung mit gerollter und dann ich Scheiben geschnittener Wellpappe zur Dämpfung gemacht?
    Wenn man diese Scheiben von außen gegen Lautsprecher hält, scheint es subjektiv ganz gut zu wirken.
    Wellpappe

  • #25548

    Kai

    Hallo Carsten, der von dir getriebene Aufwand ist immens, bin gespannt, ob/wie sich das klanglich niederschlägt. Spannend finde ich deine Ideen zwecks Verwendung ‘exotischer’ Materialien, sowas interessiert mich. Unter meine Basskisten schraube ich z.B. zugeschnittene Stücke einer Waschmaschinen-Gummimatte, das scheint gut zu entkoppeln. Gruß,

    Kai

  • #25549

    Audicz

    Hallo Carsten,
    das ist Selbstbau, man kann wenn man will.
    Da bin ich mal gespannt, falls Du mal z.B. nach Eschborn kommst, ob der Aufwand, neben natürlich dem eigenen Empfinden, den Duetta Bausatz nach vorne bringt.
    Nicht falsch verstehen, ich denke an mein nächstes Projekt und probieren geht über studieren.
    Gruß Dino

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