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Gedanken zum ASR Emitter

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  • Dieses Thema hat 14 Antworten und 6 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 2 Wochen, 2 Tage von Vadder.
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    • #55636
      Vadder
      Verwalter

      Alles Neue machte der Mai…manchmal auch etwas Gebrauchtes.

      Ich habe mich über Jahrzehnte mit den Verstärkern hoch gekämpft.
      Von Yamaha CA-V I über Rotel RA 840 BX-3 und Thorens TTP/TTA 2000 bis zu Destiny Purer 3.8 MK II sowie Vincent SV-237. Die drei erstgenannten wohnen auch noch bei mir.

      Irgendwie spukte mir dann aus alten Tagen (die Frau eines Kollegen betreibt seit den 80zigern einen HiFi-Handel oberster Kajüte) der ASR Emitter im Kopf herum.
      Ein wenig Wissen der Baureihen seit damals angelesen, ein paar antike Testberichte durchgeackert, ein wenig gerechnet, wie viel Kapital von der durch Corona ausgefallenen Motorradtour nach Korsika bereit steht und aus dem Bauch die Entscheidung für den Emitter I HD 1.3 gefällt.

      Der Grund war meine Vorliebe für warmen, leicht röhrenartigen Klang. Das sollten die MOS-Fets vom HD können.

      Wer mehr von der Historie der Emmis und deren Daten wissen will, mag auf der Webseite von ASR Audio nachsehen. Da stehen alle! Emitter-Handbücher seit 1991 zur Einsicht bereit.

      Was soll ich sagen, der Emitter konnte das Erwartete. Die halbe Million kleiner Faräder seiner verschiedenen Siebungsbauteile haben die Duettas derart im Griff…
      Was ich bisher für Raummoden gehalten hatte, erwies sich als mangelnde Basskontrolle vom auch nicht schwachbrüstigen Destiny bzw. Vincent.

      Markus Zeller hat dazu ausführlich gepostet. Also erzähle ich hier nicht viel.

      https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/diy-streamer-inkl-amp-fuer-sb18-und-granduetta/#post-55604

      Nur eine Anmerkung von mir kommt noch dazu. Alle Kandidaten wurden mit Janis Joplins Summertime gequält. Das ist immer mein Test, ob Box und Verstärker auch mit schrägsten Tönen im hohen Bereich klar kommen. Bis auf den Emitter zeigten alle anderen mehr oder weniger große Schwächen von „geht so“ (Thorens) bis „mach aus“ (RasPI).

      – Kleiner Einschub bevor jemand sagt „Wie kann man nur in diesen Zeiten…“: Markus und ich sind Corona-geimpft. –

      Ja, der Emmi hat die Instrumente und Stimmen im Griff, ja, er stellt alle Teilnehmer sauber auf die Bühne, ja, er dröselt auch bei komplexen Klangbildern die Töne sauber auseinander.

      Aber irgendwie spukte da doch noch was im Hinterkopf. Dieses böse „Das geht besser!“

      Also wieder alte Erinnerungen an die früheren Emittererfahrungen aus den Gedächtniskeller gekramt. Dort traf ich dann auf Emitter I HD 1.3 mit Akku und Emitter II HD mit Akku. Den II hatte ich noch nie gehört, kurzer Gedankenaustausch mit Udo. Ergebnis: „Nimm den Emmi I, der passt besser zur Duetta.“

      Kleine technische Aufklärung:
      Das Akkunetzteil versorgt ausschließlich die Eingangstufe mit Strom. Damit der wirklich gleich ist, wird der Ladetrafo beim Betrieb des Emmi abgeschaltet und der Saft aus den Akkus zur Sicherheit durch zusätzliche 400.000 µF Siebkondensatoren gejagt. Sobald der Verstärker im Ruhezustand ist (Standby oder aus), werden die Akkus (übrigens sechs handelsübliche 6-Volt-USV-Akkus, verteilt auf je drei Stück mit 18 Volt / Kanal) geladen. Bei voller Ladung reicht das für ca. 100 Stunden Musik.

      Tätääähhhh, auf die Jagd.

      Viele Kleinanzeigen später kam es zu einem netten Telefonkontakt mit einem sehr sympathischen HiFi-Verrückten. Der hatte aus seiner Sammlung von VIER Emittern einen Emmi I HD 1.3 mit Akku und ASR-Phonokarte abzugeben. Probehören gegen einen Emmi II Exclusive Akku wurde wie selbstverständlich angeboten und gerne angenommen.

      – Nächster Einschub: Auch hier waren beide Beteiligten geimpft. –

      Live war der Verkäufer noch sympathischer als am Telefon. Nach drei Minuten hatten wir uns auf „du“ geeinigt und dann sah ich mehr Hai-End im Haus als jemals in einem Haushalt. Neben den Emmis tummelten sich noch grob geschätzte 500 kg von Krell, Revox und diversen Plattenspielermanufakturen in den Räumen.

      Eigentlich hatte ich nur ein kurzes Probehören als Funktionstest im Sinn. Daraus wurden dann zwei Stunden.

      Der Knaller war meine Love Over Gold von den Dire Straits in 45 rpm Vinyl von MFSL.

      Die ließ beim Hausherrn den Unterkiefer herunterklappen, den Emmi II Exclusive Akku anwerfen und Private Investigations als HiRes-FLAC von seinem NAS abspielen. Sein Kommentar: „Pfui, hört sich das gegen die Platte schlecht an.“
      Stimmt! Aber die Phonokarte ist im Emmi schon ziemlich gut. Um nicht zu sagen um Längen besser als die Kombination aus PhonoBox S2 und Emmi bei mir zu Hause.

      Der Akku-Emmi ging dann für den Gegenwert der ausgefallenen Bretagne-Motorradtour in meinen Besitz über. Nach einer Stunde Smalltalk und gutem Espresso wurde schließlich der Heimweg angetreten.

      Kleines Zwischenfazit: Emitter I HD 1.3 mit Akku trifft meinen Geschmack tatsächlich besser als der Emmi II Exclusive Akku. Der ganz große Brocken hat nicht diese charmante Musikalität des alten kleinen Bruders. Das neuere Modell geht mehr in Richtung Analytik, ist mir aber zu grell in Mitten und Höhen. Eine Sache der individuellen Präferenzen eben. Und Udo lag mal wieder richtig.

      Wieder daheim ging es an den Geräteaustausch. Insgesamt 130 Kilo Hardware (50 raus, 80 rein) wollten bewegt werden. Zudem waren insgesamt neun Meter Zuleitungen zwischen Netzteilen und Verstärker ( 3 raus, 6 rein) im Querschnitt eines LKW-Abschleppseils zu bändigen.

      Klugerweise hatte ich schon ein Rollwägelchen mit zwei Etagen gebaut, das neben mein Rack passt. Damit konnten die neuen Stromversorger bequem neben das Möbel geschoben werden, statt 60 Kilo durch die Bude zu heben.

      Endlich Probehören auf der heimischen Couch. Fairaudio hat irgendwann mal Jacinta mit ihrer Version von Danny Boy über den Emitter geschickt. Damaliges Urteil „…man hört deutlich, ob sie den Kopf beim Singen nach rechts oder links dreht.“ Ergänzung von mir: Mit Akku kann man auch unterscheiden, ob sie durch den rechten oder linken Mundwinkel Luft holt.

      Im Klartext heißt das, der Emmi mit Akku ziseliert die Bühne noch feiner als ohne, macht den einzelnen Darsteller etwas schmaler als der akkulose Gegenpart und platziert die Klangquellen unmissverständlich. Da wandert kein Tönchen grundlos über die Bühne.

      Naja, Patricia Barber hatte dann mit Summertime in der Green Mill ein wenig mehr gegen die Nebengeräusche anzukämpfen.

      Dynamiktest: Fürs Grobe mussten Toad von Cream (Royal Albert Hall 2005) und Rebonds pour percussion solo Part A von Babette Haag herhalten. Die Töne schienen subjektiv noch ein, zwei Hertz tiefer, die Felle der großen Trommeln etliche Quadratzentimeter größer als ohne Akku.
      Platt gesagt wurden die tiefschwarzen Bässe wirklich tiefschwarz und nicht nur dunkelstes Anthrazit.

      Irgendwie kamen auch ein paar gefühlte db mehr aus den 11-Zöllern.
      Wie das geht, da die zusätzlichen Elkos ja nur die Eingangsstufe versorgen, mag jemand anderes erklären. Ich kann‘s nicht.

      Dafür konnte ich deutlich unterscheiden, ob Ginger Baker gerade auf die Stand- oder Hängetoms eindrosch.

      Ok, jetzt Vinyl, die oben erwähnten Dire Straits mit ihren Private Investigations Minute drei bis vier.

      Bisher hörte ich da, welche Saite der gezupften Gitarre wie stark angerissen wurde.

      Nun projiziert der Emmi Bilder in meinen Kopf, die mir suggestieren, ich könne den jeweilig beteiligten Finger sehen, wie er sich auf die Saite senkt, gekrümmt wird und ihr mit einer kurzen Bewegung den Ton entlockt. Beeindruckend!

      @Markus Zeller: Musst du dir bei Gelegenheit unbedingt anhören kommen! Hatten wir bei der letzten Session wegen Zeitablaufs ja ausgespart.

      Für alle anderen Interessierten: Den drei Gs (Geimpfte, Genesene, Getestete) biete ich gerne ein Probehören nach vorheriger Abstimmung via PM im Rahmen der jeweils gültigen Coronaregeln an.

      Noch eine kleine Warnung an alle, die jetzt mit einem ASR liebäugeln.
      Der Brocken ist in der Lage, die Bass- und Mitteltonchassis einer Duetta verzerrungsfrei nach vorne aus den Gehäusen zu schleudern. Hotel California von der Hell Freezes Over in K2HD ist da so ein Teststück. Markus Zeller durfte es andeutungsweise erleben. Zu Gunsten unserer Ohren und der Boxen hielt ich den Lautstärkeregler aber ein gutes Stück vor der endgültigen Eskalation an.

      Viele Grüße vom Vadder

       

    • #55637
      Markus Zeller

      Mensch Vadder … Herzlichen Glückwunsch!!!

      Das Angebot nehme ich gerne an und komme nochmal zu Dir … Deine Musiksammlung hat bestimmt noch weitere lohnenswerte Geheimtipps auf Lager 🙂 … aber erst wenn die Ausgangssperre wieder aufgehoben ist 🙂 …

      Freut mich für Dich .. und was mach ich jetzt mit meinem Neid? .. auf den THORENS sparen 🙂

      Viele Grüße aus der Eifel …

      .. wenn dein Mopped mal ne Bewegungsfahrt braucht: Kaffee hab ich immer im Haus !!

       

    • #55640
      Jo_T5

      Hab mir die Historie von Herrn Schäfer und die stete Evolution seiner Endstufen angesehen… wirklich sehr bemerkenswert!

      Und der Mann baut mit die besten Verstärker die es je gegeben hat ohne jemals – zumindestens aus seinem Werdegang schlussfolgernd – formell an einer Hochschule Elektrotechnik studiert zu haben. Da trifft eine gigantische Passion auf gigantisch viel Talent!

      Vadder, haste paar Fotos der Trümmer für uns?

      Danke und VG, Jo

      • #55648
        Vadder
        Verwalter

        Moin,

        Fotos? Die Kisten sind schon eingebaut. Aber ich habe eben noch ein paar Bilder geschossen.

        Übrigens ist Vadder ein Schussel und hatte gestern noch das System mit der elliptischen Nadel in der Vinylfräse.

        Nach Einbau des Tonabnehmers mit dem Finelineschliff kann ich jetzt auch hören, wann Herr Knopfler sich zuletzt die Fingernägel geschnitten hat. 🙂

        Gruß vom Vadder

         

    • #55643
      Matthias (DA)

      Glückwunsch,  Vadder!

      Viel Freude mit dem Eisenwildschwein 😉

       

      Matthias

      • #55826
        Karl-Heinz Stock

        Sieht schon irgendwie rattenscharf aus, das Teil.

    • #55652
      Jo_T5

      Hier noch ein Interview mit Hrn. Schäfer:

      https://www.youtube.com/watch?v=pav8esF78es

      Sein Papa wollte, dass Herr Schäfer Postbeamter wird!!!

      VG, Jo

    • #55825
      Karl-Heinz Stock

      Moin, Vadder.

      Das erinnert mich an die Hifi-Sturm- und Drangzeit. Der Klangmeister Schäfer, kurz KM, ist aus Herborn, da wo man das RRRR so rrrollt. Sinnspruch “Mir freue sich”. Ganz bei mir um die Ecke, damals.

      So irgendwann Mitte der Achtziger des vorigen Jahrhunderts, ich war noch dunkelblond, Schäfer hatte noch volles Haupthaar, war ich einmal mit zwei Freunden bei ASR, da bauten die noch Lautsprecher und er eine der Freunde hat sich überzeugen lassen müssen, dass seine Kaan-Ton doch nicht sooo gut sind.

      Den Ermitter habe ich bisher nur einmal gehört, an so einem riesigen ACR-Brocken mit Bässen wie Klodeckel. Die Bässe hatte der, als einer der ganz wenigen Verstärker im Griff. War schon beeindruckend. Der Ermitter ist auch noch eines der ganz wenigen Projekte,  das ich noch mal anpacken werde. Mit allem Anderen bin ich durch. Muss dann aber noch bissel Krafttraining machen, um den Brocken ins Haus zu wuchten, Gabelstapler geht nicht durch den Flur.

      Wäre supernett von Dir, wenn ich den mal bei Dir hören könnte.

      Bis dann vielleicht

      KH

      • #55827
        Sparky

        … Dürfen wir im Duett auftreten?

        ich habe das Vergnügen. Menschen zu kennen, deren Monatseinkommen das meine weit übersteigt, aber ansonsten “normal”  sind. Bei mir läuft das unter dem dem Voyeurismus “Muss man mal gehört haben” 🙂

         

        Gruß,
        -Sparky

        • #55830
          Vadder
          Verwalter

          Moin,

          ihr habt jeder eine PM.

          Gruß vom Vadder (weder normal noch mit hohem Einkommen gesegnet) 🙂

        • #55831
          Matthias (DA)

          Aber gesegnet mit ernstzunehmenden akustischen und flüssigkulinarischen Präferenzen 😉

           

          Lieben Gruß und Slainte!

        • #55833
          Vadder
          Verwalter

          flüssigkulinarischen Präferenzen

          Du meinst doch nicht etwa meine Sammlung von Bier mit Destillationshintergrund?

          🙂

        • #55834
          Matthias (DA)

          Neee, die sind ja als volljährige eingereist.

          Geht doch nix über nen ordentlichen Schotten mit Visum

          🥃🥃

    • #56145
      Jo_T5

      Und… wie war Eure Session???

      • #56146
        Vadder
        Verwalter

        Keine Ahnung…steht noch aus…

        Gruß vom Vadder

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