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Messsysteme für den Hobby-Lautsprecherbauer

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    Beiträge
    • #7997
      Michael

      Einen schönen guten Morgen,

      es gibt ja noch so viele Fragen rund den Lautsprecherbau. Eine will ich heute mal in die Runde stellen.

      Benutzen einige von euch Messsysteme für Lautsprecher im Hobbybereich? So preislich im Rahmen der ATB PC Pro? Oder machen solche Systeme keinen Sinn? Wenn JA, welche nutzt ihr?

      Ich möchte noch viel lernen zum Thema Lautsprecherbau, anpassen von Weichen für eigene Bedürfnisse, und so weiter.

      Bin schon auf die Antworten gespannt.

      Gruß Michael

    • #7999
      Udo Wohlgemuth
      Verwalter

      Hallo Michael,
      eigentlich bin ich recht froh, dass in diesem Forum noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Anderswo wimmelt es von Leuten, die einen Computer haben, sich ein fast kostenloses Messsystem draufspielen und schon Lautsprecher bauen können.

      Zum einen brauchst du die Software (REW, Arta, …), dann ein Mikrophon mit Vorverstärker, einen klirrarmen Messverstärker und einen Raum, in dem du unter immer gleichen Bedingungen messen kannst. Die Kosten dafür liegen um die 300 Euro, wenn es halbwegs vernünftig werden soll.

      Meist werden dann die “nackten” Chassis in der Box gemessen und die Ergebnisse in ein Simulationsprogramm gegeben, um nicht Berge von Weichenbauteilen bereit halten zu müssen. Dumm nur, dass die anschließenden Messungen mit den passend gekauften Bauteilen nicht allzu viel mit der Simulation zu tun haben und schon wieder 50 bis 100 Euro verbraten sind.

      Also legen wir mit reinem Messen los und kaufen uns doch die nötige Kollektion Bauteile, die besonders bei den Spulen (drei unterschiedliche Drahtstärken, zwei unterschiedliche Kerngrößen) richtig ins Geld geht. Nun, macht ja nichts, ist halt so beim Hobby.

      Fertig gemessen, tolle Linie bekommen. Aufgebaut, angeschlossen und … klingt nicht. Wie kann das sein? Sieht doch auf dem Bildschirm so gut aus! Naja, die Linie entsteht durch das Zusammenspiel der Chassis, sagt aber nicht über eine sinnvolle Trennung und Phasenbeziehung aus.

      Da sind wir beim wichtigsten Punkt, der Erfahrung. Also ein Buch gekauft (Joseph D’Appolito, 40 Euro) und gelesen. Ah, jetzt versteh ich es! Das Ganze ist komplex und es gibt kein Kochbuch, das zum perfekten Lautsprecher führt.

      Bist du erst einmal so weit gekommen, kannst du beginnen, Lautsprecher selbst zu entwickeln, die nicht nur elektrische Anregungen in Töne verwandeln. Leider haben nicht viele Menschen das nötig Durchhaltevermögen und so ist die Anzahl der kompetenten Lautsprecher-Entwickler gering.

      Gruß Udo

      • #8001
        Michael

        Hallo Udo,

        nein es geht mir nicht um das Entwickeln von Lautsprechern. Da gibt es einen sehr erfahrenen netten Kerl in Bochum, ich glaube du kennst ihn sogar recht gut. Der hat das Feeling und die die Erfahrung. Bei dem kaufe ich auch immer meine Bausätze. 😉

        Es geht mir darum mal mehr in die Theorie ein zusteigen, mein Verständnis für diese tolle Technik zu erweitern, mehr zu verstehen was der Entwickler da mit seinen tollen Diagrammen einen sagen will und wie er dahin gekommen ist. Mal zu sehen was messe ich bei mir Zuhause. Wie verändert sich welche Kurve durch Aufstellsituationen, oder besser was kommt wirklich am Hörplatz an. Einfach mal nicht nur nach dem eigenen Gehör zuarbeiten, obwohl das ja aus ausschlaggebend ist.

        Finde dieses Thema einfach nur interessant. Hätte ich gewusst das du bis heute froh warst das noch keiner diese Frage gestellt hat, ich hätte sie mir verkniffen. 😉

        Aber so sind wir Menschenkinder nun mal. Neugierig, neugierig, neugierig, ….

        Schönen Sonntag allen
        Michael

        • #8002
          Udo Wohlgemuth
          Verwalter

          Hallo Michael,
          um zu verstehen, was die Diagramme aussagen, musst du leider zuerst den oben beschriebenen Weg gehen. Ansonsten sind es nur Linien auf dem Bildschirm. Und ganz im Ernst: Sie sagen nichts darüber aus, was das Gehirn daraus macht. Wie können sonst zwei Menschen, die gemeinsam vor den selben Boxen sitzen, zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen? Und noch als Letztes: Hören ist ein sehr komplexer, biologischer Vorgang, kein technischer.

          Gruß Udo

    • #8000
      Justus (CE)

      Hallo Michael,

      nachdem man sich durch die Theorie gearbeitet hat, ist vielleicht dann dieses Equipment für den Anfang ganz hilfreich:

      STIC Akustikananlyser All-In-One Lösung

      Gruß
      Justus

    • #8004
      max

      Hallo Michael,

      Die ersten Schritte in die von dir gewünschte Richtung kannst du sicherlich mit einem “normalen” Messmikrofon und Freeware machen. Das UMIK-1 beispielsweise kannst du direkt per USB an deinen PC hängen und du sparst dir ein vergleichsweise teures Mikrofoninterface.
      Mit Programmen wie REW oder Arta und einem Mikrofon wie dem Umik lassen sich diese Themen sicherlich behandeln: “Mal zu sehen was messe ich bei mir Zuhause. Wie verändert sich welche Kurve durch Aufstellsituationen, oder besser was kommt wirklich am Hörplatz an.

      Wirklich selbst entwickeln können wohl nur die allerwenigsten. ICH würde, wenn überhaupt, wohl auf ein Aktivsystem setzen wenn ich in dem Bereich spielen will – mit den inzwischen recht brauchbaren Digitalamp-Platinen lassen sich vergleichsweise günstig 4-(oder 6-)Kanalverstärker bauen, die man dann über ne Aktivweiche (kleiner miniDSP oder was aus dem PA Bereich) ansteuern könnte. Das kostet vermutlich auch nicht viel mehr als eine Sammlung an Weichenbauteilen und lässt sich – und das wäre für mich der entscheidende Grund – bei ausbleibendem Erfolg auch noch anderweitig einsetzen oder ohne allzugroßen Wertverlust weiterverkaufen.

      Gruß Max

    • #8008
      Matthias (DA)

      Moin,
      Ich hab mal nen Anlauf mit Arta und nem kalibierten Messmicro gewagt. Kam nix ordentliches bei raus, mehr als 3 Tage wollte ich aber auch nicht investieren… als nächstes gehts dann nämlich los mir soundkarte etc.
      Matthias

    • #8028
      Monti

      Tach,

      also ich kann den Ansatz mit eigenem Messe-Equipment nachvollziehen. Mir ginge es darum, meinem Raum auf die Schliche zu kommen und herauszufinden, wie ich den Klang weiter optimieren kann. Nur eine der vielen Möglichkeiten dabei sind Anpassungen an der Weiche.

      Dazu gehört aber, wie schon oben erwähnt, die bunten Linien auch zu verstehen, richtig zu deuten und die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Darum hab ich kein Messmikro…

      Aber vielleicht packt es mich ja doch mal.

      Ciao
      Chris

    • #8029
      schuelzken

      Hallo Michael,

      mir sagte mal ein Lautsprecher-Entwickler, “wer viel misst, misst Mist”
      Oder, “simulieren tun nur Simulanten”.

      Sicher gibt es viele Möglichkeiten sich Hobbymäßig damit zu beschäftigen, nur zu welchem Sinn und Zweck? Frequenzgangbegradiger gibt es ja genug. Hör dir mal so einen LS an. Du hast den Eindruck, ja es ist fast alles da, aber nix passt zusammen. Da werden Chassis-Charakristika völlig aus acht gelassen.
      Dafür ist das Thema viel zu komplex. PsychoAkustik berücksichtigen nicht vergessen.

      Das einzige was ich nutze ist ein analoges Schallpegelmessgerät, um bei Mehrkanal eine bessere Orientierung zu haben die sich nicht nur auf den Hörplatz beschränkt.

      Für mich macht es viel mehr Sinn sich mit Aufstellung und Abstimmung der LS zu beschäftigen. Der Raummodenrechner von Sengspielaudio ist da eine gute Hilfe. Gerade weil, ab ca. 200Hz nach unten macht der Raum die Musik. Auch mit Vor- und Parallelwiderstand zu spielen finde ich interessant.

      Gruß schuelzken

    • #8038
      Michael

      Hallo zusammen,

      danke für die vielen Antworten, Meinungen und Ratschlägen. War alles wiedermal sehr lehrreich. Ich wünschte ich hätte hier ein paar Gleichgesinnte mit denen man sich zum Hobby bei einer Flasche Bier mal schön gedanklich austauschen kann.

      Fazit: Hier ist Erfahrung plus das goldene Händchen und das goldene Ohr alles. 😉

      Gruß Michael

      PS: Und von dem gesparten Geld für ein Messsystem kann man sich Z.B.: die Mona 2.1 bauen, oder ein paar CD´s gönnen.

    • #8044
      Rundmacher

      Hallo zusammen,

      gemessen hatte ich auch bei meinem zweiten Projekt, damals, in einer anderen Welt. Die erste Box hatte -und hat!- einen wohltuenden Klang, kein Rumpeln, klar bis in die Höhen die aber nie die heutigen kHze erreichen konnten. War es doch das Erstlingswerk eines technikbegeisterten jungen Menschen, gebaut während der Zeit der Olympischen Spiele in München.
      Es war ein Kochrezept, die Chassis waren ebenso definiert wie das Boxendesign und die Frequenzweiche. Alles exakte Angaben, welche Drahtstärke, Wickellänge, Durchmesser der Wicklung und natürlich die Windungszahl. Die Beschaffung der Materialien dauerte Monate, damals, in der DDR. Belohnt wurde es mit einer stimmigen Box.

      Acht Jahre später war die Technikbegeisterung immer noch vorhanden, der junge Mensch mittlerweile im Elektronikstudium und an FH war Messtechnik vorhanden. Jetzt kann ich aber loslegen, so die Gedanken. Es musste eine 3-Wege-Box werden, die erste Kalotte war im Handel. Eine 30 l Kompaktbox aufgebaut, den Tieftöner (mit Gummisicke!), zwei Mitteltöner und die Kalotte eingebaut, alle Kabel nach draußen gelegt und die Weichen angeschlossen. Da waren hier und da Musterweichen angegeben, verschiedene Steilheiten, verschiedene Trennfrequenzen. Tongenerator, Verstärker, Mikrofon+Verstärker und Oszillograph als Messinstrument. Unzählige Tabellen mit den ermitttelten Frequenz/Amplituden Wertepaaren per Hand aufgeschrieben, auf Logarithmenpapier die Kurven gezeichnet. Dutzende, wenn nicht ein paar Hundert Widerstände und Kondensatoren zusammengelötet, ausprobiert, geändert. Ich meine das hat viele Wochen plus die halben Semesterferien gedauert bis ich zufrieden war. Es war ein recht linearer Frequenzgang, sehr schön.

      Nur der Klang der fertigen Boxen war nicht ganz so schön. Ehrlich gesagt er war fürchterlich. Blass, verwaschen, zischelnde Höhen. Ich hatte dann resigniert.
      Die Boxen gibt es immer noch, ich habe die beiden statt den Originalsatelliten der Mona 2.1 abgehört. Sie klingen auch da fürchterlich, die kleinen Satelliten sind vergleichsweise wie aus einer anderen Welt.

      Gut, die heutige Messtechnik ist auch aus einer anderen Welt, ich würde mich heute trotz der immer noch vorhandenen Technikbegeisterung nicht mehr darin versuchen. Der Zeit und Materialaufwand ist immer noch immens.

      Dann lieber erprobte Boxen bauen, genau.

      Es grüßt freundlich
      Rundmacher

    • #8048
      Rincewind

      Hallo!

      Das Eine ist eine technisch sauber aufgebaute Lautsprecherbox zu entwickeln, das Andere ist eine gut klingendene Lautsprecherbox zu entwickeln. Auch wenn viele Messfetischisten der Meinung sind, den Klang eines Lautsprechers kann man messen, strafft unsere psychoakustische Wahrnehmung diese Meinung mit Missachtung.

      Einen kleinen Experimentierkasten zur psychoakustischen Wahrnehmung kann man an der Uni Wuppertal abrufen.

      Viel Spaß beim experimentieren!

      Grüße
      Rincewind

    • #8049
      schuelzken

      Danke für den Link.
      Auf solchen Tests folgt meist Ernüchterung.

      Gruß schuelzken

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