SB 18 von Matthias

Ohne Hörprobe baute ich im Frühjahr 2010 die Kera 360.2 in der Gewissheit damit nichts falsch machen zu können. Schon vor Jahren sollte es eine ER4 Box werden, dann kam der günstigere 26HD1 und Udos Artikel “Aufbruch in neue Welten” zur Kera 360.2 verfolgte mich 2 Jahre lang. Dabei ignorierte ich die neu hinzugekommenen Chassis von SB Acoustics und Udos Bauvorschläge.

Hier ein paar Eindrücke davon:

Ich konnte jedoch nicht meine Erstlingswerke mit fernöstlichen Breitbändern aus dem Nebenraum ignorieren, die mich immer wieder aus dem Sog des etonschen Klangs herausrissen. Da mußte eine Lösung her. Es sollte die SB18 als Standbox werden. Sie waren ja nicht für mich, dachte ich. Auf zu Udo, die Günstigen probehören. Er konnte mir lediglich die SB15 vorspielen, versicherte mir aber der Klangcharakter sei sehr vergleichbar. Ersteindruck: Hmm, ok, ganz schön zurückhaltend, trotzdem bauen!

Um das Volumen der SB18 beizubehalten, gab mir Udo den Bauplan für die “Triangel” mit. Das Furnier, Tineo für die Schallwände und Tulip Wood für die restlichen Flächen, lag schon bereit. In einer freien Woche fuhr ich zum Baumarkt, kaufte das Holz und fand glücklicherweise am gleichen Tag nach überschaubarer Telefonierzeit einen Schreiner, der die Bretter mit 30° Fasen versah. Bewaffnet mit Ponal Classic und 8 Fahrradspanngurten, erworben im Viererpack für 3€, zogen sich die Bretter ganz von selbst in Form. Am nächsten Morgen verklebte ich Deckel und Boden, ließ sie antrocknen und legte mit dem Bündigfräser die Schallwände frei. Weil Deckel und Boden auf der Rückseite der Boxen noch rechteckig waren, hatte ich eine gerade Auflagefläche und konnte die Front gemütlich mit dem Bügeleisen furnieren, die Kanten brechen und mit der Oberfräse die Ausschnitte machen. Anscheinend zu gemütlich! Nachdem der Ausschnitt für den Tiefmitteltöner fertig war, stellte sich heraus, dass ich vergessen hatte den Radius des Hochtöners einzurechnen. Frust? Nein, der Hochtöner wollte nur von 93cm auf 88,5cm Höhe rutschen. Udo sagt: “Bau sie wie du willst.” In meinem Fall: “Bau sie, wie ‘sie’ es wollen.”

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Eine Nacht darüber geschlafen und weiter ging es. Deckel und Boden durchgehend bündig gefräst und die schweißtreibende Arbeit erledigt, das 1mm Tulip Wood auf der Schräge aufzubügeln und zu schleifen. Und das nicht nur für 3 Seiten, sondern praktisch für 6 Seiten pro Box. Die Fasen wollten einzeln furniert werden.  80er, 120er und 240er Schliff und 3 Schichten Hartöl taten in den Folgetagen ihr Übriges zur Fertigstellung der Behausungen.

Leider sollte ich noch 4 Wochen auf die Bauteile warten und vergnügte mich mit x-maligem Nachmessen des Tiefmitteltönerausschnitts, der irgendwo zwischen 171 und 172 Millimetern Durchmesser lag. Laut Herstellerangaben hat das Chassis einen Durchmesser von 171+/-0.4mm. Als ich den TMT dann endlich in der Hand hielt und ihn in der Schallwand restlos versinken sah, fiel mir ein Stein vom Herzen. Da war und ist aber auch kein Millimeter Spiel mehr, top! Die Bauteile parallel und seriell verlötet auf ein Stück Holz zu bringen, war ein Kinderspiel und die Boxen boten oben noch genug Platz für die Weiche.

Anders sah das schon beim Einbau der Polklemmen aus, die optisch besser passten als ein seitlich verbautes Terminal.Durch die Bassreflexöffnung des HP50 passt keine Erwachsenenhand, also lötete ich das Kabel an dieSB18_Matthias_4 Polklemmen, zog es von außen in die Box, warf die Mutter darüber und hielt sie durch die Bassreflexöffnung mit einer Kombination aus Rohrzange und Maulschlüssel fest, während ich die Polklemme auf der Außenseite durch die Öse mit einem Schraubenzieher als Hebel festdrehte. Zuguterletzt bekamen die Gehäuse noch jeweils 3 Gummifüße zur Entkopplung spendiert.

Das von mir voreilig getroffene Urteil, die SB Acoustics seien zu zurückhaltend, hat sich mittlerweile in Wohlgefallen aufgelöst. Ich war einen so unaufdringlichen Klangcharakter nicht gewöhnt. Die Kera 360.2 spielen einnehmender und filigraner. Über 3 Monate füttere ich die SB18 nun mit unterschiedlichem Musikmaterial und stelle Vergleiche zur Kera an. Ja, die SB Acoustics sind nicht ganz so verfärbungsfrei, doch die Frage nach richtig oder falsch stellt sich mir dabei nicht und es stört keinesfalls. Wichtiger ist, die Chassis klingen wie eine Einheit. Bei jeder Lautstärke bleibt das Klangbild gleich, nichts wird vorlaut, nichts kommt hinzu oder wird weggenommen bzw. verdeckt.  Der Tiefmitteltöner geht erstaunlich tief ohne bei gleichzeitiger Wiedergabe höherer Frequenzen zu schwächeln. Auch die räumliche Abbildung läßt nichts vermissen. Stimmen ertönen glasklar auf Höhe der Boxen mit hörbaren Atmungsgeräuschen. Dahinter, nicht so herausgemeißelt wie bei der Kera, aber ohne zu verwischen, stehen Instrumente gut ortbar und losgelöst im Raum. Alles in allem sind die SB18 sehr gesellige Spielkameraden, die es dem Hörer überlassen, ob er ernsthaft zuhören oder sich lieber angenehm berieseln lassen möchte. Zum Abschluss noch ein paar Bilder der fertigen Boxen:

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Mein Dank an Udo für diesen abermals spitzenmäßigen Bauvorschlag, den ich nur weiterempfehlen kann.

Matthias

 

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