SB 18 remastered

Als wir im Dezember 2008 unseren ersten Bausatz mit den heute wohlbekannten SB-Acoustics-Treibern vorstellten, wussten wir nicht, welche Erfolgsstory wir damit lostreten würden. Kurze Zeit vorher hatten ein paar Abtrünnige den dänischen Traditionsmarken Vifa, Peerless,Scan Speak den Rücken gekehrt und einen eigenen Verein aufgemacht, der im weit entfernten Indonesien in Hamlets Heimat konzipierte, hochwertige Bassmitteltöner und Hochtöner zum Consumer-Preis fertigen ließ.

Das allein war Grund genug, es mit den asiatischen Schallwandlern zu versuchen, als man uns bat, die Marke in Deutschland zu vertreten. Es gab sogar zwei sehr interessante, fertig konzipierte Anleitungen zum Gehäuse- und Weichenbau, die wir für unsere SB 18 nur geringfügig anpassen mussten. Groß war die Akzeptanz der Kundschaft und laut die Jubelrufe nach Vollendung des Aufbaus, viele positive Leserberichte bezeugen das eindrücklich. Schnell legten wir daher mit weiteren Bauvorschlägen nach, deren Aufbau  mangels weiterer SB-Plänen auf unserem selbsterdachten Mist gedeien musste. Wie es nun einmal bei alten Handwerkern der Fall ist, hatten wir uns im Lauf der Zeit an unsere eigene Art gewöhnt, Schaltungen zu entwerfen, in die sich auch die ferngereisten Chassis gern einpassten. Das ging solange gut, wie wir ausschließlich in Stereo dachten.

Ein gut beleumundetes Produkt ohne jede Not abzuändern, ist ein recht ungewöhnlicher Vorgang, doch manchmal ist er trotzdem unvermeidbar. Natürlich hätten wir uns auch weiterhin bequem zurücklehnen und am großartigen Erfolg der SB 18 erfreuen dürfen. Gerade erst ist eine große Lieferung bei uns eingetroffen und noch hatte niemand ernsthaft nach einer Anpassung der Weiche gefragt, immerhin waren alle Seiten mit dem Bausatz sehr zufrieden. Und doch war es höchste Zeit, ein Update der Schaltung vorzunehmen, denn mit SB 36 und SB 240 stehen zwei potentielle Mitstreiter für ein stimmiges Heimkino bereit, deren Weichen-Topologie trotz gleicher Chassis deutlich vom ersten SB-Bauvorschlag abweicht. Das wurde in vielen Mails und Telefonaten deutlich, die sich rund um das Thema Heimkino drehten. Angedeutet hat sich die Weichenmodifizierung bereits, als wurdie SB 240 vorstellten, deren Weichenkonzept nicht dem SBAcoustics-Rezept folgte, sondern die Aufbauten der SB 36, SB 15 und der Wallstreets zum Vorbild nahm. Ziel der Entwicklung musste aber zugleich sein, nichts von den Zweikanal-Qualitäten der SB 18 aufzugeben, nur um sie als Rückenbeschaller bei Filmen einzusetzen, auch wenn es nicht darum ging, mit anderen Mitteln einen identischen Frequenzgang zu erzeugen. Eingedenk der guten Erfahrungen mit den Chassis und dem angestrebten Weichenkonzept machte ich mich guten Mutes daran, dem alten Pferd ein neues Zaumzeug anzulegen.

Mein erster Weg führte in meinen gut gefüllten Keller, wo ich noch ein passendes Gehäusepaar für die SB 18 vermutete. Doch trotz meiner Sammelleidenschaft war es wohl schon anderweitig auf der Strecke geblieben, sprich völlig gegen meine Gewohnheit in zersägten Einzelteilen auf der Mülldeponie gelandet. Doch ganz umsonst war meine Suche dennoch nicht, ein bisher nur verklebtes Häuschen in richtiger Größe befand sich noch in meiner untererdigen Asservaten-Kammer. Flugs die Löcher gefräst, Kabel an Chassis und Biwiring-Terminal gelötet und alles in die Kiste geschraubt – der Vorgang dauerte grobe 20 Minuten. Zunächst tastete ich mich vorsichtig an das Endergebnis heran, indem ich den originalen Weichenaufbau nachstellte und so die mit Clio gemessene Messlatte für die Neuerungen vorgab. Schnell wurde aus dem ursprünglichen 18 dB-Filter für den SB 17 NRXC 35-8 , solo gemessen in der Box (grün) ein Netzwerk 2. Ordnung (rot) , das nur auf die zweite Spule verzichtete. Ein kleiner Kondensator, der die erste Spule brückte, wurde zusätzlich nötig, um das Plateau zwischen 4 und 8 kHz zu plätten (blau).

Ähnlich ging ich an den Hochtonzweig (SB 26 STC-C 000-4 in Box = grün) heran, dem ich ebenfalls das überzählige, zweite Kondensatorgespann mittels Kabelbrücke wegoperierte, dabei die beiden Widerstände zur Pegelregelung an ihren Einsatzorten beließ. Zwar war die Kurve nicht ganz verkehrt, doch sie lag in der Scala zu weit oben, auch unterhalb von 2 kHz war noch nicht genug Wirkung sichtbar (rot). Hier half ein Spannungsteiler, der so gewählt wurde, dass den Weichebauteilen eine Gesamtimpedanz des vierohmigen Hochtöners von etwa 8 Ohm vorgegaukelt wurde. Das senkte den Pegel auf die vom Bass vorgegebenen knapp 86 dB und erhielt den ersten Kondensator sowie die Parallelspule für den Hochtonzweig. Insgesamt waren nur zwei Widerstände, ein Kondensatorpack, eine Spule aus der Weiche zu entfernen, eine ganz kleine Kapazität und zwei neue Moxe in die Schaltung einzufügen. Das macht auch den Umbau für SB 18-Besitzer sehr einfach und preiswert möglich. Über die Zweige und ihre tadellose Addition berichtet das Summen-/ Zweig-Diagramm, das die Trennfrequenz um 1,8 kHz ausmacht, kein Problem beiunter 700 Hz fres des Hochtöners. Eine Impedanzkorrektur habe ich auch noch ausgemessen, damit alle Röhrenfreunde weiterhin ihre Lieblinge an die SB 18 anschließen können.

Um den SB-Chassis ein neues Zuhause zu geben, musste ich zum Glück keine neue Zeichnung anfertigen, die alte passt auch für die Update-Weiche. Der Vollständigkeit halber füge ich zwei der drei Ansichten hier ein.

Die Messdiagramme der “neuen” SB 18 will ich nicht schuldig bleiben, sie gehören nun einmal zur vollständigen Boxenvorstellung dazu.

Nichts eingebüßt hat die “neue” SB 18 von ihrer Homogenität, die zwischen Bass und Hochtöner keinen Platz für eine Bruchstelle lässt. Der leicht ansteigende Frequenzgang der alten Weiche wurde durch die neue Schaltung beseitigt, die Mitten leicht zurückgenommen. Diese kleinen Änderungen der tonalen Wiedergabe entsprechen den Vorgaben der anderen Spielpartner im Heimkino-Betrieb. Nicht darunter gelitten hat die Stereo-Musik, die Bühne rückt etwas weiter nach hinten, Details werden etwas weniger ohrgängig präsentiert, doch die wesentlichen Vorzüge der SB 18, die dank ihrer großartiger Feinauflösung und Dynamikfähigkeit mühelos den Sprung in die Bluesklasse schaffte, sind davon nicht berührt. So kann ich den Bausatz weiterhin guten Gewissens SB 18 nennen, eine Box mit anderen Qualitäten ist durch die notwendige Weichenmodifikation nicht entstanden. Verschwunden sind nun aber die kleinen Verschiebungen, die durch die Eigenheiten der beiden unterschiedlichen Topologien im Zusammenspiel entstanden. Gewonnen wurde dagegen eine Vielzahl von möglichen Kombinationen für ein perfektes Heimkino.

Udo Wohlgemuth

 

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