Kinderleicht: SB 12 ACL

Als verantwortungsvoller Vater nehme ich die Erziehung des eigenen Nachwuchses sehr ernst, besonders wenn es um die richtige Wahrnehmung des Klanges geht. So hat mein Nachwuchs mit 9 Jahren die Bedeutung der korrekten Wiedergabe von Tönen schnell verinnerlicht. In dieser Zeit hörte er mit großer Begeisterung die klassischen Orgelwerke von Bach, Mozart, Hans-André Stamm oder Léon Boellmann, um nur einige zu nennen. Nach dem Besuch von ein paar Orgel-Konzerten entstand bei Ihm sehr schnell der Wunsch den CD-Blaster im Kinderzimmer durch etwas Höherwertiges zu ersetzen.

Auf einem Flohmarkt im April 2011 war es dann soweit. Dank dem natürlichen Verhandlungsgeschick eines Neunjährigen hat er für sagenhafte 30 Euro eine komplette Stereo-Anlage (Tuner, CD-Player, Verstärker und Boxen aus dem Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts) eines nicht unbekannten japanischen Herstellers erworben.

Leider war auch mit dieser Anlage schnell Schluss mit der klassischen Musik. Das bisschen Pagan-Folk einer freien holländischen Band wurde gerne und oft gehört. Bis er diese Band live erlebt hat….Danach kamen die Fragen nach besseren Boxen immer öfter auf.

Da musste ein uralter, pädagogischer Kniff helfen: Ja neue Boxen wird’s geben, aber als Bausatz, um die Wertschätzung der Arbeit zu erlernen.  Naja, darunter konnte der Nachwuchs sich nichts vorstellen. Also habe ich den jungen Musikfreund mit auf die Reise nach Bochum in die Höhl… ähm Hallen des Klangmeisters mitgenommen.

Der weise Meister hatte zu meinem Leidwesen keine vorführbereiten Boxen aus der Quickly- oder FirstTime-Klasse. Denn diese sind, angesichts des Alters und des Taschengeldbudgets  des Jünglings   die prädestinierten, Kinderzimmer tauglichen Schallwandler. Um den Horizont des jungen Schüler des Klanges zu erweitern, wurden zwei frisch zusammengezimmerte, schmale Säulen an den Verstärker angeschlossen und der junge Musikfreund konnte einer Live-Aufnahme seiner Pagan-Folk-Band lauschen. Ein großartiges Aha-Erlebnis stellte sich bei den älteren Anwesenden nicht ein. Dafür ist die Qualität der Live-Aufnahme eher in den suboptimalen Bereich einzuordnen. Ein CD Wechsel folgte. Eine Silberscheibe der japanischen Taiko Gruppe „Yamato“ war nun die Quelle der erzeugten Schallwellen. Der junge Musikfreund lauschte nun gebannt den Vibrationen der 2 Meter Trommel , während ich erfolglos nach den Subwoofer suchte. Während mein Nachwuchs glücklich auf dem Kultsofa den Klängen lauschte, begann ich die notwendigen Geburtstage und Weihnachten zusammen zu zählen, die für diesen Bausatz wohl notwendig wären.

Die große Überraschung wurde vom Meister mit dem Preis präsentiert: 250 Euro für zwei Kanäle und damit Treibt-Er-Sich-Selbst-In-Den-Ruin. Nun es waren zwar 50 Euro mehr als von mir als Obergrenze festgesetzt, aber der andächtige Blick des Nachwuchses und der Klang aus einer wesentlich höheren Preisklasse, waren Argumente, deren ich mich nicht verschließen konnte.

Auf der Rückfahrt folgte nun eine Diskussion, unter welchen Umständen die Klangsäulen den Weg in das Kinderzimmer finden könnten. Letztendlich kam auch hier ein pädagogisch wertvoller Handel zustande: Der Bausatz stellt die Krone des Möglichen zur Weihnachten dar, wenn die schulischen Leistungen in den Hauptfächern sehr gut ausfallen.

Die Weihnachtszeit nahte, der Nachwuchs hat seinen Teil der Abmachung bis dato ausgezeichnet erfüllt, also wurde der Bauplan gezeichnet und der Bausatz bestellt. Eine Kleinigkeit fehlte jedoch: Das Material für die Gehäuse. Dieses besorgte der Weihnachts-Opa und stellte es unter den Tannenbaum in Form von zugeschnitten Möbelplatten (Spannplatte mit Limba-Furnier). Weiter gab es:  vergoldete Bananenstecker und 10 Meter 2x4mm2 Kupferkabel mit imposanter Optik. Nach Weihnachten war es dann soweit: das Vater-Sohn-Projekt hat begonnen.



Schritt 1: Chassis-Versenkung Fräsen

Dieser Schritt wurde von 3 Generationen der Familie bewältigt: Der Opa am Staubsauger, der Vater an der Oberfräse und mit Bleistift und Lineal hantierte der Sohn.  Die erfolgreiche Arbeitsteilung hat  nach zwei Arbeits-Nachmittagen in unbeheizten Raum die Fräs-Arbeiten erledigt. Bei zukünftigen Projekten werde ich darauf achten, dass bei solch geringen Abständen der Chassis-Versenkungen zum Rand, die Box vor dem Fräsen zusammengebaut ist. Es fehlte nicht viel und die Schallwand wäre an den dünnen Stellen gebrochen.

Schritt 2: Kanten Furnieren

Klare Aufgabenteilung auch hier: Der Vater erledigt die einfachen Arbeiten wie Furnierbahnen zuschneiden und kleben. Der Nachwuchs hantiert mit der Sägefeile. Kostet etwas Zeit, geht überraschend gut.

Schritt 3: Dübeln

Da die Holzplatte wohl etwas länger beim Holzwurm lag, hatte sich diese ein wenig verbogen. Da ein Bündigfräser hier nicht zu Einsatz kommen konnte, musste sehr genau gearbeitet werden. Da ich immer noch nicht gelernt habe, senkrechte Löcher zu Bohren, war die von Udo vorgestellte Dübelhilfe aus dem Baumarkt eine riesen Erleichterung. Die vielen Löcher wurden an zwei Samstagen bewältigt. Junior kann jetzt mit Akku-Bohrer und der Dübelhilfe umgehen.

Schritt 4: Kleben

Diesen Schritt habe ich alleine ausgeführt, da dem Nachwuchs die bisherigen Holzarbeiten zu viel wurden.  Hier ein Tipp für den Umgang mit austretenden Fugenleim: Kurz warten und mit einem scharfen Messer einfach abschneiden. Hinterlässt weniger Spuren als das Verwischen des Leims mit einem feuchten Schwammtuch.

Egal wie viele Schraubklemmen vorhanden sind, es wird stets eine Passende fehlen.

Für das nächste Projekt sei nur angemerkt, dass eine furnierte Spanplatte auf Gehrung zugeschnitten werden sollte.

Schritt 5: Schleifen und OSMO auftragen

Diese zeitraubende Tätigkeit wurde bei trockenem Wetter auf dem Balkon durchgeführt. Der Nachwuchs hat diesmal die Möhre vor den Augen gesehen (Boxen bald im Zimmer) und hat fleißig mit dem Schleifpapier gearbeitet. Auch wenn’s kalt war.

Das anschließende Pinsel- , Lappen- und Schleifpapier-Spiel (400er zum Schluss) war nur noch eine Formsache.

Schritt 6: Weiche

Der Schritt wurde vom den jungen Musikfreund fast alleine ausgeführt. Das Bauteil-Puzzle wurde ohne mich gelöst, lediglich bei den Farbcodes auf den Widerständen wurde Google befragt. Alles andere hat der junge Freund des Klanges  fast ohne Hilfe ausgeführt.  Meine Rolle beschränkte sich auf das gelegentliche Festhalten der Bauteile oder die Kontrolle der Lötstellen.

Schritt 7: Zusammenbau

Hier ist nur noch festzuhalten: Wenn die Möhre quasi an der Nase anstößt, lassen sich Flüchtigkeitsfehler nur über die Erfahrung und innere Gelassenheit des fortschreitenden Alters aufhalten.

Schritt 8: Hörprobe

Nachfolgend seien die Worte des jungen Freundes der Musik nach einer Einspielzeit wiedergegeben:

„Die Boxen sind sehr praktisch, wenn meine Mutter schlafen will. Die meisten Boxen müssen laut sein für einen guten Bass (wie meine alten), die neuen nicht. Den alten Lautsprechern fehlten die hohen Töne. Das Schöne ist, die neuen erreichen (für mich) die Hohen und tiefen Töne perfekt und besser als meine Kopfhörer von Creative Aurvana Live. Die neuen Lautsprecher spielen sehr warm.

Besonders schön ist es, dass einige Lieder wie auf dem Konzert klingen (Omnia und Feuerschwanz).  Bei dem Lied „Morrigan“ von Omnia: Es beginnt mit leisen Harfen-Tönen, gefolgt von einem Dijiridoo und Gesang. Dann setzt das Schlagzeug ein. Die Töne kommen aus den neuen Lautsprechern deutlich klarer.

Die Orgellieder klingen auf den neuen Lautsprechern wie in der Kirche. Besonders bei Toccata und Fuge D-Moll von Johann Sebastian Bach.“

Der junge Musikfreund ist nun musikalisch auf der richtigen Seite angekommen und kann sich von nun an als Padawan des Klanges bezeichnen.

Rincewind und Sohn

 

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