Duetta und Doppel 7 von Chris

Ich baue nun seit mehr als 34 Jahren Lautsprecher selbst. Und weil man von diesem Virus richtig infiziert werden kann, besitzen viele meiner Freunde, Verwandten und Bekannte selbst gebaute Lautsprecher. Der Name Udo Wohlgemuth ist in der Szene wohl bekannt und als sich Udo vom Redakteursleben bei der Zeitschrift Klang&Ton verabschiedete und im Internet auftauchte, war er auch bei mir auf dem Schirm gelandet.

Die Duetta – damals noch in einer Zeitschrift vorgestellt – geisterte seit Langem in meinem Kopf herum. Aber erst, als ich wieder über neue Projekte nachdachte, entdeckte ich, dass Udo keine 30km weit weg sein legendäres „Hörstudio“ hat.

Also bin ich vor ca. 3 Jahren ins Studio. Ok, der erste Eindruck täuscht, wenn man ein Designer-Hörstudio erwartet, aber erstmals auf der Couch Platz genommen, taucht man in die pure Musik ein. Trotz der eindringlichen Warnung: „Willst du wirklich die Duetta hören?“ konnte ich nicht nein sagen. Das war es dann für mich. Nerven mich sonst schnell Frauenstimmen in hohen Tonlagen, war nun alles anders. Ich nahm dann die SB18 für einen Freund mit und legte fortan Geld für die Duetta beiseite.

Im Februar 2013 war es soweit, das Geld hatte ich zusammen, aber eine Knie-OP zwang mich in die selbigen. Zum Glück war Freund Bert zur Stelle, der als Hausmann und Hi-Fi-Enthusiast viel Zeit für mich übrig hatte! Udo fräste mir die Teile und ich begab mich auf einen langen Weg. Einiges passte nicht, weil ich meine Designvorstellungen änderte und Bert musste bei minus 13 Grad im Freien schleifen und fräsen, bis alles blank war. Ich hatte mir das Apfel-Design ausgewählt und hatte sogar einen 22er Fräser bekommen.

Ein mächtiges HT-Rohr setzte ich von innen in die Box, die Frequenzweichen separierte ich in die Bass- und MT/HT-Abteilung und die Austrittsöffnungen bekamen noch eine Rundfräsung. Bei den Frequenzweichen überlegte ich mir ein System, indem ich die Bauteile auf ein Brettchen setzte und gleichzeitig das Brettchen auf der anderen Seite mit Schraubanschlüssen versah. Von außen kann man die komplette Frequenzweiche an- und abschrauben.

Dann folgte meine Hassdisziplin: das Lackieren. Ich habe keine Möglichkeit mit einer Spritzpistole zu arbeiten. Also musste wieder einmal die ungeliebte Rolle an die Arbeit gehen. Nach zwei Wochen Rollen-Schleifen-Rollen-…… war ich halbwegs zufrieden und konnte endlich die Duettas im i-Design bestücken. Hier ist mir einmal ein Missgeschick passiert und von hinten beim Löten Lötzinn auf die Membran getropft. Seitdem lege ich immer ein Stück Alufolie unter die zu lötenden Anschlüsse und alles ist gut.

Nachdem alles passte und die Gehäuse mächtig im Raum standen, durfte Bert die i-Du´s nun einspielen. Ok, dass der Hörraum im Dachgeschoss liegt, war nicht gerade gut für unsere Rückenmuskulatur, aber man kann die Gehäuse immerhin in mehreren Teilen nach oben schaffen. Auf seiner Symphonic-Line Anlage (so lange kann ich nicht mehr sparen) legte die Duetta gleich los, als gäbe es keine Grenzen mehr. Tatsächlich war mir der Hochtöner anfangs leicht rau und scharf. Ich wusste aber, dass sich dieser Effekt ändern würde, also blieb ich entspannt und lauschte fasziniert der Musik. Nach einer halben Stunde war der Hochton schon angenehmer und wir legten die ganze Musikpallette auf. Von …….. über Keb´, Mo Cassandra Wilson, Grace Jones (DUB-Version) bis Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung und Tschaikowski. Ein wirrer Musikmix, aber wo ich früher den Pegel gesenkt oder das Lied abgebrochen hätte, hörten wir nun fasziniert zu. Die Höhen, die Mitten und der abgrundtiefe Bass spielen bruchlos zusammen und reißen einen förmlich in die Musik. Ich war völlig begeistert.

Teil 2, meine Kollegin

Meine Kollegin ist Musiklehrerin und irgendwann bekam sie mit, dass ich Lautsprecher baue. Mit „du Christoph, meine Infini-tisi Lautsprecher sind seit 6(!) Jahren zerbröselt“. Ich konnte es nicht glauben. Wie kann man zweimal im Monat in ein klassisches Konzert gehen, in einem Madrigalchor (mit ihrem Mann) singen und dann seit 6 Jahren keine Lautsprecher mehr haben!! Ich schwärmte ihr dann von meinen LS vor und zeigte „Handybilder“. Die Form gefiel ihr, aber wie Frauen so sind: „Gehen die auch schlanker“? Das kennen wir ja alle und so klickte ein imaginärer Mauszeiger schon die Doppel7 an. Im Zuge einer Totalrenovierung ihres Wohnzimmers drängte ich meine Kollegin dann, wenigsten schon einmal ausreichend Kabel hinter die Holzleisten zu legen. Nun waren sie soweit, wir machten einen Hörtermin bei mir aus und die beiden kamen gut gelaunt mit einem Stapel CDs. Ich hatte einen Laptop mit unkomprimierter Musik vorbereitet, ein Sofa stand auch da 😉 und jede Menge Getränke. Ich fing mit Vivaldi an und die beiden saßen auf dem Sofa und konnten den Mund nicht mehr schließen. Thomas schüttelte ab und an den Kopf und sagte boahhhh. Nun kamen ihre Klassik CDs dran. Wieder saßen die beiden da und konnten nicht glauben, was sie hörten. Ich mache es kurz, sie waren begeistert und wollten auch so ein Klangerlebnis in ihrem Wohnzimmer. Auf dem Laptop zeigte ich ihnen die D7 Versionen auf Udos Seite und wir gingen an die Finanzplanung.

Ich hatte wirklich keine Lust mehr auf Sägen, Fräsen, Schleifen und Lackieren. Die Lösung: Onlineschreiner Thomaier, ein örtlicher Lackierer und die Frequenzweiche – naja, ich. Diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen, im Gegenteil. Thomaier schickte ein bombig verpacktes Paket. Er hatte meine Zeichnung super umgesetzt und gleich Rundungen, Schattenfugen, Anschlussfeld und Bassreflexrohr mit ein gefräst.

Da fehlt noch was? Klar! Wir sind natürlich auch zum Laden gefahren. Man muss ja seine Chassis selbst abholen. Es kam wie es immer kommt, mindestens 3 Stunden Sofazeit, angeregte Gespräche und glückselige Heimfahrt.

Die Gehäuse (Innenteil auf Gehrung) waren innerhalb von 20 Minuten verleimt. Bert und ich schauten uns an und wussten gar nicht, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten. Genauso schnell waren die Seitenteile aufgeleimt. Das war ich gar nicht gewohnt, Lautsprecherbau in Rekordzeit! Nun musste ich noch einen Lackierer suchen. Der Lackierer, der mir die „Bifrost“ vor 5 Jahren lackiert hatte, war wieder bereit, Farbe auf die Gehäuse zu bringen. Er nannte seinen Preis und ich hätte ihn küssen können. Dafür werde ich nie wieder eine Rolle anfassen! Das Lackierergebnis war noch besser. Ein Traum in Weiß, die Rundungen und Schattenfugen, alles Super!

Ich lud alles in meinen Kombi und düste zu meiner Kollegin. Die hatte ihren Konzerttermin extra abgesagt und stand schon mit ihrem Mann auf der Eingangsstufe, um die „Schätzchen“ in Empfang zu nehmen. Beide streichelten erst einmal die Gehäuse und waren schon sehr ergriffen. Aber das Beste kommt – wie oft – zum Schluss: Die Heirat, die Chassis werden eingesetzt und mit viel Wolle und Kabelgewirr (für Außenstehende eine verwirrende Aktion) verbunden.

Jetzt war es soweit. Anschlussbereit und fertig für die Hörprobe, standen die LS jetzt wie Skulpturen an ihrem Platz. Nach 3,5 Stunden Einbauzeit war ich nun sehr nervös. Hatte ich alle Teile an die richtigen Stellen gelötet, war die Frequenzweiche fehlerfrei? – JA -! Nun saßen die beiden, diesmal auf ihrem Sofa, und hörten ihrer Musik zu. Wieder Kopfschütteln, wieder Äußerungen, wie schöööön und „das hätte ich nie, niemals gedacht“. Meine Anspannung war nun auch gewichen und ich hörte den CDs zu. So klingt also die Doppel7 – auch nicht schlecht –

Am nächsten Mittag erhielt ich eine Mail:“Wir hören schon den ganzen Morgen Musik und sind noch im Schlafanzug, vielen Dank…..“

Musikerlebnis meiner Kollegin und ihres Mannes: Früher habe ich bei schwierigen Stücken das Lied ausgemacht, nun sitzen wir da und genießen gerade diese Stellen! Das hätten wir uns niemals träumen lassen, dass man im Selbstbau derartig großartige Ergebnisse erzielen kann.

Mein Vergleich Duetta und D7:

In den Höhen und Mitten sind beide natürlich absolut gleichwertig. Der ER4 löst so unglaublich fein auf, dass es einem den Atem verschlägt. Der Vorteil für mich: er ist nie aggressiv oder nervt. Der Bass ist dann doch unterschiedlich. Die D7 ist wirklich unglaublich knackig und antrittsschnell. Als ich die ersten Töne hörte, war ich wirklich beeindruckt. Im 40qm-Wohnzimmer hat nichts gefehlt! Die Duetta legt im Bass aber noch eine ordentliche Schüppe drauf. Ich habe auch das TV über die LS angeschlossen und kann Filme auch richtig spüren. Da kommt erst gar nicht die Frage nach einem Subwoofer auf. Bei Grace Jones DUB-Version ist ein fast abartig tiefer Basslauf drauf, der alles erzittern lässt. Dabei wummert der Bass nie, sondert bleibt – selbst in richtig lauten Lagen – kontrolliert.

Fazit:

Alle sind glücklich, und die Selbstbaugemeinde hat zwei verirrte Schafe vor Industrielautsprechern gerettet!

Euer Christoph

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