Rundmachers aktive Duetta

Die Duetta gehört zur akustischen Oberklasse im Produktportfolio von ADW. Diese Oberklasse, auch Bluesklasse genannt, ist nur ein Teil einer gut durchdachten Familie von hochwertigen Lautsprecherboxen. Erst kürzlich wurde gerade diese Duetta von ihrem Entwickler wieder einmal als Langzeitchampion bestätigt, ihr Status als Queen of the Blues ist souverän.

Einen Vergleich bemühend ist es einleuchtend, dass bei einem selbst erwählten Mehrgänge-Menü im Sternerestaurant nach dem Genuss der Vorspeisen das Beste angeboten wird, das Hauptgericht. Da geht man nicht einfach nach Hause und schlägt es aus.  Der PC Arbeitsplatz, der Partykeller oder der Heimkinoraum sind akustisch versorgt, jetzt folgt das Hauptgericht, die Duetta.

Warum baut man überhaupt?
Viele Autoren berichten an dieser Stelle zuweilen über ihren eigenen, akustischen Selbstbau-Werdegang, die Anstrengungen, Erlebnisse und Erfahrungen, welche sie erlebt haben, werden genannt. Gern lese ich dort mit, eigene längst vergangene Aktivitäten passieren Revue.

Ich darf meinen kleinen persönlichen Rückblick vortragen auch im Hinblick auf die Schlussbemerkungen am Ende des Berichtes. Aufgewachsen in der DDR mit ihren realen Gegebenheiten hatte man kaum eine Chance, in audiophile Höhen aufzusteigen. Die akustische Ausgangssituation dort war denkbar schlecht, fast hoffnungslos. Die tatsächlich vorhandene Mangelwirtschaft schnürte die talentierten Entwickler in ein eng sitzendes Korsett, erst im späten Analogzeitalter wurden technisch hausbackene Geräte produziert welche zu Spottpreisen in den großen Versandkatalogen im alten Bundesgebiet angeboten wurden.

Ein Jahr nach den Olympischen Spielen in München hat der Bub die erste Lautsprecherbox gebaut, und was für eine! Grundlage war der erste, in der DDR hergestellte Bassmitteltöner mit einer Gummisicke, er hieß L2901 und hatte sagenhafte 15 VA Leistungsangabe, damals ‚State oft the Art‘. Zum heutigen Vergleich kostete er 20 Stundenlöhne eines Industriearbeiters, da war wochenlange Ferienarbeit für einen Schüler angesagt. Es gab eine Baubeschreibung für die Box in Zweiwege-Bauweise, der zugehörige Hochtöner mit geschlossenem Metallkorb war handelsüblich. Nicht handelsüblich waren die Frequenzweichenbauteile, aber einen ungepolten Elektrolyt-Kondensator kann man durch gegensinnige Reihenschaltung zweier normaler Elkos doppelter Kapazität herstellen. Eine Luftspule mit gesuchter Induktivität kann man wickeln. Hat man einen Kondensator bekannter Kapazität und der Physiklehrer besitzt einen Oszillografen plus Tongenerator, bekommt man auch die gewünschte Induktivität trotz mangelndem Induktivitäts-Messgeräte ausgemessen.

Die Zuspieler, auch da war Eigeninitiative angesagt.
Die raren Schallplatten stellten ein eigenes Zahlungsmittel dar und wenn Silvester auf UKW der Hitcontainer auf hr3 rund rund um die Uhr lief saßen im rauschfreien Empfangsbereich sehr viele Menschen mit ihren Kassettenrecordern oder, wer hatte, mit Tonbandmaschinen – und legten sich eine kleine persönliche Musiksammlung an, der mitgeschnittene UKW-Empfang war von heutigen Qualitätsansprüchen natürlich weit entfernt.

Ich hatte mir als Student eine Bandmaschine tschechischer Produktion geleistet, das war ‚State oft the Art‘ mit getrennten Aufnahme-/ Wiedergabeköpfen! Mit dem Kaufpreis in Höhe von zwei Monatslöhnen nicht gerade günstig, aber ich war im östlichen Hi-Fi-Himmel angelangt. Ich konnte Schallplatten in hoher Qualität überspielen und immer wieder anhören. Auf Magnetbändern mit der Standardlänge von 540 m konnte durch die Vierspurtechnik 190 min Musik (bei 9,5 cm/s) zum Preis von acht Stundenlöhnen gespeichert werden…

Mit dem vereinigten deutschen Vaterland sollten alle Mängel und Probleme verschwunden sein. Die übermächtige Marktwirtschaft mit ihren Superprodukten sorgte für die Einstellung des Boxenbaus und die Bandmaschine zog um auf den Dachboden. Ein anderer, sehr interessanter Lebensabschnitt begann. Trotzdem, irgendetwas stimmte nicht.

Der einige Jahre später getätigte Kauf einer nicht gerade preiswerten Centerbox eines weltweit bekannten Herstellers ernüchterte. Selbst meine bereits 18 Jahre alte Erstlingsbox deklassierte ihn, ich war desillusioniert. So war es wie immer die Neugier, welche nach einigen weiteren Jahren WWW-Seiten mit dem Suchbegriff ´Wohlgemuth´ auf den Schirm brachten. Im schließlich eigenen Forum wird offen von Sachen wie ‚Bühne loslösen‘ geschrieben, von ‚Transparenz‘ oder ‚Durchsichtigkeit‘. Und es wird davon geschrieben, dass es zwei verschiedene Dinge sind, das Hören von Stereomusik oder das Hören von Filmsound im X.X Format.

Der Selbstbauvirus, jahrelang unterdrückt, brach wieder aus, da kann man nichts machen, außer ihn in richtige Bahnen lenken, was einen Besuch in unserer Partnerstadt Bochum bedeutete. Auf dem legendären Sofa sitzend, änderte sich alles. Jetzt konnte man verstehen, dass diese Forumsdiskussionen aus dem täglichen Leben stammen, es sind keine Phantastereien, kein Voodoo.

Was folgte, waren die Vorspeisen, die Mona mit ihrem Subwoofer, sie beeindruckt noch immer Gäste bei mir. Der Einstieg in die Bluesklasse über die Chorus 71 als Musterprojekt,

einige Mini ACL’s für den Bekanntenkreis, die U_Do 2 für das Klavier-Musikzimmer und ein endlich sauber klingender Duetta Center.

Schließlich noch die L 41 ACL für den Schwager, welche als Blueswolf im Schafspelz für deutliches Aufsehen sorgte und sorgt.

Die Vorspeisen waren vertilgt, es ist an der Zeit für den Hauptgang. Es gab keinen Grund, die Duetta nicht zu bauen.

Der Bau selber
Die Bestellung des Bausatzes verschob sich um ein paar Wochen, geschuldet dem Insiderwissen vom Jahresende-Event, dort in höflicher Art und Weise vom Entwickler als Vorhersage in den Raum gestellt. „Wir werden aktiv“ war das Statement. Aktiv, das leuchtete mir ein. Die Frequenzweiche entfällt, jedes Lautsprecher-Chassis wird direkt an einen einzelnen, nur für ihn zuständigen Verstärker angeschlossen. Das Frequenzband wird vor diesen Verstärkern aufgesplittet, ein Signalprozessor kümmert sich darum. Was damit noch so alles möglich sein wird, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Einige positive Überraschungen sollten noch auf mich warten.

Das Boxendesign war von Anfang an durch den bereits vorhandenen Center gesetzt, der Korpus aus Buche MPX mit 20 mm Wandstärke, eingesetzt die Front- und Rückplatte aus schwarz durchgefärbten MDF mit ebenso 20 mm Stärke. So habe ich bereits mehrfach gebaut und damit einen funktionierenden Workflow. Sollten trotzdem unvorhergesehene Eventualitäten auftreten, es ist genug Reserveholz vorrätig. Die Werkstatt war vorbereitet, der deutsche Holzkaltleim ersetzte endlich den amerikanischen und die professionellen Kreissägeblätter waren vom Nachschärfen zurück.

Die Bauphase erstreckte sich über neun teils sehr heiße Sommerwochen. Die spanabhebenden Arbeitsschritte erfolgten grundsätzlich im Freien und, wie in südlichen Ländern üblich, war von 11.00 bis 16.00 Siesta. Ich bearbeite schwarz durchgefärbtes MDF nicht mehr in geschlossenen Räumen, Absaugung hin oder her, niemals mehr.

Ein paar Tage nach der Bausatzbestellung kam das recht große Paket mit den Duetta-Teilen unbeschädigt und vollzählig an. Ich baue sie zweiteilig, die kleineren TOP´s stehen auf den Bassgehäusen.

Im Bassgehäuse ist der erste Kanal des dort verbauten Aktivmoduls unmittelbar mit dem Elf-Zöller verbunden, der zweite und dritte Kanal sind an ein Biamping Terminal (vier Kontakte) im Bassgehäuse angeschlossen. Extern gehen von dort vier Litzen hoch zum TOP-Gehäuse und sind am dortigen Biamping Terminal angeschlossen, welches intern direkt mit dem Sieben-Zöller und ER4 verdrahtet ist.

Im Bassgehäuse ist die luftdichte, innen eingeklebte Kammer für das Aktivmodul nicht eingezeichnet. Im Hypex Handbuch sind die Ausschnittmaße mit B x H 336 mm x 96 mm und einer Tiefe von 55 mm angegeben, welche auf 80 mm vergrößert wurde, um etwas mehr Verlegeraum für die Kabelsätze zu erhalten. Die Positionierung der Ausschnitte für das Aktivmodul und Terminal wurden auf den vorgesägten Rückwänden experimentell bestimmt.

Meine Sommer-Freiluftbaustelle: Die vom Holzgroßhandel Kofferraum gerecht geschnittenen MPX- und MDF-Platten werden mit der Handkreissäge und Führungsschiene auf ein leichter händelbares Tischkreissägenformat zugeschnitten. Bereits damit sind Maßhaltigkeiten von unter einem Millimeter erreichbar. Die großen Platten sind auf Opferbalken fixiert, dort kann man nach Herzenslust kreuz und quer sägen, nach dem Schnitt bleibt alles fixiert, nichts fällt herunter oder reißt Ecken ab.

Der bereits erwähnte Workflow ist dadurch charakterisiert, dass ich alle Platten zunächst auf ihr Endmaß plus ein, zwei Zentimeter Aufmaß zurecht säge, große Platten mit der Handkreissäge plus Führungsschiene und kleinere mit der Tischkreissäge.

Jetzt schalte ich um in den Genauigkeitsmodus. Die größte Präzision ist bei der Front- sowie der Rückwand nötig. Sie sind die Referenzplatten, direkt eingesetzt zwischen die Boden-, Decken- und Seitenplatten. Die Breiten von Front- und Rückwand sowie Deckel und Boden müssen exakt gleich sein, wobei das Wort „gleich“ ausschlaggebend ist. Mit der Tischkreissäge werden mit einer Einstellung des Parallelanschlages diese Platten immer auf die gleiche Breite gesägt. Ob das absolute Maß jetzt ein paar Zehntelmillimeter mehr oder weniger abweicht, ist ohne jede Bedeutung. Es folgt der Zuschnitt von der Front- und Rückwand wieder auf exakt gleiche Längen und vor allen Dingen rechtem Winkel! Damit sind die kritischen Schnitte abgeschlossen.

Die Längen von Boden und Deckel sowie die Maße der Seitenwände wähle ich um 2…3 mm größer als auf der Zeichnung. Bei den Bassgehäusen beträgt dieses Aufmaß bei je einem Seitenteil sogar 5 mm, dazu dann mehr. Das Kleben der Gehäuse konnte beginnen, die vergleichsweise kleinen TOP´s stellten keine Herausforderung dar.

In bewährter Manier die Chassis eingelegt und die Befestigungsbohrungen angezeichnet, ich bohre mit 2,3 mm vor. In der ER4 Kammer ist an der Rückwand die Moosgummiplatte angeklebt. Zwei Löcher durchgebohrt, wie bei meinem Center zwei Litzen durchgezogen. Die wurden zuvor abisoliert, die dünnen Kupferlitzen bekamen einen Knoten, damit sie nicht nach innen rutschen können, und alles vorverzinnt. Beide Lötstützpunkte bekamen ihre + und – Markierung, die ER4 Anschluss Litzen wurden angelötet.

Die Bassgehäuse waren an der Reihe. Schwer, unhandlich, ich bin in der Liga der großen Jungs angekommen. Angezeichnet sind die Ausschnitte für das Aktivmodul sowie das Biamping Terminal.

Meine kleine, grüne Stichsäge hatte bereits beschlossen, dass sie diesen Tag mit einer übelriechenden Rauchwolke beenden wollte, ein letztes Foto. Die Stichsäge ist tot, es lebe die Stichsäge, jetzt in Blau.

Ja, ja, ich weiß, die Ausschnitte mit der Stichsäge hätten gereicht, was die Genauigkeit der Schnittkanten anbelangt, das Aktivmodul sowie das Terminal überdecken diese komfortabel. Nur dann hätte ich nicht diesen wunderschönen Fräsrahmen für die Oberfräse präsentieren können, der Fräser hatte mit dem etwa 2 mm breiten Aufmaß welches die Stichsäge gelassen hatte leichtes Spiel. Wer genau hinschaut, sieht die kleinen Innenwinkel in den 15 mm dicken Aluprofilen, mit welchen diese fixiert werden.

Das verklebte, dünne Tesaband erleichtert nicht nur das sichtbare Anreißen, es schützt auch die MDF Oberfläche vor möglichen Kratzbeschädigungen der Werkzeuge.

Der Fräszirkel für die runden Ausschnitte, ein Probeschnitt am Abfallbrettchen ist Pflicht.

Ein kleiner Exkurs in die Rubrik „Werkzeuge, die ich liebe“: Meine Pica Markierer, im Grunde nichts Besonderes. Es sind deutsche Produkte, perfekt. Unten mit der gelben Schutzhülle ist der Tieflochmarkierer, eine etwas über 2mm starke Filzspitze, gespeist von einem Tintentank, ermöglicht tiefe Markierungen aber viel wichtiger für mich ist der Markierer mit der grünen Hülle. Zwei dieser grünen Exemplare sind in meinem Bestand, für verschiedene Härtegrade sind die Minen austauschbar. In einem sind farbige Wachsminen eingesetzt, hier in Weiß was eine erstklassige Markierung auf dem schwarzen MDF gewährleistet.

Schon ist die Kammer für das Aktivmodul an die Rückwand geklebt.

Bereits gebohrt sind die Löcher für die drei Kabeldurchführungen der Bass-/ Mitteltöner, Hochtöner und für die IR-Platine an der Frontplatte. Sie sind jetzt suboptimal.  Ursprünglich sollte das Aktivmodul im großen Bassgehäuse möglichst tief sitzen damit das Biamping-Terminal an der Rückwand oben sitzt, so sind die externen Kabellängen zum TOP-Modul minimal. Aber das Monstrum von Bassreflexrohr wird zu einer Störkontur. Es ragt mit seiner Länge von 40 cm (!) soweit in das Gehäuse hinein, dass es mit dem Kammergehäuse vom Aktivmodul kollidiert wäre. Da das verlängerte BR100 aus verständlichen Gründen nicht anders platziert werden kann, muss ich die vorgefertigte Rückwand um 180° drehen, was problemlos möglich ist. Das Terminal sitzt somit unten, dass BR100 kollidiert nicht mit ihm und das Aktivmodul ist jetzt etwas weiter oben positioniert. Darauf weichen die bereits gebohrten Kabeldurchführungen um ein paar Zentimeter von den ursprünglich modulseitig nahe liegenden Positionen ab.

Wieder ein Detail, die links unten befindliche Schraubzwinge, sie ist auf ´Spreizen´ umgebaut. Ich bin bei den Bassgehäusen, die Platten sind größer. Die vergleichsweise große Platte hatte sich leicht nach Außen gewölbt, sie musste nach Innen gepresst werden.

Ein paar kleine Löcher in der Frontplatte des Bassgehäuses.

Die Auflösung: Das von Innen montierte IR Empfänger-Modul.

Die Innenverstrebungen.

Das letzte Seitenteil war mit 5 mm Aufmaß gesägt und damit steht es überall garantiert über, Ziel erreicht. Selbst wenn ich alle Bretter auf ein paar Zehntelmillimeter genau gesägt und geklebt hätte – mit viel Sorgfalt ist so etwas möglich – bin ich mir sehr sicher, dass ich dieses Seitenteil noch einmal angefertigt hätte. Mindestens zwei Millimeter größer, wahrscheinlich drei. Das ist mir bei einem anderen Projekt passiert, der Korpus hatte zwar seine vorgegebenen Maße, aber die Form wies außen ein leichtes Parallelogramm auf. Damit stand die Seitenplatte an zwei diagonal gegenüber liegenden Ecken etwas über, das andere Eckenpaar fiel nach innen. Dort wäre es nur noch möglich gewesen, Boden/ Rückwand bzw. Deckel/ Frontwand großflächig abzuschleifen, ein Unding.

Die MPX Platten sind von der Qualitätsstufe B/BB, welche als Standardqualität allgegenwärtig angepriesen wird. Wer möchte, kann in Wiki und Co. über diese Lieferqualität recherchieren, ich bin wie viele hier kein Holzprofi. Wenn man dann auf die Fehlstellen schaut, welche einem nach dem Sägeschnitt an der Brettkante entgegen strahlen und sich in den zusammengepressten Furnierschichten über die gesamte Plattenlänge durchziehen, weiß man zunächst auch nicht weiter. Ja, es gibt Platten in einer höheren Qualitätsstufe, dafür aber auch in ganz anderen Preisregionen.

Es bleibt die Retusche und mit ein wenig Übung gelingt das perfekt. Aus den Sägeabfällen lassen sich recht leicht die einzelnen Furnierplatten mit dem Stechbeitel oder der Cutterklinge vereinzeln, auf das erforderliche (leichte Auf-)Maß gekürzt, gesägt, geschabt oder geschliffen ist es dann ein Leichtes, diese mit einem Klecks Holzkaltleim in die Fehlstellen einzutreiben. Wer es richtig schick machen will, achtet darauf, dass die Farbtöne übereinstimmen. Sobald der Leim ausgetrocknet ist, mit der Cutterklinge oder dem scharfen Stechbeitel abgestochen, der Bündigfräser zaubert schließlich eine durchgehende Sichtkante.

Das Aktivmodul
Das Verbindungskabel von der unter dem Basschassis montierten Empfängerplatine ist im Aktivmodul an seine zugeordnete Buchse gesteckt. Die kleine Empfänger-Platine an der Frontplatte dient nur als Träger für die IR Empfänger-Diode, welche die von der Fernbedienung ausgesendeten Steuerbefehle dem Modul zuführt, und für die kleine Zweifarb-LED, welche den Betriebszustand signalisiert.

Kanal 1 und 2, der Basskanal und der Mitteltonkanal, sie sitzen gemeinsam auf einem Stecker mit 1,5 mm² Litzen. Im Hintergrund die Hosenträgerkabel des Moduls, sie verbinden u.a. die Niederfrequenzsignale von der Vorstufeneinheit zu den Leistungsmodulen.

Kanal 3, der Hochtonkanal zum ER4. Links die Vorstufeneinheit.

Die Kabeldurchführungen von der Aktivmodulkammer hinein in das große Bassgehäuse sind mit Heißkleber beidseitig abgedichtet.

Bilder vom Bündigfräsen sowie dem Schattenfugen fräsen sind nicht entstanden, alles ist reibungslos vonstatten gegangen. Na ja, reibungslos. Also mein grüner Schwingschleifer hat eine nie vermutete Sympathie mit der dahin geflossenen, grünen Stichsäge an den Tag gelegt und ist ihr unter Entwicklung einer gleichartigen Qualmwolke in den Werkzeughimmel gefolgt. Solch ein Desaster muss dem Finanzminister unbedingt zeitnah geruchsmäßig präsentiert werden, der sofortige Ersatz durch einen blauen Nachfolger (Excenter-Upgrade) ist damit genehmigt.

Geschliffen wurde zu Beginn mit 120er Körnung, die MDF Platten vorsichtig mit 180er Körnung. Im Vergleich zu Buche ist MDF weich, das Schleifpapier greift es zügig an, es frisst sich förmlich hinein. Front- und Rückplatte wurden nur noch händisch mit dem Schleifklotz in Längsrichtung geschliffen. Die MPX Platten dann tiefgründig entstaubt und mit einem nassen Lappen angefeuchtet. Nach dem Trocknen nochmals in Längsrichtung mit 400er Körnung.

Geölt mit Fußboden-Hartöl farblos. Das feuert gut an, die Maserung ist dezent sichtbar, so wollte ich es haben. So blieben sie erst einmal stehen zum Einspielen, hier in der Werkstatt, fern vom endgültigen Stellplatz. Damit ersparte ich mir überflüssige Transportwege, als nach 48 Stunden beide Aktivmodule wieder ausgebaut wurden.

Was war passiert?
Nichts war passiert, eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bei der zu diesem Zeitpunkt erfolgten Übersetzung der drei Hypex PDF´s aus dem Englischen ins Deutsche (erhältlich bei ADW oder per PM bei mir), war vom Korrekturlesen noch eine Passage in Erinnerung, dass die Kabel von den Kanalausgängen möglichst kurzgehalten und darüber hinaus jedes Kanalpaar verdrillt werden soll. Wenn ein Hersteller solche Empfehlungen ausspricht, sollte man sich daran halten. Bei mir sind die Kabelsätze recht lang und wenn man sich das Ganze beim Einsetzen der Module anschaut, so liegen die nicht abgeschirmten Hosenträgerkabel welche die NF-Signale zu den Endstufen leiten frei in der Luft, bar jedweder Abschirmung, das gibt ein chaotisches Nebeneinander mit meinen Kanal-Power-Ausgangsleitungen zu den Chassis. Ich gehe auf Nummer sicher, beide Module ausgebaut, da ist alles gesteckt, kein Problem. Die Kabelstränge sind bereits mit Heißkleber fixiert, also die Litzen von Kanal 1+2 aus den kleinen weißen Steckverbindern herausgelöst und paarweise verdrillt, Kanal 3 geht sowieso.

Um die ganze Sache wasserdicht zu machen (German Level), erhielt jedes Kabelpaar noch eine geflochtene, geerdete Abschirmung.

Die Schirmgeflechte sind mit je einer gelben Litze mit der Erdungsschraube des Moduls verbunden. Selbstverständlich wurden die Schirmgeflechte mit Schrumpfschlauch elektrisch isoliert, damit kann beim Zusammenbau keine unerwünscht leitende Verbindung mit irgendwelchen Komponenten auf dem Modul entstehen.

Die Einspielphase in der Werkstatt. Die Mona sowie der Netzwerkplayer mit der max2play Software dürfen eine wohlverdiente Pause einlegen.

Kaum sind die geölten Gehäuse halbwegs trocken, ist die externe Verkabelung zwischen beiden Gehäusen fertig und das Notebook für die Aktivmodul-Konfiguration angestöpselt. Normalerweise bekommen bei den bisher gebauten, passiven Lautsprecherboxen die eingesetzten Chassis den ihnen zugewiesenen Frequenzanteil separiert über diskrete, direkt vor den Chassis verschaltete voluminöse RLC-Bauelemente der Frequenzweichen zugespielt. Solche passiven Boxen werden vom Endverstärker (evtl. plus Vorverstärker oder auch als Vollverstärker) angesteuert, die Elektronik ist zuständig für Eingangswahl und Lautstärke- Einstellung. Das ist schon ewig so, das funktioniert, so etwas kennt man. Jetzt sind drei Endstufen plus vorgeschalteter Frequenzseparation und Eingangssignalverarbeitung in der Box eingebaut.

Im Preset 1 spiele ich per Toslink vom Raumfeld-Connector digital in die rechte Box. Sie ist als Master konfiguriert, die Eingangsquelle ist somit optisch. Per 75 Ohm Koaxkabel geht es von der S/PDIF Out-Buchse der rechten Master Box zur S/PDIF In-Buchse der linken Box, welche als Slave konfiguriert ist. Beide Module kommunizieren jetzt miteinander. Das rechte Modul gibt den rechten Kanal wieder und der linke Kanal wird vom linken (Slave) Modul verarbeitet. Der IR Empfänger des Slave Moduls wird von ihm gesperrt, der Master erfüllt auch hier seine wortwörtliche Aufgabe. Mit der Fernbedienung und nur damit kann ich die Lautstärke einstellen (die Lautstärke-Einstellung des Raumfeld Connectors ist beim digitalen Ausgang unwirksam) oder auf „Mute“ schalten.

First-Sound
Den ersten Titel im Raumfeld Connector mittels ANDROID-APP angewählt und sehr, sehr leise war etwas zu vernehmen. Logisch, die Startlautstärke an beiden Modulen war auf – 47 dB eingestellt, das ist nun einmal sehr, sehr leise. Per IR-Fernbedienung die Lautstärke schrittweise erhöht, ab – 20 dB ist man im Bereich der Zimmerlautstärke. Sollte per USB Kabel ein PC angeschlossen sein, was bei der Inbetriebnahme fast eine Pflicht ist, sind alle Parameter über ihn jederzeit editierbar und beobachtbar.

Mein mir bekanntes Teststück kam recht flach daher, die Höhen in aufdringlicher Präsenz, nicht unangenehm, aber trotzdem überdeutlich. Das ganze Gegenteil war bei den Bässen zu vernehmen, um es kurz zu nennen: Bässe zaghaft vorhanden. Die Ursache war bald (nach einem Tag) gefunden.

Mein Raumfeld Connector ist ein Gebrauchtkauf, was erst einmal nichts Negatives ist. Wenn der Vorbesitzer allerdings im zugegeben etwas versteckten Equalizer des Raumfeld Connectors…

Die Bässe von min. auf linear hochgezogen und die Höhen von max. ebenso auf linear gedrosselt. Ja, jetzt war er da, ein Klang mit gut vernehmbaren Bassanteilen, woraufhin eine zwei Tage dauernde, unbeaufsichtigte Einspielphase startete.

Konfiguration Aktivmodule
Mit der Aufstellung am endgültigen Stellplatz gab es zunächst ein paar Überlegungen zu den bei mir vorhandenen Zuspielvarianten. Einerseits erfolgt die Wiedergabe der FLAC und MP3 Dateien aus dem NAS Musikarchiv, digital zugespielt vom Raumfeld Connector. Andererseits werden beide Boxen als Mains des Heimkinosystems verwendet, der Receiver hat für so etwas spezielle RCA OUT-Buchsen, ich habe somit zwei analoge Cinchkabel für beide Module.

Die beiden folgend angeführten Konfigurationsbeispiele sind stellvertretend für die vielen Einstellmöglichkeiten der Hypex Module angegeben. Werden z.B. beide Boxen als Master konfiguriert, ist stringent darauf zu achten, dass der IR Steuerbefehl der Fernbedienung immer, wirklich immer beide Boxen erreicht. Sie laufen asynchron, was bedeutet das z.B. die rechte Box ein Gain von -8dB und die linke Box von -10dB aufweisen könnte. In den folgenden Screenshots ist noch kurz etwas zu diesen Gainwerten darzulegen.

Die Pegel meiner Zuspielquellen sind nicht identisch. Gegenüber den digitalen Zuspielquellen verhungert mein Receiver quasi, seine analogen RCA Signale sind mindestens 15 dB schwächer. Da kann man gegensteuern, auch das ist über die Module in Sekundenschnelle konfiguriert:

Ein Häkchen gesetzt bei Analogue RCA Input Add +7dB.
Bei Preset Volume Offsets in Preset 1 –6dB eingestellt (optisch)
Bei Preset Volume Offsets in Preset 3 10dB eingestellt (RCA)

Damit sind die Lautstärken bei Umschaltung zwischen Preset 1 und 3 annähernd identisch.

-Variante 1, digitale Zuspielung
Im Preset1 spiele ich meine Musiksammlung digital zu, der bereits erwähnte Raumfeld Connector als auch ein Neuzugang, ein Stand-Alone Zuspieler xDuoo X10TII sind ohne Volumeneinstellung. Ein Betrieb beider Boxen ohne Hypex IR-Fernbedienung wäre in diesem Fall nicht möglich gewesen.

Rechts, Master, Preset1, Toslink

Links, Slave, Preset1, S/PDIF

-Variante 2, analoge Zuspielung
Im Preset, in welchem die 40 Hz Bässe zu Gunsten der Heimkino Wiedergabe etwas angehoben sind, erhalten beide Boxen ihre Eingangssignale analog (RCA) vom AV Receiver.

Rechts, Master, Preset3, RCA

Links, Slave, Preset3, RCA

Klangbeschreibung
Vom Raumfeld Connector geliefert waren die ersten Klänge am Hörplatz zu vernehmen, langsam auf normale Zimmerlautstärke hochgezogen. Um das Thema „Bässe“ gleich abzuhandeln, durften die sechzehn Fuß langen Pfeifen der großen Orgel in Zürich ihre gigantischen Luftströme bei mir akustisch abbilden. Kein Dröhnen, kein Rumpeln, es sind einfach nur natürliche, sehr tiefe Bässe. „Pictures at an Exhibition“ von Mussorgsky, performed von Jean Guillou, waren ein willkommenes Futter für die ETON Elf-Zöller welche souverän die Sub 30 Hz-Frequenzen an das menschliche Trommelfell übergaben.

Unbekümmert erklang sofort Stanley Clarke mit „Justice‘s Groove“, die Leichtigkeit und Spielfreude des Titels zog einen in seinen Bann. Dass er von einem Album aus der Kategorie ‚Bass Fire‘ stammt, ist ebenso direkt vernehmbar wie der Aufbau einer dreidimensionalen Bühne, in welcher die Solisten ohne besondere Mühe zu erleben waren. Eine Freude dort zuzuhören.

Das Aktivmodul rief nach mehr, was umgehend den xDuoo X10TII als digitalen Zuspieler aktivierte. Das ist Technik aus dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, ich bin dabei. Koaxial zugespielt durfte Michel Godard & Steve Swallows mit „A Trace of Grace“ etwas über 6 min lang in Form von digital übertragenen Nullen und Einsen die Hypex-Module ausreizen. Dankenswerterweise liegt der Titel in nativen Varianten von 32 Bit / 384 kHz als wav-Datei sowie in dsf-Dateien mit 1 bit / 2,8 MHz, 1 Bit / 5,6 MHz und 1 Bit / 11,3 MHz (ca. 1,1Gb) vor, welche alle von den zweimal drei Eton Chassis in Luftschwingungen umgewandelt wurden. Solch akustischen Overkill muss man erst einmal physisch und mental verarbeiten, was aber der Aufnahme an sich geschuldet ist.

Zurück von den Demo-Dateien zu den klanglich vollends ebenbürtigen FLAC Formaten, stellvertretend dafür schickte Loreena McKennit den Titel „Spanish Guitars and Night Plazas“ ebenso in Form von Nullen und Einsen zum Aktivmodul. Leise begannen die Gitarren zu spielen, das Anreißen der Saiten detailreich vernehmbar, immer noch präzise, als da schon längst nichts mehr leise war. Die Instrumente allesamt auf ihrem Platz, die spät einsetzenden Kastagnetten versuchten mit schnellen Standortwechseln sich der räumlichen Ortung zu entziehen, umsonst bei der Königin des Blues. Die glasklare, dominierende Stimme der Sängerin gesellte sich zu den Instrumenten und binnen kurzem waren sie schmückende, instrumentale Begleitung. Es war die dynamische Feinzeichnung welche hier begeisterte.

Eher wenig unauffällig lief zum Abschluss ein oft gehörter Titel, er hat seinen verdienten Weg in eine audiophile CD gefunden. „Am Fenster“, vorgetragen von City, nie gehörte feinste Nuancen in der Auflösung des Violinen-Parts waren wahrnehmbar, tief versunken hörte ich bis zur letzten Sekunde. Danke, Duetta.

Schlussbemerkungen
Ich spanne den Bogen noch einmal zurück auf den eingangs genannten historischen, analogen Technikstand. So sind auf der 256 GB Speicherkarte im XT10II die Wiedergabe von 250 Musiktiteln in o.g. Wahnsinnsauflösung oder bei FLAC Dateien um die 6000 Titel möglich und das zum Preis von ein paar Stundenlöhnen. Sollte mir das jemand zu den Zeiten meiner HIFI-Magnetband-Maschine prognostiziert haben, hätte ich wohl an seinem Verstand gezweifelt.

Ob ich einen Unterschied zwischen flac und dsf-Zuspielung bemerkt habe? Ich darf sagen, nein. Vielleicht nimmt der eine oder andere im Vergleich etwas wahr, was mir nicht gegeben ist. Gern kann man sich beim nächsten Jahresend-Event persönlich am Objekt überzeugen.

Die digitale Zuspielung, egal ob optisch oder koaxial, setzt neue Maßstäbe. Das sind keine revolutionären Ereignisse, ein kleiner Schritt für die Technik, ein weiterer für die Ohren allemal.

Rundmacher

Zur Duetta Aktiv im Online-Shop

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Moin,
wieder einmal ein schöner Bericht. Und in diesem Fall ist meine Neugier, Begierde und Habenwollenfaktor gleich doppelt groß. Ich freu mich auf Nordhausen. Dann können technische Fragen geklärt werden und vor allem gurte Musik gehört werden.

Grüße

Ui, da isser ja, der Bericht! Vielen Dank für die vielen kleinen Infos und Tipps!

Ick freu mir uff Nordhausen und dem Vergleich zwischen aktiv und passiv. Vielleicht schmeiße ich noch meine Röhre in den Kofferraum…

Ciao Chris

Hallo Peter,
Was für ein Bericht !!!
Die umfassenden technischen Details haben mich schon begeistert. Aber noch mehr die virtuosen humorvollen Zwischentöne. Nämlich die kleine grüne Stichsäge, die wir auf Ihren letzten Zuckungen begleiten durften. Der Fräsrahmen, der sich dandyhaft einmogelt. Markierer, die sich Hoffnungen auf den Oscar des besten Nebendarstellers machen dürfen. Was war passiert? „Nichts war passiert.“ Das ist beste Unterhaltung.
Aber noch eine Frage zu den technischen Details: In Deiner Ansichtszeichnung der Duetta Top ist zwischen Hoch- und Mitteltöner max. 1cm Fleisch. Im Bau deutlich mehr. Warum?
VG, Jo

Genialer Reisebericht, Rundmacher, cool deine Jugendlichen Höhenflüge mitzumachen, schön dass so ein Physik Lehrer das mitgemacht hat

Man könnte schon fast sagen, ein typischer “Rundmacher”!
Klasse Bericht, ein mir sehr zusagendes Design der Lautsprecher, abgerundet mit ein paar Tipps und Tricks.
Mit der miesen Qualität von heutigem MPX hab ich auch so meiner Erfahrungen machen müssen, im Bereich der Chassis fehlten doch glatt einige Quadratzentimeter, die mit Spachtelmasse gefüllt sein wollten.
Bleibt mir nur zu sinnieren, ob ich meine Kabel auch mal kürzen sollte….

Bei mir gab es auch mit unverdrillten Kabeln keine Probleme. Nach dem Hinweis von Rundmacher habe ich aber auch die Kabel verdrillt. Schäden tut’s nicht 👍

Klasse Bericht sehr gut umgesetzt, und ein sehr interessanter Fräszirkel den ich bis gerade noch nicht gesehen habe. Daumen Hoch
Mfg aus dem Münsterland

Sehr schöner Baubericht.

Auch ich habe ohne es zu wissen die Kabel kurz gehalten und die Kabel verdrillt.
Ebenfalls wurde die tiefe der Hypex Kammer auf 80mm vergrößert damit die Kabel dahinter mehr platz haben.
Wie sich die Aufbauten doch ähneln. 😉

Ein wirklich schöner, umfangreicher Bericht! Ich bin so gespannt auf Nordhausen, wenn ich endlich einmal die aktive Duetta hören kann.
Der Toslink Eingang der Module kann übrigens “nur” 96 kHz verarbeiten. SPDIF über Coax ist bei den Fusion Amps auf 192 kHz “limitiert”. Der eingebaute DAC sampelt außerdem alle Eingangssignale auf 93,75 kHz. Es kommt also beim Verstärker nie “mehr” an.

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