SB 24, der kleine Center

Ein Heimkino im Wohnzimmer zu installieren, ist ein Balanceakt der besonderen Art. Einerseits muss es den Eigenheiten des modernen Films mit vielen Effekten und plötzlichem Wechsel zwischen sehr leise und sehr laut gerecht werden, andererseits muss es sich raumfreundlich unterbringen lassen. Während im ersten Fall große Kisten mit viel oder besser noch mehr Membranfläche angebracht sind, darf es im zweiten nicht die Zugänge zu Möbeln oder Ausgängen versperren. Am Besten fügt es sich sogar nahezu unauffällig in die Wohnlandschaft ein, dann gibt es keinen Streit.

Nachdem wir im Einsteiger-Segment die Quadratur des Kreises mit FT 12 Top und FT 11 Top bereits hinreichend gut gelöst haben, dank Sparky. Schülzken und der SB 12 6L auch schon die Basis in der preisgünstigen SB-Bluesklasse gelegt wurde, fehlt im gewohnten Bild nur noch der liegende Center mit geringster Bauhöhe. Es wird nicht verwundern, dass er SB 24 Center heißt und selbstverständlich auch zu Hesses Liebling SB 23/ 3 passen würde. Dennoch gebe ich mich nicht der Hoffnung – oder wohl richtiger der Befürchtung – hin, ihn eines Tages ein Heimkino bauen zu sehen.

Auch wenn es für den ewigen Theoretiker eine völlige Fehlkonstruktion ist, halte ich aus praktischen Gründen am liegenden Center mit BMT links/ rechts und Hochtöner dazwischen unbeirrt fest. Selten ist unter dem früher Fernseher genannten Empfangsgerät ausreichend viel Platz vorhanden, um einen stehenden Lautsprecher unterzubringen. Richtigerweise und um in der Theorie zu verharren, müsste er mittig hinter dem Bildschirm stehen. was wohl kaum sinnvoll ist. Kluge Menschen kamen auf die Idee, ihn unter die Mattscheibe zu legen und ihm die bekannte Form wegen der gleichen Abstrahlung auf beiden Seiten zu verpassen. Stehend ging nicht, das Auge mag das nicht und die Mitte des Flimmerkastens liegt so hoch, dass der Zuschauer nach dem halben Film schon Genickstarre hat. Ein bildlicher Vergleich zeigt das Drama für die Optik und den Hals.

Werfen wir nun einen Blick auf die Abstrahlung des liegenden Centers unter 0, 30, 45 und 60 Grad. Doch Vorsicht, das ist nur etwas für gefestigte Charaktere! Daneben stellen wir auch einmal die Gegebenheiten in einem 4 x 5 m großen Raum mit 2 m breiten Sofa dar und verlieren augenblicklich jede Angst vor dem so viel gescholtenen, liegenden Center. Hätten wir jetzt noch vier bis sechs weitere Schallquellen, zusätzlich gar deren mannigfache Reflexionen an den sechs umgebenden Wänden und den Möbeln eingemalt, die ebenfalls Wellen in den Raum absondern, wäre das Ganze nicht nur für das Auge völlig unübersichtlich geraten. Hier nun kommt uns zu Gute, dass unser Ohr und im Besonderen das nachgeschaltete Hirn rein praxisorientierte Organe sind, die sich so gar nichts aus den Problemen von ewigen Theoretikern machen. Wenn so auch noch der häusliche Friede gesichert ist, mögen sich alle Besserwisser weiterhin damit brüsten, die alleinige Wahrheit zu kennen.

Nicht ganz gewöhnlich sind die Voraussetzungen, unter denen wir unseren Center generieren mussten. Wie die letzte Zahl verrät, ist der SB12NRXF25-4 ein Chassis mit einer Impedanz von vier Ohm. Eigentlich nicht weiter tragisch, aber bei Parallelschaltung von zwei BMT werden daraus zwei Ohm, die so manchen AVR zum Glühen oder wenigstens zum Abschalten bringen. Doch hintereinander angeschlossen werden selbst für Schwachbrüste unkritische acht Ohm daraus, solch ein Center fehlt noch in unserer Sammlung. Dafür wird ein Kabel vom Terminal Plus zum Pluspol des ersten Chassis gezogen, heraus geht es vom Minuspol zu Plus Bass 2 und von dessen Minus zum Minus des Terminals. Naja, ganz so einfach ist das dann aber nicht, denn eine Weiche muss natürlich zur Steuerung der Frequenzen zwischengeschaltet werden. Doch erst muss das Gehäuse gebaut werden.

Doppeltes Volumen der SB 12 6L und je ein Reflexschlitz links und rechts sollten als Häuschen für die SB 24 passen, dachte ich mir. So klebte ich das Holz zusammen und ließ mich dabei nicht vom Fotografen aufhalten. Um es vorweg zu nehmen, die Reflexrohre musste ich wegen der Reihenschaltung verschließen, da sie zum Aufbuckeln um 150 Hz führten. Das war kein großer Akt, ich klebte einfach ein leicht anders gefärbtes MDF-Brett in die Schlitze. Hätte ich den Korpus lackiert oder furniert, hätte ich meine Fehleinschätzung gar nicht weiter erwähnen müssen. Meine Faulheit zwingt mich aber zur Wahrheit, die ich jedoch auch sonst im Leben nicht ohne Not verschweige. Die Sketchup-Zeichnung habe ich nach dem Umbau der Box gemacht.

Die Weiche lehnt sich eng an die Schaltung der SB 12 6L an, was für deren angestrebtes Zusammenspiel nicht allzu verwunderlich ist. Ein 12dB-Filter mit zusätzlichem Saugkreis auf die Überhöhung zwischen 600 und 2500 Hz zwingt den Bass zu sauberem Frequenzgang, für den Hochtöner ist dafür ein Netzwerk 3. Ordnung und ein Vorwiderstand zur Pegelanpassung nötig. Die Trennfrequenz liegt bei gut 2,3 kHz, die Zwiege addieren sich über den gesamten Bereich, in dem sie gemeinsam am Klanggeschehen teilhaben.

Den Einbau der Innereien haben wir abgelichtet, weil es ein paar erklärende Worte spart.


Ein Beutel (= zwei Matten) locker eingelegtes Sonofil füllen die Box. Auch immer wieder eine Frage wert: Wo ist der Pluspol der Chassis? Nun, beim Bass ist es die breite Fahne, ein kleines Plus ist in den Träger gestanzt. Beim Hochtöner ist der Pluspol auch breit, zudem ist er noch rot markiert.

Die üblichen Messdiagramme will ich dem Leser nicht vorenthalten. Allerdings sind diesmal nach einem Update  von Clio die Farben etwas durcheinander geraten.

     
 Frequenzgang  Impedanz  Frequenzgang 0//10/15/20°
     
 Klirr für 90 dB  Sprungantwort  Wasserfall

Interessant fand ich noch die Messung mit Mikrofon etwa 15 Grad oberhalb des Centers, denn wenn man nicht liegend seinen Film genießt, wird man seine Ohren wohl kaum unterhalb des Bildschirms belassen. Im Diagramm haben wir die Achsmessung grau, die erhobene rot dargestellt.


Kommen wir nun zur Klangbeschreibung, die diesmal recht kurz ausfallen darf. Was ist der Sinn des Centers? lautet die berechtigte Frage, auf die es nur eine Antwort geben kann: Sprachverständlichkeit. Daran können wir guten Gewissens einen Haken machen, denn Stimmen werden im gesamten Spektrum und in jeder Lautstärke nah an der Realität wiedergegeben. Wer es dann ganz perfekt machen möchte, stellt sich zwei weitere Center hochkant in die Front, dann sind vorn alle Lautsprecher identisch. Gemessen haben wir auch diese Variante der Aufstellung, nun sogar wieder unter 0, 30 und 60 Grad.

Komplett ist das kleine Heimkino natürlich erst mit einem oder zwei Subwoofern. Film braucht halt Gewalt, die kann ein Vierzöller nicht. In kleinen Räumen reicht der S(u)B 23 sicher aus, bei mehr Zimmerfülle ist auch der SB 29 BR-Sub im Doppel erfolgreich zum Luftverschieben einsetzbar. Schwächelnde AVR mit 6 Ohm Mindest-Impedanz sind mit 5 x SB 24 sicher nicht überfordert und so haben wir schon wieder eine Lücke geschlossen, auch wenn die Hüter der reinen Betonkopf-Leere weiterhin gegen liegende Center wettern werden und Hesse erst gar keinen Center zum räumlichen Hören braucht.

Udo Wohlgemuth

Der Bausatz wurde durch die Version mit 2 x SB 12 NRX-8 ersetzt
Zum SB 24 Center im Online-Shop

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Hallo zusammen.
In der Galerie ist eine SB24 ACL aufgetaucht. Ich nehme an, es ist eine vergrößerte SB12ACL. Da mich das Projekt sehr interessiert, wäre ich für nähere Infos dankbar.
Habe Ähnliches schon mit der FT11 Top gemacht und Schmiede gerade Pläne mit dem U_Do Center.
Wer hat das Bild eingestellt?
Gruß Martin

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