Daniels SB18 Stand

Die Glut war noch nicht erloschen.

Als im Sommer 2015 meine JBL Control 1s im Wohnzimmer komische Geräusche von sich gaben, war mir klar, dass da was mit dem Bass nicht stimmt. Gitter ab und tatsächlich: Die Sicke war hin. Macht nix, dachte ich, kaufst du einen neuen Bass und montierst den da rein – da fing die Glut schon wieder an, heißer zu werden.

Flugs im Netz geguckt: Man, das kannst du knicken, der Bass ist so teuer, da kannst du gleich neue Control 1s kaufen. Schnell entschieden, Controls bestellt. Die Neuen standen kaum im Wohnzimmer (und die alten im Keller im Regal, die könnte man ja mal noch brauchen…), da meldeten sich meine alten, kleinen Selbstbau-Regalboxen, die im Keller musizierten, mit dem gleichen Geräusch. Und nu? Dieser Bass war nun wirklich nicht mehr zu bekommen. Die Glut wurde heißer. Im Netz recherchiert, ah.. man(n) kann die Sicke auch ersetzen. Flugs Sicken für die Bässe der Selbstbau-Box und für die kaputten Control 1s bestellt und Tage später schon die Sicken repariert. Das war ja einfach.

Die reparierten Controls landeten dann bei meinem Ältesten (10J) im Zimmer, statt CD-Kassettenplayer. Das klang doch schon mal viel besser. Natürlich wollte dann der kleine Bruder (8J) auch „sowas“. Naja, im Wohnzimmer stehen noch welche. „Bekomm‘ ich die?“ Augenklimper (ja Jungs können das auch). Hmm … mal sehen. Jetzt wurde die Glut richtig heiß.

Ich erinnerte mich an meine Lautsprechervergangenheit (das fing so ungefähr vor 30 Jahren an). Die ersten Boxen, gebaut aus irgendwelchen Restposten in irgendwelchen Gehäusen mit fürchterlichem Klang, über einen Abstecher bei einem Bausatzhersteller aus Balingen im Schwarzwald, einigen anderen kleinen Projekten und den finalen Transmissionlines mit den legendären Isophon-Wandlern an einer NAD2200PE Endstufe. Damit haben wir einige Partys geschmissen.

Naja, irgendwann schlug dann der WAF zu und all die Träume wurden ausgelagert oder verschenkt und im Wohnzimmer landeten die Control 1. Es blieben nur die kleinen Regalboxen mit dem hoffnungslos unterforderten NAD im Keller. Wie konnte ich mich nur darauf einlassen?

Jetzt wurde das Feuer wieder vollends entfacht und ich recherchierte erneut im Netz nach passenden Lautsprechern für das Wohnzimmer. Wie so viele vor mir stolperte ich dann auch über Udos Seite. Das Budget war begrenzt und die Fertiglautsprecher waren meist entweder hässlich oder viel zu teuer. Wenn die Aussagen auf Udos Seite stimmten und der Klang tatsächlich dem entsprach, was beschrieben wurde, dann war das sicherlich ein guter Deal.

Nach Klärung des Budgets und des WAF habe ich dann im Herbst 2015 die SB 18 „blind“ oder besser „ungehört“ bestellt. Viel falsch machen kann man nicht, bei dem Preis für eine Bluesklasse und als Ersatz für ein Paar Control 1s.

Auf Anraten meiner Frau sollten die Lautsprecher dann auch nicht im Regal verschwinden, sondern als Standlautsprecher neben dem Regal stehen. Das kam mir sehr gelegen. Zunächst hatte ich ja mit den SB 12 ACL geliebäugelt. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass die wahrscheinlich nicht unsere Familie überleben würden. Der Bass ist schlicht zu „klein“, um genügend Lautstärke zu produzieren. Zumal in fast 50m². Deswegen habe ich mich für den größeren Bruder, die SB 18, entschieden.

Gehäuse

Beim Gehäuse habe ich mich an Rolfs SB 18 Stand orientiert. Ohne inneren Sockel kam das Gehäuse dann auf 80x20x20cm Außenmaße, was auch dem Volumen der von Udo konstruierten Regalbox entspricht. Etwas zu niedrig, um auf Ohrhöhe zu sein, aber das habe ich bewusst in Kauf genommen. Das Reflexrohr (HP50 ungekürzt) wurde auf die Rückseite verbannt, weil das schöner aussieht, finde ich. Klanglich macht es keinen Unterschied. Die gefräste Front wurde bei Udo gleich passend mitbestellt. Die restlichen 19mm MDF-Teile ließ ich mir im Baumarkt zuschneiden. Der Zusammenbau war unspektakulär.

Die fehlenden Löcher rein zu bekommen war allerdings etwas Arbeit. In Ermangelung einer Oberfräse dachte ich mir, ich könnte die Löcher für das Reflexrohr mit der Lochsäge machen. Allerdings hat der Durchmesser nicht genau gepasst. Naja, die 2mm kannst du auch mit der Schrupp-Feile abrubbeln. Ja, das geht, ist aber extrem mühsam, wenn das Loch einigermaßen rund bleiben soll …

Bei den Löchern für die Terminals habe ich dann den Weg mit der Stichsäge gewählt. Hm, bei so einem kleinen Radius auch nicht grad das Beste. Es musste also in beiden Fällen ordentlich nachgeschmirgelt werden.

Ursprünglich war eine abnehmbare Abdeckung geplant. Deswegen wurden in den oberen Ecken und in einem proportionalen Abstand unter den Lautsprechern kleine Bohrungen gemacht, in die kräftige Neodym-Magnete plan versenkt wurden. Das Ganze wurde dann von dem Furnier überdeckt, so dass die schöne Front nicht durch hässliche Rahmendübel verunstaltet werden musste. Allerdings wurde der Bespannrahmen bis heute nicht realisiert.

Templin steuerte ein schönes Asteichen-Furnier bei. Das ursprünglich bestellte konnte dann doch nicht geliefert werden. Nach einem Rückruf versprach mir Templin aber ein ebenso schönes und obendrein 24 Blätter statt der ursprünglichen 8. Etwas verdutzt fragte ich nach dem Preis, aber das ginge schon in Ordnung, versicherte man mir, der Preis bleibt der gleiche. Jetzt habe ich noch Furnier für 2 Paar weitere Boxen übrig …

Das Furnier wurde mit der schon oft erwähnten Bügelmethode aufgebracht. Bei meinen Schwiegereltern lag im Keller noch ein altes Bügeleisen (70er oder 60er Jahre), das tat noch seinen Dienst. Die Furnierblätter wurden zunächst grob zugeschnitten (mehrere Zentimeter Überstand) und dann nacheinander aufgeklebt. Beim Zuschnitt empfiehlt es sich, die Maserung der einzelnen Blätter zu begutachten und sich zu überlegen, welche Blatt-Paare am Ende an den beiden Boxen am besten/ schönsten harmonieren.

Dann habe ich immer ein zugeschnittenes Blatt mit einem Malerroller dünn mit Holzleim eingekleistert und ebenso die entsprechende Boxenwand. Ein paar Minuten den Leim antrocknen lassen, dann das Furnier auflegen, zurecht rücken und von innen nach außen festbügeln. Vor allem bei den Kanten dafür sorgen, dass das Furnier gut hält. Das lief wie am Schnürchen. Ich habe die beiden Boxen abwechselnd bearbeitet. So konnte der Leim zwischendurch trocknen und das Furnier an den Kanten gebrochen werden. Die überklebten Löcher wurden am Ende einfach durchstoßen und an der Lochkante vorsichtig gebrochen. Die gebrochenen Furnier-Kanten wurden am Ende noch mit feinem Schleifpapier geglättet (mindestens 200er Körnung).

Bei den „Deckel“-Furnieren besteht die Besonderheit, dass das Furnier auch quer zur Maserung gebrochen werden muss. Das ist etwas heikel. Hier habe ich beim ersten Versuch gepfuscht und es gab Ausfransungen, die ich nicht reparieren konnte. Also das „Deckel“-Furnier wieder runter. Dazu das Furnier ordentlich warm machen, damit der Holzleim wieder flüssig wird und dann Stück für Stück mit einem Schaber (Schraubenzieher ? ) wieder ablösen. Im zweiten Anlauf war ich dann gaaanz vorsichtig beim Abkanten, dann hat alles geklappt.

Und, ja, das mitgelieferte Sonofil wurde komplett in beiden Boxen versenkt.

Der Klang

Nachdem der Rohbau der Boxen fertig war, konnte auch ich meine Neugierde nicht mehr zügeln und montierte an einem späten Nachmittag flugs die Lautsprecher in das Gehäuse. Kaum hatte ich die Boxen im Wohnzimmer aufgestellt und verdrahtet, kam die Family nach Hause. Die Kleine (6J) hätte in ihrem Überschwang fast die erste Box ruiniert, indem sie sie umarmte und rief „Papas Lautsprecher sind fertig!“ Da sackte doch erstmal mein Herz fast in die Hose. Aber nix passiert, und die Kinder wollten unbedingt einen Film anschauen – und ich eigentlich erstmal einen Soundcheck machen. Na gut, erstmal der Film, da kann man sicher auch gleich den Sound checken.

Doch die ersten Töne, die da kamen ließen mich stutzen. Was ist denn das? Das klingt ja … fürchterlich. Doch ich war mir sicher, dass die Boxen in Ordnung waren. Und siehe da, nach einem kurzen Blick auf den Verstärker war alles klar: Loudness auf halb und Bässe hochgedreht. Noch die Einstellungen für die Controls. So denn, alles auf Flat gestellt und siehe da, WOW! Stuart Little hüpfte durch das Wohnzimmer, die Aktionszenen kamen richtig plastisch und es war sogar richtig wumms da, wenn es wummsen sollte.

An einem ruhigen Tag habe ich dann auch verschieden Musikrichtungen ausprobiert und Lieblingsstücke gehört. Es ist, wie viele schon gesagt haben: Es kommt auf die Aufnahme an. Bei Stücken, bei denen ich dachte, die gehen richtig ab, auch im Bass, tat sich manchmal recht wenig. „Anotherone bytes the dust“ von Queen zum Beispiel. Die Aufnahme, die ich habe, ist richtig „flach“, da baut sich keine Räumlichkeit auf (das Stück bleibt trotzdem gut!). Dagegen hatte ich bei „Rhiannon“ von Fleetwood Mac früher immer den Eindruck, die Musik ist zu dicht und hört sich eher nach Brei an. Über die SB 18 klingt diese Stück unglaublich plastisch und umfangreich. Auch alles von Pink Floyd kommt richtig gut.

Was mir auch auffällt, ist, dass die Räumlichkeit der Musik schon bei geringsten Lautstärken entsteht, man hat nie das Bedürfnis mal etwas lauter machen zu müssen, damit man besser hört. Fatalerweise bleibt dieser Höreindruck auch bis zu hohen Lautstärken, was bei einer Party unweigerlich dazu führt, dass man nie den Eindruck hat „Jetzt ist es laut genug“. Deswegen werde ich diese Boxen niemals für eine Party ausleihen (wie ich es hier mal gelesen habe und danach waren die SB 18 kaputt).

Fazit

Für so wenig Geld so gute Lautsprecher, akustisch wie optisch. Auch meine Frau meinte irgendwann mal „Das sind die schönsten Lautsprecher, die ich je gesehen habe“. Da schlägt doch das Herz gleich höher.

Vor Kurzem haben sich meine anderen JBLs gemeldet, die Creature II auf dem Schreibtisch. Auch Sickenfraß. Tja, die gibt’s auch nicht mehr zu kaufen und so kleine Sicken tu ich mir nicht an. Die Mona 2.1 ist schon geordert und angekommen und wartet auf ihren Zusammenbau und Einsatz … so ein schönes Hobby. JBL ist Geschichte, Udo rules!

Daniel

Zur SB 18 im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2017/02/19/daniels-sb18-stand/

12 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Hallo. Guter Bericht. Sehr kurzweilig zu lesen. Weiter so.

ich freue mich immer wider wenn meine Version der SB 18 gebaut werden, ist einfach ein toller Lautsprecher

Glückwunsch zur sb 18.
kleiner Tipp, wenn ein ordentlicher verstärker dranhängt, geht richtig die sonne auf,trotz dem preisleistungssieger.
habe meine sb 18 an verschiedenen Verstärkern versucht.
ging auch die sonne auf,bis ich zum weinachtsgeschenk auf sb 36 aufgerüstet habe.

viel spass mit sb

Wieder hat’s einen erwischt 😉

Viel Freude damit!

Und Tipp: bei Gelegenheit mal Eton anhören gehen – jetzt wo Du Blut geleckt hast…

Ganz schön fiese dein Tipp. ……☺

Hallo Matthias, ich muss immer schmunzeln bei deinen Tipp´s.

Mal ne Frage: Fährst du Ferrari?? Also ich liebe diesen Sound. Für mich gibt es nichts besseres. 😉

Oder anders gesagt: Manche Menschen haben Haus, Frau, Kinder, …. und freuen sich über ihre SB Lautsprecher. Preis-Leistung einfach SUPER.

Mein Tip an dich: Mach mal ne Probefahrt mit einem Ferrai.

Gruß Michael

Moin Michael,
nee, alten Volvo mit LPG, spart im Vergleich zu Benzin so um die 1500-2000 Euro Sprit im Jahr, muss man nur geschickt umleiten 😉
Nebeneffekt sind extrem reduzierte Emissionen, und zwar auf der Straße, nicht auf dem Prüfstand…
Liebe Grüße,
Matthias

PS: Hast ja recht, aber es gibt auch Leute die mehrere Tausend für einen Lautsprecher ausgeben und dabei weit unterhalb der Doppel7 rauskommen, da kann man ja mal ein Ohr riskieren.

PPS: Ich war mal bei nem Ferrari Treff – was ich da an Spaltmaßen und gewurschtelten Dichtungen gesehen habe ließ mich ein wenig auf Abstand gehen… und ein Kumpel von mir hatte nen 12 Zylinder Porsche geerbt, binich mal mitgefahren, brauch ich nicht… mittlerweile hat er den verkauft, sich nen Schrebergarten geleistet und baut sein SB36 Heimkino aus (das mit einem von mir organisierten Hochzeitsgeschenk von zwei SB36 gestartet war…)

Aber ganz ab von dem Off Topic hier: Daniel, Glückwunsch zu den SB18, in der Tat ein feiner Lautsprecher für den andere im Fertigbereich Vierstellige Beträge ausgeben müssen

Herzlichen Glückwunsch, eine richtig schöne SB18 hast du da gebaut. Gefällt mir richtig gut als Standversion. Da ich auch ein Paar SB18 habe, weiß ich nur zu gut wie toll die klingen.

Wünsche viel Spaß damit.
Michael

Zitat : “….. kurzen Blick auf den Verstärker war alles klar: Loudness auf halb und Bässe hochgedreht. Noch die Einstellungen für die Controls……”

Hehe , danke fürs Lachen.
Viel Spaß mit deinen 18nern, ist ne klasse Box für das Geld. Ich hab da auch erstmalig so richtig den Unterschied schlechter und guter Aufnahmen gehört.

Ciao Udo

12
0
Kommentar schreibenx
()
x