BelAir 92 – die Doppel 9 stellt sich vor

Traditionell habe ich einen Plan, nach dem ich Schritt für Schritt meine Bauvorschläge in die Welt setze. So begann die BelAir-Reihe mit dem klassischen Zweiweger aus 17er und Hochtöner, der im dritten Schritt mit einem großen Bass zur Standbox ergänzt wurde. Zwischendurch durfte die BelAir 52 ACL nicht fehlen, bevor auch die Heimkino-Abteilung ihr Recht bekam.  Damit ist nun Platz für Zwischenlösungen, mit denen ich in gewohnter Manier Lücken im Gefüge fülle. Konsequenterweise wär nun die Doppel 7 oder BelAir 72 BR an der Reihe, quasi die „Little Lady“, die sich gern in einem nicht ganz großen, aber auch nicht ganz kleinen Zimmer austoben möchte.

Nun, nichts leichter als das. Aus der BelAir 72 zaubern wir durch Volumenvergrößerung auf etwa 45 Liter und einem Reflexrohr eine handliche Standbox. Dafür muss nicht einmal eine neue Weiche erfunden werden, denn der Trennung zwischen den Bässen und dem Hochtöner ist die Gehäuseart egal. Durch das „Aufbohren“ gewinnen wir Tiefe gegenüber der geschlossenen Variante, die für den Kinoeinsatz mit Subwoofer-Unterstützung untenrum klaglos kastriert wurde. Also schnell die passende Freecad-Datei gesucht, ein paar Zahlen geändert und fertig ist der Bauvorschlag.

Jetzt hätte ich für ein paar Fotos zwei Gehäuse bauen können, hab ich aber nicht. Statt dessen habe ich ein wenig gephotoshopped, was in kürzerer Zeit auch ein vorzeigbares Boxenpaar ergab. So gibt es zur BelAir 72 BR nichts mehr zu schreiben, außer einem erfahrungsgemäß berechtigten,  spekulativen:  „Macht, was sie soll.“

Viel Spaß beim Nachbau und beim Musikgenießen.

Udo Wohlgemuth

Zur BelAir 72 BR (Little Lady) im Online-Shop

 

„Komischer Baubericht. Ist der Mann jetzt ganz durchgedreht?“ lese ich mit einiger Berechtigung in deinem Gesicht. Doch damit kann ich leben, oben steht nicht grundlos das einschränkende „wär“.

Bei Satori ist alles anders als normal. Die schöne Seite versteckt man in der Holzkiste und die Chassis haben ungewöhnliche Maße, die mich den so kommod ausgetretenen Pfad der Bausatz-Reihung verlassen lassen. Mit der überraschend pegelfesten BelAir 52 ACL haben wir bereits eine Box mit ähnlichem Klangvermögen, die 72 BR wär nur eine kleine Aufbesserung in Richtung mehr Druck. Eine richtige Steigerung  wird es aber erst, wenn wir mehr Membranfläche ins Spiel bringen. Während anderswo nun der Sprung zur Dreiwege-Box ansteht, hat Satori den MW 19 P-8 im Programm, tiefreichender Bass mit lupenreinem Mittelton. So war es für mich recht schlüssig, dieses Chassis im Doppel unter den AT 60 NC-4 zu setzen.

Ausstattung:
Membran Pappe mit Papyrusfasern Polplattendicke 6 mm
Sicke Gummi Wickelhöhe 19,4 mm
Korb Druckguss Magnetdurchmesser 75 mm
Polkernbohrung ja Befestigungsbohrungen 6 mm
Zentrierung Flachspinne Außendurchmesser 187 mm
Magnet Neodymmagnet Einbaudurchmesser 163 mm
Schwingspule 39 mm Einbautiefe 102 mm
Träger Fiberglass Frästiefe 8 mm
Parameter:
Fs 35 Hz Cms 1,0 mm/N
Diameter 148 mm Mms 19,4 Gramm
ZMax 97 Ohm BL 7,9 Tm
Re 6,1 Ohm VAS 40,2 Liter
Rms 0,71 kg/s dBSPL 88 dB/2,83V
Qms 6,07 SD 165 cm²
Qes 0,42 MMD 18,9 Gramm
Qts 0,39 Zmin 6,9 Ohm

Nach der Pflichtübung auf der Messwand gab ich die Parameter in LSPCad ein. Die Software befahl mir, pro Bass etwa 31 Liter mit 9,9 cm kurzem HP 50 mit MDF zu umbauen. Ich bevorzugte einen Schlitz mit 39 cm² Öffnungsfläche, was mir für die Membrangröße geeigneter erschien. Einsichtig gab mir die Simulation Recht und unten mehr Pegel bei 18,1 cm Kanaltiefe. Eigentlich muss ich es gar nicht mehr erwähnen, dass innerhalb weniger Minuten mit Hilfe meiner Freecad-Dateien die Zeichnung der BelAir92, alias Doppel 9 fertig war und ich mit dem Bau beginnen konnte.

Optisch den bisherigen BelAirs folgend wurden die aufgesetzten Fronten und Rückwände aus 21 mm Multiplex mit rundum 2 mm Zugabe und der Rest aus schwarz durchgefärbtem MDF mit 19 mm Dicke zugeschnitten. Damit es schöner aussieht, wurden Deckel und Seiten auf Gehrung gesägt.

Da kein Zuschnitt zu 100 % ideale Maße garantiert, werden die inneren Bretter mittels Zurrgurten fest zusammen gepresst. So schließen sich alle Lücken an den Klebestellen durch höhere Gewalt.

Nach kurzer Trockenzeit stellte ich die Box aufrecht hin, um das Reflexkanal-Brett  einzukleben. Die 39 mm Höhe gaben zwei gestapelte Platten aus 19 mm MDF vor.  Auch wenn 2 x 19 mm theoretisch nur 38 mm ergeben soll, nennt das praktische Nachmessen 39 mm als Ergebnis. Soviel mal wieder zu Theorie und Praxis.

Zum guten Schluss durfte sich die Box noch ein wenig auf den Rücken legen, damit auch die Front ordentlich angezurrt werden konnte.

Nach einer knappen Stunde waren die Klebearbeiten erledigt, nach einer weiteren der Leim getrocknet. Nun ging es in die Kellerwerkstatt, wo alle Überstände bündig abgefräst und die Kleberreste weggeschliffen wurden.

Den Hartwachsöl-Auftrag sparte ich mir bei den Testboxen, weil sich die dafür erforderlichen zwei Tage Wartezeit nicht weiter positiv auf diesen Bericht ausgewirkt hätten. So kam ich schneller dazu, die wichtigere Weichenentwicklung zu starten. Zuvor füllte ich die Boxen mit drei Kabelpaaren und zwei Matten Dämmstoff, die in 60 x 80 cm zugeschnitten waren.

Der Aufbau der BelAir 92 verrät auf den ersten Blick, dass sie eine sogenannte 2 1/2-Wegebox werden soll.  Hierbei laufen beide Chassis im Tiefton parallel, darüber wird der untere Bass mittels einer Spule ausgekoppelt. Daher musste ich auch bei der Weichenbastelei den gewohnten Weg verlassen. Hätte ich die beiden MW 19 P-8 einzeln in der Box gemessen, wären Volumen und Reflexkanal zu groß und der 2. Bass eine falsch abgestimmte Passivmembran. Also schaltete ich für die erste Messung die beiden 19er parallel. Der unterschiedliche Abstand der Chassis zum Mikrofon, das auf Ohr (=Hochtöner)-Höhe positioniert wurde, erzeugt Phasenverschiebungen, die sich als tiefe Senke um 2 kHz zeigen (grün). Eine Spule vor dem Bass korrigiert das wieder (rot) und schon kann das Filter-Netzwerk den BMT in seinem Lauf nach meinem Willen formen (blau). Nun noch den Hochtöner auf Linie gebracht und fertig ist die Schaltung.

Die üblichen Diagramme beenden den Bauteil.


Ab zur Hörprobe. Dafür nutze ich seit einiger Zeit zwei Monoblöcke, die ich mir aus den Hypex FA 251 – eigentlich Subwoofer-Module, aber dennoch Fullrange tauglich – gebastelt habe. Mit ihnen könnte ich sogar den Frequenzgang über alles perfekt gerade ziehen, bis die Augen aller Diagramm-Fetischisten leuchten. Doch außer dem 24 dB Hochpass bei 18 Hz habe ich keine „Korrekturen“ geschaltet. Schnurglatte Schalldruck-Verläufe brauchen nur Lautsprecher ohne Eigenschaften, die von Tonmeistern zum Abmischen genutzt werden. Erst richtig gesetzte Betonungen machen das Musikhören zum Vergnügen. Üblicherweise nennt man das sounden, was für mich absolut kein Schimpfwort ist. Gewonnen hat man, wenn viele kleine Details wahrnehmbar sind, aber nicht auffällig vorlaut ins Ohr springen und das lange Hören nahezu unmöglich machen.

Auf der Suche nach passendem Klangwerk für den Hörtest durchsuchte ich mal wieder meine Festplatte und blieb zufällig bei Roger Waters „In the Flesh“ hängen. „Shine on you crazy diamont“ hatte ich mal vor Jahren aus einer hochgelobten Box mit wirklich geradem Frequenzgang gehört. Ein Haufen Töne kam daraus auf mich zu, die ich kaum eindeutig einem der beteiligten Instrumente zuordnen konnte. Das kannte ich von der Pink Floyd-Platte viel besser, also war diese Aufnahme für mich gestorben.

Wie es nun mal so ist, drückte ich trotzdem auf „Play“ und war augenblicklich fasziniert vom getragenen Keybord-Sound und den vielen, kleinen Flirrtönen, die da auf mich einschallten. Gestochen scharf umrissen – im positiven Sinn – ragte schlagartig nach knapp 2 Minuten die Gitarre aus dem Klangteppich heraus. Dazu gesellte sich dann nach weiteren 90 Sekunden die Bassdrum mit mächtigem Getrommel, das es eine Freude war. Dreidimensional war das Klangbild, alle Instrumente hatten genügend Platz auf der Bühne, vor der  – von mir aus gesehen natürlich – hinter der sich das Publikum immer wieder artig durch Klatschen und Jubel für die großartige Darbietung der Band bedankte.  Ich opferte dem Musikgenuss 15 Minuten meines Lebens und bereute keine Sekunde davon. (Oh weh, wohl doch etwas durchgeknallt!) Geht doch, war also nicht die Abmischung durch den Tonmeister Schuld.

Ich könnte nun noch viele Beispiele lobenswerter Musikwiedergabe in Buchstaben fassen. Der Preis für mich wären mindestens zwei Stunden zusätzlicher Schreiberei, der Gewinn für den Leser etwa zwei Minuten mehr Lektüre. Am Ende stünde, dass die Doppel 9 nie Grund zum Meckern gab, alles tonal einwandfrei, druckvoll und im Zusammenspiel harmonisch wiedergab, was immer ich ihr abverlangte. Sie füllt in bester Manier die Lücke, die es zwischen 52 ACL und Lady gab, lässt aber noch Platz für die BelAir 72 BR.  Dabei ist sie der Lady allerdings so nah auf die Pelle gerückt, dass auch hier der Gedanke an mehr Membranfläche in mir aufflammt. Also häufe ich an dieser Stelle keine weiteren lobenden Worte aufeinander. Die hebe ich mir für die Grandlady auf, die dann aber nicht mehr wie die Doppel 9 so richtig ideal in mittelgroße Zimmer passen wird.

Udo Wohlgemuth

Zur BelAir 92 (Doppel 9) im Online-Shop
Zur BelAir 72 BR (Little Lady) im Online-Shop

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Liebe Gemeinde,

gester durfte ich auch einmal die letzten Schöpfungen probehören. Auf dem Plan standen BelAir 52 ACL und die 92er.

Nachdem mich im neuen Jahr schon die 71 sehr positiv überrascht hatte, wurde nun, nach dem üblichen und notwendigen Plausch, die dünnen Langen an die Monos gestöpselt und ich hörte mich durch die üblichen verdächtigen (Marcus Miller, Malia + Boris Blank, Dire Straits, Pink Floyd) und was ich hörte, gefiel mir gut. Ich schreibe das jetzt aber nicht unter den Artikel der 52 ACL, sondern hier, weil im Anschluss die 91 zu ähnlichem Preis einfach alles erheblich besser machte.

Tolle Bühne, angemessene Auflösung, reichlich Dynamik, mitreißender Gesamteindruck. So sei das mal zusammengefasst.

Nach meiner persönlichen Meinung ist das hier die bisher beste BelAir. Ich mag es halt eher mit etwas Spaß (Bass/Höhen) und da punktet sie in jeder Disziplin halt ein wenig mehr als die erheblich kleinere 52. Natürlich liegt genau auch da der Nachteil, 60 Liter wollen auch vernünftig gestellt werden, aber der effektive Mehrwert auf der rein klanglichen Ebene ist nicht zu vernachlässigen.

So muss das und ich freu mich darauf, wenn es weitergeht!!! Zwinker!

Grüße aus dem Home-Office!

Der Andre

Last edited 1 Monat her by Andre

Hallo Udo,

nachdem ich mich umzugsbedingt leider von meiner L53 trennen musste schwebt mir als neues Projekt gerade die BelAir71 vor für mein neues, kleineres Wohnzimmer. Bevor ich die bestelle aber eine Frage 🙂 : Wird es auch noch eine BelAir91 geben?

VG Ben

Moin Udo,

vielen Dank, dann wird es die 71 :).

Gruß

Ben

Heute habe ich sie dann gesehen und gehört.

Erster Eindruck beim Anblick: Sind schon größer als die Doppel 7.

Erster Eindruck beim Hören: Machen schon deutlich mehr Druck als die Doppel 7.

Aber der Reihe nach…
Nach ein wenig Geplausche über die momentan verrückte Welt und Udos zukünftige Projekte (nein, ich verrate nichts), wurde es Zeit, die Neuen mit Musik zu füttern.

Da ich es noch von der Hintergrundmusik beim Plaudern im Ohr hatte, durften sie zuerst Hotel California von Hell Freezes Over in der K2HD-Version wiedergeben.
Passt. Saubere Stimmen, klar zu ortende Gitarren, knackige Bässe. Und das mit Verve.

Was kann der Bass? Nun im Vergleich zur Lady fehlen ihm laut Meßschrieb ein paar Hertz. Also nicht zu tief in den Keller greifen. Marcus Miller mit Jean Pierre bot sich da an.
Uff, so viel hatte ich nicht erwartet. Tiefgang und Dynamik waren auf verdammt hohem Niveau. Respekt.

Dann Ulla Meinecke und ihre Tänzerin. Das lädt zum Mitschnippen ein. Stimme passt, Räumlichkeit passt, Spass in den Backen bei mir.
Eine richtig schöne Gute-Laune-Box.
Ganz deutlich zeigte sich das bei Queen und A Kind Of Magic. Da wippten meine alten Füße ungezügelt mit.

Kleiner Hochtontest mit Samba Pa Ti von Abraxas MFSL Die Schwebungen der Gitarre stellten die Keramikkalotte von Eton schon mal vor Probleme. Der AMT scheute sich davor nicht. Kein bischen schrill, dabei aber hochpräzise kamen ihm die Töne von der gefalteten Membran. Das kann der ER4 auch nicht besser.

Zum Abschied dann noch Annie Lennox mit Why von Nostalgie Live.
Da kam dann doch ein wenig Wasser in den Wein. Die Stimme war recht verhalten. Die hätte ein wenig mehr Klarheit und Lautstärke vertragen.

Ich ließ mich zu der Bemerkung hinreissen: „Macht einen Höllenspaß, ist aber nicht die ganz feine Klinge. Klavierkonzerte würde ich mir mit der nicht anhören.“

Dann wurde es Zeit zu gehen bzw. fahren. Annie sang noch, ich stand auf und – schupps – einen Schritt hinter dem Sofa in stehender Haltung war alles da.
Saubere Stimme mit genügend Dynamik, zum Dahinschmelzen.
Da hatte wohl die dick gepolsterte Couchlehne den Hochton hintern Kopf gefressen.
Also großes Lob an die Doppel 9. Bei der richtigen Platzierung würde ich mir auch Klavierkonzerte damit anhören.

Jetzt höre ich schon die Fragen „Wie verhält sie sich denn im Vergelich zu…“

Einzelne Paarungen zu bewerten erspare ich mir.
Die Doppel 9 ist sehr nahe an der Linie 54. Fertig, aus.

Gruß vom Vadder

Sehr spannend, allein der Name verwirrt mich. Bezieht sich die 9 auf die 19cm?
Im ersten Lesen dachte ich gleich, das werden doch wohl keine 9″ Chassis sein???
Da allerdings 7,5″ Chassis eingesetzt werden, und der Bel-Air sogar etwas tiefer angebunden werden kann als der ER4 könnte das ein durchaus spannendes Konzept sein.
Andererseits, 6cm breiter ergibt auch schon die Lady…
Kommt drauf an wie die hausinterne Diplomatie mit der Regierung läuft 😉
Bin gespannt auf erste Berichte!

Die sonntagsmorgentliche Lektüre am Abend zu lesen hat auch was. Da fallen mir mehr Details auf, die sonst im halb komatösen Zustand gerne überlesen werden….
Danke für das „Geheimnis“ wie 2½ Wege Weiche entwickelt wird.
Einzig der Hochton auf dem Frequenzschrieb erscheint mir für mein Ohr etwas zu frech. Glücklicherweise kenne ich den Entwickler und der würde mir einen passenden HT Widerstand für mein Ohr einpacken 😉
Schöne Doppel 9 👍

Grüße
Rincewind

Ach Udo,
ich müsste erst einmal hören ob mich an dem Hochton der Doppel 9 etwas aus dem Diagramm stört. Dann erst könnte ich eine echte Aussage treffen und Dich nach einem passenden Widerstand für den HT Fragen. So bleibt es bei grauer Theorie 😉

Grüße
Peter

Ich hatte einen Termin auf der Couch gehabt. Wie es halt so ist, wurde die Doppel 19cm (Korbgröße) angehört. Dafür musste meine Playlist her halten:

  • Kenny Burell: Midnight Blue – verhaltener Anfang. Die Doppel 19 mit dem kleien eckigen Fenster oben spielt schön, doch im Ohr stört etwas. Aber was?
  • Musika Nuda: Eleanor Rigby – Kontrabas at is best. Doch was ist mit der Sängerin passiert?
  • Mark Knopfler: Redbud Tree – Klopfen, Bass ist da. Doch was ist mit den Gitarrensaiten passiert?… Hässliche Obertöne bin ich bei Udo nicht gewohnt. Udo hat schnell den Übeltäter identifiziert: Das neue Audio-Interface an seinem PC. Es spielt einfach zu Laut für die Hypex-Module. Einfach am Interface den Lautstärke-Regler drehen und schon klingt die Gitarre nach Mark Knopfler 😉
  • Kari Bremnes: Kanskje – Sieh, besser Hör das einer an. Die Doppel 19 kann auch Frauenstimmen. Und das auch noch in schön. Wenn am richtigen Regler gedreht wird (gilt sowohl für die Aufnahme wie auch die Wiedergabe-Technik)
  • Nicolo Paganini, Gil Shaham und Gören Söllscher: Sonata Concertata – ein wunderschönes, klassisches Kammermusik-Stück. Die Doppel 19 präsentiert sämtliche Vorzüge der Aufnahme mit leichtigkeit: Von sauber platzierten Musikern bis zu Dynamik-Sprüngen. Selbst die Geige spielt weich.
  • Dead Can Dance: Yulunga – live Aufnahme von Lisa Gerrards Ausnahme-Stimme. Dazu das gesamte Ensamble auf der echten und gehörten Bühne. Ja, die Doppel 19 sorgt für Gänshaut-Momente.

Kann die Doppel 19 auch Heimkino-Gefühl vermitteln?

  • Also Sprach Zarathrustra – Tiefe ist da. Auch wenn mangels Membrannfläche die Luft höchstens ein ganz klein wenig flirrt. Dennoch Orchester sind kein Problem.
  • Telarc Sound Expirience, Chille: Opening Sequence – Ohrenkino vom Feinsten: Gewitter, Schritte, Quitschendes Tor alles „bildlich“ in Szene gesetzt.
  • Cincinnati Pops Orchestra, Brad Fidel: Terminator Theme – Metallisch, Druckvoll, so muss es sein. Leider ist die Musikalität des Themas nach knapp einer Minute erschöpft… Zeit zu wechseln auf
  • Kenji Kawai: Making of Cyborg (Chant I) – Eine exotische Mischung aus Choral-Gesang in japanischer Sprache, Glöckchen und Trommelschlägen. Dennoch kann die Doppel 19 auch dieses selbst in gehobener Lautstärke präsentieren ohne den Chor kreischig oder nervig klingeln zu lassen. Die Trommelschläge sind präzise, wenn auch für den Film-Fan die Menge an bewegter Luft zu gering sein dürfte.

Ein wenig reine Elektronik um das Bild abzurunden:
Jean-Michel Jarre – Welcome to the other side (binaural Mastering) – Der Anfang, wo die Orgel „angeschmissen“ wird kommt gut, etwas mehr Tiefe und Luftbewegung hätte ich mir gewünscht. Doch dafür gibt’s ja noch BelAir Lady

Als Abschluss:
Gregory Porter „Liquid Spirit“ – Einfach zum Genießen. Die Doppel 19 betont ein klein wenig die Wärme in der Stimme von Gregory Porter. Platziert wie gewohnt die Musiker und den Sänger schön differenziert dem Ohr vor. Da es so schön war, darf Gregory noch „Hey Laura“ zum Besten geben. Ein wunderschönes Erlebenis der Emotionalität. Und dann war auch die Zeit auf der Couch schon vorbei…

Die Doppel 9 ist ein feiner Lautsprecher geworden, füllt fein die Lücke zwischen Bel Air Lady und Bel Air 52. Die Doppel 9 kann deutlich mehr Pegel und überraschenderweise ist der Hochton mit dem 19cm Körbchen nicht mehr so vorlaut. Für mich die bessere Alternative zu BelAir 52, da die Doppel 9 deutlich „erwachsener“ spielt.

@Udo: Der Hochton passt wie er es ist. Die Geige nervt nicht, der japanisch singende, bulgarische Frauenchor in „Making of Cyborg“ kreischt nicht – alles richtig gemacht!

Schick, schick, schick!
Ich hoffte auf etwas in der Bauart der Midu mit den 19ern. Der Pegel der beiden Treiber scheint aber so hoch zu sein, dass die kleineren Chassis einzeln da gar nicht mitkommen, also drei Wege sinnlos erscheinen. So bin ich gespannt, ob mir der Mittelton der Doppel 9 gefallen wird.
Udo, ich muss mal wieder bei Dir vorbei kommen und mir die Teile anhören 😉
Einen schönen Restsonntag noch,
Gordon

Hallo Udo, du schreibst die 17er sind zu leise. Aus Laiensicht hätte ich jetzt gedacht, wenn ein Chassis lauter spielt als ein anderes, dann schalte ich ‚einfach‘ einen ohmschen Widerstand davor und gut. Aber das stimmt dann wohl nicht pauschal. Gibt es eine Erklärung warum man das nicht macht? In Zeiten der Energiewende komme ich ad-hoc selber auf die Erklärung, dass man Verstärkerleistung nicht unbegrenzt und ’nutzlos‘ in Wärme an ohmschen Widerständen umsetzen will. Ist das der Grund?

Gruß Knutbox

Hallo,

Oh wie spannend, eine Abweichung von bisher eingeschlagenen Wegen. Finde ich super, zeigt es doch, dass hier nicht pauschal gewohnten Schemen gefolgt wird, sonder die sinnvollste Ergänzung gesucht wird. Quasi frischer Wind für die Ohren. Und so langsam scheint sich ein Probehören nicht mehr vermeiden zu lassen. Es gibt Schlimmeres:-)

Knutbox

Gleich zwei Bauvorschläge 🙂 Und die ersehnte BelAir 72 ist auch dabei. Nach der Grandlady kann man ja schon über Aktivierungen nachdenken 😀

Schönen Sonntag 🙂

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