The Lady sings the Blues

Wer eine neue Marke etablieren will, braucht recht schnell viele Bausätze. Daran habe ich mich gehalten, als ich vor fast sechs Jahren das Magazin in der jetzigen Form wieder zum Leben erweckte und Knall auf Fall von fast allen Bausätzen aus meiner Vorzeit befreit war. Heute ist es harmloser, eigentlich ist sogar weiterhin alles vorhanden. Mir fehlt momentan nur die Premium-Klasse, der obere Blues. Also muss ich nicht mehrere Bausätze gleichzeitig auf die Welt loslassen, sondern kann nach und nach die neue Serie mit kurzen Erholungsphasen für mich und die Leser in Ruhe reifen lassen.

Zur Erinnerung: BelAir ist ihr Name und das ist Programm. Der neue Air Motion Transformer von SBAcoustics bildet die Grundlage, naja, eigentlich sitzt er eher oben. Und da gehört er ohne jeden Zweifel auch hin. Sein Entwickler Ulrik Schmidt hat einen großartigen Hochtöner geschaffen, der sich nicht vor anderen AMT’s wegducken muss.  Kooperieren muss er mit den schon bekannten Satori-Chassis, die mir für die Kombination mit einem Kalotten-Hochtöner einfach zu schade waren. Für eine gute Übersicht habe ich den BelAirs Zahlen angehängt, die einmal die Größe des „Basis-Chassis“ und zusätzlich die Rangfolge innerhalb der Familie angeben. So hat die 71 einen Siebenzöller und steht ganz unten in der Hierarchie. Die 52 dagegen hat schon den 2. Platz in ihrer Reihe erklommen, ihr Nachname „ACL“ verrät das Bauprinzip. Heute folgt der dritte Streich, selbst erklärend ist es die BelAir 73, die allseits erwartete Dreiwege-Box mit 24er Bass, 17er Mitteltöner und natürlich AT 60 NC 4.

Neu für mich war der 24er Bass, den ich sofort nach Ankunft und stundenlangem Einschwingen auf meine Messwand schraubte. Und schon gab es ein ungläubiges Staunen. Auf dem Korb gab es neun Löcher, durch die er mit der Schallwand verschraubt werden konnte. Aber wenn schon die Korbmaße und die Optik der Satoris recht ungewöhnlich sind, warum dürfen dann nicht auch weitere Abweichungen von der heute so sehr verehrten Einheits-Norm vorhanden sein?

WO 24 P-8

Ausstattung:
Membran Hartpappe beschichtet Polplattendicke 6 mm
Sicke Gummi Wickelhöhe 23 mm
Korb Druckguss Magnetdurchmesser 120 mm
Polkernbohrung ja Befestigungsbohrungen 9 mm
Zentrierung Flachspinne Außendurchmesser 243 mm
Magnet Neodymmagnet Einbaudurchmesser 210 mm
Schwingspule 49,5 mm Einbautiefe 132 mm
Träger Fiberglass Frästiefe 9 mm
Parameter:
Fs 28 Hz Cms 0,95 mm/N
Diameter 186 mm Mms 48,8 Gramm
MMD 46 Gramm BL 10,7 Tm
Re 6,1 Ohm VAS 69 Liter
Rms 1,3 kg/s dBSPL 87 dB/2,83V
Qms 6,58 SD 272 cm²
Qes 0,46 Qts 0,43

Messungen:

Schnell waren die Parameter in LSPCad eingegeben, die Simulation riet mir zu 81 Litern Reflexvolumen mit 39 cm² Öffnungsfläche bei 12 cm Kanaltiefe.  Dafür versprach sie 27 Hz als -3dB-Punkt. Ob es auch 10 Liter kleiner, aber mit größerem Reflexkanal geht, fragte ich.  Na gut, sagte das Programm: 71 Liter, 66 cm² Öffnungsfläche und 27,4 cm Kanaltiefe für 28 Hz (-3dB).

Für den MW 16 P-8 brauchte ich mindestens 12 geschlossene Liter, damit er tief eingekoppelt und vom Bass befreit fast die gesamten, menschlichen Stimmlagen abdeckt.

Zweiteilig war der Wunsch zweier Leser, als die neue BelAir vorweg diskutiert wurde. Also setzte ich Bass und MHT in getrennte Gehäuse, die übereinander gestellt ein Ganzes ergeben. Aus optischen Gründen umbaute ich für den MT 16 Liter Luft mit Holz. Ich wählte wegen der Einheitlichkeit und weil es gut zusammen passt 18 mm Multiplex für die aufgesetzten Fronten und Rückwände, die restlichen Bretter bestehen aus 19 mm schwarz durchgefärbten MDF. Oben sägte ich sie wieder auf Gehrung, wodurch unschöne Schnittkanten vermieden werden. Freecad-Dateien gibt es hier für Unter– und Oberteil.

 

Der Bau des Oberteils wurde bereits im Bericht über die BelAir 71 fotomäßig ausführlich dargestellt, wir müssen uns nur das Loch für das Reflexrohr wegdenken. Also reicht es aus, wenn ich an dieser Stelle weniger Platz verschwende und nur den Bau des Basskastens bebildere.

Nach gut 20 Ruheminuten drehte ich die Box um 90 Grad in aufrechte Position, damit der Reflexkanal eingeleimt werden konnte. Die beiden Hilfsleisten mit 25 mm Höhe hatte ich mir in der Wartezeit zugeschnitten.

Noch einmal rotierte der Kasten zur Verklebung der zweiten Seite und der Front zurück in seine Ausgangslage. Eine Klemmzwinge hielt das Reflexbrett von der Reise zum Mittelpunkt der Erde ab.

Nach gut einer Stunde und dem Schliff standen vier Behälter zur Aufnahme der Innereien aus Dämmstoff, Kabeln, Terminals und Chassis bereit.

Ein gemischtes Paar wanderte nach seinem Innenausbau in die Messkammer, wo die gewohnten Anpassungen des Frequenzgangs stattfanden. Um dennoch auch einmal den üblichen Pfad zu verlassen, verkabelte ich diesmal zu Beginn der Prozedur das Oberteil mit der BelAir71-Weiche und versuchte mich im Folgenden an der Trennung von Bass und Mittelton.  Hierbei habe ich berücksichtigt, dass Stimmen vornehmlich vom 16er wiedergegeben werden sollen. Der Übergang sollte deshalb sehr deutlich unter 200 Hz liegen, was mittels großer Spulen und Kondensatoren realisiert wurde. Üblicherweise wirkt sich der Hochpass des Mitteltöners auch auf den weiteren Verlauf aus, was kleine Änderungen an den 71er-Bauteilen nach sich zog.


Nun konnten die Lautsprecher auch mit den Weichen verheiratet werden. Damit dazu keine Fragen übrig bleiben, gibt es ein paar Fotos.

Drei Matten Polsterwatte mit 40 x 80 cm werden locker zusammen gerollt in die Bassabteilung gesteckt, nachdem die Bassweiche auf die Rückwand hinter dem Tieftöner geklebt wurde. Der Bereich um den Reflexkanal-Einlass bleibt dabei frei.

Das Oberteil wird mit zwei Matten (40 x 40 cm) gefüllt, die Weiche wurde vorher an die Rückwand geklebt. Der Hochtöner wird über zwei Wago-Klemmen  mit ihr verbunden.

„Schön sehen sie aus, aber kann man sie auch einteilig bauen?“ höre ich nun die Freunde klassischer Aufbauten fragen.  Natürlich kann man, dafür habe ich sogar das MHT-Abteil auf die minimalen 12 Liter geschrumpft.

Für den leichteren Transport in den Hörraum habe ich Möbelrollen unter das Bassgehäuse der BelAir 73 geschraubt. In vielen Wohnzimmern sind sie ebenfalls sehr nützlich, denn für große Lautsprecher gibt es immer zwei Standorte. Am ersten stören sie am wenigsten, dafür klingen sie am zweiten am besten. Und damit sie vor und nach dem Hörgenuss bequem wieder dorthin gestellt werden können, wurden Rollen schon vor sehr langer Zeit erfunden.

Viel zu erzählen gibt es aus dem Hörraum eher nicht. Es spielte dort lediglich die schon ausführlich beschriebene BelAir 71 mit einer Basserweiterung, die für das nötige Fundament in größeren Räumen sorgt.  Auflösung, Ortbarkeit, Tiefenstaffelung und Tonalität litten nicht darunter, dass es noch mehr Informationen im Basskeller gab. Die Stimme wurde weiterhin bruchlos vornehmlich aus einem Chassis wiedergegeben, was der Homogenität des gesamten Klanggeschehens sehr zugute kommt.  Nicht geschadet hat es der Rockmusik, dass dem Schlagzeuger eine größere Bassdrumm zur Verfügung stand, die das Polster des Sofas schon bei erträglicher Lautstärke leicht erzittern ließ. Profitiert hat auch die Orgel, deren lange Pfeifen ohne Anstrengung einen großen Bassteppich unter die Melodie legten. Selbstverständlich wurden dabei die leisen Töne nicht vergessen, die beim Hantieren mit Instrumenten nun mal entstehen. Dass sie nicht vordergründig auffällig waren, halte ich für eine der vielen guten Eigenschaften der BelAir 73. Sanft oder krachend, nichts brachte die Lautsprecher aus dem Takt. Technisch also alles in grünen Bereich. Doch das ist es nicht allein, was eine exzellente Box auszeichnet. Kann sie denn auch Emotionen zum Zuhörer tragen?

Einen Grund gab es eher nicht, warum mir gerade Billie Holiday bei der Suche nach dem Blues in die Hände fiel. Was ihr Musik bedeutet, sagt sie eindrucksvoll in ihrer offiziellen Biographie. Jahrelang sein Lied in gleicher Weise vorzusingen, sei militärischen Drill, Exercitien oder Jodeln, nicht aber Musik. Die lebt von den Empfindungen des Tages und Emotion ist nicht täglich gleich. Nein, es sind keine audiophilen Aufnahmen, die aus der Zeit von 1933 bis 1959 stammen. Aber sie rühren auf wie ihr „Strange Fruit„, in  dem sie angewidert und verständnislos die Lynchjustiz in den Südstaaten anprangert. Es war stets das letzte Lied in ihren Konzerten, danach konnte nichts mehr gesungen werden.

So war es auch nach meinem Hörtest, der seinen imposanten, emotionalen Abschluss gefunden hatte. Nur gefiel es mir nun gar nicht mehr, dass diese so prächtig aufspielenden Lautsprecher weiterhin einen völlig profanen Namen trugen. „The Lady sings the Blues“, schoss es mir durch den immer noch gefühlsmäßig aufgedrehten Kopf und so muss sie folgerichtig dann auch heißen – BelAir Lady.

Udo Wohlgemuth

Zur BelAir Lady im Online-Shop

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Hallo zusammen,
Sieht interessant aus. Bei der tiefen Übergangsfrequenz wäre interessant, ob der Tieftöner auch seitlich in einem dann gleichbreiten aber tieferen Gehäuse (selbes Nettovolumen) gestellt werden könnte?
Grüße Tim

Bei Udo gibt’s was Neues!
Dafür kann man auch schon Mal 7 Stunden durch die Gegend fahren, dank LPG gerade noch so vertretbar. Hortus Nanum Roland trotz fehlender roter Zipfelmütze ins Auto gepackt, Markus kam aus der anderen Richtung dazu und spitze 6 Ohren auf dem Weg zur Couch. Vorher noch schnell meine Test CD geschnappt, mir der ich schon vor 10 Jahren auf die Hifi-Jagd gegangen bin (siehe Göttingen Artikel).
Die große Frage natürlich:

„Was ist besser, Duetta oder die neue Lady?“ – „JA“

ist die einzig mögliche Antwort, gewürzt mit ein wenig des klassischen „es kommt darauf an“

Aber zuerst zum Aufwärmen eine Runde mit der 52ACL. Fantastisch und faszinierend wie tief der Spargel spielt!
Als Roland nach der Pegelfestigkeit fragt meint Udo nur so zu mir: „Dreh auf“.
Uff… Pappen poppen überlasse ich lieber dem Erfinder – aber er hat nicht zuviel versprochen, sein beherzter Dreh am Regler schafft Party Atmosphäre im großen Raum. Gleich ein strahlendes Grinsen über Markus‘ beide Ohren:
Die kleinen spielen fröhlich weiter ohne zu murren.
Allerdings, ob es am Raum oder am ACL Prinzip liegt kann ich nicht sagen, irgendwie hört es sich für mich dann jenseits der Vernunftgrenze doch etwas gepresst an. Als würde da jemand zu etwas gezwungen was die Physik eigentlich nicht will. Ordentlich Pegel: ja, absolut genießbar. Bei Vollgas ging dann aber doch die Entspanntheit verloren, aber das bei Pegeln, die ich nie getestet hätte. Respekt den Kleinen, auf jeden Fall schon Mal eine dicke Überraschung. Eigentlich weiß ich ja schon, das ACL mehr kann als man denkt, aber immer wieder ein Fest. Klar umrissene Bühne, fast wie in die Mitte genagelt, erstaunlich viel tiefer als man denkt. Gleich mal eine Kaufempfehlung für den Waf-bewussten Hörer. Und: im großen Raum mit mehr Platz thront souverän die Lady.

Soweit zum Vorspiel, aber die größte Anziehungskraft hat natürlich die Lady!
An dieser Stelle hätte ich dann im Nachhinein erst Mal mit der Duetta meine Ohren eichen sollen. Wie sich später herausstellte sind Raum und Verstärker und Umschalter bei Udo relevante Einflussfaktoren, die das Setup doch ziemlich anders auftreten lassen als bei mir.

Jetzt zur Lady, als erstes fällt mir die grandiose Tiefenstaffelung auf, das habe ich so noch nicht gehört. Auch bilde ich mir ein bisschen mehr Wärme als bei der Duetta ein. Zusätzlich scheinen die Mitten etwas präsenter. Udo macht uns auch zurecht auf die Leichtigkeit des Tieftöners aufmerksam, der einige Nuancen auch noch deutlicher macht, und dabei etwas satter oder weniger trocken als die Duetta spielt.
Im Folgenden haben wir dann so einige Titel rauf und runter gehört, Duetta und Lady in Wechsel, dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass die Duetta aktiviert und damit ohne Passivweiche gespielt hat, während die Lady klassisch an zwei Hypex Mono Endstufen hing. Nach dem Umschalten musste immer wieder neu der Pegel gefunden werden.
Roland hat sich etwas weniger Präsenz in den Mitten gewünscht, woraufhin Udo temporär einfach mal noch 1 Ohm vor den Mitteltöner geklemmt hat, fand ich auch gar nicht mal so schlecht.
Stromgitarren kommen weiterhin spritzig rüber, etwas mehr Pepp als bei der Duetta. Schlechte Aufnahmen werden aber gleichermaßen enttarnt, da verzeiht die klassische SB Reihe doch mehr.
Alles in allem ein erstaunlicher Lautsprecher die Lady, wird vielen Spaß machen!
Ich persönlich kann 10 Jahre Duetta nicht so schnell aus dem Kopf bekommen, einfach entspannt aus einem Guss. Dazu kommt die Elektronik bei mir im Wohnzimmer meinen Vorlieben noch mehr entgegen.

Mit der Lady kann man es krachen lassen, die sehr klare deutliche Bühne macht Freude, liegt aber sicherlich auch daran, dass sie näher beieinander stehen.
Die Mitten sind präsenter als gewohnt, der Bass zeichnet schöne Melodien und der neue AMT ist sehr fein gelungen, braucht sich hinter dem legendären ER4 nicht verstecken.
Der Vergleich ist gemacht, wie zu erwarten hat Udo geliefert. Und auch diesmal kann man die Entscheidung für andere nicht treffen, beide auf höchstem Niveau, und dabei unterschiedlich genug um nebeneinander stehen zu dürfen.
Meine größte Befürchtung, dass auf einmal dringend neue Bedürfnisse entstehen und ich mein Heimkino austauschen muss, ist zum Glück nicht eingetreten. Andere Ohren könnten das anders „sehen“.
Für den Neukäufer wird es eine schwierige Entscheidung, bei der man aber andererseits nichts falsch machen kann.
Die Zurückhaltung bei Platzbedarf und Geldbeutel spricht da eindeutig für die Lady Belair, die Lieferbarkeit auch.

Moin .. dann gebe ich hier auch noch meinen Senf dazu 🙂
Nach der kleinen 52er ACL war natürlich die Erwartung an die Lady hoch. Was soll ich sagen? … Volltreffer!!!
Meine subjektive Wahrnehmung: Tolles Stück Technik. Optisch gefällt mir das ganze schon mal, wirkt im Vergleich mit der Dutta noch zierlicher als sie ist .. also Kabel um gestöpselt und los:
Malia und Boris Blank: Da stahlen die Augen und das Ohr freut sich. Dieser Bass. Ich mag den etwas kräftiger klingen Bass, auch wenn er etwas weiniger präzise ist im Vergleich zur Duetta… aber zur Ehrenrettung: Duetta aktiv, Lady passiv!!! Hier würde mich doch echt interessieren was da noch kommt wenn die Lady aktiv befeuert wird 🙂
Fanta4, Ein Tag Am Meer: Der Anfang … die Darstellung der Töne… Toll .. und dann der Bass wieder 🙂
Stimela: Auch hier .. es hört sich einfach rund an. Das Stück, wenn Trompete und Saxophon ihr Bestes geben … Toll. Man hat das Gefühl: So sollen sich die Instrumente anhören … ist mittendrin. Auch Dank der Hintergrundgeräusche aus dem Publikum ….
Niels Lofgren Keith Don’t Go: Gitarre kann die Lady auch ganz toll. obwohl mir die Lady insgesammt etwas „wärmer“ vorkommt als die Duetta, kam mir dieses Stück irgendwie „kühler“ vor – das ist schon was mit der Psyche 🙂
Leider musste ich das Geschehen früher verlassen … hätte noch stundelang hören können .. das ist mal ein Kompliment 🙂

Hallo zusammen,
als dritter im Bunde auf dem Sofa habe ich meine Eindrücke eine gute Woche sacken lassen und möchte nun die Ausführungen meiner Vorredner ergänzen:
Die Bel Air 52 ACL durften wir ganz am Anfang hören. Ich mag ja die schmalen Spargel, habe mir ja auch just ein Paar SB30ACL gebaut. Im Vergleich zu diesen beeindruckte mich vor allem die Feinzeichnung, zu der der Satori AMT fähig ist. Er arbeitet die feinsten Details, Einatmer, Finger-auf-dem-Griffbrett-Versetzer, Filz-an-die-Saite-Anschlager heraus, so als würde man direkt bei der Aufnahme neben dem Musiker sitzen. Wenig überraschend, hatte uns das ja Udo schon in seinem Artikel angekündigt. Überraschender war da schon, dass daran nicht mal Matthias etwas auszusetzen hatte, der ja sonst nichts über den Eton kommen lässt. Dieser hat aber jetzt offenbar einen in allen Belangen ebenbürtigen Marktbegleiter bekommen. Schlechte Aufnahmen werden gnadenlos bloßgestellt, da ist der Hochtöner der SB-Reihe deutlich verzeihender. Auch dies mag je nach bevorzugter Quellenwahl für den einen oder anderen ein Kriterium sein.

Nach etwas alkoholfreiem Gugelhupf mit Cognac (Gemüsesuppe war nicht zur Hand) ging es dann weiter zum eigentlichen Grund unseres Besuches, dem „Shootout“ zwischen Queen und Lady.

Vorausschicken möchte ich, dass es sich bei den gehörten Unterschieden um Nuancen handelt. Beides sind großartige Lautsprecher, die jeder für sich für mich(!) das obere Ende des klanglich Vorstellbaren markieren. Dass das alles subjektiv ist, ist sowieso bekannt.

Im Tiefbass waren beide ebenbürtig. Die Duetta spielte hier einen Tick kontrollierter, Udo führte das aber glaubhaft auf den Hypex zurück, der die große Membran mehr an die Kandare nahm, wie der Verstärker an dem die passive Lady angeschlossen war. Wird spannend wie eine aktivierte Lady diesen Punkt verteidigen kann.
Beeindruckt war ich von den Klangfarben, die das Satori-Basschassis wiedergeben konnte. Eine Basedrum machte nicht nur „Bumm!“, sondern man hörte nuanciert das Fell der großen Trommel vibrieren. Udo erklärte das mit der im Vergleich zu Eton deutlich leichteren Membran des Tieftöners. Der Punkt ging für mich an die Lady.

Wie Matthias schon erwähnt hat, war die Lady mir im Mittenbereich einen Tick zu präsent. Sicher gibt es Leute, die Udos ursprüngliche Abstimmung besser finden, mir gefiel die Lady mit dem kurzerhand in die Weiche geklemmten Widerstand von 1 Ohm vor dem Mitteltöner. Sehr praktisch, wenn man den Entwickler bei der Hörprobe gleich zur Hand hat. 😉
Die Duetta ging hier gewohnt gelassen zur Sache, die bekannt nahtlose Anbindung des Hochtöners an den Siebenzöller hatte hier für mich die Nasenspitze leicht vorn.

Als Fazit steht für mich ein unterhaltsamer und sehr kurzweiliger Nachmittag mit guten Gesprächen und Musik, in netter Gesellschaft und mit hervorragender Lautsprechern. Die Frage: „Duetta oder Lady?“ muss sich der geneigte Leser wie immer selbst beantworten. Selber hören bleibt Trumpf. Und der Weg nach Bochum lohnt sich auf jeden Fall schon für eine von beiden.

Ich hatte die Gelegenheit die Lady Musik spielen zu hören.
Kurzfassung: Kaufempfehlung!
Langfassung: Die Verjüngung der Duetta – 20 Liter weniger umbaute Luft, kein Problem mit wandnaher Aufstellung – WAF um 200% Verbessert.
Klanglich frisch und dynamisch und mit sehr präzisen wie auch kräftigen Bassfundament. Absolut Class D tauglich.
Da merkt man, dass die Technik in den letzten Jahren sich weiterentwickelt hat.
Mach weiter Udo, ich bin gespannt ob es auch eine Satori-Höre geben wird.

Grüße
Rincewind

Last edited 3 Monate her by Rincewind

Moin.
Vom Ausflug nach Bochum zurückgekommen, möchte ich mich den Worten von Peter anschließen. Wir haben uns zusammen mit Joschi, der Stereokatze, die Couch geteilt und die Lady gehört, besser gesagt, zugehört.
Der erste Gedanke war, die klingt aber schön. Luftig , leicht mit tollem, präzisem Bassfundament. Dabei sieht sie so zierlich aus, was sicher dem ausgesuchten Hölzern zu verdanken ist 🙂
Udo, die Lady ist supergut gelungen.
Schließe mich Peter kurz an: Kaufempfehlung!
Ein Highlight, war dann, als Peter seinen HK 665 angeschraubt hat. Eine tolle Kombi für gewisse Stunden mit der Lady…

Eine geruhsame Nacht

Rodscher

Moin,

vorneweg danke fuer den Bericht, schoen dass Du Dir die Zeit nimmst! Ich muss gestehen, dass ich auch schon gespannt auf eine Satori-Hoere waere, denn das ~50 qm-Wohn-/Esszimmer meiner Eltern koennte mal eine angemessene Beschallung Vertragen (aktuell U_Do 71…).

Nur eine kurze Frage zur wandnahen Aufstellung, denn das waere bei mir vermutlich auch interesssant. Klappt die wandnahe Aufstellung hier einfach „durch Glueck“ oder ist an der Konstruktion etwas anders als gewoehnlich? Ich dachte immer, nur ACL ginge wirklich wandnah, und bei BR-Boxen sollte man besser (ordentlich) Platz haben. Meine SB417 z.B. ist wandnah nicht die beste Loesung.

Viele Gruesse,

Jan

Moin Udo,

Geduld habe ich jede Menge, und vor allem bin ich erst im Juni wieder im Lande. Mutters Haus hat mich auch so gut beschäftigt, dass ich jetzt erst auf die letzten Tage hier versuche, die Linie 74 in Duo D’Appolito noch fertigzumachen. Es war echt viel zu tun zu Coronazeiten! Aber wo Du gerade am Entwickeln bist, dachte ich mir, man kann ja mal einen Wunsch für die Zukunft äußern.

Danke ebenfalls für Deine Erklärungen, dann passt das ja, und Satori hat nicht die Eierlegende Wollmilchsau erfunden mit den neuen Treibern.

Frohes Schaffen!

Jan

Hallo,

interessante Entwicklung. Ich brauche immer den Vergleich. Daher wäre eine sehr grobe Vergleichsbeschreibung zur Duetta sehr wünschenswert.

Ferner noch eine Frage an Udo:
ich habe bereits mehrere LS selbst entwickelt. Bei niedrigen Trennfrequenzen zw. Bass und MT (… 150-300Hz) ist eine Entzerrung des oberen Impedanzhöckers unumgänglich. Ansonsten gibt es (zumindest bei meinen Entwicklungen) eine Bassüberhöhung (Ausprägung abhängig von der Trennfrequenz) im Bereich um die 100 Hz. Das ist sowohl in den elektrischen als auch in den akustischen Frequenzgangmessungen nachweissbar und akustisch sowieso (Dröhnen).
Solche Impedanzentzerrung habe ich noch in keiner deiner Projekte gesehen und trotzdem (gegen die physikalische Theorie, da das TP Filter auf keine annähernd ohmsche Komponente wirkt sondern auf die kapazitive LS Komponente und sich damit ein Schwingkreis ergibt) ist keine derartige Bassüberhöhung sichtbar. Gibt es da eine Erklärung?

Merci und VG!

Diktatorisch nenn ich sowas! Adieu.

… früher nannte man es gemeinhin Hausrecht.

Gruß,
-Sparky

Chapeau, Udo.

Nach dem heutigen Lauschangriff auf die Lady kann ich nur den Hut ziehen.
So etwas Unaufgeregtes hatte ich nicht erwartet.
Bei dem ganzen Musikprogramm wurde sie nie lästig, ziselierte trotzdem sehr fein und stellte alles auf der Bühne an den richtigen Platz.
Dazu der tiefenentspannte, lässige und gleichzeitig präzise Bass…
Die paar Hertz Unterscheid im ganz dunklen Keller zur Duetta sind eher Geschmackssache als ein handfestes Kriterium.
Egal ob Brothers in Arms oder Telegraph Road, die Dire Straits gingen locker von dem Membranen, der AMT harmoniert blendend mit Mittel- und Tieftöner. Nichts sticht ins Ohr. Da kommt Wohlfühllaune auf und man freut sich auf längere Sessions.
Das Tüpfelchen aufs I war dann Pink Floyd mit Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5) vom 2011er Remaster.
Alle Klänge wurden fein im Raum verteilt und irgendwie kuschelte man sich in die Musik.

Machen wir’s kurz: Ein ganz großer Wurf. Mach weiter so!

Gruß vomVadder

Sieht sehr Schick aus jetzt noch den HT in Ganz Schwarz ein Traum.
Die Linie 43 verrichtet erstklassigen Job sonst hätte ich zugeschlagen.

Bin gespannt was alles noch so kommt .

Hallo zusammen,
still mitlesend habe ich auf diesen Beitrag gewartet – ein Upgrade der SB-Reihe auf deutlich mehr Volumen für ein großes Wohnzimmer stand schon lange an.. Aber Duetta und SB war so verschieden, dass ich keine Kombination wagte (fürs Heimkino).
Nun die Frage: Wie kompatibel (insbesondere von den Hochtönern) sind die SB und die Satori? Vergleich mit der SB240 wäre spannend!

Saludos
Felix

Moin.
Eine Lady, um der Herren Gehör den Hof zu machen. Sehr emanzipiert. 3 Neue! Freu mich auf das Sitzen auf Deiner Therapiecouch. Muss aber nicht bis zum Ende des Jahres dauern. Spontanverschiebungen Deiner Helmholtzresonatoren hat Matthias DA ja schon angeboten. Verschiebe gerne mit
Gruß rodscher

Sehr interessant und schaut echt schick aus. Jetzt freue ich mich schon auf ein Jahresendevent. Irgendwann muss es doch wohl mal sein…

Weiterhin gutes Gelingen für die ganzen anderen Ladies in groß und klein.

Grüße Enrico

Ja Hallo,
nach anfänglicher Trauer um die tollen Eton Chassis war ich schon sehr gespannt auf die neuen Entwicklungen. Udo hat mir auch erst ein wenig leid getan, dass er sich so hart von Eton verabschieden musste.
Aber ich habe dann den Herrn Wohlgemuth unterschätzt und ziehe hier meinen Hut!!
Eine neue Serie aus dem Hut zu zaubern und dann noch auf höchstem Niveau zu bleiben macht neugierig.
Ich freue mich schon auf einen Hörtermin und werde berichten ;o)
Grüße von Chris

Ich hoffe ja, dass die Eton Produkte nicht verabschiedet wurden, sondern nur grad nicht lieferbar sind…

Last edited 4 Monate her by n8flieger

Na das will ich doch hoffen. Ich brauch nämlich noch einen Duetta Center zu meiner Doppel7. 😊

Hallo Udo,

Gibt es eigentlich was Neues bezüglich der Liefertermine der Eton Produkte?

„…wurden Rollen schon vor sehr langer Zeit erfunden.“ 😀
Gummi-Rollen ausm Baumarkt reichen da vermutlich aus; durch das Gummi sollte genug Dämpfung für die Nachbarn vorhanden sein!?

Hi Udo,

Begeisterung ist das Wort, das beschreibt, was in mir vorgeht! Die Entstehung der meisten deiner legendären Eton-Konstruktionen war schon geschehen, als die ersten Quicklies 2013 mein Studentenleben erquickten – ok, lassen wir das mit den Wortspielen. Nun kann ich die Geburt neuer Legenden mitverfolgen. Das macht einfach richtig fröhlich 🙂

Im Sommer wird in meinen vier Wänden dann wohl ein kleiner Wechsel stattfinden. SB 36 gegen BelAir xx.

Bin gespannt wenn das Pendant zur Doppel 7 erscheint. Großes „Gefällt mir“!

Gruß,
Helge

Hallo Helge,

Yep, genau darauf warte ich ab jetzt auch.
Mittelding von der Größe her zwischen der BelAir 52 und der BelAir 73.
Und das als einteiliger Aufbau, da die Lady einteilig bei uns leider zu breit ist.
Bin echt gespannt, was Udo da noch alles zaubert.

Mit wartenden Grüßen,
Jürgen

Da ist sie ja, die junge Dame. Zierlicher ist sie geworden, nur noch ca. 80 Liter umbaute Luft, wo die alte Dame gut und gerne 20+ Liter mehr hat.
Ich hoffe, dass ich der Stimme der BelAir bald lauschen kann. Die Messungen besagen, dass BelAir Dame mit ihrem 85dB etwa knapp halb so laut ist, wie alte Dame mit 90dB. Damit passt die BelAir Lady zum Zeitgeist, wo Verstärkerleitung im Überfluss zur Verfügung steht, während der Wohnraum schwerlich für umbaute Luft geopfert wird. Und die Stimme der BelAir Lady, so der Vergleich der Frequenzgänge, könnte als leicht frischer empfunden werden.
Da bin ich auf mein Hörerlebnis gespannt.

Du bist gut mit dem Zeitgeist mitgegangen Udo!

Grüße
Rincewind

Last edited 4 Monate her by Rincewind

Moin Udo.

ich bin nach wie vor sehr zufrieden …….aber zum Glück gibst Du ja keine Ruhe 🙂
nu is auch bei mir die Habgier wieder erwacht

Daumen hoch

VG
Kay

Moin Udo,

da ist sie, die neue Hofdame und schmuck sieht sie aus.

„Schön sehen sie aus, aber kann man sie auch einteilig bauen?“ höre ich nun die Freunde klassischer Aufbauten fragen. 

Ja, sage ich da nur 🙂
Noch immer kam ich nicht dazu, überhaupt mal ein Konstrukt der BelAir-Serie zu hören, doch wenn ich ende des Monats von der aktuellen Montage zurück bin, ist es glaube ich Zeit, dies mal zu ändern….

Gruß,
-Sparky

Da ist sie ja..
Wunderschöne Proportionen und ideale Außenmaße. Wenn eines Tages die Aktive da ist, werde ich anfangen müssen, meine Frau zu bearbeiten. Und ‚Lady‘ wird sich da sehr gut etablieren können.. Danke für die Arbeit, Udo!

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