Sparkies SB 12_6L mit MDS12BR

Das Leben schreibt doch die besten Geschichten, Lautsprecher habe ich schon einige gebaut, wieso eigentlich nie einen Bericht, vielleicht hatte ich ja die ganze Zeit eine Schreibblockade. Aber bei 6 Liter Nistkästen, da wäre ich im Traum nicht drauf gekommen. Wer braucht solche Winzlinge? Ich jedenfalls nicht.Scheinbar suchen doch immer mehr Leute kleine LS aus den verschiedensten Gründen. Gerade der WAF ist doch für einige Boardies ein großer Faktor. Aber gut klingen sollen sie trotzdem. Bin ja öfter im Lautsprecherbau Forum unterwegs, immer wieder lese ich die Frage, „Gehen die auch kleiner?“ So kam eine Idee wieder in Erinnerung, die ich bei Boardie „Plimse“ mal gesehen hatte. Aber es gab keinen Bericht oder sonstige Infos. Was tun? Die Suche war eröffnet.

 

Vorgeschichte (Schülzken)

Sparky und ich kennen uns nun schon einige Jahre, ich weiß noch, als er im zarten Alter von 16 Jahren bei uns in der Firma als Lehrling anfing. Von nix ne Ahnung, aber sehr wissbegierig und hat dem zu Folge eine hervorragende Karriere hingelegt. Irgendwann vor ca. X Jahren am Sankt Nimmerleinstag hab ich ihn mal gefragt „Was hast du eigentlich für ein Hobby?“ Antwort, wie aus der Pistole geschossen „Elektrotechnik, mein Beruf ist mein Hobby.“ Aha OK, dachte ich mir, Bursche du kannst mir helfen. „Hörst du auch Musik?“ „Ja.“ „Womit denn?“ „Joghurtbecher aus Berlin“. „Hmm kenn ich, hatte ich auch mal.“ „Bist interessiert, mal gescheit Lala zu hören? Dann komm mal vorbei.“

Und die Dinge nahmen ihren Lauf. Ich war gerade dabei die SB 12 ACL für meine Frau zu basteln. Bei der ersten Testhörung war er dann dabei. „Hammer, Bombe, das hätte ich jetzt nicht erwartet“, war seine Antwort. Haben will. Relativ zeitnah standen selbige LS auch bei Ihm im Wohnzimmer. Damit nicht genug, es folgte die Little Princess.

Bei meinen Hörsessions mache ich immer 2 x 5 Minuten Sequenzen Heimkino, damit die Gäste hören können, was mit LS aus der Schmiede Wohlgemuth im Heimkino möglich ist. Ich weiß nicht, ob da der Gedanke bei Sparky geboren wurde, sich auch mal damit zu befassen. Aber kleiner als bei mir darf es ruhig sein, ob der Raumgröße, die bei Ihm möglich ist.

Da war er wieder, der Gedanke, der einen nicht mehr loslässt. Aber womit machen? Bluesklasse sollte es schon sein. Rücksprache mit Udo. Im Thread „2. Hörsession in Ennepetal“, dann die Bestätigung, SB 12 6L sollte möglich sein. Udo meinte: “Macht ein Leserprojekt draus, ich messe auch die Kisten, ob -3dB bei 80Hz möglich ist.” Warten wir es ab.

     
Amplitude  Impedanz  Klirr für 90 dB
     
Winkel 0/ 30/ 60°  Step  Wasserfall

Jetzt war noch die Frage zu klären, welchen Bassisten wir nehmen. Eigentlich zwingt sich der SB23 SUB ja förmlich auf. Oder doch den SB29? Nein, wir überlegten uns was anderes. Wir schauten uns einige Alternativen an. Bandpass? Ne, nicht wirklich, oder doch, halt Stopp, was ist das? Intertechnik empfiehlt den MDS12 auch in 50-60 Liter BR. Ah gut, noch fetter, sogar 12“ mit Doppel-Schwingspule. Elektronische Rechenhilfe bemüht, und die Tools unter Werkstattpraxis brachten uns gute Ergebnisse. Udo, wie kannst du eine Kevlar Membran im Bandpass Gehäuse verstecken. Die sieht doch viel zu schön aus.

MDS12, eine fs von 29,5Hz, rechnen wir mal den -3dB Punkt bei 30Hz. Sehr gut, 50 Liter BR, sieht gut aus. Obwohl 12“, ist der Trümmer gar nicht so ein Trümmer. Ein HP15 sieht weit gewaltiger aus. Fast vergessen, wir brauchen ja noch ein Modul. Aber welches? Nun gut, was bei mir für den HP15 gut ist, sollte für den MDS12 auch reichen, also warum kein WAM 100?

Jetzt konnte es los gehen, Sparky besorgte MDF, Udo puhlte die Löcher da rein, Sparky klebte die Kisten zusammen. Austrocknen abgewartet, jetzt her mit den Kisten und ab in die Firma zum Befummeln. Da konnte ich aus dem Vollen schöpfen. Unser Buntmacher stellte mir den Mirka Exzenterschleifer mit Staubabsaugung zur Verfügung, Abranet Gitternetz-Scheiben GRIP von Korn 80 bis 320, Schleiferherz was willst du mehr. Ruck zuck waren die Hamsterkisten fertig gestellt. Sparky, nicht faul, bringt die ersten beiden Kisten schon foliert zu Udo. Ein Schlingel, wer Böses dabei denkt.

Bau (Sparky)

Die gelegentlichen Gedankenspiele mit Schülzken über Sinn und Unsinn diverser Ideen zum Thema HiFi dienten mir mehr als einmal als Inspiration zu neuen Zielen. So unterhielten wir uns letztens über die Möglichkeit, die SB 12 ACL in kleine Rear-Lautsprecher für Heimkino umzuarbeiten. Der Gedanke war mir sympathisch, da ich die SB12 ACL tonal bereits kannte; und da ich schon länger die lose Idee hatte, etwas in Richtung Heimkino zu unternehmen, war schnell der Entschluss gefasst, diesen Faden aktiv aufzugreifen. Da es in einer Mietskaserne nicht zum gemeinsamen Arrangement beiträgt, Tigerpanzer live durch die Wohnzimmer seiner Nachbarn preschen zu lassen, hatte ich die Bedingung, dass ein Heimkino nach meinen Vorgaben auch bei Zimmerlautstärke noch gescheit zu plärren hat und auch in meinem 20qm Wohnzimmer spielen können muss. Insofern dachte ich mir, was Schülzken so gerade eben zum Rear gereichen könnte, darf bei mir gleich die gesamte Rundumbeschallung übernehmen – der Baubericht hätte also auch “Das Heimkino des kleinen Mannes” heißen können.

So setzten Schülzken und ich uns einen Abend bei Fajitas in das einzige Restaurant der Stadt und steckten den groben Rahmen ab. Schnell hatte ich Volumen und BR-Schlitz ausbaldowert und eine Serviettenkonstruktion erstellt, welche Boardie Audicz sogleich mit Feuereifer in eine schöne Sketchup-Zeichnung umsetzte (an dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür!), nachdem ich hier meine Unlust geäußert hatte, den Umgang mit diesem Programm zu erlernen.


Dazu entwarf ich gleich das Gehäuse für den MDS 12 BR (Bauzeichnung folgt später) und organisierte das MDF. Enttäuscht von der überteuerten und minderwertigen Qualität der umliegenden Baumärkte, besorgte ich das MDF für das gesamte Projekt beim Holzhändler meines Vertrauens, zahlte um die 50€ dafür und wurde mit einem gescheiten Zuschnitt belohnt. Schnell waren die Eulen-Nistkästen zusammengeleimt und an Schülzken übergeben, der diesen mit Industrieware an´s Leder ging. Das Ergebnis war eine aalglatte Oberfläche, welche optisch wie haptisch zu Erfreuen wusste. Nicht gewillt, für dieses Projekt in Echtholzfurnier zu investieren, verzierte ich die Oberflächen mit Dekorfolie in Nussbaumoptik und übergab Udo zwei Exemplare zur Begutachtung. Nicht schlecht staunten wir, als dieser uns zum Weihnachts-Event in Kerpen überraschend den finales Corpus Delicti vor die Ohren stellte – die Abstimmung auf 80Hz wurde eingehalten und die Abstimmung der Weiche im Hochtonzweig leicht auf die heimkinotypischen Perkussionen optimiert. Was den Klang anging – bekamen wir die Tür nicht zu, die kleinen Dinger hatten unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern noch übertroffen und präsentierten sich als kleine leichtfüßige Stereoboxen, die für ihre Größe in die Vollen gingen.

Mit dem überragenden, ästhetischen Feinsinn eines Elektrikers friemelte ich noch fix die restlichen Weichen zusammen und komplettierte das Quintett mittels komplett lockerer Füllung mit Sonofil nebst Verschluss der Löcher durch die passenden Chassis, darauf folgte der Lautsprecher für “unten rum”.


Trocken sollte der sein, kein Bollerbass, damit er auch in kleinen Räumen und bei niedrigem Schalldruck sauber liefert. Doch woher nehmen und nicht stehlen, wenn ich für diesen meinen Zweck Eton als überkandidelt empfand? Schülzken, immer für einen guten Rat zu haben, lenkte meine Aufmerksamkeit auf den MDS12. Was ich sah, entzückte mein Auge: Herrlich gewobene Kevlarmembran, Leistung satt, Parameter, die auf die avisierte Spielweise hindeuteten. Da derzeit ein paar kleine elektrotechnische Diskrepanzen mit dem Zulieferer des WAM 100 zu klären sind, riet uns Intertechnik zur Verwendung des WAM 150. Dieses spielt einwandfrei und erweist sich durch das kleine Zusatzbedienteil zur Steuerung von Phasenlage, Trennfrequenz und Lautstärke als äußerst benutzerfreundlich und universell. Das Gehäuse für den MDS12 bemaßen wir mit fünfzig Litern, die BR-Abstimmung auf 30Hz. Ich wählte einen Kubus als Gehäuseform, dessen ungünstige Basseigenschaften mit internen Verstrebungen umschifft wurden und dämmte den kleinen Brüllwürfel leicht mit Sonofil, bevor er mit Treiber und WAM komplettiert wurde. Als treibende Kraft des Heimkinos wurde kurzerhand ein Einsteiger-AVR NR1504 organisiert und das Ganze auf Tauglichkeit gemustert.



Klangbeschreibung, Parametrierung und Fazit

Mit Klangbeschreibungen ist das ja generell so eine Sache – wir hören alle unterschiedlich, abhängig vom Geschmack, Anspruch und evtl. pathologischer Vorgeschichte. Dazu kommt die Hörumgebung, welche durch die Gestaltung des Raums und dessen Abmaße bestimmt wird, die verwendete Wiedergabekette und zu einem gewissen Anteil sogar Autosuggestion. Was ich also folgend zu schreiben habe, hat keinen Anspruch auf eine Legislative, es kann bestenfalls als Wegweiser dienen und darf gerne individuell überprüft und anders eingeschätzt werden.

Die SB12 6L BR sind für eine heimkinotypische wandnahe Aufstellung konzipiert worden. Die resultierende leichte Überhöhung im Bass wurde durch eine Modifizierung im Hochtonzweig der Weiche kompensiert, woraus ein ausgewogenes Klangbild resultiert. Der Hochtöner spielt SB-typisch nicht spitz, aber angenehm klar. Der verwendete Tiefmitteltöner, welcher bei der ACL-Variante auch die tiefen Töne herbeizaubert, muss nur bis 80Hz seine Leistung bringen – Stimmwidergabe ist deutlich und nicht verwaschen (für Heimkino ein wichtiges Kriterium), durch die Trennung bei 80Hz wird die Box bei gehobenem Pegel nicht schwammig, spielt dafür aber auch nicht bis in den Keller. Trotzdem erstaunt es mich, wie “rund” die Kleinen, je nach Aufstellung und Zuspieler, klingen.

Der MDS12 macht ebenfalls, was er soll; und zwar mit Anlauf. Die Ursprungsvariante ist ein Bandpass mit jeder Menge Druck in einem kleinen Bereich, was für magengrubentraktierende Effekte im Heimkinobereich sorgt. Dennoch sagt mir die BR-Variante mehr zu – sie spielt für mein Empfinden “runder”. Durch die steife Membran ist der Bass wie gewünscht definiert und trocken, er regt meinen Hörraum bereits bei geringer Auslenkung angenehm an, ohne penetrant zu werden, ist also Sub-untypisch auch als “Leisespieler” zu gebrauchen, was in meinen Augen eine gute Box ausmacht. Was seine Grenzen angeht – das Ding hat in Verbindung mit dem WAM 150 dermaßen Feuer, dass ich diese unter Berücksichtigung des gesunden Menschenverstandes auf 20qm nicht ausloten konnte. Es sei gesagt: Das Teil kann auch laut, und zwar bis zur Schmerzgrenze.

Was den Einsteiger-AVR angeht: Dieser hat genug Dampf, um fünf SB12 verzerrungsfrei antreiben zu können. Der Sub ist über den LFE-Kanal angeschlossen. In diesem Magazin kommt immer wieder die Diskussion auf, ob man nun mit einem AVR auch fein Musik hören kann oder nicht. Als Röhrenfanboy enthalte ich mich an dieser Stelle einer Meinung, da diese, egal in welcher Form geäußert, ohnehin als kompromittiert aufgefasst würde. Neutral sage ich einfach: Musik über den AVR bewegt mich nicht dazu, angewidert den Raum zu verlassen, für “good old Stereo” bleibe ich aber weiterhin bei der Kombination meiner Prinzessinnen und DIY-KT90 Eintaktheizung.

So ein AVR erschlägt einen mit so vielen Möglichkeiten der Optimierung, dass man deren Anzahl wahrscheinlich schon in Exponentialschreibweise ausdrücken muss – hier mein persönlicher Eindruck zum kontrovers diskutierten Thema Einmessen, ohne zu sehr in´s Detail zu gehen:
Die Einmessroutine meines AVR vermag sowohl einen einzelnen Platz, als auch multiple Hörplätze, einzumessen. Da ein Lautsprecher seine Schallwellen nicht mit unterschiedlichen Laufzeiten und Pegeln für viele Zuhörer abzugeben vermag, habe ich das Einmessprogramm auf einen einzigen Platz rechnen lassen und kam zu dem Schluss, dass es einem die Arbeit abnimmt, die Abstände zu den Boxen zu messen und (mit einer gewissen nachträglichen händischen Feinjustierung) auch deren Pegel zu bestimmen vermag. Darüber hinaus werden durch das Einmessen verschiedene “Equalizer” verfügbar, welche das Klangbild aufbessern sollen – Ich habe dieses mit Filmmaterial mit nativer DTS-Master-HD Tonspur geprüft, im Vergleich zum “unverfälschten” Ton empfinde ich diese ganzen Ver(schlimm)besserungen aber nur als etwas, das Douglas Adams wohl als “Ansammlung sämtlichen allgemeinen Misch-Maschs” bezeichnet hätte. Von Schülzkens Heimkino her weiß ich, dass teure AVR´s in diesem Bereich wesentlich bessere Möglichkeiten bieten, ich bin mit meinem Einsteigermodell dennoch zufrieden. Die einzig für mich tonal sinnhafte Funktion stellt das so genannte “Dynamic Volume” dar – diese Funktion nimmt dem Film zwar einiges an Dynamik, regelt aber die Gesamtlautstärke auf ein gleiches Niveau ein. So lassen sich auch nach der Sperrstunde Filme in einem Mehrparteienhaus mit allen Effekten sehen, ohne dass jemand senkrecht aus den Federn schreckt.

Zum Thema “Püree direkt” – dieses wird mit unverfälschtem Musikgenuss beworben, klingt für mich aber einfach nur blechern und flach. Angenehm wird das Ganze erst über Preouts auf die KT90/Princess-Kombi. Ob dieses jetzt der Schlappheit eines Einsteiger-AVR´s, vergleichbaren Überlegenheit eines Stereo-Verstärkers oder verbogenen Gehörgängen eines Röhrenhörers geschuldet ist, dürft Ihr selbst urteilen.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Leserprojekt für uns einen vollen Erfolg darstellt. Es ist einfach schön zu erleben. welche Zusammenarbeit sich mit der “Community” ergibt, wenn dann aus diesen Wünschen und Anregungen ein fruchtbares Projekt erwächst, um so besser. Wir können daher nur jedem raten, seine Ideen auszuleben und experimentierfreudig zu sein – Udo wird dadurch entlastet und das Magazin bekommt “Farbe” durch die persönliche Note seiner Leser.

In diesem Falle ist eine Heimkino-Konfiguration entstanden, welche speziell in kleineren Hörräumen ein rundes Klangerlebnis liefert, für “fette” Konfigurationen als Rear oder Front-High dienen kann und auch in 2.0 zu überzeugen weiß.

Gruß,
Schülzken & Sparky

 

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