Wiesels U_Do 13 (U_Do 54)

Hallo Zusammen,
da auch ich schon viele Beiträge und Kommentare hier im ADW Magazin gelesen habe, versuche ich jetzt mal, etwas zurück zu geben in Form eines Bauberichts. Auch meine Überlegungen, warum dieser Bausatz oder jenes Material etc. werde ich versuchen fest zu halten, in der Hoffnung das es dem nächsten Suchenden hilft.

Am Anfang stand wie vermutlich nicht selten eine kleine Katastrophe. Der vorhandene 7.2 AV-Receiver hat den Abgang gemacht, natürlich Ende November, wo doch im Dezember ein Geburtstag und natürlich auch Weihnachten ansteht. Familienfeiern ohne Musik sind bei uns undenkbar. Was also tun am Ende des Jahres, wo als Familienvater einer großen Familie der finanzielle Rahmen eng bemessen ist?

Kurz die Jüngste interviewt, ob ich mir ihre HighJack und den alten Sony Verstärker für ein paar Monate ausleihen darf. Ich durfte natürlich und hab auf die Schnelle den Lepy LP-168 bestellt, welchen Udo hier im Magazin auch schon für ein 2.1 Projekt verwendet hatte. So konnte die Kleine zumindest mit den alten Surround Boxen (Magnat Topas) etwas Musik hören.

Die 2.1 Kombi aus HighJack mit Magnat Subwoofer hat uns ins neue Jahr gebracht und meine Perle meinte, das reicht doch eigentlich, oder? Ich dachte mir, ja zum Fernsehen okay, aber da geht sicher noch mehr, zumal die HighJack ja wieder zurück ins Kinderzimmer sollten.

Für mich stand ziemlich schnell fest, dass mir so ein mit Technik voll gepackter AV-Receiver nicht mehr ins Haus kommt. Modelle, die in mein Budget passen, werden vermutlich wieder in 2 Jahren nach Ende der Garantiezeit die Hufe heben! Mein altes Modell wurde damals auch von einem Freund gekauft und auch seine Kiste ist schon auf dem Bauhof im Elektromüll, ein Zufall? Zudem lief der alte Receiver zu 99% im All Channel Stereo Modus. Genau wie die 3D Brillen vom Fernseher wurde der Mehrkanal so gut wie nie benutzt. Also back to the roots, ein Good Old Stereo Vollverstärker mit Boxen sollte Einzug halten, aber welche?

Bei uns läuft ein wenig TV, es werden einige Serien gestreamt und es wird viel Musik gehört. Ob der Herkunft meiner Süßen läuft viel Afro Beats, die Kids hören R&B, Charts und Papa ist ein Rocker. Nicht selten läuft das Ganze in mehr als gehobener Zimmerlautstärke. Da wir ein ziemlich großes Wohnzimmer haben, sollten es Boxen werden, die ordentlich Membranfläche mitbringen. Da ich schon ein paar Boxen mit Bändchen Hochtöner hören konnte, hätte mir ein Bausatz mit dem ER4 sehr gut gefallen. Allerdings war mir auch klar, dass ich beim Verstärker dieses Mal nicht sparen wollte und daher der ER4 eher nicht in mein Budget passte. Ich hatte grob einen Tausender veranschlagt. So ist es dann auf Seiten des Verstärkers der NAD-356BEE mit dem DAC2 Modul geworden, der sich jetzt auf ein Paar U_Do 13 freut.

Der Bausatz von Udo war sehr schnell da, welchen ich mit den gefrästen Fronten geordert hatte. Bündig verbaute Chassis sehen doch besser aus, und die Form der U_Do Chassis zu fräsen war mir zu viel Aufwand. Die HighJack’s hatte ich damals aus MDF gebaut und beim Lackieren des Öfteren geflucht. Das Zeug ist schlimmer als ein Schwamm oder ich hatte ich nicht die richtige Grundierung! Wie auch immer, sie sind leicht fleckig geworden. Daher war klar, dass es diese Mal ein anderes Holz werden sollte. Ich habe mich also für Multiplex entschieden.

Schon im Vorfeld habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die Bretter am besten verleimen soll. Die erste Idee war für meine Oberfräse einen Frästisch zu bauen und mit einem Verleimfräser zu arbeiten. Da ich aber keine Werkstatt habe, müsste ich das Ganze mobil bauen, um es wieder abbauen zu können. Als ich dann die Preise für die etwas größeren Verleimfräser gesehen habe, war mir klar, da steht Preis und Aufwand in keinem Verhältnis zum Bausatzpreis. Hab dann noch kurz an die Klebeband-Technik und an 45° Kanten gedacht, das wäre aber ohne Frästisch und ohne Kreissäge auch sehr ambitioniert.

Also hab ich mir gesagt, warum die Bretter nicht einfach stumpf verleimen, zumal ich die Schichten der Multipexplatten eigentlich ganz hübsch finde. Soll man sie doch ruhig später sehen. Es war auch schon klar, dass die Boxen später weiß werden sollten. Hab dann meiner Regierung die Idee mit den sichtbaren Kanten erzählt und dass ich an eine weiße Beize denke, so dass man die Holzmaserung später noch erkennen kann. Sie meinte nur das Shabby Chic ja gerade en vogue ist.

Zum Verleimen der Bretter braucht man ja eigentlich nicht mehr viel schreiben, gibt es dies doch mehrfach hier beschrieben und bebildert. Ich musste leider wieder lernen, wie wichtig ein guter Zuschnitt ist, nicht das ich das nicht schon gewusst hätte! Ich war ja extra zum renommierten Holzhandel Vorort gefahren und habe den Holzzuschnitt beauftragt, welcher nicht direkt vom Mann an der Säge bearbeitet wurde. Meinen Einkaufswagen konnte ich auch leer wieder mitnehmen. Der Zuschnitt wird in der hauseigenen Schreinerei gemacht und dauerte 4 Arbeitstage!

Beim Abholen sah auf den ersten Blick auch alles gut aus, erst Zuhause hab ich gesehen, dass von vier Seitenteilen nur 3 gleich zugeschnitten waren. Das letzte Seitenteil wurde echt vergewaltigt, dunkle Stellen an den Kanten, oben 2 Millimeter zu breit und unten einen halben Millimeter zu dünn und das ganze Brett in leichter Bananenform. Bananenform, nicht wenn man auf die Kante schaut, das könnte man ja mit ein paar Zwingen in Form bringen, nein Bananenform, wenn man auf die Fläche schaut! Ich kann mir in den wildesten Träumen nicht vorstellen, wie man so etwas hin bekommt. Sorry, ich musste den Frust jetzt mal loswerden. Das hat mich zwei Abende Schleifarbeit gekosten, dieses vermurkste Brett und ihre Partner einigermaßen in Form zu bringen.

Nach dem Verleimen der Boxen bin ich mit dem Bündigfräser über die Kanten gegangen und habe den Boxenkanten vorne und hinten eine R6 Rundung verpasst. Danach wurde mit dem Exzenterschleifer in 120 und 240 geschliffen. Letztere Körnung war von OSMO für ihre Ölbeize empfohlen worden.

Ja und damit komme ich schon zur Veredelung der Kisten. Auf der Suche nach einem passenden Anstrich für die Boxen bin ich im Internet mehrmals auf Hartwachsöl gestoßen. Unter anderem auch auf das Hartwachsöl von OSMO(3011), welches es auch in der Variante glänzend gab und, um im System zu bleiben, habe ich dann auch zur OSMO Ölbeize weiß (H-3501) gegriffen. Auf einem Probestück Pappel Multiplex kam das Holzmuster nach dem erste Anstrich noch gut durch. Bei den Boxen, die aus Birke Multiplex sind, hat der ersten Anstrich aber schon sehr ordentlich gedeckt. Mit meiner Idee, dass man die Multiplex-Schichten noch gut erkennen sollte, war es nicht mehr weit her.

Meine Süße meinte, ihr gefällt es deckend sowieso besser. Also folgten noch zwei weitere Anstriche mit der Beize, bevor zwei Lagen Hartwachsöl aufgetragen wurden. Zu den OSMO Produkten muss ich sagen, dass sie sich sehr gut verarbeiten lassen. Sie sind eher dünnflüssig und lassen sich mit einer Schaumstoff-Rolle sehr gut auftragen. Bei dünnem Auftrag bilden sich keine Nasen und durch den Öl-Anteil stellen sich auch kaum Fasern auf. Gründliches Entstauben mit Staubsauger, Bürste und altem T-Shirt reicht, um los zu legen. Wässern und wiederholtes Schleifen kann man sich sparen. Zwischen den Schichten bin ich mit 1000er Schleifpapier von Hand kurz über die Oberfläche gegangen. Die in einigen Foren angepriesene Stahlwolle in x000 hat mir nicht gefallen, sie bröselt ohne Ende und macht das Entstauben schwieriger. Für Leute wie mich, die keine Werkstatt oder Hobbykeller haben, mit die beste Lösung, um eine schöne Oberfläche hinzubekommen.

Hinterher ist man natürlich immer schlauer und hätte ich gewusst, dass die Beize doch so gut deckt, hätte ich mich vermutlich doch zum Spachteln der Box hinreißen lassen. So sieht man doch die Schnittkanten und die verleimten Astlöcher. Aber was stand im Pflichtenheft? Genau Shabby Chic und ich denke, das mit dem Shabby habe ich ganz gut hin bekommen!

Ich habe übrigens wie Udo in der letzten Zeit auch Möbelrollen unter die Boxen geschraubt. Das hatte gleich mehrere Vorteile, beim Rollen (mit der Farbrolle) der Boxen kann man problemlos bis an die Kante arbeiten, da die Boxen förmlich in der Luft schweben und später konnte ich die schweren und nassen Kisten einfach ins Gästebad zum Trocknen schieben. Die Beize und das Hartwachsöl stinken doch ganz ordentlich.

In den Trockenpausen vom Verleimen und Streichen hatte ich genügend Zeit die Weichen auf Holzbrettchen zu kleben und zu verlöten, die Kabel abzulängen und die Dämmwolle zu zuschneiden. Um bei eventuellen Fehlern leichter an die Weiche zu kommen, habe ich in Rück- und Seitenwand ein paar Stockschrauben gedreht und etwas größere Schrauben als Sockel verklebt. Somit hatten die Kabelbinder unter dem Brettchen Platz und ich konnte die Weichen einfach mit M4 Schrauben befestigen.

Da mein selbst gebauter Fräszirkel noch aus HighJack Zeiten bei kleinen Radien etwas frickelig ist, hatte ich bei Udo gleich Polklemmen und Bananas von Dynavox mitbestellt. So brauchte ich auf der Rückseite nur je zwei 10er Löcher bohren und musste nicht die Terminals einfräsen. Die Polklemmen und Bananenstecker sind wirklich hochwertig und die Verarbeitung ist eine Freude. Das Lautsprecherkabel kann in den Bananensteckern zweifach verschraubt werden und zwischen den Verschraubungen wurde eine Lücke gelassen, so dass man Kabelhülsen problemlos positionieren kann.

Nach dem tagelangen Streichen und Trocknen konnte ich dann endlich die Chassis verlöten und die Dämmwolle und das ungekürzte Reflexrohr in die Boxen drücken. Dann schnell an den Verstärker gehangen und auf Play gedrückt. Yes, auf beiden Seiten waren Höhen zu hören und alle Membranen waren am wackeln. Erstmal entspannt aufs Sofa gesetzt und ein paar Stücke gehört, hört sich erst mal alles stimmig an. Es war leider schon 23 Uhr durch und ich musste mich mit der Lautstärke zurück halten. Aber man hat schon gemerkt, da geht was!

Am nächsten Tag ging es dann endlich mit dem Sound Check los. Natürlich möchte man das Vorher und Nachher erleben, auch wenn der Vergleich der kleinen HighJack’s mit den U_Do_13 etwas unfair war. Aber die HighJack’s hatten ja noch den Sub zur Unterstützung an der Seite. Zuerst habe ich Bumble Bee Booty von Papa Reu durch die 2.1 Kombi gescheucht und die Kleine gefragt, welche Lautsprecher spielen gerade? Sie war sicher, das müssen die Großen sein. Als ich ihr sagte, nein das sind deine HighJack’s, wollte sie es nicht glauben und ist vor an die Lautsprecher gelaufen, um sich zu überzeugen, welche Membranen jetzt wackeln. Sie kam mit einem Strahlen zurück und sagte: „Ich freue mich schon darauf, meine Boxen wieder zu bekommen“!

Danach waren dann die U_Do_13 an der Reihe mit dem gleichen Stück, sie sind zwar nicht so tief runter gegangen wie der Sub, hatten aber wesentlich mehr Druck und Dynamik! Der NAD schiebt die 13er richtig ordentlich an, über die 11 Uhr Position des Lautstärke Reglers sind wir nicht gekommen, da fliegt die Kuh! Es wurde ein langer Abend mit Musik Querbeet, fast alles hat sehr gut gefallen, nur wurde klar, dass ich die alten Stücke der CD Sammlung neu rippen muss. Die MP3 Stücke mit 128 Kbit/s und einem vermutlich 15 Jahre alten Codec klingen irgendwie flach.

Nach ein paar Tagen mit der neuen Stereo Kette aus Raspberry Pi 3 mit HiFiBerry Digi+ Pro unter Volumio (inspiriert durch Rincewind) , dem NAD-356BEE und den U_Do_13 kann ich sagen, alles richtig gemacht zu haben. Ob laut oder leise, ob Fernsehen, Internet Radio oder High Res vom NAS, alles macht Spaß.

So, wer den Roman bis jetzt noch nicht weg geklickt hat, schafft den letzten Absatz auch noch, in dem ich ein paar Danksagungen los werden möchte! Vielen Dank an Udo für die tollen Bausätze und den duften Support, Antwort per Mail am Wochenende unter 15 Minuten! Daumen hoch an die DIY Community hier im Magazin! Last but not least ein dickes Dankeschön an meine Frau, der WAF war nie ein Thema, Hauptsache es rockt später und es gab keine Beschwerden, das ich unser Wohnzimmer für knapp zwei Wochen in eine Werkstatt verwandelt habe!

Cheers Das_Wiesel

Die U_Do 13 wurde zwischenzeitlich durch die U_Do 54 mit runden Chassis ersetzt.

Zur U_Do 54 im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2020/01/26/wiesels-u_do-13-u_do-54/

4 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Moin Wiesel.
Dein Plan, einen Mutmacher zu verfassen ist aufgegangen. Auch die Optik der Lautsprecher gefällt mir gut. Meinst Du, Du kriegst noch eine Nahaufnahme der Oberfläche hin? Mir geht es um Farbe/Maserung. Weniger den Glanz.
Gruß Martin

Hallo Wiesel,

die sehen sehr schön aus. Kaum zu glauben dass die nicht klassisch lackiert sind – ich sollte das Ölen doch mal in betracht ziehen …
Keine Ahnung wie alt deine Jüngste ist … aber schön dass Sie so ans Hobby herangeführt wird und sich anscheinend dafür begeistert.
Wie schon Paterfranzjosef schreibt: Schöner Bericht, der hoffentlich unschlüssige animiert … einfach mal machen!
Viel Spaß mit den guten Stücken.
Gruß, Markus

Hallo Wiesel,
schön schlicht und geradlinig, schwarz-weiß geht irgendwie immer. Aber die Afrika-Veredelung der HighJacks finde ich auch sehr gelungen! Serviettentechnik? Das eröffnet für Kinderzimmerlautsprecher ganz neue Möglichkeiten des Designs (Pferdchen z.B.).
😉
Gruß Jan

Hallo Wiesel,
alle Achtung.
Dein Bericht wird vielen Lesern, die Angst ohne Werkstatt keine schönen Lautsprecher bauen zu können, nehmen.

Viel Spass für Dich und Deine Lieben mit den U_do´s.

Servus Peter

4
0
Kommentar schreibenx
()
x