Ein SB-Heimkino entsteht

Es war einmal…
ein Matthias (DA), der seinen Freund zu sich einlud, um ihm sein selbst gebautes Lautsprecherpaar vorzuspielen. Damals noch unwissend, wurde Matthias (DA) aufgrund des investierten Geldbetrags (der heute wahrscheinlich ca. bei dem Wert eines Kleinwagens liegen dürfte) sofort als verrückt erklärt. Aber wohlwissend, dass es im Laden durchaus noch viel teurere Lautsprecher gab, die laut Matthias aber teilweise nicht an die neu gebauten Duetta herankamen, stand einer Hörsession nichts mehr im Wege. Ein fantastischer Abend mit 2 Flaschen gutem Wein und bisher unerreichten Audiosphären ging vorüber, die meisten hier werden das kennen.

Ich war damals schon schwer beeindruckt, aber selbst noch nicht bereit, viel Geld in den Hörgenuss zu stecken, zumal ich ja zwei Lautsprecher aus dem Weltraum-Kaufhaus zuhause hatte. Allerdings würde ich sie heute nicht mehr zum Vergleich heranziehen – es kam Ton heraus, aber mehr auch nicht.

Kurzum, der Matthias dachte sich, dass eine Hochzeit doch ideal ist, um jemandem (wie mir) zu einem weiteren Glück zu verhelfen. Und so überredete er nach und nach den Freundeskreis (mit nicht zu unterschätzender Argumentationsfreude, wie mir zu Ohren kam) und stellte ein sensibel formuliertes Papier fertig. Frau und Mann sollten glücklich werden, indem die alten schwarzen Kisten aus dem Wohnzimmer verschwänden und neue, richtige Lautsprecher in Holzoptik das Wohnzimmer (mit Holzparkett) beglücken! Kurzum, 2014 wurden SB36 gebaut – in einer 4 monatigen Bauphase (in der ich alle Arbeitsschritte mit viel Freude kennengelernt habe und mit Matthias exakt das Volumen der SB36 in Jever getrunken habe).

Von Anfang an stand fest: Zum Runden kommt das Eckige – ein BR Schlitz statt dem Standardrohr. Das Teak-Furnier wurde sorgfältig ausgewählt, passend zur Birke Multiplex-Front. Die wurde auf den Korpus aufgesetzt, daher musste der BR-Schlitz ausgefräst werden. Die fertige Front musste dann allerdings vor Kleinkinderhänden geschützt werden, daher brauner Akustikstoff auf 5 mm MPX mit Ausfräsungen für die Töner. Dann noch zwei ordentlich stabile MPX-Standfüße drunter, damit sie nicht bei dem kleinsten Windstoß umfallen und auch ein Staubsauger nicht direkt das Furnier zerstört. Und bevor hier jemandem der Kinnladen runterkippt: Das war das erste und einzige Mal, dass jemand eine Flasche Bier auf den Deckel gestellt hat.

Mit einem, wie ich finde, sehr schönen Ergebnis (wie sollte es auch anders sein). Zwei Jahre vergingen. Die SB36 wurden mit einem gebrauchten NAD 3020i betrieben und machen bis heute einen fantastischen Job. Alleine zu hören, wie Eric Clapton auf seiner Gitarre zupft (Riding with the King mit BB King), als würde er im Wohnzimmer sitzen, ist unbezahlbar.

Aber zuhause wird auch hin und wieder ein Film auf 4 Quadratmeter Leinwand in Full HD geschaut – und für die cinetypischen Effekte waren die SB36 dann irgendwie nicht genug. Gleichzeitig brauchte der Sohnemann etwas Gescheites, um seine Lieblingslieder mit dem iPod abzuspielen.

Also, warum keine SB18 bauen – als Rears für das HK und als Stereo mit Mini-Bluetooth Verstärker für das Kinderzimmer? Gesagt, getan – und es sollte ein Lackierprojekt werden, denn die Farbvorgabe war blau/weiss. Parallel dazu schaute ich mich nach einem Verstärker um, der ein HK bedienen kann. Es wurde ein gebrauchter Denon 4306. Ich glaube, die Bedienungsanleitung wiegt nahezu das Gleiche wie das Gerät selbst. Weitere 3 Monate und etlichen Stunden Arbeiten an der SB18 war ich zwei Erkenntnisse reicher:

1. Front und Rückseite immer etwas breiter zuschneiden lassen, denn eine Seitenfläche anzuschleifen, ist eine Höllenarbeit (MDF-Spachtel sieht man auch nach Lackierung immer noch)

2. MDF lackieren ist kein Ding der Unmöglichkeit, aber Zeit und Geduld braucht man (fein abschleifen und x-mal grundieren)

Als Hommage an das lokale Fussballteam unter Dirk Schuster wurde hier ein Kleinkinderschutzstoff in Royalblau und Standfüße in dickem MPX (mit Osmo blau gewachst) angebracht. Ich muss sagen, die SB18 stehen, was den Klang angeht, den SB36 in kaum etwas nach – dazu tut auch der für seine Größe wirklich phänomenale Bluetooth-Miniverstärker seinen Teil!

Nun stand schon ein durchaus ansehnliches 4.0 Set-Up im Wohnzimmer. Aber nach wie vor fehlte etwas Bass bei Action-lastigen Filmen. Die SB29 ohne viel Schnickschnack in schwarzem MDF war genau das richtige. Nach einigem Hin und Her was Berechnung und Bauplan anging, entschied ich mich für einen in das Gehäuse integrierten Kasten für das Aktivmodul. Die SB 29 ist 72 cm hoch geworden und sackschwer – aber die Chassis drücken auch ordentlich Luft weg, da kann so ein Hubschrauber bei „The Dark Knight“ das Sofa ordentlich vibrieren lassen.. Kurzum, eine Menge Freude! Mittlerweile habe ich noch Rollen drunter gebaut, damit lässt sich der Sub in Kürze von Zimmer zu Zimmer bewegen..

Matthias meinte schon immer, einen Center sollte ich schon dazu bauen, wenn es ein HK werden soll. Dazu war ich aber irgendwie zu geizig und dachte, naja das werden die beiden Fronts schon alleine schaffen.

Tja, und dann war da wohl doch irgendein Schicksalswesen am Werk. Bei der Planung der SB29 habe ich (in gewohnter Weise) alle Holzteile zweimal bestellt (bei SB36 und 18 wäre alles andere auch sinnlos gewesen). Aber den SW wollte ich doch nur einmal bauen…

Gleichzeitig habe ich mich dann mit diesem Set-Up (der aufmerksame Leser rechnet mit – ja es würde sich 4.1 nennen) bei den ersten beiden Filmen gefragt, warum die Stimmen so leise sind.
1 und 1 zusammengezählt, Berechnungstool angeworfen – und siehe da: Es wäre ein Center aus den MDF Teilen der SB29 möglich! Also ran ans Werk gemacht und noch einen SB36 Center dazu gebaut.

Das Endergebnis ist fabelhaft, wenn auch optisch nicht wirklich abgestimmt – aber das ist meinen Ohren völlig schnuppe. Der Sound nach 5 Jahren und 6 gebauten Lautsprechern ist ein voller Genuß – und jeden Tag stehen die Dinger in der Kombination eh nicht im Wohnzimmer.

Felix (DA)

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Markus Zeller

Moin Moin,

das sieht ja gut aus!! Hast Du einen Werbevertrag mit Jever? 🙂
Die Optik der SB 36 gefällt mir persönlich am besten! Der Rest natürlich auch!
Vor allem interessant geschrieben – schön zu lesender Bericht.
Der Matthias lässt anscheinend keine Gelegenheit aus den Virus zu verteilen 😉

Viel Freude mit Deinem HK-Set!

Grüße aus der Eifel!
Markus

Matthias (DA)

Nur bei netten Menschen 😉

Matthias (DA)

Darauf ein fröhliches Prost, Felix 🍻