Mona 2.0 Raumstrahler, eine ungewöhnliche Lösung für ein sehr gewöhnliches Problem

Meine Eltern, beide schon nicht mehr ganz jung, haben es mit den Ohren. Mehr oder weniger. Nicht, das die Beiden nicht mehr auf mich hören wollten, das ist nicht das vordringliche Problem. Vater trägt Hörgeräte, Mutter ist auch nicht mehr so ganz hifidel im Gehör. Allabendlich führt das zu entsprechenden Szenen, speziell beim Fernsehen. Nun ist der TV Klang der heutigen Flachbildmonitore bekanntlich wirklich mies. Vor allem, wenn da vorher ein B&O TV mit hervorragenden Lautsprechern im Wohnzimmer stand und wir eine entsprechende Klangfülle gewohnt waren. Ich habe mir das Treiben nun einige Zeit angesehen, bzw -gehört und entschieden, da muß was geschehen.

Daraufhin habe ich die Situation analysiert und festgestellt, ein normales Paar Stereolautsprecher im Regal oder eine Soundbar wird das Problem nicht lösen. Speziell beim Hören mit Hörgeräten ist es schwierig, Töne und Klänge aus größerer Entfernung zu separieren. Durch die weiteren Umgebungsgeräusche ist es sehr anstrengend, zum Beispiel einem Nachrichtensprecher konzentriert zuzuhören. Hifi spielt eigentlich keine übergeordnete Rolle, Sprachverständlichkeit am Hörplatz ist die erste Priorität. Damit beide etwas davon haben, ist noch ein guter Raumklang wichtig. Eigentlich sind Kopfhörer in dem Fall die Lösung der Wahl. Nur mögen beide Eltern überhaupt keine Kopfhörer. Und zwischendurch sollte auch ohne Zeichensprache mal ein Wort gewechselt werden können. Eine andere Idee ist also gesucht. Außerdem sollte es quick and dirty, möglichst unkompliziert sein

Meine Idee war ein Raumstrahler, der aus möglichst kleinen Gehäusen eine gute Sprachwiedergabe ermöglichen soll. Nachdem ich mit meinem Sohn schon gute Erfahrungen mit dem Mona Bausatz gemacht habe, wollte ich hier auch wieder die kleinen Monacor SPX-30M Breitbänder benutzen. Diesmal in der 2.0 Version.

Also habe ich bei Udo den Mona Bausatz geordert. Dazu noch einen kleinen 2 x 7 W Platinenverstärker für 3,95 € aus dem fernen Osten und ein paar weitere Kleinteile wie Kippschalter und Cinchbuchsen. Ein 12V Netzteil war noch vorhanden. Das Signal sollte vom Kopfhörerausgang des TV Gerätes abgezapft werden. Aufbauen möchte ich zuerst nur die Satelliten. Der Subwoofer ist erst mal nicht eingeplant, aus eingangs erwähnten Gründen.

Der Lautsprecher soll dann so ausehen:

Die Grundidee hierfür hatte ich schon seit Jahren im Kopf, seit mir eine ähnliche Raumstrahler-Konstruktion mal in einem Kirchengebäude aufgefallen war und die Worte eines Vortragenden sehr klar und deutlich vernehmbar übertragen hat.

Ausführen wollte ich das Ganze relativ simpel, indem ich jeweils ein Dutzend Ringe aus MDF fräse und über drei Edelstahl Führungsstangen zu einer Röhre mit Boden und Deckel verklebe. Dabei nimmt der Boden das Terminal auf und der Deckel das nach oben gerichtete Chassis. Das Innen-Volumen entspricht etwas mehr als einer 1L Bierdose 🙂

Die Außenmaße der Box sind 316 mm in der Höhe und 130 mm Durchmesser.

Also habe ich meinen Fundus durchforstet und noch einen dreiviertel qm MDF unbekannter Herkunft gefunden. Das habe ich dann von meiner CNC-Maschine nach Zeichnung zerspanen lassen.

Wer nun meint, MDF sei MDF, sei gewarnt! Selten habe ich so geflucht. Keine Ahnung, was das für ein Material war,. Es stand seit Jahren im Keller und hatte so einige Überraschungen zu bieten.

Der Diffusor war eigentlich das schwierigste Teil. Der entstand aus drei abgestuften Lagen MDF, die ich auf einen Buchenrundstab aufgefädelt habe. Fertig verleimt habe ich die Teile in die zur Drechselbank umfunktionierte Drehmaschine gespannt und eine hyperbolische Kontur ausgearbeitet.

Man könnte nun seitenlange Diskussionen zum Thema Kegelform versus hyperbolische Form absorbieren, nur glaube ich, der Luft als Schall übertragendem Medium ist das im absoluten Nahbereich ziemlich egal. Deswegen habe ich mich für die deutlich schlankere und elegantere Variante entschieden.

Nr.2 ist richtig gut geworden.

Nr.1 hat sich leider innerhalb der MDF Struktur zerlegt, irgendwie hatte das Material gar keine innere Festigkeit. Ein paar Stunden nach der Bearbeitung war es eingerissen…
Auch die Reste der Platten, die dünnen Stege, die nach dem Fräsen übrig blieben, konnte ich ohne Kraftaufwand einfach so aufspalten. Komisches Zeug. Auch Farbe und Dicke waren irgendwie ungewöhnlich.

Nachdem ich zwecks ungehinderter Abstrahlung ins Innere der Box auf die Rückseite der Schallwand eine breite Fase gefräst hatte,

konnte ich eine erste Probestapelung machen…

Passt alles!

Also anständig Leim auf die Ringe und die Dose gepresst, bis der Saft aus den Ritzen floss

Während der Leim trocknete, habe ich die elektronischen Innereien fertiggestellt. Der Einfachheit halber habe ich die Weichenteile huckepack auf die Magnete der Chassis fixiert. Nicht perfekt, ich weiß, aber ich kam mit den Händen beim besten Willen nicht mehr rein in die Dosen (Anmerkung der Redaktion: Der Spulenwert wurde um eine Größenordnung innerhalb der E12-Reihe angehoben. Klanglich ist das zu vernachlässigen).

Die Verstärkerplatine mitsamt den Anschlüssen für Eingang und Stromversorgung ist auf einer GFK-Platte untergebracht. So kann die ganze Sache direkt an der Box bedient und auch komplett ausgeschaltet werden kann. Die zweite Box wird über das Terminal im Boden angeschlossen. Es war zuerst nämlich noch nicht klar, ob meine Eltern mit einer Box auskommen würden (wäre so gewollt gewesen) oder ob beide aufgestellt werden. Deswegen habe ich noch eine Mono/Stereo Umschaltung vorgesehen, wobei Mono die Summe beider Kanäle ist. Drei der Ringe bei einer Box haben dafür eine entsprechende Fläche ausgespart bekommen, so das ich die Platte dort sauber befestigen konnte.

Wenn ich solche „Frontplatten“ mache, gehe ich meistens so vor, das ich die Beschriftung ca. 0,3 mm tief graviere. Die Gravur fülle ich anschließend mit Lack, hier Weißlack. Nach kurzer Anhärtung wische ich von der Oberfläche den Überschuß ab, in der Gravur bleibt genug Lack zurück um die Schrift anschließend gut sichtbar zu machen.

Eine Oberflächenbehandlung über den abschließenden Feinschliff hinaus habe ich nicht vorgenommen. Abzuwägen ist bei meiner Schichtbauweise der Aufwand, die komplette Außenkontur massivst zu füllern gegen die rohe Oberfläche. Das MDF sieht mit seiner ungewöhnlich braunen Farbe auch so gar nicht schlecht aus.

Kaum war der Leim trocken, habe ich die Teile zu meinen Eltern geschafft. Dort wurde getestet, an welchen Positionen die Lautsprecher stehen können, um gut zu funktionieren.

Quintessenz dessen war, das die Dinger eigentlich überall stehen können, sehr gut verständlich ist der Fernsehton jetzt überall. Auch meine Eltern sind sehr glücklich, das jeder in der Nähe seines bevorzugten Sitzplatzes einen Lautsprecher stehen hat.

Fazit: Das gesetzte Ziel wurde sehr zufriedenstellend erreicht. Es ging ja einzig und allein darum, eine gute Sprachwiedergabe für Fernsehton zu erzielen. Die Eltern sind zufrieden und können den Moderator wieder klar und deutlich verstehen. Da die Positionen der Boxen und auch die bevorzugten Sitzplätze hier alles andere als ideal im Sinne von Hifi und Stereo sind, ging es darum, den Schall trotzdem einigermaßen gleichförmig in den Raum zu bringen. Dafür hat sich die gewählte Bauform als gut geeignet erwiesen.

Ich bin sicher, dass solch ein Problem in unserer immer älter werdenden Gesellschaft immer häufiger anzutreffen sein wird. Vielleicht gefällt dem einen oder anderen meine Lösung. Zumal die Dosen wirklich kompakt sind und deren Aufstellung keine große Umbauaktion nach sich zieht.

Für meine Ohren fehlen natürlich ein paar Oktaven untenrum, das ist jedoch mit dem Subwoofer, der ja fest zur Mona 2.1 gehört, hinzukriegen. Was die Kombi drauf hat, ist hier schon oft genug beschrieben worden. Auch ich habe regelmäßig Spaß dran, wenn Sohnemann nebenan seinen Deutschrap aufdreht.

Alles Gute,

Markus, Nickname [foo]

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Wow, ein tolles Projekt! Auch die Frontplatten gefallen gut. Ich würde das MDF noch ölen. Rohes MDF geölt sieht erstaunlich gut aus.
Mit welcher CNC Fräse arbeitest Du?

Grandioses DIY Projekt, Hut ab !
So langsam entwickelt sich die Mona zum Model mit den Spektakulärsten Modifikationen.
Wenn man sich mal anschaut was da schon so alles gebaut wurde.

Hallo Markus,

was für eine tolle Idee. Meine Eltern sind beide über 80, da ist es mit den Ohren leider auch nicht mehr so doll.
Jedoch müssen wir auch Kopfhörer ausweichen, da die Hörunterschiede doch sehr groß sind und auch unterschiedliche Lautstärken erfordern.

MDF kann man wunderbar mit Leinölfirnis behandeln, das schützt auch gleichzeitig die Oberfläche und passt zu dem kostenoptimierten Ansatz 🙂

Die Monas habe ich mir als PC lautsprecher auch ohne SUB gebaut und bin extrem zufrieden, aber Bass ist da wirklich nicht vorhanden.
Aber Sprache kommt da sehr differenziert rüber.

Gruß
Tomas

Quintessenz dessen war, das die Dinger eigentlich überall stehen können”
Gibt es keine “richtige” Aufstellung? Wandnähe und Höhe ist nicht so wichtig?
Wirklich tolles Ergebnis 🙂

Rundstrahler “fluten” den Raum mit Schall. Optimalerweise stehen die Rundstahler “mittig” im Raum.

Letztendlich kann man nen Rundstrahler an die Wand stellen, dann kann man jedoch auf den Rundstrahler verzichten und nen normalen Lautsprecher verwenden.

Grüße
Rincewind

Moin,
Rundstrahler als Fernseher-Lautsprecher ist ne geniale Idee!

Ich hätte das rohe Mdf mit ner Farbe oder was auch immer übergepinselt. Das MDF ohne Schutz quillt über die Zeit auf und wird bröselig.

Viele Grüße
Rincewind

Guten Morgen,

Ein tolles Projekt. Sehr gut gemacht. Und sehr löblich deine Fürsorge für deine Eltern. Man sieht auch hier: Hifi Ist die Lösung für (fast) alle Probleme 😊 Mir gefällt auch die Baumkuchenoptik. Ich habe selber ebenfalls einen Rundstrahler auf dem Plan. Habe dafür 2 Elektromotorengehäuse bereitliegen. Bin gespannt. Danke Dir für deinen schönen Bericht.

VG Marcel

Moin Markus,
sehr guter Bericht, Klasse Idee und wieder ein wahnsinnig gutes Beispiel warum der Selbstbau sich lohnt! Hut ab: Problem erkannt, eingekreist und einfach gemacht … So muss das😃!
Mich persönlich würde es auch sehr interessieren wie “es klingt” … Es gab ja schonmal einen Test eines Boardies (leider vergessen wer es war) mit 3D gedruckten Kegeln in verschiedenen Formen … Da war ich auch schon angefixt 😃 … Dein Bericht rückt die Sache wieder in den Vordergrund.
Auch wenn es nicht HiFi ist … Ziel erreicht und wer weiß wozu diese Lösung noch fähig ist!
Vielen Dank!
Gruß, Markus

Moin,

Rincewind war es mit den Rundstrahlern.
https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/rundstrahler-aus-dem-drucker/


Die “Faseroptik” ist sehr! ansehnlich geworden. Es muss nicht immer Lack oder Furnier sein.
Dein Bröselproblem lässt mich beim Werkstoff an niedrig dichte Platten wie z.B. von Pinnwänden denken.

Viele Grüße vom Vadder

Moin zusammen,
Zu bröseligem MDF fällt mir auch was ein. Vielleicht ist es mal feucht geworden?
Toller Bericht, super Umsetzung. DIY in Reinkultur mit einem einzigartigen Ergebnis. Gratulation!
Viele Grüße
Hermann

Ich sachet Euch, ich habe geflucht das foo es noch 40 km entfernt hören konnte.
Ich will keine bundesweite Warnung vor bestimmten Baumarktketten aussprechen, aber in der Gegend die sich gleichzeitig rechter Niederrhein und westliches Ruhrgebiet nennt – also dort wo auch Vadder wohnt und wirkt – sollte man vor Baumärkten mit zwei O im Namen Abstand nehmen, wenn man vernünftiges MDF möchte.
Beim Zuschnitt für meine Duetta Top stand zudem die Säge nicht exakt im rechten Winkel zur Platte. Merkte ich natürlich erst beim Leimen 🙁
Beim Bündigfräsen fächerte sich das Zeug dann wie ein Blätterteig auf, wenn es quer zur Platte ging. Feucht war das Zeug nicht, sondern in meiner Werkstatt noch ein paar Wochen gelagert. Ich werde mich in dem Baubericht dazu bestimmt noch darüber auslassen.
Was foos Rundstrahler angeht: Mein lieber Markus, ich habe schon ewig nicht mehr Deine Eltern besucht, das wird jetzt wohl fällig!

Schöne Grüße, Gordon

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