U_Do 19 und 20 – Soundboard, Heimkino, PC

Schuld war eigentlich der Truppe,  sein Sub regte bei einigen Möchtegern-Nachbauern  (positiv gemeint!) das Nachdenken an.  “Zu groß, zu mächtig, geht das nicht auch halbiert oder noch kleiner?” war eine häufige Frage, die uns per Mail erreichte. “Wie willst du das Ding denn verwenden?” fragten wir zurück. Meist war die Antwort: “Kleines Heimkino, Soundboard, SubSat am PC.” Weiter ging der Dialog mit dem potentiellen User: “Also auch Satelliten dazu?” Nach kurzem Warten – Mail geht noch nicht ganz in Echtzeit: “Na klar, ähnlich U_Do 18, aber kleiner”. Schon war die Planung fertig, U_Do 19 und 20 passten noch in die Entwurfsschublade.

“Zweimal Ovalbass in einer Kiste mit weniger als 40 Liter” fragten wir bei LSPCad an. “Sind 25 gemeinsame Liter mit -3 dB um 60 Hz recht?” Natürlich nicht, das hätte auch die Software wissen können. Doch mit einer kleinen Bassanhebung, wie sie bei Subwoofer-Modulen und sogar 2.1-Amps üblich ist,  sollte das unter dem Schreibtisch oder Fernseher gehen. Selbst Heimkino im kleinen Raum mit wandnaher Aufstellung ist für zwei SB 15 SFCR-8 und 10 mm linearem Hub keine zu große Herausforderung.

Bei der Gestaltung des Kastens orientierten wir uns am Soundboard, das die strengsten Einschränkungen macht. “Nicht zu hoch, nicht zu tief, egal wie breit” hört man dafür häufig – so machten wir es dann auch.

Die Innenbreite wählten wir mit 68 cm gemäß dem Plattenzuschnitt, den unser Holzlieferant Kofferraum gerecht nennt. So konnten wir von der 68 x 140 cm großen 19 mm MDF-Platte zwei 20 cm breite Stücke für Front und Rückwand, sowie zwei Bretter mit 22,2 cm für Deckel und Boden mit je einem Schnitt absägen. So blieb auch noch genug MDF für die Seiten und Versteifungen übrig.

Was nützt ein materialschonender Zuschnitt, wenn man keinen Plan hat, wie die Bretter neu zuammen (k)leben sollen? Naja, wir sind in Sketchup geübt, hier ist die Zeichnung von schräg nach vorn, von oben und auch mit eingefülltem Dämmstoff:

Den Zusammenbau haben wir nicht fotografiert, eigentlich kann jeder die neun Bretter selbsttägig verkleben. Sogar Sketchup hat davor leine Angst.

 

Da virtuelle Gehäuse nicht zur Messung taugen, mussten wir die Zuschnitte dann doch selbst in die gemalte Form bringen. Danach verbanden wir den Subwoofer auf dem Boden liegend mit dem 2.1-Nobsound-Amp, legten das Mikrophon in 50 cm Entfernung davor und erhielten ein Diagramm des Frequenzgangs, zu dem nebenstehender Impedanzschrieb gehört.

Unter Berücksichtigung des Aufstellplatzes ist das Ganze sehr zufriedenstellend.  In 15 bis 20 m² braucht man keine 20 Hz, in großen Räumen hat man mehr Platz auch für einen oder zwei große Subwoofer. Natürlich gab es schon Anfragen, wie sich ein Mona-Set in 50 m² unterbringen lässt – wir haben selbstverständlich darauf geantwortet.

Nun fehlte nur noch der Satellit zum Glücklichsein. Den SB 16 PFC-Coax in eine kleinere Hütte zu sperren, verbot sich. In halbiertem Volumen wird die Oktave zwischen 100 und 200 Hz aufgedickt, zudem werden die großen Coaxe in kleinen Räumen nicht artgerecht gehalten. Besser geht das mit den kleinen Brüdern, von denen seit Kurzem auch die überarbeiteten 10 und 13er lieferbar sind. Die ganz kleinen sind eher niedlich als tauglich, doch das mittlere Maß passt ideal zu zwei Ovalis. In 4 geschlossenen Litern erreichen sie bei 80 Hz den -3dB-Punkt, fallen aber schon unter 200 Hz leicht ab. Das lässt auf gute Addition mit dem Sub hoffen, zumal sich zum mechanischen Filter (Gehäuse) ein elektrischer in Form eines Kondensators gesellen wird. Gezeichnet war der Bauplan für die U_Do19 schnell.

Hier sind es zwar nur sechs Bretter, die zusammen halten, doch trotzdem freute sich Sketchup darüber, das Fügen zu übernehmen.

 

Nach dem Bau ist die Weiche dran, die wir nach dem vorgegebenen Muster der U_Dos basteln wollten. Doch schon die erste Messung des BMT-Teils nahm uns jede Illusion, dass es so klappen könnte. Sie zeigte aber auch, dass man sich auf die Messchriebe von SBAcoustics recht gut verlassen kann, obwohl wir es uns in diesem Fall durchaus anders gewünscht hätten. Was lehrt uns das? Dänen lügen nicht!

Naja, manchmal muss man sich mit Dingen zufrieden geben, die man nicht so gern sieht. Durch langwieriges Grämen hat sich in meinem Leben als Lautsprecherbastler nie etwas geändert. “Aber dann passen die U_Do 19 doch gar nicht als HK-Ergänzung für die anderen Serienhelden!” Stimmt, aber warum sollten sie nicht allein ein komplettes Filmset darstellen? Der Hochtöner ist eh nicht identisch, somit entfällt schon die Hälfte des Zwangs, sie mit anderen Bausätzen zu kombinieren. Und bei 2.1 ist es auch egal, ob es kompatible Mitspieler gibt. Also machten wir uns an den Weichenentwurf.

Auch wenn wir in letzter Zeit vermehrt aktiv waren, können wir immer noch passiv. Das verlernt man nicht. Eigentlich ist es doch so wie so umgekehrt, denn wir müssen für Passivweichen viel aktiver sein. Ja, es gibt heute in den Foren immer mehr Fachleute, die ihre Schaltungen per Simulation entwerfen, aufbauen und zufrieden sind, wenn die Kurven hernach gerade sind.  Diese  eher sinnlose Zeitvergeudung ersparen wir uns, denn ohne Nachmessen kommt kein anhörbarer Lautsprecher zustande. Reines Softwareklicken ersetzt keine Erfahrung, weist bestenfalls einen Weg, in den es gehen könnte. Aber den finden wir schon, wenn wir zweimal zum Bauteil-Regal gewandert sind und ein Bauteil gewechselt haben. Und so machten wir es auch dieses Mal, heraus kamen zwei Filter dritter Ordnung für BMT und HT, die sich bei gleicher Polung im Übergangsbereich recht gut addierten.


So sahen dann die Messergebnisse aus:

Verschönert haben wir die Kisten mit zwei Lagen Hammerschlaglack, die eigentlich nötige dritte haben wir unserem Ladenhüter Joshi erspart. Er schlief in den nächsten beiden Tagen nicht mehr in der Werkstatt.

Ein recht erstaunliches Erlebnis bescherte mir der Lack dennoch. Es hatte sich ein Teil davon auf meinen Fingern breit gemacht. Ich hatte kein Terpentin, um ihn von dort zu vertreiben. “Versuch’s mal mit Rapsöl” riet mir meine Frau. Klappt ebenso leicht, wie der Einbau von Weichen, Dämmstoff und Chassis.



Für die Füllung der drei Holzverschläge wurden zwei Matten Polsterwatte in 20 x 80 cm für die Satelliten und eine Matte mit 20 x 160 cm für den Subwoofer verbraucht. Wieviel davon an welcher Ecke steckt, wissen wir nicht. Die Watte wird in jeweils zwei Stücke geschnitten und locker zusammengerollt in die Boxen gesteckt. Wer das zu chaotisch findet, darf gern mehr Ordnung in die Kästen bringen. Das schadet zum Mindesten nicht.

Im Hörraum schlossen wir die drei Hammergeschlagenen am Nobsound an, stellten den Pegelregler für den Bass knapp auf die Hälfte, warfen Youtube an und fanden Depeche Mode Clean ( Supernova Remix ) recht passend für die erste Hörprobe. Wir begannen mit Zimmerlautstärke und waren von den präzisen Bassschlägen recht angetan. Das wollten wir dann gleich mal ausreizen und erschraken schon ein wenig, als die Drum noch etwas heftiger malträtiert wurde. Das Sofa reagierte mit leichtem Zittern. Ja, die beiden Bässe lenkten um einige Millimeter aus – lass sie doch, sie können das. Trotz des ordentlich gehobenen Pegels zeigte die Stimme keine Schwäche, es gab keinen Mangel an Sprachverständlichkeit. Das rockt und macht Laune.

Filmmusik musste für den Heimkinotest herhalten. Lady Gaga, Bradley Cooper – Shallow (A Star Is Born) angeklickt, Pegel unverändert. Die Gitarrensaiten wurden exakt angerissen, das Publikum jubelte, Mann und Frau sangen stimmungsvoll nicht nur am berühmten Klavier, auch wenn die Gitarre weiter mitmachte. The Last of the Mohicans ließ den Hörsaal erbeben, wir vergewisserten uns lieber noch einmal , dass wirklich nur die kleinen Dosen am schmächtigen Mini-Amp spielten. Hatte uns die Mona schon beeindruckt, taten es die kaum doppelt großen Coaxe plus Ovalbässe umso mehr. Fünf bis sieben davon im Raum verteilt und an einen potenten AVR + SAM-300 D für den Sub angeschlossen, sind tatsächlich großes Kino, das nicht nur kleine Räume völlig ausreichend füllt und dabei kaum Platz beansprucht.

Ob da die Einstufung in die Einsteigerklasse wirklich noch richtig ist?  U_Do 19 und 20 können gemeinsam  laut, aber auch leise, knallen und melodisch. Nein, es geht nicht abgrundtief herunter, aber Druck ist ausreichend da. Alles erfüllt für den Aufstieg. Also Haken weg bei Einsteiger, neu gesetzt bei Aufsteiger.

Udo Wohlgemuth

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Stefan

Hallo zusammen,
interessanter, neuer Bausatz. Nach kurzer Überlegung, ob das für mich interessant sein könnte stehe ich Achselzuckend da.
Ich mag ja die U_Do14 sehr gerne, wenn sie in Wohnzimmertaugliche Gehäuse kommt. Und wenn ich mir überlege, das mir gerade der Hochton-Bereich (verglichen mit Mona) viel besser gefällt, dann würde ich mutmaßen, dass es bei U_Do19 ähnlich ginge?

Vermutlich hat der U_Do20 mehr Punch als der Sub der 14. Aber ich tippe auch, dass der 14er tiefer kommt und voluminöser spielt.
Wenn dem so wäre, dann ist die neue Kombi wohl mehr fürs Heimkino geeignet und die 14 mehr für Musik?

Also ich reime mir das jetzt so zusammen, weil ich eben doch neugierig bin. Ist meine Vermutung zumindest annähernd richtig?
Preislich liegen die 19+20 oder 14 ja auf exakt demselben Niveau…

LG, Stefan

Markus Zeller

Hallo Udo,
Das ist ja interessant! Ich hab wohl den Bausatz für meinen Sohn zu früh bestellt 😉 … Ne ne ist gut so!
Sieht sehr interessant aus und lässt viel Spielraum für Modifikationen und Anpassungen an die heimischen Gegebenheiten … Selbstbau halt!
Grüße aus der Eifel, Markus

Matthias (DA)

Knuddeliges neues Familienmitglied, sehr fein!
An einer Stelle verstehe ich aber nicht was Du meinst Udo, “In 15 bis 20 m² braucht man keine 20 Hz” – schreibst Du das, weil die Duetta nur bis 23 runter kommt? 😉
Lieben Gruß

alex_loewer

Auch die Frage “Zu groß, zu mächtig, geht das nicht auch halbiert oder noch kleiner?” kann ich nicht wirklich nachvollziehen?!… 2 Truppe Subs machen sich doch auch noch gut am PC 😀 Es geht eben nix über Membranfläche

@Udo mal wieder ein klasse Bausatz. Wenn mir mal wieder die LS am PC ausgehen .. =)