MiniACL Soundbar- Variation in Buche

Eigentlich sollte das hier mein zweiter Baubericht werden, jetzt ist es doch der erste. Viele Worte, wie und warum ich schließlich zu ADW gestoßen bin oder gar wie unglaublich und einzigartig die Community hier ist (tatsächlich standen irgendwann zwei fremde, sehr nette Menschen samt ihren Lautsprechern vor UNSERER Tür zum Probehören – DANKE, das werde ich nicht vergessen) werde ich daher an dieser Stelle nicht verlieren. Unsere drei SB 36 Center sind zwar seit fast zwei Jahren weit mehr als ein Provisorium, aber eben noch nicht ganz abgeschlossen – Fortsetzung folgt.

Schon länger habe ich einen Vorwand gesucht, Lautsprecher für meine Eltern zu bauen. Vor vielen Jahren habe ich deren großartige Telefunken-Lautsprecher (auf denen mir mein Vater per „Music“ von John Miles erstmals den Stereoeffekt vorführte) mit in die erste WG genommen, einige Jahre und Wohnungen später verlor sich dann leider die Spur. Wiedergutmachung war angesagt, und Weihnachten stand vor der Tür.

Infrage kam in erster Linie eine Soundbar, da im Wohnzimmer bereits eine Kompaktanlage eines bekannten, nicht ganz günstigen Herstellers stand, im TV/Bücher-Zimmer jedoch bisher nur der Fernseher plärrte. Dieser Raum ist recht klein, Systeme mit Subwoofer mussten erstmal nicht sein, durch fachkundige Beratung im Forum und durch meine Neugier war schnell klar: Es wird die Mini ACL in Soundbar-Konfiguration. Die lässt sich auch bestimmt gut und ganz dezent ins moderne, weiße, „skandinavische“ Ambiente einpassen. Ein Bauplan ist im Magazin und im Online-Shop verfügbar, ich habe ihn nur noch etwas „gestreckt“, damit er auch unter größeren TV‘s in der Zukunft eine gute Figur macht, und damit in der Mitte ein rückseitiges Fach entsteht, in dem Verstärker etc. verstaut werden können.

Gesagt, getan – die MDF-Zuschnitte gab es im Baumarkt, die geplante Verkleidung aus Buchen-Leimholz wurde auch schon auf Maß gebracht, ganz so schmal wie ich es brauchte, ging es aber nicht. Daher wirkt die Soundbar bei der ersten Stellprobe auch noch etwas dicker als sie eigentlich ist!

Mit viel mehr Schrecken musste ich allerdings feststellen, dass genau die Hälfte der Reflexbrettchen das falsche Maß hatte! Der Mensch an der Säge hatte sich extra Mühe gegeben, weil so kleine Maße normalerweise gar nicht rausgegeben werden, und dann das… die Buchenplatte allerdings hatte ich am Stück gekauft, so dass die Reste problemlos auf Reflexbrettchen-Format gebracht werden konnten. Die sind zwar dicker als das filigrane MDF, die jeweiligen Abstände habe ich aber angepasst, so dass die Volumina einigermaßen passen sollten, und eine gaaaanz exakte Wissenschaft soll das ACL-Prinzip ja auch nicht sein:

So ergab sich nach dem ersten Zusammenleimen…

… ein interessanter Materialmix.

Nun ist es generell nicht sehr schlau, noch lebendes Holz zu sehr einzuzwängen, es könnte sich bei Änderung der Luftfeuchtigkeit ausdehnen oder schwinden und vor allem quer zur Faserrichtung die MDF-Platten auseinanderdrücken. Meine Hoffnung: In einer Wohnung mit modernem Belüftungssystem, in kleinen Dimensionen und völlig eingeleimt/eingezwängt passiert schon nix!

Der fertige Kasten wurde anschließend per Band- und Exzenterschleifer begradigt (VORSICHT mit ersterem – der trägt MDF nicht wirklich ab, er FRISST ES AUF!!), dann mit 120er, 180er und schließlich 240er geschliffen, etwas gewässert, und wieder geschliffen, und dann grundiert, um ihn fürs lackieren vorzubereiten.

Im Bild sieht man ihn von unten, hinten ist eine Aussparung zu erahnen – das einzige Foto, auf dem sich das versteckte Fach in der Mitte andeutet.

Durch den Zeitdruck (wir haben mittlerweile schon die zweite Dezemberwoche) habe ich mich zu zwei Fehlern hinreißen lassen – vor allem war ich zu ungeduldig. Ich hatte schon mit dem Basteln und Fräsen angefangen, bevor mich Udo‘s Paket erreichte. Die Ausschnitte der Chassis sind daher leider ca. 1mm zu groß geworden, weil ich nicht an den „echten“ Chassis maßgenommen hatte. Ich glaube, das stört aber vor allem mich, aus normaler Entfernung fällt es zum Glück kaum auf.

Zweitens hatte ich Udo per E-Mail nach dem Maß des Anschlussterminals gefragt, um schon einmal alles für die Technik vorzubereiten. Seine Aussage (wie immer überraschend schnell und spät abends an einem Wochenende im Dezember: der beste Kundenservice, den ich bisher erlebt habe), er würde für die Mini ACL die „eckigen“ Terminals mit 5cm Durchmesser versenden, verleiteten mich dazu, ohne nachzudenken auch eckige Löcher zu sägen. Eine weitere schnelle Mail von Udo außerhalb der Bürozeiten (an Udo: Wenn ich damit zu großen Erwartungsdruck bei zukünftigen Kunden schüre, bitte Details zu Uhrzeiten löschen 😉 ) brachte mich auf die Lösung: Einfach neue Ecken einleimen! Die Reste der ausgefrästen Chassis-Löcher eigneten sich wunderbar zum einspannen.

Sobald die ADW-Sendung angekommen war, ging es ans Löten der Weichen: passenderweise hatte meine Frau für Weihnachtsbasteleien goldglitzernden Heißkleber angeschafft, der natürlich prompt verwendet wurde. Weihnachtlicher geht es nicht!

Parallel startete die Oberflächenbehandlung der Hölzer: Der weiße Kasten wurde nach der Grundierung ca. drei oder vier Mal lackiert, jeweils mit 400er Zwischenschliff, dann kam noch 2x Klarlack drauf (alles per feiner Schaumstoffrolle). Ergebnis: Fühlt sich wirklich sehr hochwertig an. Sieht aber sehr orangenhautig aus. Irgendwie gefällt mir der Look aber!

Das Buchenholz wurde ohne Ende geschliffen bis 240er Körnung, gewässert, wieder geschliffen, dann kamen bestimmt sechs oder sieben Schichten Hartwachsöl drauf, jeweils mit Zwischenschliff per Hand, bis es wirklich schön und einheitlich (nicht mehr „fleckig“) aussah. Ich liebe den Look und die Haptik von so behandeltem Holz! Anschließend habe ich es mit dem Exzenterschleifer poliert, so dass es sogar etwas spiegelt – hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich es wohl pausenlos gestreichelt:

Mittlerweile rückten die Feiertage aber immer näher, die Oberflächenbehandlung kostete mindestens eine Woche!

So folgte nach einer zweiten Stellprobe…

…schließlich die Vermählung zwischen weißem Korpus und der Buchen-Verkleidung:

Ich hatte mich dafür entschieden, Lack und Hartwachsöl getrennt zu verarbeiten, weil ich nicht mit abgeklebten Flächen etc. arbeiten wollte, die die Zwischenschliffe unter Zeitdruck nicht grade erleichtern.

Ich hatte mir zwar vorher überlegt, wie ich möglichst gleichmäßigen Druck auf die Buchenfläche ausüben kann, ohne die Oberfläche an sich zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Trotzdem ist eine der „Seiten“ etwas runtergerutscht – das ist mir ungefähr genau dann aufgefallen, als der Leim angezogen war. Wie gut zu erkennen ist…

… erfolgte die Endmontage direkt im heimischen Wohn- und Essbereich, die Werkstatt (=Baustelle im oberen Stockwerk) war mittlerweile so kalt, dass ich um die Konsistenz von Lack, Leim und Hartwachsöl fürchten musste. Außerdem wollte ich dem Holz größere Temperatursprünge ersparen. Dem Quellen/Schwinden der Buche wollte ich mit der vollflächigen Verleimung und der Beachtung des Faserverlaufes entgegenwirken. Die innenliegenden Rückseiten hinter den gekürzten Reflexrohren habe ich mit schwarzen Sprühlack abgedunkelt, falls mal jemand reinschaut – durch die Verwendung als Soundbar kann das ja vorkommen.

Dann passierte das lustigste Malheur: Meine Ehefrau, generell die beste aller Zeiten, packte parallel allerhand Weihnachtsendungen, und stieß dabei auf das genau passende „Verpackungsmaterial“ der ADW-Sendung. In der Folge wurde das Sonofill zu einem Freund nach Hamburg geschickt, die Präsente kamen dort warm und sicher verpackt an. Es fehlte dann allerdings in der Soundbar, und fürs Nachbestellen war es zu spät. Glücklicherweise stellten sich meine SB36 Center als Spender zur Verfügung – nach Rücksprache mit Udo ohne wahrzunehmende Einbußen am gewohnten Wohlklang:

Wohl dem , der immer gut gefüllte Lautsprecher zur Hand hat!

Kurz darauf war endlich alles bereit zum ersten Soundcheck. Getestet wurde nicht mit Fernsehton, sondern per Bluetooth vom Telefon: Die Breitbänder (meine ersten!) spielen unglaublich brilliant! Das erste Stück war „Sweet LA“ von Morcheeba mit wunderbar aufgenommener Stimme. Die wiedergegebenen Details haben mich wirklich überrascht, das hatte ich so nicht erwartet. Die Stimmwiedergabe ist für mich ziemlich nah an perfekt – zwischendurch zur Sicherheit nochmal die SB36 angeklemmt: Ja, die Auflösung ist noch einen Tick besser, die Stimmen haben noch etwas mehr Volumen, aber das ist auch ein unfairer Vergleich von eingesetzter Technik und vor allem vom Preis.

Mein Kumpel Benny gesellte sich spontan dazu, passenderweise suchte er tatsächlich gerade aktiv selbst nach einer Soundbar fürs Eigenheim. Im Fachhandel hatte er sich kurz vorher eine Lösung eines amerikanischen Herstellers mit indischen Wurzeln angehört, für die ca. 800,- EUR abgerufen wurden. Sein Fazit: Klasse Teile, der Hochton ist mindestens vergleichbar oder sogar besser, die Fachhandel-Lösung hat aber mehr Punch/Bass. Er wird daher für sich die U_Do 14 als Soundbar bauen, da dort neben dem TV auch vor allem laut Musik über Alexa laufen soll: ich bin schon sehr gespannt!

Über die Feiertage besuchten wir schließlich meine Eltern, die sicher verpackte Mini ACL-Soundbar im Gepäck. Das TV-Zimmer war in der Umbauphase, allerdings hatte ich dort eine Schrecksekunde: Der Fernseher spielte mittlerweile über eine Kompaktanlage eines amerikanischen Herstellern mit indischen Wurzeln. War also alles umsonst?! Zumindest preislich ist die Mini ACL ja wirklich in einer ganz anderen Liga.
Eingespielt wurde die Soundbar schließlich im Wohnzimmer…

…der ursprünglich geplante Einsatzort wurde ja gerade umgestaltet. Aus einer kurzen Hörsession wurde ein wirklich schöner Abend voller Musik und Feuchtfröhlichkeit – es wurden viele Lieblingsstücke gespielt und teilweise neu entdeckt, bis gegen vier Uhr morgens alle beseelt und glücklich in die Betten fielen.
Fazit der Beschenkten nach den Feiertagen: Der bessere Ton ist tatsächlich spürbar bessere Lebensqualität.

Mittlerweile ist das gute Stück auch an den eigentlichen Bestimmungsort eingezogen:

Die Mini ACL stellt nicht nur viel mehr Details dar, als man ihr zutraut, es gibt sogar eine Bühne, die ich auf knapp 1m Box nicht erwartet hätte. Der Fernsehton hat enorm gewonnen, im direkten Vergleich klingt die vorherige Lösung des berühmten, nicht günstigen Herstellers laut den neuen Besitzern „dumpf“. Wer Wert auf gute Stimmenwiedergabe am TV legt, sollte sich dieses Teil anschauen bzw. anhören!

Ollum

Zur MiniACL im Online-Shop

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Simon

Hallo Ollum,

ein schöner Baubericht und am besten hat mir die Stelle mit der besten Ehefrau aller Zeiten und dem Verpackungsmaterial-Malheur gefallen. (LOL). Ich habe ebenfalls gerade den Mini ACL-Bausatz gebaut und auch ich war begeistert von dem Klang dieses kleinen Chassis. Ursprünglich wollte ich gleich mit der SB 18 starten, bin nun aber froh, dass ich zum Üben etwas kleiner eingestiegen bin. Danke für den gelungenen Bericht. Sieht top aus Deine Mini ACL Soundbar!

Gruß und ein schönes Wochenende,
Simon

Markus Zeller

Hallo Ollum,

schick schick!! Hier wird man immer wieder aufs neue Angestachelt. Hab gerade erst den 2. Satz LS fertig …. aber erst mal Pause .. obwohl …
Sieht gut! Hoffe dein Herrschaften habe lange Freude damit und das der Materialmix Euch keinen Strich durch die Rechnung mach!
Ich denke die Firma die ansprichst ist unter dem TV im letzten Bild zu sehen … aber indische Wurzeln!?

Gruß, Markus