Duetta Center – Kristian wird aktiv

Der Heimkinovirus hat mich schon kurz nach der Berufsausbildung gepackt und ich startete damals mit einem Komplettset von Philips, 5.1 mit Plastikbrüllwürfeln war Anfang 2000 das Nonplusultra. Während des Studiums kam ich dann als Aushilfe im lokalen Elektronikfachmarkt in die Hifi-Abteilung und durfte dort mit allerlei Interessantem herumspielen. Irgendwann verirrte sich ein Paar Elac FS208 zu mir nach Hause und löste die ersten beiden Brüllwürfel ab. Da war es um mich geschehen.

Wie sich herausstellte, war der Philips-Receiver eigentlich ein Marantz und klang erstaunlich gut in Stereo. Der Rest der Plastikwürfel wurde auch schnell durch etwas Hölzernes ersetzt und der Receiver musste einem Marantz SR7500 weichen. Damit war ich schon im Studentenheimkino-Olymp angekommen.

Als ich für meine Abschlussarbeit umziehen und mit viel weniger Platz auskommen musste, war für das Heimkino leider keiner mehr und es wurde mit einem weinenden Auge verkauft. Nach dem Studium habe ich dann irgendwann wieder mit einem Paar Canton Karat M70 und einem Sony TA-F555ES angefangen und bis zum Canton 5.0 Set mit aktuellem AVR und BluRay-Player aufgerüstet. So richtig glücklich hat mich das Ganze aber nie gemacht.

Und wie komme ich bei all den Fertigteilen nun zum Selbstbau? Wie wohl alle hier bin ich nach langer Recherche in den üblichen Foren irgendwann bei Acoustic Design gelandet und wollte mich im Selbstbau ausprobieren. In Gedenken an meine ehemaligen Elac FS208 mit Folienhochtöner und d’Appolito-Anordnung war schnell klar, dass mich die Doppel7 als Center glücklich machen sollte. Als Alternative hatte ich mir die Little Princess rausgesucht.

Auf dem Rückweg von Rostock nach Koblenz wurde dann ein kurzer Zwischenstopp in Bochum eingelegt und der obligatorische Besuch auf der Couch zelebriert.

Vieles wurde probegehört, aber mir war schnell klar, dass es der Duetta Center wird. Zu Hause angekommen noch kurz das Gehäuse vorgeplant und dann schnell den Bausatz bei Udo bestellt.

Das passende Gehäuse sollte 10° angeschrägt sein, um die Höhendifferenz vom Lowboard zum Ohr auszugleichen. Den Zuschnitt habe ich damals bei SpeakerSpace (Gott hab Ihn seelig) bestellt und auf dem heimischen Esstisch sehr rustikal mit allerlei Gurten und Zwingen verleimt. Zum Glück hatte der Bausatz überall Lamellos, sonst wäre am Ende wahrscheinlich eine Sitzbank daraus geworden. Meine Fähigkeiten bezüglich Holzbearbeitung haben sich seither zum Glück deutlich verbessert.

Das Gehäuse in MDF roh mit all seinen Leimresten war mir über 4 Jahre und 3 Umzüge ein treuer Begleiter, der aber nie Begeisterung bei meinen Besuchern ausgelöst hat. Ein Lebensabschnittsgefährte, wie man heute so schön sagt.

Irgendwann wollte ich dann auch noch die passenden Frontlautsprecher dafür bauen, konnte mich aber wegen der immer wieder wechselnden Räumlichkeiten nie auf etwas festlegen. Das Gehäuse des Centers blieb auch unangetastet, es sollte ja zu den zu bauenden Front-LS passen. Nachdem ich mir die Töchter anderer Mütter angehört habe, war aber doch klar, dass es wieder etwas aus Udo’s Reihen werden musste. Beryllium-Hochtöner und Satori d’Appolitos klingen auch schön, konnten mich aber irgendwie nicht so ganz überzeugen.

Die Suche nach passenden Frontlautsprechern ging also weiter, nur hatte ich keinen Urlaub mehr für einen Besuch bei Udo übrig. Leider hing davon das Design des Centers und damit die Verschönerung im Wohnzimmer ab. Die Frage „wann fährst du denn endlich zu Udo“ musste ich mir mehr als einmal anhören. Also entschied ich mich, dem Center ohne passende Nachbarn ein neues Kleid zu verpassen und gleichzeitig das Aktiv-Upgrade zu testen.

Inspiration zum Design habe ich mir bei Michaels Linie52 und einem Besuch auf der Nachbars-Homepage geholt. Der Versuch, das Ganze mit den Deko-Wünschen meiner besseren Hälfte in Einklang zu bringen, endete in Gehäuse matt weiß mit Front BauBuche 20mm. Die BR-Öffnungen sollten à la Michael an die Seiten.

Den groben Zuschnitt hat der lokale Baumarkt sehr gut erledigt und ich stand mit Entsetzen an der Kasse. Der Preisunterschied zu SpeakerSpace von damals war wirklich enorm, dafür musste ich jetzt aber auch alles selbst auf Maß sägen und die Öffnungen fräsen. Die Frontplatten habe ich von einem lokalen kleinen Holzhändler ebenfalls grob zuschneiden und liefern lassen.

Da das Muster bei Center und Frontlautsprechern identisch verlaufen soll (senkrecht) und der Shop BauBuche nur maximal 66cm breit liefern kann, sollten zwei Platten verleimt und anschließend auf Maß gekürzt werden. Die Leimstelle sollte mir später noch Kopfzerbrechen bereiten.

Beim Gehäuseverleimen ohne Lamellos habe ich die Salz-Methode lieben gelernt. Dabei kommt vor dem Zusammenfügen einfach etwas Sals auf die Leimstelle, damit die Bretter an Ort und Stelle bleiben und trotzdem vor dem Festzwingen noch gut positioniert werden können.

Das Ausfräsen der Verstärkeröffnung erfolgte mittels Schablone und Kopierhülse. Dabei sind die Kanten aber nicht so sauber geworden, wie ich es gerne hätte. Am Ende habe ich einfach mit dem Bündigfräser am eingeklebten Rahmen entlang gefräst und so eine gerade Kante passend zum Rahmen erzeugt. Das macht die Schablone an der Stelle überflüssig und ein Loch zum Ansetzen des Fräsers hätte vollkommen gereicht. Die Öffnung wurde mit einem 4mm Abrundfräser geglättet. Dann spachteln, schleifen, spachteln, schleifen.

Was die Kanten angeht, habe ich von Udo einen alten Bericht gefunden, in dem er Fenster- und Türengrund von “Schöner Wohnen” benutzt. Da der nächste Baumarkt Obi ist, bin ich auf Alpina Fenster- und Türenlack weiß seidenmatt ausgewichen. Die erste Lage gepinselt … ganz schlechte Idee, zumal der Lack unverdünnt war. Dann Zwischenschliff mit 180er Korn, nächste Schicht mit Schaumstoffrolle, besseres Ergebnis. Schleifen, rollen, schleifen, rollen, bis insgesamt 4 Schichten Lack drauf sind. Das Ergebnis kann sich bis auf die Kanten wirklich sehen lassen. Leider saugen die Plattenenden deutlich mehr Farbe als die Oberfläche selbst und der Kleber benimmt sich nochmal anders. Da habe ich also noch keine endgültige Lösung gefunden.

Die Front wurde, wie eingangs erwähnt, auf Stoß verleimt, anschließend mit rundherum 1 mm Überstand auf das Gehäusemaß zugeschnitten und die Kanten ebenfalls mit dem 4 mm Abrundfräser geglättet. Die Oberkante der Front musste ich per Hand schleifen, weil der Fräser dort nichts ausrichten konnte. Danach die Öffnungen für die 7/360 und den ER4 gefräst und abschließend geschliffen. Erstes Probeliegen auf dem Esstisch, passt alles!

Das Aufsetzen der Front ging recht unspektakulär mit diversen Gurten und Zwingen vonstatten. Auch hier wieder mit der Salzmethode, damit die Front beim Spannen nicht an der 10°-Schräge entlang rutscht. Beim anschließenden Ölen war dann plötzlich der ausgetretene Leim am Stoß zu sehen, weil das Holz dort kein Öl annimmt. Da mich der Anblick im Laufe der Zeit sicherlich in den Wahnsinn getrieben hätte, musste ich die Mitte nochmal abschleifen und neu ölen. Sehr ärgerlich und ziemliche Drecksarbeit. Das nächste Mal weiß ich es besser und schleife vorher alles sauber.

Als am Freitag endlich das heiß ersehnte Aktivmodul ankam, schnell die Lötstation auf Arbeit eingepackt und bis 22 Uhr Leitungen verlegt und verlötet. Dann große Verwunderung, weil keine Töne kommen. Die Reihenfolge beim Einschalten ist sehr wichtig und sollte beachtet werden. Als dann zum ersten Mal wieder Lala aus der Kiste kam, bin ich sehr zufrieden auf der Couch zusammengesackt und hab ein paar meiner Lieblinge quer durch den Gemüsegarten angespielt, alles über den analogen Eingang. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut ein einzelner Lautsprecher klingen kann, auch wenn natürlich keinerlei Bühne vorhanden ist.

Danach noch direkt digitale Zuspielung … WAIT WHAT?! Man liest hier immer wieder von der Neuentdeckung alter Stücke, ich für meinen Teil hatte dieses Erlebnis bisher nicht in so starker Ausprägung. Mit der Zuspielung über den Digitaleingang gewinnt die Wiedergabe aber einiges an Präzision und Detail, was mir besonders bei der Stimmwiedergabe auffällt, “Tennessee Waltz” vom Holly Cole Trio ist hier ein gutes Beispiel. Bei “Whoop that trick” aus dem Film “Hustle & Flow” hat es mich fast vom Sofa geworfen. Zum Teil, weil ich nicht mit so einem kräftigen Bass gerechnet habe, aber auch, weil hier der Bass das ganze Lied mit konstantem Pegel präsent ist. Bei meinen Karat M70 am Denon AVR ist der nur so wahrzunehmen, wenn keine anderen Töne wiedergegeben werden. Sobald Stimmen, Schlagzeug oder sonstwas dazukommt, ist dort nur noch Gegrummel zu vernehmen…

Mittlerweile hat er schon den ersten Filmabend hinter sich und auch im analogen Betrieb kommen Töne aus der Box, an die ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann. Damit hat er mir jetzt schon mehrfach ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Feststellen musste ich allerdings, dass der Verstärker recht warm wird. Das liegt zum einen an der horizontalen Einbaulage, in der die integrierten Lüftungsschlitze nichts bringen, zum anderen an der Dauerbelastung während des Betriebs. In meiner grenzenlosen Weisheit habe ich die Modul-Öffnung genau auf Maß gemacht und kann daher Udos Tipp mit zwei Schlitzen ober- und unterhalb nicht umsetzen.

Da man die Rückseite des Centers im Betrieb aber eh nicht sieht, bin ich auf die technisch beste Lösung ausgewichen und habe das ganze Modul mit Abstandshaltern aus dem Gehäuse gehoben. Damit ist der Verstärker zumindest beim letzten Filmabend gerade einmal handwarm geworden.

Kristian

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HaZu

Zu der Temperatur der Module: die MOSFETs sind auf die Aluplatte geklebt und geben die Wärme direkt ab. Das macht den Eindruck als wäre alles super warm, im Inneren allerdings wird so gut wie keine Wärme freigesetzt. So lange man die Alu-Rückwand noch anfassen kann ist eigentlich alles gut.

Gipsohr

…extrem schon!!!!
Diese Baubuche werde ich mir auch mal genau anschauen…das muss ich was mit umsetzen.

Gipsohr

„schon“ könnte auch „schön“ heißen 👍

LianenSchwinger

Hallo Kristian,

sehr schön geworden die Duetta-Center oder heißt es der Duetta-Center 🙂

Zur Zeit überlege ich auch, wie ich meine SB24er und SB12er verschönern soll. Im Moment sind sie noch im unbehandeltem MDF-Zustand. BauBuche kannte ich bisher noch nicht und finde sie echt schön. Mit dem weißen Gehäuse sieht das recht edel aus.

Da werde ich wohl die Fronten wieder per Kreissäge abtrennen und eine neue Front aufsetzen. 🙂

Danke für den Bericht.

Gruß Jörg

Udo Wohlgemuth

Hallo Community,

irgendwie hatte ich die Kommentar-Funktion nicht abgehakt und niemand konnte etwas zu Kristians Center sagen. Jetzt geht es 🙂

Gruß Udo