1. MĂ€rz 2020

Vadder hat viele Talente

Autor: Vadder

Manchmal treffen einen Sachen ziemlich unvorbereitet. So dieses Weihnachten der mir von den Kids verehrte 3D-Drucker. Wo ich doch nur mal gesagt hatte, dass Matthias (DA) mir mit solch einem GerĂ€t Distanzscheiben fĂŒr meinen Thorens TD 146 hergestellt hat. Nach den ersten Spielereien kam mir dann der Gedanke, dass man auch schöne Boxenschilder mit dem ADW-Logo drucken könnte.

Konnte man auch. Es musste fĂŒr die Umwandlung in eine Druckdatei nur ein wenig aufbereitet werden. Drucken, Kunststoffgrundierung drĂŒber, zwei Schichten Kupferlack aufgesprĂŒht, sieht ganz gut aus.

Mit 60 x 32 mm ist die GrĂ¶ĂŸe auch fĂŒr fast alles aus Udos Portfolio geeignet. Nur empfand ich schnödes Kunststoffdesign zumindest fĂŒr die Bluesklasse doch als unwĂŒrdig. Nun liegt in meiner Schmiede nicht nur Umformwerkzeug fĂŒr glĂŒhenden Stahl, sondern auch die AusrĂŒstung zum Metallguss in mittlerem Maßstab herum. Schnell entschlossen rĂŒhrte ich eine Portion Gussmaterial aus Messingschrott an. WĂ€hrend das Metall schmolz wurde die 3-D-Vorlage mit Formsand in das passende Negativ verwandelt.

Der spannende Moment kommt immer beim Ausformen. Ist das flĂŒssige Metall wirklich in jede Ecke gelaufen? Oder passte die Temperatur doch nicht? Man sollte da besonders bei Kleinmengen die AbkĂŒhlung auf dem Weg vom Feuer zur Gussform nicht unterschĂ€tzen.

Und genau das ist mir passiert. Die paar Kubikzentimeter bildeten in der offenen Form ziemlich schnell eine Schlackeschicht. Ebenso habe ich die OberflĂ€chenspannung von flĂŒssigem Messing unterschĂ€tzt. Tja, bisher hatte ich eben nur Erfahrungen mit geschlossenen Formen und grĂ¶ĂŸeren Mengen. FĂŒr ein ansprechendes Ergebnis hĂ€tte ich knapp die HĂ€lfte des aufgewandten Materials in Messingstaub verwandeln mĂŒssen.

Also zurĂŒck auf Start. Eine andere, geschlossene Form bauen, eine grĂ¶ĂŸere Menge Formsand besorgen, einen der FormgrĂ¶ĂŸe entsprechenden Schmelztiegel ordern. Bilder vom nun folgenden Fehlschlag erspare ich euch. Die Form saugt die WĂ€rme des Messings einfach auf und die Masse erstarrt auf halbem Weg. Die geringe Menge Metall speichert eben nicht genug Hitze. Ohne vorgewĂ€rmte Form wird das nichts. Nun habe ich zwar die Möglichkeit, die Sandform temperaturgefĂŒhrt zu erwĂ€rmen, finde aber den Energieaufwand fĂŒr das Gesamtprodukt so langsam ĂŒberzogen.

Neu ĂŒberlegen


Anderes Metall kommt in Frage. Dazu eine Form, die nicht so viel WĂ€rme abfĂŒhrt. Roses Metall (Bi50 Sn25 Pb25) hat einen schön niedrigen Schmelzpunkt unter 100 Grad und lĂ€sst sich damit in einer hitzefesten Silikonform verarbeiten. Die Ă€lteren Herrschaften kennen das Zeug wahrscheinlich noch vom silvesterlichen Bleigießen. Nachteilig ist der Preis fĂŒr das fertig legierte Ausgangsmaterial. Bronze oder Messing hĂ€tte ich aus vorhandenem Schrott selbst herstellen können. Egal, Versuch macht kluch!

Also wurde in der schnöden Welt des www Metall und Formsilikon geordert. Das Abformen der Drucke war recht simpel. Weil das Silikon feiner abformt als der Sand, kamen lackierte Positivvorlagen zum Einsatz. Die 24 Stunden bis zum gebrauchsfertigen AushÀrten der Formen stellten meine Geduld dann doch auf die Probe.

Danach stellte sich die Frage, wie ich die Formen nutze. Offen gießen schied als Option aus. Das Debakel kannte ich ja schon vom Messingguss. Also musste ein Deckel drauf. Sinnigerweise besteht der aus 6mm-Polycarbonat. Das ist ausreichend warmfest und lĂ€sst sofort die Sichtkontrolle des Gusses zu. Ob waagerecht oder senkrecht die bessere Ausrichtung der Form war, musste mal wieder mit der Methode „Alter forscht“ herausgefunden werden.

Die waagerechte Variante zickte ein wenig rum. Das flĂŒssige Metall verteilte sich recht zögerlich auf der FlĂ€che und die GusskanĂ€le hinterließen zumindest am Einguss einen massiven MaterialĂŒberstand. Der wĂ€re nur mit mĂŒhsamem Feilen zu entfernen gewesen. Maschinen unterstĂŒtztes Arbeiten schied wegen der ErwĂ€rmung und des niedrigen Schmelzpunkts aus.

So ganz nebenbei krallte sich das WerkstĂŒck auch hartnĂ€ckig mit den AngĂŒssen am Deckel fest. Da sah das Ergebnis aus der senkrecht orientierten Form schon besser aus. Deckel ab, WerkstĂŒck aus der Form lösen, AngĂŒsse kurz an der BandsĂ€ge entfernen, fertig. Jedenfalls fast.

Da sich beim Gießen eine leichte Oxidschicht bildet, war noch ein wenig Blankschrubben mit Seife und NagelbĂŒrste erforderlich. Die stundenlange Arbeit mit Polierstein oder -stahl fĂŒr Hochglanz habe ich mir erspart.

Wer gerne glĂ€nzende Schilder mag, kann sich natĂŒrlich die MĂŒhe machen. Mit ein wenig Effektlack lĂ€sst sich der Look je nach Geschmack variieren.

Zum Schluss sei noch der Hinweis erlaubt, dass das Logo die Bildmarke von ADW ist und das Urheberrecht somit auch dort liegt. Benutzt es also bitte nicht fĂŒr Fremdprodukte.

Viele GrĂŒĂŸe vom Vadder

PS: SchriftzĂŒge fĂŒr die einzelnen Boxen kann man natĂŒrlich auch drucken. Oder fĂŒr DIY-Amps. Metallguss ist hier mit Hausmitteln und vertretbarem Finanzaufwand aber nicht möglich.

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Moin Vadder.
Das erinnert mich ein wenig an meine Versuche mit Speckstein. Man findet immer etwas zum Verbessern oder es ist einfach schief gegangen. Ich stehe auf solche Besonderheiten. Danke fĂŒr die Inspiration!
Gruß Martin

Klasse,
Manno Vadder, Du hĂ€ngst die Messlatte fĂŒr RuhestĂ€ndler ganz schön hoch.
Aber: wer nicht rastet der rostet auch nicht.

Danke fĂŒr den schönen Bericht mit den tollen Schildern.

Servus Peter.

Hallo Vadder,
einfach nur Klasse. Hat was und sollte nicht nur ein Versuch bleiben. Ich wĂŒrde die Schildchen sofort verwenden. Du kommst wirklich auf Ideen ! Genial

Gruß Karl-Heinz

Moin Vadder,
im ersten Moment dachte ich, ahja da wurde wieder ein 3d Drucker benutzt. Ist wegen mangelnder Ideen pro Geld kein GerĂ€t, welches ich mir zu spielerischen Zwecken zulegen wĂŒrde.
Aber jetzt steht mit die Brotluke einfach nur offen. “In meiner Schmiede” also echt jetzt. Bin vor Neid so weiss wie ne Kalkfarbe. Im Internetz habe ich schon einige Sachen gesehen, wie Leute mit nicht wenig Aufwand sich Öfen bauen, um Metal zu schmelzen und in Form zu bringen.
So etwas hier an einem Sonntagmorgen im Sinne “ich hab da mal ne Idee gehabt” und so umzusetzen – bin einfach nur beeindruckt!
Ich durfte im Studium in GeorgsmarienhĂŒtte eine Zeitlang im Stranggus arbeiten, da haben wir unter Anleitung von erfahrenen Giessbilder (Tropfengebilde fĂŒr Ommas Ecke) auf dem Boden gemacht. Das war schon einfach Toll.
So etwas zu Hause zu kochen und den Zufall in gewĂŒnschte Bahnen zu lenken.
Ist euer Hobby “Messer” doch eher beruflicher Natur? Gibt es Ähnlichkeiten mit WindmĂŒhle?
Vielleicht sollte ich meinen Wohnsitz im Osten aufgeben und nach Bochum ziehen. Was da alles passiert.
Wie gesagt, ich bin schwer beeindruckt.
Reschpekt und viele GrĂŒsse
Marc

Guten Abend,

Gerne fĂŒhren Vadder und ich jeden Interessierten in die Welt des Schmiedens ein.
In 6 Wochen kann ich auch endlich wieder aktiv und tatkrÀftig an solchen Aktionen Teil nehmen.
Desshalb gibt es demnÀchst erstmal das nÀchste LS Projekt.

Gruß Simon

Hallo Ihr zwei,
mir ging es mit dem Bericht Ă€hnlich wie makecake! Ist aber schon eine tolle Sache! Aber nichts im Vergleich zu Euren Messern! Ich habe vor einiger Zeit, auch mit meinem Vater, einen Schmiedekurs hier in Bayern ĂŒber zwei Tage gemacht. Das ist ein geiles Handwerk (aber auch anstrengend 🙂 ) vor allem wenn solche Ergebnisse wie bei Euch rauskommen! Super Arbeit!
Gruß Harald

Haaa, genial, tolle Kombination der verschiedenen Verfahren!
Deinen ersten Versuch finde ich sogar am schicksten, der hat so was Archaisches! WĂŒrd ich glatt auf nen Subwoofer kleben oder so wenn du mal einen baust
Daumen hoch, Hobbyschmied, sowas aber auch
Liebe GrĂŒĂŸe
Matthias

Vielleicht hab ich hier auch schon Dein nĂ€chstes Projekt gefunden – Du erwĂ€hntest den Aufwand mit schleifen und Polieren etc. Das muss man doch automatisieren können 😉
https://www.thingiverse.com/thing:3666116 👍

Moin Vadder,
Sollst ja nicht ersetzen sondern ergĂ€nzen. Und wenn das WerkstĂŒck nicht glatt sondern profiliert ist hilft ein Bandschleifer ja auch nur begrenzt….

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