3 x MiniACL

Seit ein paar Wochen zieht es mich wieder öfter in die Werkstatt. Um den Klang unseres Fernsehers zu verbessern, entstanden aus Holzresten, von Spanplatte über Multiplex bis hin zu MDF, in Patchwork-Bauweise ein sehr günstiges 5.1 System nach einer Idee aus einem Nachbarforum. Von der Dame des Hauses erhielt es das aufbauende Prädikat „sehr akzeptabel“! Nachdem ich die „Matrix“ Trilogie durchgeschaut und einiges an Musik gehört habe, wurde mir allerdings klar, dass das System zwar heimkinotauglich ist, zum Musikgeniessen aber eher weniger taugt.

Positiver Nebeneffekt des Projektes: Ich war motiviert das Potential des Lautsprecherbaus weiter auszuloten. Schnell war das nächste Projekt gefunden: Zwei Paar Mini-ACL für die Kinder, damit sich deren Ohren ja nicht an Logi-Krächts gewöhnen! Das Holzlager musste aber wieder gefüllt werden und da ich sehr gerne Birke Multiplex verarbeite, wurde gleich eine geviertelte Platte in 12 mm beim Holzhändler meines Vertrauens bestellt. Jetzt ging es Schlag auf Schlag.

Tag 1: Zuschnitt auf Gehrung der Vorder- und Rückseite, sowie des Bodens und Deckels und aller Innenteiler. Vor dem Zuschnitt habe ich bereits die Platte bis 180er Korn geschliffen. Das geht schnell und beschleunigt die Schleiferei an der fertigen Box später. Dann wurden gleich alle Ausfräsungen gemacht, sowie die Schraubenlöcher für das Chassis und das Terminal vorgebohrt.

Danach wurden noch die vier Brettchen mit der Faltmethode verleimt. Ich benutze übrigens lieber breites Malerband und nicht das oft empfohlene Packband. Es baut genug Spannung auf beim Verleimen und klebt nicht so stark, dass es beim Abziehen Holzfasern mitreisst.

Tag 2: Zuschnitt der Seitenteile mit 1 – 2mm Übermass und Verleimen der linken Seite an den Rahmen. Alle vier Boxen werden im Stapel verpresst.

Nach einer Stunde Abbinden werden die Innenteiler positioniert und eingeleimt. Dann wieder für eine halbe Stunde im Paket verpressen. Gleich darauf kommen die Kabel rein und werden mit Heißkleber positioniert. Auch die Dämmmatte kommt rein.

Zum Abschluss des Tages wird noch die rechte Seite aufgeleimt und das Viererpaket kann über Nacht aushärten. Übrigens: ich benutzte keinen Fugenleim, sondern Super 3 von Ponal.

Tag 3: Die Seitenteile werden am Frästisch mit einem Bündigfräser beigefräst.

Danach geht es schon an den Feinschliff. Da die Platte anfangs bereits bis 180er Korn geschliffen wurde, reicht es jetzt noch einmal schnell mit 180er und zum Schluss gründlich mit 320er zu schleifen. Schon kann geölt werden. Dazu nehme ich seit Jahren Parkettöl von „Naturalfarben“. Ich mache immer einen satten ersten Auftrag, dann gleich den zweiten nass in nass mit wenig Ölzugabe und direkt anschließend verreibe ich mit dem Schwamm noch einmal alles Öl. Nach 10 – 15 Minuten überschüssiges Öl mit Papiertüchern gründlich abreiben und fertig!

Während die Kisten trocknen, baue ich noch schnell die „fliegenden“ Weichen auf und schon wieder ist Feierabend.

Tag 4: Das Parkettöl trocknet recht schnell an und bereits am folgenden Morgen kann der Einbau der Komponenten erfolgen. Eine schützende Unterlage muss dennoch sein, weil das Öl erst nach 4-5 Tagen durchgehärtet ist.

Vier Tage für vier Mini-ACL: passt!

Ein kurzes Testhören am AVR zauberte mir ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht und den Sohnemännern hat es auch optisch und klanglich gefallen. Nur die Musikwahl war weniger nach ihrem Geschmack.

Gleich nach Ankunft der MiniAMPs konnten dann die Lautsprecher an ihren Platz im Kinderzimmer. Fehlt noch der PC, den ich den Kids für die Sommerferien versprochen habe. Im anderen Kinderzimmer werkelt der MiniAMP per USB an der PS4, die diesen anstandslos als Audiogerät erkannte. Das Spielgeschehen bekommt gleich eine sozialere Dimension und die zufriedenen Gesichter der beiden, die nicht mehr durch Kopfhörer abgeschirmt beisammen hocken können, gab mir die Genugtuung, das Richtige gebaut zu haben.

Fast zeitgleich plante ich ein drittes Paar MiniACL. Diese sollten aus 10mm Pappelsperrholz entstehen, aber nicht klassisch gebaut, sondern am Lasercutter zugeschnitten. Es lag dafür nahe, einen der vielen Kistengeneratoren online zu nutzen. Die spucken nach Eingabe der Außenmaße der Kiste alle sechs Seiten auf Wunsch mit Fingerzinken versehen aus. Am CAD noch die Ausschnitte und Bohrungen eingefügt und ran an die Maschine.

Nach knapp 15 Minuten waren alle Teile ausgeschnitten. Leider war die Maschine wohl schlecht justiert und die Kanten in Y-Richtung wurden ziemlich schräg.

Zum Glück lässt sich Pappelholz mit genügend Zwingenkraft in Passung bringen.

Der fliegende Weichenaufbau ist identisch zur vorigen Version der MiniACL und dank gelaserter Bohrlöcher ging der Zusammenbau sehr flott.

Ein Vergleich zur Multiplex Version am gleichen Hörplatz offenbarte mir jedenfalls keine auffällig hörbaren Klangunterschiede. Der Gewichtsunterschied ist aber auf alle Fälle spürbar. Pappelsperrholz ist in gewissem Maße eine Alternative, wenn die Fertigungsmethoden kein anderes Material erlauben oder wenn geringst mögliches Gewicht verlangt ist.

Danke für diesen tollen, preiswerten Bausatz und Danke an die vielen netten Leute im Forum für die Unterstützung. Als nächstes Projekt kommt der „Henkelmann“ für die Beschallung der Terrasse.

Marc (ThWoTi)

Zur MiniACL im Online-Shop

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9 Comments
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Hallo Marc,
ich hätte da Mal ein paar Fragen.
Was für einen laser benutzt du um das Sperrholz zu schneiden?
Hast du die Zinken extra angemalt, oder ist das der Ruß vom Lasern?
Sonst sage ich nur “Hut ab und Helm auf”

Viele Grüße Lars

Danke für deine schnelle Antwort!
Wenn man die Geschwindigkeit beim lasern erhöhte, sollte sich Ruß fast vermeiden lassen. Nur hier passt das schwarz als Designelement.

Gruß Lars

Moin. Na das ist ja mal ne coole Idee. Gezinkt in schwarz/weiß. Es ist immer wieder erstaunlich, auf welches Design die Leute kommen.
Mit gefällts!
Und so eine vernünftige Werkstatt hilft natürlich ungemein.
Gruß Martin

Nice!
Sowohl das erst mal Platte schleifen als auch die schicken schwarzweiss Zinken haben mir gut gefallen, und den Kids gleich mal Hifiohren angedeihen lassen siwieso 😉
Freue mich irgendwann vom Henkelmann zu lesen
Matthias

Coole Sache,

vor allem das gelaserte Pärchen find ich super.
Für mich als Werkzeugloser auch immer wieder beachtlich was sich in den DIY-Haushalten an Maschinerie über die Jahre ansammelt 😄

Gruß Flo

Lautsprecherfabrik 4.0

4 MiniACL in 4 Tagen… 🙂

Jawohl… Vollgas, wer bremst verliert !!!

Geiler Typ… *schmunzel*

…war auch mein Gedanke, das ist schon fast eine Serienproduktion 🙂

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