U_Do 52 ACL – Vadders Werk

Irgendwie lief alles und jedes ziemlich gleichförmig. So flipperte ich mich mal wieder durch Udos Shop und stutzte dann kurz. Fehlt da ein Bausatz?

Kurze Mail an Udo:
Moin Udo,

nachdem das ganze Kanzler- und Coronagedöns immer mehr an das täglich grüßende Murmeltier erinnert, brauchte ich dringend eine andere Sicht auf die Welt.

Was könnte man also machen?
Und siehe da, gibt es wirklich keine U_Do 52 ACL oder habe ich etwas übersehen?

Wenn es die Bauform nicht gibt, könnte mein Entwurf im Anhang funktionieren?
Ich habe nur die lichten Maße gezeichnet und nicht auf den Kubikzentimeter genau gerechnet.
Die lichte Frontbreite wurde aus Vereinfachungsgründen mit 160 mm angenommen.

Viele Grüße und danke fürs Drüberschauen
Reiner“

Prompt kam Udos Antwort:

Hallo Reiner,

dass es noch keine U_Do 52 ACL gibt, wundert mich auch. Aber du schaffst sicher gern Abhilfe, deine Maße sollten hinhauen. Wenn die Kisten fertig sind, kann ich Messungen machen.

Gruß Udo“

Also ans Werk. Der grobe Entwurf wollte in halbwegs nachvollziehbare Zeichnungen verwandelt werden. Um nicht zu sehr in die Höhe zu wachsen, wurde die Rückwand schräg gestellt. Wer mag, kann natürlich auch die Seiten ankippen. Der Durchlass zwischen den Kammern hält 6 cm Abstand zur Rückwand.

Udo hat das dann noch per Sketchup in einen sägefreundlicheren Quader umgerechnet, der hier auch herunter geladen werden kann.

Die Realisierung zog sich allerdings ein wenig. Wegen Inzidenzen über 200 war es zum Einen etwas schwierig an Holz zu kommen, zum Anderen dümpelten die Chassis samt ihrem Container wegen der Havarie im Suezkanal irgendwo auf den Weltmeeren herum.

Irgendwann wurde (fast) alles besser. Udo meldete sich, dass die Chassis eingetroffen seien, Corona bewegte sich unter die 100er-Grenze, toll. Leider schlug dann aber der mir bisher nur aus den Nachrichten bekannte Baustoffmangel durch. Im Umkreis von 15 km war keine MDF-Platte zum bezahlbaren Preis aufzutreiben. Auch die Alternative Seekiefer war nirgendwo auf Lager. Und das im Ruhrgebiet, wo sich reichlich Baumärkte und Holzhandlungen tummeln.
Wollen mich eigentlich alle ärgern?

Also erst mal die Frequenzweichen löten. Sie ist laut Theorie mit der Schaltung ohne ACL identisch. Da ich um die Schwäche mancher User weiß, Schaltpläne zu lesen, gibt es auch ein Foto der verlöteten Bauteile.

Als ewiges Dokument unserer Epoche der Lieferengpässe dient das Foto so nebenher auch noch. Die beiden Kondensatoren im Saugkreis sind normalerweise nur einer mit dem doppelten Wert. War aber nicht auf Lager. Michael Dahl-Jantzen schrieb dazu: “Wir bitten um Verständnis in einer Zeit, in der es weltweit zu Engpässen und Lieferverzögerungen kommt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.” Niels Burema von Hypex und Frank Nielsen von SBAcoustics wären sicher nicht die einzigen, die nun zustimmend nicken würden.

Nach Pfingsten gab es dann MDF im Zuschnitt. Zwar nicht ganz die Dicke aus dem Bauplan, aber 3 mm weniger sollen für einen Prototypen auch klappen. Dafür kostete der ganze Kram nur knapp 27€. Dass MDF jedoch so leicht sein kann, war mir völlig neu.

Nächstes Problem: Ein Boardie hat meinen Fräszirkel zwecks Duettabaus in der Ausleihe. Daher wurden Chassis- und sonstige Ausschnitte provisorisch mit der Lochsäge gemacht. Das Teil von Wolfcraft leistet da gute Dienste, wenn man nicht zu doof ist, die Skala abzulesen. Ich gehöre übrigens nicht immer zu den Schlauen.

Angeschafft wurde sie mal, um Löcher für Terminals und Reflexrohre ohne Einstellorgien an der Oberfräse zu erledigen. Nur…wie versenkt man damit die Chassis? Ich habe dann den 3D-Drucker bemüht.

Mitten im Druck litt der Filament-Erhitzer an verschärfter Hot-End-Verstopfung. Irgendwie hatte sich etwas Baumasse in das Gewinde der Düsenbefestigung gedrückt. Da passte nichts mehr und auf die Fieselfäden wäre jede Kreuzspinne stolz gewesen. Macht wirklich großen Spaß, das Zeug aus dem Gewinde zu kratzen und dauerte mit angemessenen Fluchpausen einen Tag. Dann konnten endlich die Bretter verleimt werden.

Die „unendliche“ Schraubzwinge gehört für die langen Kisten mittlerweile zu meinen Lieblingswerkzeugen. Wie kommt man sonst schon zu bezahlbaren Preisen an Zwingen mit 150 cm Spannweite? Zwei Meter gehen auch mit entsprechend langen 3/4-Zoll-Rohren. Zudem kann man die Bretter schön auflegen und dann locker flockig einspannen. Für das Spannen in der Breite bieten sich natürlich kürzere Rohre an. Incl. zwei 150cm- und vier 60cm-Rohren schlug das Viererset mit ca. 70€ zu Buche.

Während der Leim von Box 2 trocknete, wurden die Kanten an Nummer 1 mit dem Bündigfräser bearbeitet.

Bei der Oberflächengestaltung habe ich es mir dann leicht gemacht. Die Kisten sollen ja nur die Party 12 als PC-Boxen ablösen. Metallic-graue Lasur kam an den Fronten sowie Rückseiten und Vinyltapete im Strukturputzlook für Seiten/ Deckel zum Einsatz. Immer noch nicht très chic, gefällt mir aber besser als rohes MDF. Aufgrund der ganzen Verzögerungen waren nach gut zwei Monaten Realisierungsphase die Messungen bei Udo an Reihe. Mal sehen, ob die Theorie von mir in praktische Ergebnisse umgesetzt wurde.

Dass sich das ACL lohnt, zeigt der Vergleich zur “normalen” U_Do 52.

Und was sagt das Ohr dazu?

Erster Eindruck:
Die ACLs sind hervorragend für Pop und nicht zu harten Rock. Da spielen sie groß auf.
Klassik und feingliedriger Jazz gehören nicht zu ihren Kernkompetenzen.

Nach 24 Stunden ununterbrochener Einspielzeit gewannen insbesondere die 5-Zöller an Klang. Alles war voluminöser bei gleichzeitig feiner Auflösung. Die Bühne wurde auch differenzierter.


Dann habe ich mich doch getraut und sie mit Domnerus‘ Träumerei von Antiphone Blues gefüttert. Passt verdammt gut. Die Orgel hört sich nach Kirche an und das Saxophon geht unter die Haut.
Sie können jetzt meinen letzten Fertigboxen durchaus das Wasser reichen. Und die haben fast das Zehnfache pro Paar gekostet. Großartig über 20 m² sollte der Raum allerdings nicht haben. Dann wird es mangels Membranfläche etwas dünn.

Für die Nachbauer viel Spaß vom Vadder

Zur U_Do 52 ACL im Online-Shop

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Moin Vadder,

Vor 4 Wochen fragte ich Udo per Mail an “Kann ich eine U_Do 52 in ein Chorus 52 ACL Gehäuse packen?”, die Antwort war “das kannst du machen.”
Als dann der Bausatz kam war ich etwas erstaunt dass ich Baupläne für eine U_Do52 ACL erhielt. Nun heute früh als ich eigentlich grad anfangen wollte die Gehäuse zu bauen entdeckte ich deinen Bericht. Dann wurde mir natürlich klar weshalb ich die Pläne von Udo erhielt. 😉
Angestachelt von Dir, konnte ich nicht anders als die Lautsprecher heute fertig zu bauen (Prototypen-Gehäuse), und nun ist er hier, der Erste Nachbau der U_Do52 ACL.

Gruss
Pascal

Moin Vadder. Ich freue mich über den mal etwas anderen Ansatz zu Gestaltung der Front. Die Gegenüberstellung der Frequenzgänge zeigt für mich eindrucksvoll den Unterschied zwischen “normal” und ACL. Das wäre noch eine Ergänzung für die Grundlagen. Und: es hilft ungemein, Ohren, Messschriebe und Gehirn aufeinander abzustimmen.
Weiter so. Liebe Grüße
Martin

Ich habe die U_do 52 eingebaut, wie es Udo damals vorgestellt haben… Da läuft auch Metal… Verschiedene Arten davon und das teilweise echt gut. Bei mir stehen sie aktuell in meiner Übergangswohnung bei meinen Eltern … Aufstellungstechnisch Müll… Aber irgendwann kommen Ständer dazu und dann passt das auch wieder… Vor allem für die Augen. Hier Mal ein Eindruck davon (hoffe, das mit dem Bild hochladen klappt. Aktuell stehen auch beide boxen auf dem diy Lowboard… Den TV bissle nach vorne gezogen und da passen die u_do’s Grad noch so drauf… Die Außenwände sind mit der platte bündig

An eine ACL Variante hatte ich auch schonmal gedacht aber aus gewissen anderen Gründen nicht verfolgt… Vielleicht ein Herbst/Winter-Projekt.

P.S. irgendwie fehlt in dem Bericht das Bild aus dem Thumbnail… Also wie das fertige Werk aussieht. An sich, sind dieses Mal wenige Bilder dabei… Kannst du uns nicht noch paar schenken? Und als Admin kannst du ja bestimmt einfach welche hochladen, ohne dass es jemand mitbekommt 😉

IMG-20210529-WA0008.jpeg

Hallo Nymph,

das war wohl mein Fehler, ich habe das Bild jetzt eingefügt.

Gruß Udo

Moin Vadder,

Du hast ja Hummeln im Arsch …
Nach dem Lautsprecherbau ist vor dem Lautsprecherbau was 🙂. Und zwischendurch noch Verstärker testen, kaufen, nem Eifeljung alles geduldig vorspielen und den Mund wässrig machen, erweitern … Hut ab.
Ich kann mir sehr gut vorstellen das dieser Lautsprecher für das jüngere Folk sehr interessant sind. Wir haben ja die 42 zu Hause die meine Tochter immer noch liebt und hegt und pflegt. Und ich weiß ja was da schon raus kommt.
Ohne sie gehört zu haben: ein gelungener Entwurf!
Zum Drucker, das ist mir auch schon passiert .. bessere heatbreake geholt und gut. Ich hab die Gewinde (innen) im lauwarmen Zustand mit einer Schraube von Dreck befreit … Ging ganz gut.

Viel Spass mit den Teilen.

Gruss, Markus

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