Chorus 51 und der unsichtbare Truppe-Sub

Schon wieder ist eine Woche um und weiter geht es mit der Erweiterung der Chorus 51, die Ollum für seine Eltern gebaut hat.

Es sollte also ein Subwoofer werden, möglichst unauffällig im Wohnzimmer platziert. Schwierig dabei: Es herrschte Corona-Lockdown, unauffällige Umsetzungs-Ideen konnten nur per Foto gesammelt werden. Dabei fiel jedoch auf, dass ein Sofa genau zwischen den Lautsprechern (nicht der eigentliche Hörplatz), einen größeren Hohlraum zwischen Teppichboden und Sitzfläche besitzt. In Auftrag gegebene Messungen ergaben, dass dort 1-2 cm mehr Platz in der Höhe ist, als die ovalen Basschassis von SB in der Höhe messen. Mit einem davon hatte ich selbst im kleineren Schlafzimmer gute Erfahrungen gemacht, zwei wären sicherlich besser, doch der Platz in Breite und Tiefe gab sogar vier davon her – damit war klar, es wird der Truppe Sub.

Der unsichtbare Truppe Sub

Das Ziel war es tatsächlich, einen potenten Subwoofer optisch völlig verschwinden zu lassen – in eine ca. 17cm hohe Nische unter dem Sofa. Das ist weniger Platz, als funktionale Subwoofer-Chassis im Durchmesser haben, und genau deshalb (unter anderem) ist Selbstbau von Lautsprechern so toll. Was es selbst bei Udo noch nicht gibt, wird kurzerhand angepasst! Die meisten Bretter gab es diesmal vom Zuschnitt.

Da diesmal die optischen Anforderungen gering waren, stand als Material MDF fest. Ich hatte zum ersten Mal damit gearbeitet. Fazit: Vollholz ist mir lieber, MDF wirkt viel „brüchiger“ und staubiger, Vorbohren ist Pflicht, aber Preis und akustische Eigenschaften sprechen einfach für sich. Außerdem keine Gedanken an mögliches „Verziehen“ des Holzes verschwenden zu müssen, ist auch beruhigend.

Für dieses und für nachfolgende Projekte hatte ich eine Dübelfräse erstanden, und nach ein paar Probestücken waren die ersten Schlitze gefräst. Ist teurer als eine manuelle Heimwerker-Dübelhilfe, aber wer öfter dübelt, wird dieses Gerät und die ohne Gefummel erreichbare Präzision lieben. Fazit: Hätte ich mir schon viel früher kaufen sollen, hätte mir einiges an Zeit und Nerven gespart. Mitsamt ein paar Versteifungs-Brettchen für die Stabilität war das Verleimen damit recht schnell erledigt – ich kam nur langsam an Platz-Grenzen, die gewünschte Form des Subs stellte sich als extrem unhandlich heraus.

Zwingen kann man nie genug haben!

Am Ende habe ich noch eine dicke Leim-Wurst in alle Fugen gelegt, damit es auch wirklich 100% dicht ist. Dazu eignet sich auch der Schnell-Leim, den es manchmal als Werkzeug-Beilage gibt, und der für nicht viel mehr zu gebrauchen ist.

Bei meinem letzten Oval Sub hatte ich mich für einen präzisen Chassis-Ausschnitt ziemlich gequält (er wurde am Ende schief). Diesmal musste es wiederholbar so perfekt wie möglich werden, da auf der schmalen Front kein Platz für Fehler vorhanden war. Ich bastelte daher zwei um einige mm zu große Schablonen, die ich dann wiederholt mit einem Kopierring auf der Oberfräse abfahren konnte.

Die genaue Größe der Schablonen wird durch den Kopierring und den verwendeten Fräser bestimmt, in meinem Fall mussten sie etwa 2mm größer sein als das Original. Gestützt wurde die Schablone durch „Schienen“, die exakt auf die Front passten, so dass die Abstände nach oben und unten immer völlig gleich waren.

Am Ende war es natürlich nicht so einfach wie gedacht, weil mein Fräser durch den Kopierring nicht lang genug war, so dass ich in einem zweiten Durchgang mit einem Bündigfräser den „Durchbruch“ fräsen musste. MDF staubt wie der Teufel, aber Masken waren Dank Corona-Pandemie reichlich verfügbar. Die Front war auf diese Weise einigermaßen schnell und sehr präzise erstellt.


Zwingen-Ballett

Aus Neugier verspachtelte ich die MDF-Kanten, weil es hier im Forum schon häufiger empfohlen wurde. Aber in meinem Fall waren die Kanten auch nach zwei halbherzigen Durchgängen noch gut sichtbar.

Für den Einsatzzweck war das jedoch völlig egal, der Sub sollte von einem blickdichten, schwarzen Leinenstoff umspannt werden, damit zwischen Sofa und Teppich keine Chassis bzw. glatten Flächen ins Auge stechen. Trotzdem malte ich den Subwoofer vorher noch schwarz an. Als Grundierung nahm ich einen Tiefengrund für saugende Untergründe (eigentlich Putz), der zufällig verfügbar war. Beim nächsten Mal würde ich ein Produkt kaufen, das speziell auf MDF abgestimmt ist. Schwarz genug ist die Holzkiste trotzdem geworden.

Da beim Subwoofer die Weiche entfällt, ging das Anschließen der Chassis recht fix vonstatten, auch wenn mich der Schaltplan anfangs verwirrt hat – Parallel- und Reihenschaltung aus dem Physikunterricht hatte ich seit ca. 35 Jahren nicht mehr gebraucht. Jetzt war es wieder wichtig, den Physiklehrer hätte es gefreut.

„Eingespielt“ habe ich den Subwoofer dann im eigenen SB-Heimkino in einem viel zu kleinen Raum, und irgendwo dröhnte es immer ab einer gewissen Lautstärke. Gut zu wissen, dass der Zielraum mehr als doppelt so groß ist!

Für die eigentliche Inbetriebnahme fuhr ich dann zusammen mit meiner Frau ins schöne Bremen, weil der modifizierte Truppe-Sub durch das unhandliche Format kaum allein händelbar ist. Lockdown-konform schickten wir meine Eltern auf einen Spaziergang, bespannten den Sub und brachten ihn mit gesammelten Kräften in Position. Die Verkabelung war schnell erledigt, die Trennung erfolgt etwas unter 80Hz, die Phase wurde mittels 60Hz und 80Hz Sinus-Signalen gemeinsam per Gehör ermittelt. Dazu wird von allen Lautsprechern zusammen eins der besagten Signale abgespielt und dabei der Phasenregler langsam von 0° bis Anschlag gedreht. Der Zuhörer am Hörplatz erhört die richtige Phasenlage des Subs anhand der Lautstärke – je lauter und klarer das Signal wird, desto richtiger. Zwei Hörer ermittelten so nacheinander die Schalterstellung, die per Foto festgehalten wurde.

Das Ergebnis ist verblüffend, der Raum sieht nicht aus wie ein „typisches“ Musikzimmer mit standesgemäßen Boxentürmen, er klingt aber so. Klanglich ist nun wirklich alles da, zusammen mit dem beruhigenden Gefühl, immer mehr als genug Pegelreserven zu haben. Die Chorusse lösen fein auf, für mich noch etwas feiner als meine SB, und sie spielen etwas „direkter“, was mir persönlich gut gefällt. Ich bilde mir auch ein, dass der geschlossene Bass mit den „kleinen“ Oval-Chassis den flinken Etons sehr angemessen folgen kann und ziemlich gut passt, auch wenn wir gegen das Gebot der Sortenreinheit verstoßen haben.

Schon bei etwas über Zimmerlautstärke „spürt“ man die Musik, man merkt, dass die vier ovalen Basschassis schon ordentlich Luft bewegen. Da wir uns in einer Eigentumswohnung in einem Mehrparteienhaus befinden, haben wir es bisher noch nicht ganz auf die Spitze getrieben, obwohl es mich regelmäßig in den Fingern juckt. Vielleicht können nach Corona die benachbarten Parteien einfach eingeladen werden und gemeinsam die Pegelfestigkeit beurteilen, ich wäre dann gern dabei.

Behausung für den SAM 300D

Als Antrieb für den Subwoofer hatte ich bei Udo gleich den SAM 300D mitbestellt, der nun auch noch ein kleines, vorzeigbares Brettergehäuse benötigte. Das ist eigentlich kein eigenes Kapitel wert, daher hier nur einige Fotos.

Mit diesem raffinierten Zubehörteil fräste ich kleine und wiederholgenaue Nuten in die Bretter, so dass ich an der Unterseite ein kleines 6mm Brettchen passgenau einlassen konnte.

An der Oberseite wollte ich aus ästhetischen Gründen eine Art „Rahmen“ um das Bassmodul haben– dazu fräste ich immer wieder mit einem großen 45°-Fräser an den Brettern entlang, bis der entstehende „Absatz“ den Maßen des Bassmoduls entsprach. Der Rahmen wurde schwarz abgesetzt und mehrfach mit Hartwachsöl behandelt, bis er schick genug aussah.

Er verschwindet zwar hinter einem Sofa, aber so gefällt er mir besser! Schade nur, dass die Signalkabel und die Stromversorgung vorn abgehen, so sieht es immer etwas unordentlich aus.

Das Projekt hat mir viel Spaß und meine Eltern sehr glücklich gemacht. Danke an Udo für die tollen Bausätze, und für den einmaligen, geduldigen quasi 24/7-Support. Es ist ein wirklich gutes Gefühl, sich einen Sound ins Wohnzimmer zu holen, den man sonst nur aus den kaum bezahlbaren HiFi-Studios kennt!

Unser unscheinbares HiFi-Studio

Ollum

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3 Comments
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Montag Morgen und ich öffne das Magazin.
Mein Blick fällt auf das neue Bild und mein Hirn schreit KACHELOFEN!!

Eine geile Idee!
Wenn man das Ding jetzt noch „rund“ baut und in einer hohen Altbauwohnung an die Decke hängt, dann kann man da eine exklusive Designlampe draus machen. 😀

Tolle Arbeit!

Viel Spass damit,
Stefan

Gut gelöst,

genau was Du schon geschrieben hast: Der Selbstbau macht die passgenaue Lösung möglich.

Habt Ihr bei den Chorussen die BR-Rohre offen gelassen?

Servus Peter

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