Nov 04 2017

U_Do15 und 16 – Heimkino oder Stereo

… und dann fragte Gipsohr – so nennt er sich hier im Forum – per Mail an, welchen Bausatz sein Friseur zur Kundenunterhaltung und manchmal auch zum Knallenlassen in den Laden hängen könnte. Vier hätte er gern, die er kreuzweise in Stereo mit einem Verstärker betreiben möchte.  “Parallelschaltung” waren wir uns einig, das leuchtet den Raum am besten aus, nirgendwo wird das Gespräch gestört. Nun, ich weiß es nicht mehr so genau, liegt mein letzter Kontakt zum Haarstylisten immerhin grob 40 Jahre hinter mir. Doch früher galt der Waschen-, Schneiden-, Legen-Salon als Ort der besten Information über den Dorf- oder auch Stadtteiltratsch. “Hast du eigentlich keinen Friseur?” pflegte man zu fragen,  wenn jemand sein überbordendes Mitteilungsbedürfnis anderswo los werden wollte.  Schön für uns, wenn das “Hast du schon gehört?” heute auch noch eine andere Basis hat.

“U_Do 2 und 3 fallen aus, die lägen parallel angeschlossen bei 2 Ohm”, waren wir uns weiterhin einig. Aber U_Do 11 passt. Uns, doch nicht dem Haarkünstler. “Zu groß!” zeterte er. Und da hatte ich das Problem. Warum hab ich denn keine U_Do 2 mit dem SB 13 PFC-8 im Sortiment? Nun, die Lücke ist schnell gefüllt. Als mich Gipsohr auf seinem routinemäßigen Weg quer durch Deutschland vor ein paar Tagen besuchte, präsentierte ich ihm die U_Do 15.

Schade eigentlich, denn schon ist alles zum Bauvorschlag gesagt, viel mehr Superlative gibt es eher nicht zu berichten. Das Wohnhaus stand noch leicht verstaubt im Keller herum, nachdem die U_Do 2 dort ausgezogen war, wiederholte Fotos vom Zusammenbau der sechs Bretter sind nicht wirklich inspirierend. Naja, wenigstens der Sketchup-Bauplan kann ein paar Zeilen schinden, damit es hier nicht nur leer aussieht.



Und damit sind wir schon beim wesentlich Anderen angelangt, das einen beinahe eigenständigen Bericht rechtfertigt, der Weichenentwicklung. Allerdings … so ganz aufregend ist das auch wieder nicht, denn wir folgten den längst bekannten Vorgaben der anderen U_Do’s: Filter 2. Ordnung mit Saugkreis auf den Buckel um 1 kHz für den Bass, mit Vorwiderstand zur Pegelsenkung für den Hochtöner. Neu ermessen wurden lediglich die Bauteilwerte, die für Achtohm-Versionen generell nicht übernommen werden können. Zum Glück reichte auch die grobe Faustregel Spulen halber Wert, Kondensatoren und Widerstände doppelt so groß nicht aus.

Im Schrieb des SB 15 PFC-8 sehen wir einen schmalen Einbruch um 1 kHz, der durch eine Längenresonanz des Reflexrohres bedingt ist.  Doch auch das ist nicht neu, darüber schrieben wir schon ein paar beruhigende Worte bei der U_Do 2.

Messungen:

Bei der Hörprobe fand Gipsohr keinen Grund zum Meckern. In mittlerweile bekannter Manier überzeugte die Kompaktbox durch unaufgeregte Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, verzichtete angenehm darauf, sich in den Vordergrund zu drängen. Wo bei freier Aufstellung etwas druckvolle Tiefe fehlt, ergänzt die artgerechte Wandnähe völlig ausreichend. Ein kleiner Lobgesang gebührt dem wunderbar feinzeichnenden Hochtöner, dessen Preis durch das Einsparen von Ferrofluid im Luftspalt von SBAcoustics auf erfreuliche Tiefe gedrückt wurde. Doch auch hier wiederholen wir uns.

Ob und wann der Barbier die U_Do 15 zur Unterhaltung seiner Kunden einsetzen wird, steht noch nicht fest. Dennoch wurden sie nicht ohne weitere Hintergedanken geboren. Häufig beklagen Heimkino-Fans mit kleinem Geldbeutel, dass ihre schmalbrüstigen AVR keine Impedanzen unter 6 Ohm empfehlen. Mit 4 x U_Do 15 und  1 x U_Do 9 sind alle Hürden übersprungen. Packt man dann noch einen U_Do 7 mit SAM-200 D dazu, kann das Gefühlskino auch schon in mittelgroßen Räumen starten.

U_Do 16

Kann man nicht viel Neues anbieten und steht Weihnachten schon sprungbereit in den Startlöchern, schreit das geradezu nach Ergänzung, die heißt natürlich U_Do 16. Gerufen hat niemand nach ihr, jedoch fanden wir noch ein Plätzchen im Sortiment, an dem gut eine schlanke Standbox im Vollton-Format stehen konnte. Zwar gibt es praktisch keine Lücke zwischen U_Do 11 und 12, sehen wir einmal von der Baugröße ab. Und da setzten wir an. Werden zwei SB 16 PFC-8 nicht in eine immer relativ große Transmissionline gesetzt, geben sie sich mit gemütlichen 50 Liter Reflexvolumen zufrieden, um nahezu ebenso tief, aber sogar etwas druckvoller zu Werke zu gehen. Naja, auch nicht gerade neu. Ergänzt man sie jedoch um einen Mitteltöner, entsteht ein schmaler Dreiweger, der das Zeug um Renner hat (das ist nunmal der Traum des Kaufmanns bei jedem Projekt, das er auf die Beine stellt). Wir entschieden uns aus niederen, aber verständlichen Beweggründen für den SB 12 PFC-4 und können sogleich eine Erweiterung für die U_Do 1 oder 8 generieren. Für die angestrebte 300 Hz Trennung reicht dem Mitteltöner schon ein Liter Körperfülle, aus bautechnischen Überlegungen gaben wir ihm 4,5 Liter.  Damit der Hochtöner in Ohrhöhe abstrahlt, verpassten wir der Box  gut 1 m Innenhöhe , der Front 18 cm Innenbreite. Den Rest erledigte der wohlbekannte Holzlistenrechner.

Wir wählten den Zuschnitt Seite/ Deckel/ Front und bastelten damit in Sketchup einen Bauplan mit Reflexschlitz. Die Chassis dürfen ohne Versenkung direkt auf die Front geschraubt werden, klanglich macht sich das nicht negativ bemerkbar. Wer jedoch alles bündig versenken möchte, lädt sich darüber hinaus die aufgemalte Front herunter oder bestellt die Schallwand als Option dazu.



Nach Zuschnitt der OSB-Platten und Fräsen der Fronten durfte sich des Weiteren unser Fotograf an die heißgeliebte Arbeit machen und das Verleimen der vielen Bretter im Bild demonstrativ festhalten.

Weiter ging es im Messraum, wo zunächst alle Chassis bei gleicher Mikrophon-Position in der Box gemessen wurden. Den Anfang bei der Beweichung machte der Mitteltöner, ein Geselle mit bekannt eigenwilligem Frequenzgang oberhalb von 1,5 kHz.  Nun, warum soll uns bei der U_Do 16 stören, was wir bei den anderen Bauvorschlägen mit dem SB 12 PFC-4 billigend in Kauf genommen haben und was bisher kein Nachbauer ernsthaft als Klangverderber bemängelt hat? Im Gegenteil, wir lieben Lautsprecher mit Eigenschaften, auch wenn sie nicht der vielfach geäußerten Leermeinung  :mrgreen: entsprechen.  Schnurgerader Frequenzgang ist das Eine, geschmackvolle Betonungen das Andere. Die Senke im Mittenbereich erzeugt eine tiefere Bühne, na gut so.

Ein Tiefpass-Filter 2. Ordnung und eine ganz kleine Pegelkorrektur, sowie ein dicker Elko zum Anschluss an den Bass waren die nötigen Bauteile für den Mitteltöner. Die Bässe und der Hochtöner verlangten auch nur zwei Bauteile zur Filterung, dem SB 19 STC-4 stutzte ein Widerstand dazu minimal den Höhenflug. Die beiden SB 16 PFC-8 werden zum Rest phasengedreht angeschlossen.

Messungen:

Damit auch der Einbau ohne Dilemma gelingt, hat der Fotomann auch das aufgenommen.

Die Weiche klebt zweigeteilt an den Seiten weit hinter dem unteren Bass. Um die Kabel zu MT und HT ziehen zu können, wird links und rechts in das Unterbrett der Kammer ein 8 mm Loch gebohrt, das anschließend mit Heißkleber, Leim oder Kaugummi abgedichtet wird. Zwei Matten (30 x 160 cm) teilen sich das Dämmen der Box. Für die Kammer wird von einer ein 30 x 40 cm Stück abgeschitten, der Rest füllt den Teil hinter dem unterem Bass und dem Reflexkanal. Die zweite Matte liegt hinter der Kammer und dem oberen Bass. Am Terminal werden die Strippen zu beiden Weichenparts angelötet, bevor auch die Chassis mit Lötzinn Bekanntschaft machen. Die breite Fahne ist der Pluspol.

Wer Boxen wie die U_Do 16 baut, wird kaum einen Verstärker im vier- bis fünfstelligen Preisbereich sein Eigen nennen. Er wird zudem nicht der älteste Zeitgenosse sein, der schon alle sieben Musikhimmel durchwandert hat. Nehmen wir an, er ist zwischen Heranwachsend und noch kein Eigenheim, er hört Charts, Metal und Electro, manchmal auch alten Rock, weil man daran kaum vorbei kommt. Seine Zuspieler werden entweder ein preisgünstiger AVR mit Internetanschluss oder älter als er selbst, vielleicht aber auch ein preiswerter China-Amp sein. Daher kramten wir wieder einmal unseren gut 30 jährigen Luxmann L 215 raus und ließen uns von Youtube ein paar Titel um die Ohren knallen. Als erstes fanden wir “No Roots” von Alice Merton, die beiden Bässe machten ordentlich Druck, Dynamik gab es genug, die Stimme stand gut verständlich zwischen den Lautsprechern, die eher unbeteiligt links und rechts vom Musikgeschehen herumstanden. “New Rules” von Dua Lipa stand dem Ganzen nicht nach und Taylor Swift wiederholte in ähnlicher Weise mit “Look what you made me do” die Gleichförmigkeit moderner Rythmen, von denen ich zum Mindesten für heute genug gehört hatte.

Was Infected Mushrooms mit “Best of” sogar in guter Aufnahmequalität boten, war eine andere Nummer. Hier ging es durch alle Frequenzen mit laut und leise, rauf und runter, die schnellen Tonfolgen präsentierte die U_Do 16 bis zu wirklich hohem Pegel (kann man diese Musik überhaupt leise hören?), ohne sich oder mich großartig anzustrengen.

Nach einer halben Stunde hatte ich jedoch die Ohren voll und suchte nicht vergebens nach gewohnteren Tönen –  alter Rock in altem und neuem Gewand: Proud Mary, Tina Turner, live 1982, ja, das geht ins Bein. Doch was sie dann fast 20 Jahre älter in Wembey ablieferte, erwischte den ganzen Körper. Wer dieses legendäre Konzert mit fülligem Raumklang genießen will, kann seine U_Do16 mit 15 und 9 vom ContraSub 12 untermauern lassen, dann geht die Party erst richtig los. Aber bitte nicht vergessen, dass man mit solcher Musik in Konzertlautstärke schnell die Bude mit alten Männern füllt, die neugierig erst den Kopf, dann den ganzen Kerl ins Zimmer stecken. Und dann kann das ein langer Hörabend werden. Es gibt so viel tolle Musik im Internet und die U_Do 16 hat vor keiner Sparte Angst.

Udo Wohlgemuth

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10 Kommentare auf "U_Do15 und 16 – Heimkino oder Stereo"

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Andre
Mitglied
Guten Tag, bei meiner kurzen Stippvisite gestern habe ich es mir nicht nehmen lassen, bei der U_Do 16 mal kurz ein Ohr zu riskieren. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber ich bin platt. So viel Lautsprecher für so wenig Geld… Da müssen sich die umjubelten Konstrukte ,… Read more »
stoffel
Mitglied
und er tut es doch, meine 12er, aufwerten auf die 16 oder sparen und eine klasse höher ? mal ne frage, beim upgrade von 12 auf 16 ist ein hochtöner dabei, der ist doch identisch oder?(bräuchte ja nur den 1 x SB 12 PFC-4 und die weiche ,dämmung und kabel…)
Gipsohr
Mitglied
Hallo Udo, So gut wie du frisiert bist, dachte ich das du wöchentlich zum Barbier gehst😎. Ja bauen will ich Sie schon gern. Lediglich macht mein Haarabschneider gerade auf toter Mann. Da meine viel bessere Hälfte bei mir einen regelmäßigen Haarschnitt einfordert, werde ich ihn die nächsten 2-3 Wochen sehen.… Read more »
Klemens
Mitglied

Hallo Udo!
Das ist, wenn ich mich nicht verzählt habe, der 15. Bauvorschlag mit dem gleichen Hochtöner!
Arbeitest du am Eintrag ins Guinnessbuch? 😉
Liebe Grüße,
Klemens

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