Küchenradio gesucht – wie ich zu meinen Mona 21 kam

Das Thema Lautsprecherbau und damit einhergehend die Seite von Udo beschäftigt mich inzwischen seit vielen Jahren. Angefixt von einem Freund, der schon seit über 30 Jahren Lautsprecher selbst gebaut hat und ein Fan der Eton Chassis ist, bin ich in den frühen 90ern an das Thema und den (oder das) Virus Highend Hifi und audiophile Musik herangeführt worden.  Im Laufe der Jahre wechselten sich dann auch verschiedene Hifikomponenten, Kabel, Steckdosenleisten, etc. in den heimischen Gefilden ab, immer auf der Suche nach noch besserem Klang. Messen wurden besucht, Lautsprecher zu Preisen von Kleinwagen gehört. Leisten konnte ich sie mir nicht, aber irgendwann kaufte ich mir dann mal gebrauchte HGP Corda, mit denen ich auch viele Jahre glücklich war.

Irgendwann packte es mich dann wieder und über Umwege kam ich mit Ralf (Himbeertoni) in Verbindung. Dieser lud mich zu sich nach Hause ein und ich durfte seinen „Abhören“ lauschen. Kurze Zeit später veranstaltete er eine Hörsession, zu der er verschiedene Leute mit unterschiedlichen Bausätzen von Udo einlud. Ich brachte meine HGP mit, um einen Direktvergleich zu haben und nahm auch noch o.g. Freund mit, der seit Jahren bekennender Selbstbauer ist. Wir hörten die Little Princess, die Needle, eine Duetta Top und Ralfs Abhöre, sowie meine HGP Corda. Unisono waren wir uns einig, dass Ralfs Abhören quasi über allem Anderen thronten.

So wuchs also in mir die Entscheidung, nach Eton Chassis zu suchen, um mir auch ein paar Lautsprecher zu bauen. Auf der Suche kam ich dann zu meinen BlueNote von Modulorix. Er hatte ein zweites Paar BlueNote gebaut und so konnte ich sie kaufen, ohne den Selbstbauaufwand zu betreiben.

Die BlueNote spielen seitdem im heimischen Wohnzimmer und musizieren immer noch so schön, da braucht es nichts Neues. Ein Arbeitskollege, der meine BlueNote gehört hat und inzwischen ebenfalls zwei unterschiedliche Selbstbauprojekte abgeschlossen hat, weckte in mir den Wunsch nun auch endlich mal etwas Eigenes zu bauen.

Auf Udos Webseite durfte ich feststellen, dass die BlueNote inzwischen von der Linie 53 abgelöst worden sind. Aber im Wohnzimmer muss ich, wie gesagt, nichts ändern. Was mich hingegen schon seit Längerem nervt, ist die Tatsache, dass ich in der Küche in unserer Mietwohnung die Musik im Wohnzimmer nicht so laut machen konnte, dass ich beim Kochen noch anständig Musik hören kann.

Also am Black Friday kurzentschlossen so eine Bluetooth-Dose von ähnlich klingendem Hersteller bestellt und auf der Fensterbank platziert. Handy über Bluetooth angeschlossen und nach ca. 5 Akkorden mal andere Musik ausprobiert. So ein Gedröhne, keine ordentliche Auflösung, einfach gruselig. Eingepackt, retourniert und noch am selben Abend bei Udo auf der Webseite nach einer ordentlichen Alternative geschaut.

Beim Lesen des Bauberichts zur Mona 21 wurde ich dann fündig.

Folgende Kriterien haben mich dabei überzeugt:

Bluetooth fähig durch den kleinen Digitalverstärker, den Udo gleich mit verlinkt hat

Preis/Leistung

einfach zu bauen, auch ohne eigene Tischlerei im Keller

Platzbedarf

last but not least (hatte ich die BlueNote schon erwähnt?)

Nachdem ich meiner geliebten Ehefrau erklärt hatte, dass ich unbedingt diese Lautsprecher bauen wollte, haben wir uns dann über die optische Gestaltung ausgetauscht.

Also am selben Tag den Bausatz bestellt und in der Cyberwoche noch ein bisschen Werkzeug dazu geordert und dann hiess es, erst mal warten, bis alles geliefert wurde und ich Freizeit zum Bauen hatte.

Die Folien sind von Dc-fix, die Heissklebepistole ist essentiell zum Folieren und scharfe Cuttermesser ebenfalls ein Muss, wie ich festestellen durfte. Der Ponal Classic ist super zu verarbeiten und für den Sub habe ich ordentlich dicke Spuren entlang aller Innenkanten geleimt, wie man auf den Bildern gut sehen kann.

Udo bietet zu dem Mona Bausatz auf seiner Webseite u.a. auch vorgefräste Frontplatten in unterschiedlichen Ausführungen mit an. Diese habe ich natürlich gleich mitbestellt. Die restlichen MDF Platten habe ich dann anhand der Liste von 19 mm MDF Teilen in der Baubeschreibung von Udo bei Holzzuschnitt.de bestellt. Baumärkte im Lockdown-Modus und kein eigenes Auto, war das eine gute Entscheidung, denn alle Platten waren sehr genau geschnitten. Da war das Nachschleifen später überschaubar.

Als dann alles kam, habe ich natürlich im Keller erst mal alle Teile zusammen gestellt, wie es die Bauzeichnung vorsah und war dann etwas überrascht, als die vorgefräste Front von Udo und die Rückseite der Satelliten unterschiedliche Kantenlängen aufwiesen. Hatte ich etwa falsch bestellt oder die sich verschnitten?

Ausgemessen und festgestellt, dass dem lieben Udo wohl ein Missgeschick widerfahren ist. Also kurz ein Foto mit Gliedermaßband und dem Vergleich, Frontplatte mit falschem Maß und Zuschnitt Rückwand mit korrektem Maß geschickt. Als Lösungsvorschlag kam dann postwendend die Antwort, er könne sich das auch nicht erklären aber abschleifen sei wohl zumutbar.

Also Seitenwände verleimt, Innenkanten nochmal satt Leim, damit hinterher alles schön dicht ist – Kiste zu! Hier schön zu sehen, dass die Front ein wenig größer ist.

Nächster Halt: Überstand angleichen und abschleifen! Hier spielte das Wetter, auch in Hamburg, zur Abwechslung mal mit. Da ich im Schichtwechseldienst arbeite, hatte ich unter der Woche einen Tag frei und vor- und hinterher war es eher nasskalt gewesen. An diesem Tag war es teils sonnig und den ganzen Tag trocken. Somit konnte ich die Terasse nutzen, was ich dann auch ausgiebig tat. Die Ausschnitte für die Anschluss-Tterminals habe ich übrigens mit dem Wolfcraft Kreisschneider gemacht (Wolfcraft Lochsäge 5978000), da der frei verstellbar ist von 45 bis 130mm (hatte ich extra geschaut, da der Lautsprecher für den Sub ja auch eingebaut werden wollte). Das ging mit dem Akkuschrauber im „Bohrermodus“ erstaunlich gut und auch schön sauber, wie ich finde.

Jetzt noch sauber abgeschliffen, damit ich die Satelliten schon mal abends im Keller folieren konte.

Nachdem ich die Gehäuse der Satelliten fertig hatte, nahm ich mich des Subwoofers an. Hier habe ich nur mal geschaut, ob alle Teile vorhanden waren und passen würden. Dummerweise hatte ich etwas vorschnell die Kabel nicht nur an das falsche Anschlussterminal gelötet (der Subwoofer benötigt die Weiche ja nicht), sondern musste es dann natürlich auch wieder „entlöten, damit ich das Terminal in die Rückwand würde setzen können. Zwei Löcher mit einem 2,5mm Bohrer gebohrt und probehalber die Kabel durchgeführt. Entsprechend abgelängt für den Anschluss an den Tieftöner und damit man im Bedarfsfall noch Platz hat um das Anschlussterminal draußen anzulöten.

HINWEIS! Vor dem Einbau des Tieftöners muss dieser erst mal entsprechend verlötet werden (+ an +, – an -, da er über 4 Anschlüsse verfügt.

Wenn das Gehäuse komplett verleimt wird, wie in meinem Fall, kann es auch nicht schaden, einmal alle Kabel zu verlöten und am Anschlussterminal ein Signal anzulegen, um zu testen, ob der Lautsprecher korrekt angeschlossen ist. Wenn die Kiste erst mal zu ist, ist es sonst zu spät!

Gerade beim Subwoofer nicht mit Leim sparen. Es darf halt keine Luft entweichen, außer durch den Reflexkanal.

Zum Beschweren beim Verleimen habe ich mit vollen Werkzeugkisten und 15kg Hundefutter einen Turm gebaut, der vermutlich 40 kg wog. Das klappte erstaunlich gut. Als Unterlage zwischen Kellerboden und Lautsprecherbox diente ein größeres Brett, das noch da war. So durfte der Leim erstmal eine Nacht aushärten, war ja auch schon spät abends und ich musste endlich ins Bett.

Zur Abdichtung der Kabeldurchlässe habe ich nochmal ordentlich Heißkleber genommen. Am nächsten Nachmittag habe ich das Sonofill in die Subwoofer-Kammer gelegt und den Deckel verleimt. Offenbar hatte ich nicht 100 %ig gearbeitet, daher mussten für den Deckel alle 4 Holzklemmen plus des besagten Turms aus Werkzeugkisten ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, damit es auch wirklich dicht würde. Dummerweise habe ich davon keine Fotos gemacht.

Auf dem linken Foto kann man gut sehen, dass die Kante etwas über stand. Dieses Mal durfte der Junior auch mal den Schwingschleifer bedienen.

Das Folieren der Satelliten war wirklich „learning by doing“ und ich war froh, dass die Folie auf Rollen ausreichend Material bot zum Experimentieren. Ohne Oberfräse, bzw. in Ermangelung der Geduld, den Umgang mit einer Geliehenen erst zu lernen, hatte ich die gesamten Kanten der Satelliten-Fronten, samt der Ecken mit dem Schwingschleifer abgerundet. Das sah auch gar nicht schlecht aus, erwies sich aber beim Folieren als echte Herausforderung, da die Folie natürlich an den runden „Ecken“ leicht knittert, wie man erkennen kann.

Ein Fehler, den ich bei dem ersten Satelliten gemacht habe, war es, während des Föhnens mit der Heatgun zu früh mit dem Mikrofasertuch auf der Folie zu reiben. Ich wollte damit Luftblasen vermeiden. Wenn man allerdings die Heatgun etwas länger über der Folie hält, verschwinden die Luftblasen und Knicke in der Folie von ganz alleine. Die Folie zieht sich buchstäblich wie eine zweite Haut an die Box heran und dann kann man sanft mit dem Mikrofasertuch in kreisenden Bewegungen die Folie quasi fixieren. So habe ich dann nach und nach den ersten Satelliten foliert und anschließend zusammen gebaut. Leider habe ich bei dem Übergang zwischen weißer Front und holzfarbenem Korpus gepatzt, weshalb ich die Folie wieder abziehen musste.

Schlussendlich entschloss ich mich dann, die Front etwas dicker und wie aufgesetzt erscheinen zu lassen. Das ließ sich leichter schneiden und sah etwas sauberer aus, wie ich fand.

Bohrungen für die Füße nicht vergessen.

Jetzt bei einer kurzen Funktionsprüfung sicher gehen, dass alles richtig verkabelt und verlötet ist..

Jo, dat funzt.

Das Folieren des Subwoofers habe ich nicht dokumentiert. Es ging aber wesentlich leichter von der Hand, da ich inzwischen bei den Satelliten genug Erfahrung sammeln durfte. Es sei allerdings gesagt, dass ich den Subwoofer draußen auf der Terasse foliert habe. Das ging ganz gut auf dem Gartentisch.

Das fertige Setup thront jetzt in der Küche oben auf dem Küchenschrank. Unser Esstisch in der Küche steht vis a vis davon und alle in der Familie sind begeistert von dem Ergebnis.

Der Klang hat mich echt von den Socken gehauen und die Einstellmöglichkeiten des kleinen Digitalverstärkers sind Gold Wert. Der erste Soundcheck in der Küche war dann doch deutlich länger, als geplant, obwohl ich am nächsten Tag Frühschicht hatte. Bei Emili Sandé’s Stadionhymne „Abide in me“ musste ich mich beherrschen, nicht stramm zu stehen und die Hand auf die Brust zu legen. Eine Natürlichkeit und Authentizität, die ich dem kleinen Setup im Leben nicht zugetraut hätte. Gemeinsam mit Joe Bonamassa ging es dann dem Sonnenaufgang entgegen mit „Driving towards the daylight“. Pink Floyd’s „Another Brick in the Wall, Pt.1“ lässt einem schon mal Gänsehaut über den Rücken laufen, wenn Roger Waters herausschreit:“Daddy, what did you leave behind for me?“

Fleetwood Mac’s Livealbum „The Dance“ lässt den kleinen Dämon in uns in „My little Demon“ livehaftig rüber kommen. Auch Kip Moore ist „Fire and Flame“ für die Mona. Max Richter hat die vier Jahreszeiten von Vivaldi neu komponiert und auch das klingt mit den Mona’s großartig. Contemporary Jazz oder Goa Trance? Klar, klingt auch klasse und der Bass ist ob der Einstellmöglichkeiten am Nobsound mini Verstärker wunderbar an die Musik anzupassen.

Den Mona’s ist es eigentlich vollkommen egal, welche Art von Musik sie geliefert bekommen. Es macht einfach Spaß und klingt jederzeit natürlich. Klar sind es keine Partyboxen, dafür sind sie zu klein. Allerdings habe ich bisher kein Küchenradio gehört, dass so eine Spielfreude mit sich bringt. Der Bass ist unfassbar gut und trägt häufiger zu einem breiten Grinsen in meinem Gesicht bei.

Den Bluetooth-Eingang nutze ich persönlich nicht mehr, nachdem ich meinen Astell& Kern norma 25 über den Klinkenausgang an den Cinch Eingang des Miniverstärkers angeschlossen habe. Kabel ist halt lediglich durch ein besseres Kabel zu ersetzen, da klingt Bluetooth eher dünn und verwässert. Aptx, LDAC oder was auch immer da noch an BT Standards kommen wird, ist halt Verlust behaftet. Das ist genauso, wie FLAC oder MP3 128kB im Vergleich. Ich denke, wenn man seinen edlen Rotwein lange genug mit Wasser verdünnt trinkt, merkt man es irgendwann auch nicht mehr. Aber das ist eine andere Baustelle.

Meine liebe Frau kann ihre Musik nach Belieben in der Küche mit ihrem Smartphone hören, per Kabel oder Bluetooth steht ihr natürlich frei, wenn ich den Player außer Haus dabei habe.

Fazit
Lautsprecherselbstbau erfüllt einen mit Stolz, wenn der Sound dann entsprechend klingt und man sein Werk täglich vor Augen hat. Man benötigt keine eigene Tischlerei, um ordentliche Ergebnisse zu erzielen und ich hatte so viel Freude am Bauen und dem Ergebnis, dass ich meinem Bruder schon angeboten habe, seine nächsten Lautsprecher für oder mit ihm zusammen zu bauen. Die tatsächliche Bauzeit betrug am Ende ungefähr vier Tage.

Danksagung
Zu allererst an Udo für den tollen Bausatz, den er entwickelt hat und seine Leidenschaft für den Lautsprecherbau im Allgemeinen.

Allen Selbstbauern für ihre inspirierenden Bauberichte, sowie Nico und Peter, die mich letztlich dazu gebracht haben, endlich selbst Hand anzulegen.

Das Bauvideo von esage auf youtube, auch zum Folieren der Boxen habe ich mir vor und während der Bauphase übrigens diverse Male zu Gemüte geführt. Das war extrem hilfreich. Auch hierfür vielen Dank!

Meiner geliebten Ehefrau danke ich dafür, dass sie seit Jahren mein Hobby Hifi geduldig erträgt inkl. der damit verbundenen Ausgaben und Raumgestaltungen.

Jens

Zur Mona 2.1 im Online-Shop

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Moin Jens …

jetzt geht’s :-).
Schöner Bericht und schöne Ausführung. Die Mona sind zwar klein aber fein. Ich kann Deine Begeisterung gut verstehen. Ich hab jetzt schon so einiges gehört und gebaut. Aber jedes mal wenn ich die Mona an dem Billig-Amp einschalte bin ich wieder verblüfft was da raus kommt 🙂
Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit dem Set … und dem Virus 🙂
Gruß, Markus

Na dann will ich mal…
Mona die X-te…aber immer noch und wieder und wieder ein tolles Set. Hab es ja selber auch gebaut. Glückwunsch und viel Spaß damit, sieht schick aus.

Ich würde trotzdem die Subwooferkiste nicht komplett verleimen, man weiß ja nie (die eigene Erfahrung lehrte mich dies). Solang die Musi klingt ist es aber okay.

Grüße Enrico

Hallo Community,

es hat mich sehr gewundert, dass es nicht einen Kommentar zu den Monas gab. Jetzt weiß ich, dass ich es selbst Schuld bin. Man muss den Haken setzen.

Gruß Udo

PS: Vadder, wo bist du?

Jetzt wieder im Lande.
Mit dem Mopped im Wasgau war ich im digitalen Niemandsland.
🙂

Gruß vom Vadder

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