Peters SB 23/ 3

Meine Stereo-Geschichte begann im Jahre 1985 mit einen Paar JBL-L112 und einem Yamaha A-1020 Verstärker. Damit hörte ich primär verschiedene Spielarten des Heavy Metal und gelegentlich klassische Musik, was meinen Ohren bisher gut gefiel. Vor ca. 2 Jahren kam in mir der Wunsch auf, mir ein Paar andere Lautsprecher zuzulegen. Ich dachte zuerst an ein weiteres Paar Fertiglautsprecher, weil ich den Selbstbau gar nicht im Kopf hatte. Beim Suchen im Netz kam ich aber zu meinem Glück auf die ADW-Seite. Nach kurzer Zeit war beschlossen, es werden ein Paar selbstgebaute Lautsprecher.

Ich las dann noch einige Zeit im Forum mit und meine Wahl fiel auf die SB 23/3, welche ich bestellte, ohne sie vorab gehört zu haben. Beim Vergleichen von verschiedenen Gehäuseformen hier im Forum entschied ich mich für die Ausführung, wie sie von Karl-Heinz aka „Hesse“ gebaut wurde.

Bei den Materialstärken habe ich meine eigenen Gedanken umgesetzt, ich wollte nämlich eine möglichst stabile Schallwand von 29mm (21mm Multiplex plus eine aufgeklebte 8mm Multiplexplatte) haben. Auch die Rückwand misst noch 21mm, während die Seitenteile und Boden und Deckel 18mm messen.

Da ich auch etliche Beiträge zu Thema „ACL-Prinzip“ gelesen habe, wollte ich die Versteifungen „ähnlich“ eines ACL-Gehäuses einkleben. Der Gedanke einer Reduzierung von Effekten auf die Membranrückseite war der Grund dafür. Der obere Durchlass ist etwas größer als die Membranfläche des Basses. Ob das zu etwas gut war, wird wohl nur Gottvater wissen. Meinen Ohren jedenfalls gefällt es, wie die Lautsprecher werkeln.

Zum Verkleben der Gehäuse verwendete ich keine Schraubzwingen, sondern benutzte Schrauben. So konnte ich die Teile mit nur geringsten Abweichungen verkleben. Die Schrauben drehte ich nach ein Paar Stunden wieder aus den Gehäusen und verschloss die Schraubenlöcher mit 6mm-Holzdübeln. Die Kanten fuhr ich mit der Oberfräse und einem Bündigfräser nach (überstehende Holzdübel liessen sich wunderbar wegfräsen) und schliff die Flächen kurz mit dem Exzenterschleifer.

Beim Furnier durfte es nur eines sein: Palisander SaRaiFo Blume. Es hat auf mich eine psychedelische Wirkung. Ich habe das Furnier nicht aufgebügelt, sondern mit einer Druckplatte und Schraubzwingen gepresst. Nach jeweils ca. 2 Stunden wurden Zwingen und Druckplatte vom Furnier entfernt und nur ganz kurz darüber gebügelt, um die Feuchtigkeit vom Kleber zu reduzieren. Dann wurde der Überstand des Furniers in Faserrichtung mit einem scharfen Teppichmesser und quer zur Faser mit einem Dremel mit „Kreissägeblatt“ auf ca. 2mm reduziert und der restliche Überstand abgefeilt. So beklebte ich Fläche für Fläche.

Nachdem das Furnier aufgebracht war, wurde es mit dem Exzenterschleifer zuerst kurz mit 180er Körnung und dann noch mit 320er Körnung geschliffen. Dann war es wunderbar glatt und wurde mit Osmo Hartwachsöl farblos matt eingelassen. Der Auftrag des Öls erfolgte mit einem Lappen. Sobald eine Fläche mit dem Öl getränkt war, habe ich den Überschuss sofort mit einem weiteren Lappen abgewischt. Der Unterschied zwischen geölter und nur geschliffener Fläche ist gut zu sehen.

Nun erfolgte der Weicheneinbau. Ich habe die Weichen im Bassgehäuse über dem Bass am Deckel mit je 6 Schrauben befestigt. Dort war der einzige, noch verbleibende Platz, wo die Weichen sich unterbringen ließen.

Die Kabel zum Verbinden des Mittel-Hochtongehäuses habe ich so gelegt, das sie von vorne kaum sichtbar sind.

Nun laufen die Lautsprecher schon seit einiger Zeit im Wechsel an einem SABA 9240S Receiver oder an einem SABA MI212. Bei meinen bevorzugten Musikrichtungen, „diverser“ Metal und auch klassische Musik, liefern die Lautsprecher zusammen mit den SABA-Geräten eine tolle Vorstellung. Ich bin sehr zufrieden mit dem Klangergebnis meines ersten Selbstbaus.

Peter

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Moin.

Sieht doch gut aus, freut mich, dass die alte Idee noch lebt. Klasse handerkliche Arbeit, fast so schick wie OSB. (Zwinkersmiley)

Wenn ich Dir einen Tipp geben darf und das noch geht. Nimm aus dem direkten Weg Chassis/Port ein wenig Wolle raus und dämme den Deckel mit einer Lage. Dann wird das Ganze noch etwas dynamischer.

Das schräge Brett unter dem Bass ist eine gute Idee, bringt viel Beruhigung ins Gehäuse.

Ansonsten viel Spaß mit der alten Dame.

KH

Last edited 8 Monate her by Karl-Heinz Stock

Hallo Karl-Heinz,

der Entwickler der Box hat sich schon etwas dabei gedacht, als er die Empfehlung gab, den gesamte Innenraum locker zu füllen. Sie beruht auf ein paar Messreihen zum Dämpfen mit Polsterwatte (und anderen Materialien) die ich vor einigen Jahren durchgeführt habe.

Gruß Udo

Hallo, Udo.

Da gibt es 45.000 verschiedene Ansätze, brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich gebe lediglich meine Erfahrungen mit der speziellen Konstruktion weiter, was jemand daraus macht, ist völlig frei zu verstehen.

Bis dann

KH

Moin Peter.
Die Optik gefällt mir sehr gut. Ob Du dem Bass mit den Teilern einen Gefallen getan hast, werden wir wohl nie erfahren. Als Vibrationshemmer taugen sie aber ganz bestimmt. Wie dem auch sei. Die SB 23/3 ist ein super Lautsprecher! Und Du wirst sowohl akustisch als auch optisch von Deiner Auswahl belohnt. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß mit den (hier gar nicht sooooo) Dicken.
Gruß Martin

Hallo, Martin.

Einen bassverstärkenden Effekt hat es natürlich nicht, Virbrationshemmung wird allgemein unterschätzt. Der Effekt ist eher in der Bildung einer kleinen „Vorkammer“ zu sehen, die den Hub etwas begrenzt. Ähnlich wie bei der ACL und dem Hybridsystem.

KH

Eine sehr schöne Umsetzung von „das schlimme, dicke Kind“ 😉
Mir gefällt das Furnier außerordentlich gut. Ich mag sowas.
Mein Favorit beim Furnieren auch auf großen ebenen Flächen ist die Bügelmethode. Hat bei mir bisher gut Funktioniert.
Grüße
Rincewind

Glückwunsch zur sehr feinen Handwerksarbeit und zu den neuen Musik Erlebnissen!
Könntest Du zum Furnieren noch etwas mehr sagen? Leim ein- oder beidseitig? Standard Ponal? Wie stark muss das Brett sein? Ich selbst hatte das Mal versucht und Wellen im Furnier geerntet. Gleichzeitig finde ich so große Flächen mit der Bügelmethode enorm schwierig.
Wäre dankbar für noch ein paar detaillierte Beschreibungen all der Dinge die dir selbstverständlich erschienen, aber vermutlich der Schüssel zum Erfolg sind.
Liebe Grüße und wohlklingendes Fest
Matthias

Hallo Matthias

Leim nur einseitig. Nicht auf den Furnier, der wellt sich ja sofort. Brettdicke: So dick wie möglich, so stabiel wie möglich. Damit der Druck gleichmässg verteilt wird. Ich bevorzuge da MDF.
Gruss Adi
……Zum Glück hab ich im Betrieb ne Furnierpresse…..

Hallo
also meine Erfahrungen mit Ponal und pressen waren bei kleinen Flächen kein Problem. Bei größeren mit Brett, Spanngurten und Vierkanthölzer nur Wellen. Mein Favorit ist Pattex. Kleinere Flächen mit einem Silikonpinsel einschmieren, größere Sprühen. Mit dem richtigen Abstand klappt das hervorragend. Anschließend mit einer Silikonrolle andrücken.
Gruß Ralf

Moin,

also ich habe jetzt 2 Paare gebaut, die ich furniert habe. Immer mit der Bügelmethode und ich habe beide Flächen mit einer kleinen Rolle mit Ponal eingeleimt. Wie Peter habe ich auch beide Male ein Furnier von Saraifo verwendet. Das scheint mir aufgrund der Fliesbeschichtung auf der Leim-Seite ziemlich idiotensicher zu sein.

Ciao Chris

Moin zusammen, danke für die zahlreichen Hinweise. Ich selbst habe bis duetta Größe erfolgreich mit dem Bügeleisen furniert. Pattex kommt für mich nach meinen versuchen damit nicht mehr infrage, einerseits wegen Gesundheit, andererseits wegen Handling.
Bei meinem 15″ move Pump bin ich mit der bügelmethode allerdings an Grenzen geraten, was sicherlich auch zum Teil am etwas feuchten Furnier lag. Saraifo würde ich auch etwas mehr Gutmütigkeit zutrauen als dem normalen / echten Zeug was ich bisher verwendet habe.
Siebdruckplatte, gegebenenfalls mit versteifungen plus Schraubzwinge wird wohl mein nächstes Experiment.
Liebe Grüße
Matthias

Moin!
Gefliestes Furnier, egal ob Saraifo oder nicht, ist nach meinen Erfahrungen gutmütiger, bügeln funktioniert aber eigentlich auch mit normalem Furnier gut. Und damit es nicht völlig am schönen Bericht vorbeigeht, mal ein Bild von echtem Palisander (1,6 m am Stück gebügelt), wobei ich den „Fake“ aus dem Bericht von den Farben sehr gelungen finde.

IMG_0233_small.jpg

Das Dekor finde ich wahnsinnig. Bin gespannt was das am Ende gibt.

Gruß

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