Mission “Guter Klang für die Schwiegereltern” und “Rock die Baustelle”

Wer kennt das nicht? Als leidenschaftlicher Selbstbauer von tollen Lautsprechern ist man, sobald ein Projekt abgeschlossen ist, schon in Gedanken beim nächsten. Tja, aber was macht man, wenn in den eigenen 4 Wänden kein Bedarf mehr ist? Auf der ein oder anderen Familienfeier nimmt man unweigerlich das dort vorhandene Equipment unter die Lupe oder man hört es schon im Hintergrund vor sich hindudeln und denkt sich die ganze Zeit … mach doch bitte leiser oder aus. Die Bluesklasse verwöhnten Ohren sind mittlerweile empfindlich für sowas geworden.

In meinem Fall war es diesmal ein schöner Sommerabend, der seinen Abschluss mit den Schwiegereltern und meiner Freundin vor dem Fernseher fand. Wir sahen eine Schlagersendung über den Flachbild-Fernseher. Was für alle den Normalzustand darstellte, weil man es nicht anders kennt, war für mich einfach nur gruselig.

Manch einer wird sich denken, na klar, das ist Schlager! Ok, manche Songs nerven von Grund auf, es gibt aber auch gute. Das viel Schlimmere ist der unterirdische Ton des Flach-TV. Kein Verlangen zum Lauterdrehen, Stimmen, wo man das Gefühl hat, man hört schlecht, Bass und all die anderen Dinge … einfach nichts.

Ok, dachte ich mir, da ist Handlungsbedarf. Während der Rest der Mannschaft die Sendung verfolgte, strickte ich mir in Gedanken schonmal einen Plan zurecht. Welche Lautsprecher, welcher Verstärker, bis wann soll das fertig sein usw.

Es war Mitte Juli. Gerade wieder zu Hause angekommen und gleich Udo’s Shop durchforstet. Nach ein paar Tagen hin und her überlegen, ob Standbox, Sat Sub Kombi oder Soundbar, entschied ich mich für eine schlanke Standbox. Da auch der Bass nicht zu kurz kommen sollte, mit ACL und, um das Gewissen zu beruhigen, gleich noch im unteren Bluesklasse-Segment. Gut, das klingt doch nach SB 24 ACL!

Beim Verstärker sollte es ein kleines Gerät werden, das fast alles kann, was die Schwiegereltern so nutzen. Cd, Radio…hmm das wäre zu einfach. Es soll ja zukünftig der Fernsehton über optischen Ausgang abgegriffen werden und wenn Internetradio und Spotify auch mit an Bord sind, umso besser. Das Ergebnis meiner Suche war Denon Rcd N10. Bei den Gehäusen entschied ich mich für weniger hoch, dafür etwas tiefer als beim Original und zusätzlich sollten sie um 5° nach hinten geneigt sein.

Anhand der Vorgaben zeichnete ich alles auf Millimeterpapier, um einen Eindruck zu bekommen und vor allem die Anordung der Innenteiler und Größen der Kammern zu bestimmen. Diese passen bei 5° Schräge und den geänderten Maßen nicht mehr ganz. Damit es noch schwieriger wird, wollte ich bei den Außenwänden eine zusätzliche Platte mit einer geschwungenen Optik aufleimen, aber damit nicht die Gehäusebreite unnötig vergrößern. Es mussten also 2 Platten für jede Seite werden, die dann gemeinsam die benötigte Materialstärke haben. Im guten Glaube, das alles passen wird, ließ ich mir das Holz im Baumarkt zuschneiden.

Nun konnte es losgehen, die ganzen 5 ° Gehrungen mit der Kappsäge zu schneiden. Zum Glück hatte ich vorher im letzten Moment daran gedacht, die Bretter ein paar cm länger schneiden zu lassen (2x Sägeblattstärke + 2cm Sicherheit). Zwischenzeitlich habe ich schonmal die Frequenzweichen zusammengelötet.

Nachdem die ersten Bretter verleimt, die Frequenzweichen eingebaut und die Kabel verlegt waren, fiel mir auf, das mein abgerundetes Brett gar nicht über die komplette Außenwand der ersten Schicht (10mm MDF) geht.

Klar, woher soll sonst die Optik kommen! Jedenfalls ist an dieser Stelle mein Material vom Inneren der Box nach außen nur 10mm stark, was wohl etwas zu wenig ist. Erstmal Pause machen und nachdenken. Nun gut, ich leimte einfach ein passendes Stück 10mm MDF von innen oben, unten und das Ganze links und rechts ein. Das verlorene Volumen wird wohl niemand heraushören. Wo wir schon bei dem Thema heraushören sind, zum ersten Test habe ich gleich mal alles mit Schraubzwingen zusammengefügt.

Ok, es klingt schonmal ganz ordentlich, aber mich ließ die Anordnung der Innenteiler nicht los, da einfach die Abstände der Durchgänge zur nächsten Kammer nicht gleich weit voneinander entfernt waren. Udo meinte, das ACL-Prinzip sei da recht tolerant, aber ich wollte kein Potenzial verschenken und löste die bereits eingeleimten Wände nochmal heraus

und leimte die 2 unteren Inntenteiler nochmal weniger schräg ein, dazu fehlen leider die Bilder. Um es trotzdem irgendwie darzustellen, habe ich 2 schwarze Linien eingezeichnet, wo sich nun letztlich die 2 Innenteiler ungefähr befinden.

Im nächsten Schritt habe ich mir eine passende Schablone zum Fräsen der geschwungenen Außenplatten aus OSB gefertigt, beide Gehäuse geschliffen

und schonmal alles, was Schwarz sein muss, mit der Rolle inkl. Grundierung aufgetragen.

Nun konnte es auch schon mittels meiner Schablone ans Fräsen der 4 Außenplatten aus 10mm Multiplex gehen. Um den Lautsprechern etwas mehr Standfestigkeit zu geben, spendierte ich noch einen Standfuß, der sich optisch schwungvoll an den Außenplatten orientiert.

Als ich gerade mit Schraubzwingen die erste gefräste Außenplatte an ihren späteren Platz brachte, um zu schauen, ob alles gut zusammenpasst, kam meine Freundin wieder zur Zwischenabnahme in der Werkstatt vorbei. Als alles für gut befunden wurde, warf sie noch in den Raum, man könne doch hinten an den Kanten der geschwungenen Außenwände eine Led-Beleuchtung anbringen. Sieht bestimmt gut aus. Im ersten Moment dachte ich, super, das ist eine tolle Idee, im zweiten Moment, Mist, dafür muss ich an den Platten hinten noch die Stärke der Led´s abtragen, damit diese dann nicht überstehen. Da ich auf solche Spielereien mit Led-Beleuchtung stehe, kurzerhand die Säge nochmal angemacht und fix abgeschnitten. Passt!

Die Außenplatten und Standfüße sollten farblich an das Wohnzimmermöbel der Schwiegereltern angelehnt sein. Somit habe ich mit mehreren Lasuren auf einem Probestück getestet, bis es letztlich einigermaßen passte. Ich lasierte alle Außenplatten und beide Standfüße und im nächsten Schritt konnten die Außenplatten dann endlich an die Gehäuse geleimt werden. Leider lässt die Qualität der wasserbasierten Baumarktfarbe manchmal zu wünschen übrig und ich hatte schnell hier und da ein paar Macken auf der schwarzen Oberfläche. Es musste also noch Klarlack drauf, was bei den lasierten Oberflächen sowieso notwendig war. Dafür nahm ich gleich den Lösemittel basierten Lack her. In der Dose wie Pudding, ließ sich dieser allerdings super verarbeiten und das Endergebnis war sehr gut.

Nach dem Trocknen noch die Led´s angebracht,

verkabelt, Dämmmaterial rein, Chassis angelötet, Füße ran und da standen sie nun und warteten auf ihren ersten Einsatz im Duett. Im Vorfeld hatten meine Freundin und ich schon 2 Kabelbäume mit je 5m Länge gebastelt, für Lautsprecher und 12V-Versorgung der Led´s. Nun haben wir die 2 im Wohnzimmer ein paar Tage am Denon auf Herz und Nieren probegehört und es ist immer wieder verblüffend, was die ACL´s da raushauen an Bass bei gleichzeitig SB-typischen warmen Sound und super Bühne. Das macht wirklich Spaß, vor allem, wenn bei dem Klang nur zwei schmale Spargelstangen da vorn stehen, die sich optisch und akustisch entspannt in den Raum zurücklehnen. Der schwierigste Teil kam jetzt aber noch. Beide mussten halbwegs ansehlich sicher verpackt und mit Geschenkpapier versehen werden.

Ok, das kann man so nehmen, wichtig ist ja der Inhalt. Am 1. Weihnachtsfeiertag wurden dann am späten Nachmittag, als die Geschenkvergabe in vollem Gange war, die beiden riesigen Geschenke aus dem Flur ins Wohnzimmer geschleppt und der Blick meiner Schwiegereltern reichte von überrascht, bis perplex, vielleicht auch im ersten Moment entsetzt bis hin zu voller Freude und Begeisterung. Zum Glück gab es 2 gleiche Päckchen, somit konnte jeder eins auspacken.

Der Denon folgte im Anschluss. Nachdem wir mehrmals gehört hatten, das wir verrückt sind, haben die Männer gleich damit angefangen, die alte Stereoanlage abzubauen und die neuen Gerätschaften anzuschließen, während die Frauen erstmal in der Küche verschwanden.

Es dauerte nicht lang, da ertönten erstmals in diesem Wohnzimmer Klänge, die man sonst nur von zu Hause kennt. Der Schwiegervater konnte sein Grinsen nicht lange verbergen und auch meine Schwiegermutter war gleich zur Stelle und sehr angenehm überrascht. Wir hörten noch den ganzen Abend weiter, testeten verschiedene Musik, Einstellungen usw. und nebenbei dachte ich mir nur … alles richtig gemacht! Hier noch ein paar Bilder einen Tag später.

Sorry für die wenigen Fotos vom Bau selbst, manchmal ist man mit Bauen einfach schneller als der Gedanke, die Kamera in die Hand zu nehmen. Leider sind zusätzlich noch ein paar Bilder unbrauchbar gewesen und konnten mit keinem Gerät mehr geöffnet werden.

Wer jetzt denkt, das wars…nicht ganz!

Zur anschließenden Silvesterfeier war mein Bruder bei uns zu Besuch und sichtlich erstaunt, was da von unserem unscheinbaren Küchenradio (RS 100 PC) an Tönen in den Raum gezaubert wurde.

Es dauerte nicht lang und schon war beschlossene Sache, dass er auch sowas haben will, nur eben für die Baustelle, den Garten und Garage. Jetzt einfach noch eine RS 100 zusammen zu zimmern, war mir etwas zu leicht, zumal es für den Outdoorbereich auch etwas mehr sein darf. Der Henkelmann und ein U_Do-Bausatz hatte mich eh schon länger gereizt, dies war die perfekte Gelegenheit.

Zur Aufgabe stande, so klein und so leicht wie möglich, einteilig, mit Makita-Akku und Netzteil nutzbar, USB-Ladebuchse, robust und das Ganze in Giftgrün. Leider gibts hier auch nicht viele Fotos vom Bau, da ich nicht geplant hatte, einen Baubericht zu schreiben. Da es aber ein, wie ich finde, cooles Teil geworden ist, wollte ich euch das nicht vorenthalten.

Ok, ich bestellte umgehend den U_Do 41/ 7 Bausatz bei Udo und zeichnete mal wieder auf Milimeterpapier meine Gedanken nieder. Das Innenvolumen beim Sub ist gleich wie beim Original geblieben, nur die Sats mussten etwas abgeben, um die ganze Technik unter zu bekommen. Dem Klang schadet es nicht. Anschließend die paar Bretter im Baumarkt in 12mm Multiplex (wegen Gewicht) zuschneiden lassen und angefangen, die ersten Teile zusammen zu leimen.

Da es später von außen keine sichtbaren Kabel geben wird, musste bereits jetzt genau festgelegt werden, was wohin kommt. Die ersten Kabel wurden gleich verlegt und fixiert.

Die Frequenzweichenbauteile wurden bei diesem Projekt direkt mit Heißkleber auf die Rückseite hinter die Chassis geklebt. Ehrlich gesagt ist es mir in all den Jahren bei den verschiedensten Projekten noch nie passiert, das später mal was kaputt ging. Also was solls.

Für den Verstärker habe ich passende Löcher in den Deckel gebohrt, sodass später nur noch die Drehknöpfe herausschauen. Zudem wurde noch ein Kippschalter eingebaut, der einmal den Akku oder wahlweise das Netzteil zuschaltet.

Die USB-Ladebuchse ist aus dem Kfz-Bereich und fand gleich neben dem Kippschalter Platz, sie ist nur im Netzbetrieb aktiv. Unter den Verstärker passten das Netzteil und auf der anderen Seite die Akkuhalterung inkl. einer Abschaltautomatik, da sonst der Lipo-Akku tiefentladen werden kann. Nicht umsonst haben sämtliche Akkuwerkzeuge so etwas auch zum Schutz des Akkus.

Nun konnte das Bass-Chassis eingebaut, Dämmwatte rein und die letzten Platten verleimt werden. Bei der Frage, wie ich das Giftgrün realisiere, bin ich mehrere Optionen durchgegangen. Eine Lackierung wäre zu aufwändig und zu teuer geworden, also habe ich sämtliche Onlineshops nach Bastelfilz durchforstet. Der ist strapazierfähig und gut zu verarbeiten. Als nach mehreren Bestellversuchen der richtige Farbton endlich da war, habe ich den Filz mit Sprühkleber aufgeklebt. Um Schnittkanten zu überdecken, wurde noch ein schwarzer Spanngurt zweckentfremdet und ringsum aufgeklebt.

Jetzt konnten schon die Schutzecken und der Namensgeber, nämlich der “Henkel” in Form eines schwarzes Griffs angeschraubt werden. Dafür hatte ich im Vorfeld eine kleine Holzplatte mit Einschlag-Muttern am Deckel angeleimt.

Im nächsten Schritt sind gleich die restlichen Chassis eingezogen und aus Holzleisten ein Rahmen gefertigt, der dann mit einem schwarzen Schutzgitter versehen wurde. Zum Abschluss ein paar Winkelprofilleisten aus Kunststoff um das Gitter herum und eine kleine Blende für den Verstärker, um nur die Drehknöpfe zu erreichen, die der spätere Benutzer auch erreichen soll. Mit Trennfrequenz usw. kann nicht jeder was anfangen, diese ist genauso wie die Höhen und Tiefen fest eingestellt und passt so. Einzig Lautstärke und Sublautstärke ist noch regelbar.

Das gute Stück bringt nach allen Sparmaßnahmen nun genau 14Kg auf die Waage und ist somit immer noch kein Leichtgewicht. Also habe ich gleich noch eine Minisackkarre spendiert und jetzt kann das Baustellenradio wie ein Koffer am Flughafen hinter sich hergezogen werden, ohne dass die Arme immer länger werden.

Die erste Hörprobe veriet gleich, dass Udo wieder ganze Arbeit geleistet hat. So ein Baustellenradio habe ich noch nie gehört. Ich ließ alles quer Beet mal durchlaufen und das Teil kann bei allem überzeugen. Bei Rock und 80ern dreht man den Sub etwas auf, bei allen anderen etwas runter und schon gehts ab. Mittlerweile lief die Baustellenbox einige Abende zu Testzwecken im Wohnzimmer oder Küche und es ist jedesmal der Hammer, wie das Teil abgeht. Wenn man nicht hinschaut, denkt man, da läuft was viel Größeres, macht einfach nur Spaß.

Demnächst erfolgt die Übergabe und dann sollte die Arbeit bei meinem Bruder wie von allein von der Hand gehen.

Vielen Dank an Udo und alle anderen, die mir auch immer wieder Inspiration und neue Ideen mit ihren Berichten gegeben haben.

Das wars aber jetzt 😉

Gruß Kai

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Hallo Kai,
Sehr schön geworden, deine Kreationen. Die Seitenwangen gefallen mir sehr gut, ich werde mir das mal merken.
Und falls es mal mit deinen Schwiegereltern nicht so läuft, würde ich mich schon mal bei dir als potentieller Schwiegervater bewerben wollen 😉
Ich wünsche allen einen schönen 3. Advent.
Grüße
Hermann

Zu dem tollen Boxenbau lässt sich nur noch Ergänzen: „…früher war einfach mehr Lametta!“
Das Geschenk lässt sich dieses Jahr kaum noch toppen.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Design. Mir gefallen beide „Paare“ außerordentlich gut! Die Idee mit den geschwungenen Seitenteilen lässt mich gerade mein Konzept überdenken … hhhmmm… sehr elegant und zeitlos. Kann man guten Gewissens verschenken 😁
Beim Henkelmann Filz zu verwenden hatte ich so auch noch nicht gesehen. Gibt es schon Rückmeldungen wie die Haltbarkeit auf der Baustelle aussieht? By the way… was für eine Farbe?!!
VG und schönen Advent, Alex

Hui, sehr schick geworden, schöne Weihnachtsgeschichte 🙂 viel Freude den Schwiegereltern, toll dass die Überraschung so gut gelungen ist
Bleibt nur die Frage: womit dieses Jahr überbieten? 😇😅

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