U_Do 14 – nicht nur für Handwerker

So langsam zweifel ich an der Ernsthaftigkeit dessen, was uns der Volksmund sagt. Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Doch warum ist es dann so schwer, einen Fachmann für die Heizung, das Auto oder die elektrische Leitung zu finden? Es klagt nahezu jeder Meister über fehlenden Nachwuchs. Ein untrügerisches Indiz für den Mangel an Goldjungen ist der Boom, den die Baumärkte seit einiger Zeit erleben. Geld ist genug vorhanden, was soll man in Zeiten niedriger bis keiner Zinsen denn auch mit Erspartem anfangen? Also wird angebaut, renoviert und der Garten verschönert, der Mensch greift selbst zum Werkzeug. Helfen können wir ihm bei der Arbeit nicht, aber wir können ihm das Handwerken mit beschwingender Musik unterlegen, wenn die gewohnte Anlage vor dem Farbpinsel Reißaus nahm oder zu weit vom fleißigen Geschehen entfernt steht. U_Do 14 heißt unser neuer Henkelmann, der schon zufrieden ist, wenn eine Steckdose in der Nähe ist. Und in einem hat der Volksmund ohne Zweifel immer noch Recht: Mit Musik geht alles leichter!

Sind die Anforderungen an die Boxen “klein bei großem Klang”, kommt man nicht um ein 2.1-System herum. Doch einfach nur die erfolgreiche Mona umzustricken, kam uns nicht in den Sinn. Trotzdem griffen wir auf Bewährtes zurück, die U_Do 1-Bestückung sollte es richten. Gegenüber dem Breitbänder bietet sie einen hervorragenden Hochtöner ohne Ferrofluid im Luftspalt, der nicht zwingend den idealem Sitzplatz im Stereo-Dreieck fordert. LspCAD errechnete ein geschlossenes Gehäuse mit knapp 7 Litern Inhalt. Allein macht der SB 12 PFC-4 darin jedoch kaum Bass, der -3 dB-Punkt liegt bei grob 80 Hz. Somit brauchen wir einen Subwoofer, der auch nicht viel Raum beansprucht. Wo wir schon über Bewährtes reden, ist der Bandpass nicht fern. Dem SB 16 PFC-4 genügen 6 Liter geschlossen und 7 Liter Reflexvolumen, um saubere 50 Hz von sich zu geben, was wiederum uns völlig genügt. Mit einem HP 70 erhält er eine große Öffnungsfläche, die ihn gegen vorzeitige Luftgeräusche feit. Schon haben wir alle Vorgaben und müssen sie nur noch in ein kompaktes, tragbares Set übertragen. Nun, denken wir mal nach, was man da machen kann.

Dem Bass geben wir netto 20 x 20 cm Grundfläche. Bei 15 mm Multiplex haben wir brutto 23 cm Breite und Tiefe. Die geschlossenen 6 Liter beanspruchen demnach 15 cm Höhe, die 7 Liter Reflexkammer 17.5 cm, mit Trennbrett sind es 34 cm ohne Deckel und Boden. Das ist auch die Höhe der Satelliten, deren eingelassene Front 12, mit Seiten 15 cm Breite benötigt. Deckel und Boden des Subwoofers müssen 53 cm breit sein, zwei seitliche Leisten halten den Griff. So weit, so gut. Dann nehmen wir mal unser Sketchup-Zeichenblatt zur Hand.


Etwas umfangreicher ist die Sketchup-Datei, die aus vier Teilen besteht. Sie zu malen dauerte fast länger als der Zusammenbau der Bretter, den wir diesmal nur für den tragenden Teil ausführlicher dokumentiert haben.


Für die beiden Satelliten wurden nach dem Fräsen zwölf Bretter verklebt, der Sub entsteht zunächst einmal als Torso ohne Deckel und Boden. Mit Hilfe der Sats wird die Position des Basskorpus auf dem Deckel festgelegt.

Nach kurzer Trockenphase basteln wir unseren Griff. In die Seitenleisten haben wir vorweg eine Vertiefung für das Kabelrohr gefräst, mit Spanngurten halten wir die Teile ordentlich zusammen. Danach ist der Rohbau erledigt.

Nun wurde Dämmwatte (2 Matten 20 x 40 cm) locker zusammengerollt in die Satelliten gepackt, die Chassis angelötet und verschraubt, bevor es in die Messkammer ging. Bei der Weiche folgten wir den Vorgaben der U_Do-Reihe, also Filter 2. Ordnung und Lautstärke-Regelungen. Zusätzlich legten wir einen großen Elko in den Signalweg, um dem kleinen Bass übergroße Hübe bei heftigen Bassimpulsen zu ersparen.

Nicht wundern sollte sich der Leser über die Senke im HT-Frequenzschrieb bei 3,5 kHz. Sie dokumentiert die Breite der Front, auf der plötzlich die Reflexionen fehlen. Später wird gezeigt, dass sie unter Winkel nicht mehr vorhanden ist.

Als Verstärker für die U_Do 14 haben wir den schon bekannten Nobsound-Amp genutzt, den Amazon samt 19 V-Netzteil für weniger als 75 Euro direkt aus China liefern lässt. Er hat keine Fernbedienung und auch Bluetooth geht mit ihm nicht. Doch ist es möglich, die Trennfrequenz und den Pegel für den Bass separat zu regeln, über den Mastervolume wird die gewünschte Gesamtlautstärke eingestellt.

Messungen des Satelliten:

Zusammengefasst ernten wir den folgenden Frequenzgang:

Eher unspektakulär ist der Einbau der Komponenten. Da hierzu jedoch die meisten Fragen gestellt werden und im Internet genügend Platz vorhanden ist, gibt es davon ein paar Fotos.

Zwei Matten Dämmstoff (je 20 x 40 cm) füllen die geschlossene Kammer des Bandpasses. Nachdem das Terminals angelötet ist und das ungekürzte HP 70 an seinem Platz sitzt, werden die Bodenplatte und vier Gummifüße angeschraubt.

Schnell sind auch die Satelliten zu einer Mannschaft gruppiert. Sie werden von einem Knebel fixiert, der mittels Rampamuffe in der Seitenleiste steckt. Der Amp wird auf den Deckel geschraubt, drei verdrillte Kabel verbinden ihn mit den Terminals. Der Bass läuft am 180 Grad-Anschluss, damit sich die Schalldrücke von Sub und Sat addieren.

Im Hörraum angekommen wurde der Amp erst einmal eingestellt. Die Trennung stand am Ende auf Rechtsanschlag, der Pegel auf Mitte, der Satelliten-Regler zeigte auf 2 analoge Uhr. Über die Fernbedienung lässt sich dann bequem vom Arbeitsplatz aus die Lautstärke einstellen.

Zuerst durfte sich der ONEU mit einem Stick füttern lassen, von dem er klaglos jede MP3 abspielte, die wir ihm vorsetzten. Natürlich testeten wir die diversen Klangeinstellungen durch, die ausschließlich beim Player integriert sind. Deutlich ließ sich das Klangbild variieren, doch war uns die unverfälschte Wiedergabe nach ein paar Liedern angenehmer als jede Verbiegung. Mit dem Smartphone verband sich der Amp recht schnell, die Kommunikation gelang auch noch, als Jonas in den Messraum ging. Stufe 1 von 30 reichte als angenehme Untermalung, bei 15 leuchtete die blaue LED mahnend im Basstakt, weshalb wir die Trennung auch auf Mitte stellten. Nun war bis zur 20 das Licht aus, aber “Skandal um Rosie” hörten wir über Internet-Radio vom PC dennoch unverzerrt auf 25. Den Laden wusste die U_Do 14 mit weit mehr als nur Zimmerpegel zu füllen, für eine ausgelassene Party oder wonnige Bassorgien reicht es nicht. Doch dafür haben wir dann auch andere Spezialisten mit weit mehr Membranfläche  im Programm. Garantiert wird die Arbeit aber gut von der Hand gehen. So mancher wird sich sicher wünschen, dass sein Werk nicht allzu schnell vollendet ist.

Udo Wohlgemuth

Nachtrag: Natürlich ist der U_Do 14 Sat auch einzeln erhältlich. Mit U_Do 7 oder 10 kombiniert ist er die ideale Basis für kleines Heimkino, kann aber auch als Rear alle SB-Bausätze ergänzen. Unser Dank geht an Max, dessen Kommentar uns diese Möglichkeit aufzeigte. Ohne Heckelmann-Aufbau ist die komplette U_Do 14 auch eine perfekte PC- oder TV-Box, die bei Bedarf ebenfalls das Wohnmobil oder das Gartenhaus mit Musik versorgt.

 

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Zur U_Do 14 Sat im Online-Shop

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Ralf Hauptstein

Hallo, Udo,
Ich habe im Schlafzimmer zwei First Time 9 im Einsatz.
Die würde ich gern mit einem kleinen Subwoofer ergänzen und dann mit dem beschriebenen Amp antreiben.
Passt der U_Do 14 Sub dazu? Wenn ja, kann ich den einzeln bestellen? Wenn nein, gibt es eine passende Alternative?
Gruß aus München,
Ralf

Christian

Hallo Udo,

ich wollte eigentlich aus der Mona 21 eine mobile Bluetooth/Akku Box für die Kabinenfeten nach dem Handball bauen. Jetzt hab ich die U_Do 14 entdeckt…
Welche deiner beiden kleinen Schätzchen würdest du denn empfehlen? Bass sollte schon da sein. Das erste Projekt gabs mit der K+T Array Mini. Die ist untenrum aber deutlich zu schwach, daher ein kleines 2.1 System.

Verstärker werdens zwei Wondom (TP250BT und TP1100). Leistung wäre für beide Konzepte genügend vorhanden.

Gruß und weiter so!
Christian

Stefan Hessenbruch

Hi Christian,
da würde ich auch die U_Do14 empfehlen. Ich hab beide Systeme (mehrfach gebaut) und die U_Do 14 bietet für ein paar Euro mehr den besseren Sound.

Seit ich die 14er habe baue ich in der Größe nix anderes mehr. 🙂

Gruß, Stefan

Mark

Funktioniert dieses Konzept auch gut im Automobil?
Ich möchte ein 2.1 System unter der mit Akustikstoff bespannten Hutablage eines Oldtimers einbauen, um vernünftige Musikqualität völlig unsichtbar zu erhalten. Im Prinzip muss ja nur das Bassreflexrohr halbwegs in der Mitte in die Fahrgastzelle strahlen und die Satelliten eben außen. Der meiste Schall der höheren Frequenzen wird aber wohl als Reflexion über die Heckscheibe zu den Ohren stoßen, da die Lautsprecher nur nach oben strahlen können, damit man sie unter dem Akustikstoff verbergen kann.

stoffel

Wie gemein, es juckt in den Fingern. Dachte auch an die Mona2,1 zuerst für die Küche aber ich weiß ja wie gut die U_dos sind. Hast du dein Kind mal gewogen wie viel kg es auf die Waage bringt?

n8flieger

Hey,
wenn man (wie ich grad) seit einiger Zeit mit der Mona sympathisiert, ist das Angebot einer Mona”XL” echt nicht fair. Die U_Do14 schaut cool aus und man merkt euch den Spaß, den diese Chassis machen, in den Berichten an.

Gruß Enrico

max

Uii, sehr interessant und wie immer ein toller Bericht! =)

Eine Frage drängt sich mir noch auf (vielleicht hab ich ne Stelle überlesen!?): Die “Tops” haben ja eine etwas andere Weiche als die U_Do 1 – wird es die U_Do 14 Tops auch einzeln geben?
Im U_Do HK gibt es bestimmt etliche Anwendungsbereiche für eine Mini U_Do 1, die erst ab 80 Hz mitsingt 😉 Auch die Kombination mit dem U_Do 10 wäre bestimmt denkbar für Leute, die Unter dem Schreibtisch / neben dem TV genug Platz für den Sub haben.