Jörgs BelAir 52 ACL

Zeitgleich zum Start des James Webb Space Teleskops am 25.12.2021, startet auch Udos Bauvorschlag BelAir 52 ACL. Dieser Start ist mir genauso wenig entgangen, da seine Kreationen und die vielen Umsetzungen durch die Community schon länger in regelmäßigen Abständen von mir besucht werden.  Die bisherige Reise – begonnen mit der FT9, weitergereist über die Vota 1 + 2 und fortgesetzt mit der SB 12 ACL – verlief ohne nennenswerte Pannen und führt nun zur BelAir 52 ACL.

Durch glückliche Umstände bekam ich die Gelegenheit, diese bis dato neueste Entwicklung anzuhören. Dank 2G + Booster + Schnelltest und mangels selbst mitgebrachten Tonmaterials war dies gleich eine dreifach neue Erfahrung: eine neue Bekanntschaft (Udo), welche ich besonders schätze, ein neues musikalisches Repertoire (von Udo dargeboten) und eben die BelAir 52 ACL (von … ihr ahnt es schon). Damit das Ganze hier nicht in einen reinen Personenkult abdriftet, nun mein kleiner Baubericht:

Eines vorweg: dreifach sind auch die Fehler, die mir beim Bau unterlaufen sind – quasi als ausgleichende Gerechtigkeit. Aber fangen wir doch einfach von vorne an.

Man nehme mit: zwei Stück BelAir 52 ACL und packe sie in den heimischen vier Wänden aus. Ganz nach den gewonnenen Erfahrungen beim Zusammenbau diversen Mobiliars eines bekannten Möbelherstellers dürfen zwecks Prüfung auf Vollständigkeit die mitgebrachten Komponenten Aufstellung beziehen.

Wie erwartet waren auch hier ein paar Schrauben zu viel geliefert worden. Gottlob waren es nicht zu viel eingepackte Hochtöner. Damit wäre die erste Hälfte des Puzzles schonmal vor Ort. Die andere Hälfte gab es tags darauf beim Sägemeister in Form von 18 mm Birke MPX (19 mm gab es leider nicht, daher wurden Deckel, Böden und Trennbretter kurzerhand um 2 mm erweitert – ansonsten bin ich dem Originalmaß treu geblieben).

Da nun das Rohmaterial, Klebstoff und diverses Werkzeug beisammen sind, können sich alle in der „Werkstatt“ – ein kleiner staubdichter Raum und damit mit gutem WAF – einfinden.

Tag 1

Erste kleine Zwischenaufgabe: welche Seiten des Holzes sollen sich dem Auge zeigen und welche eher nicht – das Auge hört ja schließlich mit. Die resultierende Auswahl ist dann kurzerhand vermerkt.

Diese Notizen wurden auf Kreppklebeband geschrieben, welches das Holz vor dem später erfolgenden Leimaustritt schützen soll. Als tapferes Holzschneiderlein nehme ich nun Maß, damit das neue, audiophile Kleid auch gut sitzt.

So vorbereitet geht es jetzt an den ersten zerspanenden Arbeitsschritt – und zum ersten Fehler. Da mir der Ausschnitt und die Fräsung für den Hochtöner herausfordernd erschienen, gehe ich es mit noch höchster Motivation an.

Jedoch wäre es besser gewesen, die Reihenfolge wie im Vorsatz beschrieben einzuhalten: erst Ausschnitt, dann Fräsung. Umgekehrt – wie im Bild gezeigt – macht man sich weniger Freude und zahlt das vom Motivationskonto. Also in der Nut nochmals den Ausschnitt – hoffentlich exakt genug – eingezeichnet, mit der Stichsäge ausgesägt und ein erstes Probesitzen des Hochtöners (im Hintergrund sieht man die Frässchablone für den HT, gedacht für das Fräsen mit Kopierhülse).

Merken: für die zweite Box: erst aussägen, dann fräsen. Ab jetzt gehts rund – und zwar nur noch. Hier jedoch anders als beim Hochtöner ERST die Fräsung dann den Ausschnitt ;-). Etwas anders als im Originalplan habe ich die Terminals und die Bassreflexrohre entsprechend auch eingelassen, sodass diese mit der Holzoberfläche bündig sind.

Bei der ganzen Fräserei fällt „etwas“ Staub an, den ich zum Teil für etwaige kleine Reparaturen zurückhalte. Mit Leim vermengt ergibt das einen prima und im Farbton passenden Kit.

Spoiler: ich habe das Mehl nicht verwenden müssen. Alle Holzteile sind jetzt gefräst und die Stellen abgeklebt, an denen später beim Pressen Leim austreten wird. Damit man sicher keine Fuge zwischen Lautsprechern und Holz sehen wird, dachte ich „schlau“: „mach es schwarz“ – nichts ahnend, damit den zweiten Fehler zu begehen, zumal das Schwärzen per se unnötig gewesen wäre.

Für heute: Feierabend.

TAG 2

Leimtag. Mit voll aufgeladenem Motivationskonto geht es heute an die Verklebung und während dessen Trocknungszeit an den Aufbau der Frequenzweichen. Doch zunächst die hoffentlich geglückte Schwärzung begutachten. Doch was zur Hölle …

Die Farbe ist in die Holzfasern gezogen, natürlich auch dort wo man das Holz sehen wird. Im Nachhinein völlig klar. Na gut, diese Lehre zahle ich dann halt auch noch vom Motivationskonto. Mit Schleifen habe ich das etwas verbessern können. Aber unsichtbar bekomme ich das nur, wenn ich meine Brille ausziehe oder mindestens zwei Meter weg bin, was in Zukunft eh etwa das Doppelte sein wird. Also so gesehen „Alles gut“.

Leimflasche geschnappt, Bretter arrangiert und vier Schraubzwingen und drei Spanngurte bereitgelegt. Die Zwingen sind dann für mich als unroutinierten Holzbauer zu wenige und damit mein dritter Fehler. Die Folge: ständig auf dem Leim herum rutschende Bretter. Später sehe ich, dass Profis sowas mit nur einem Spanngurt und nur einer Zwinge hinbekommen – Respekt!

Zum Kantenschutz durch den Druck der Spanngurte habe ich ein paar Kunststoffwinkel an die entsprechenden Stellen platziert. Zumindest vermittelt dies ein gutes Gefühl und wird auf dem Motivationskonto gutgeschrieben. Während die Kisten mit bestmöglicher Positionierung der Einzelteile vor sich hin trocken, überlege ich mir, wie wohl „Crystal Mystery“ von „AN-2″ klingen wird.

Kurz darauf plane ich den Aufbau der Frequenzweichen. Diese sollen auf zwei kleinen Brettchen Platz finden. Um mich weiter zu motivieren, lege ich diese spiegelverkehrt an.

Als ehemaliger Fernsehtechniker aus der guten, alten „Fernseher sind nicht flach“-Zeit mache ich mir keine Sorgen und „brate“ das Ganze zusammen. Ein Druckfehler im Schaltplan lässt mich kurz innehalten, aber es kann nur eine sinnvolle Möglichkeit der Verdrahtung von C3 und C4 geben, die in der Bauteilliste beide mit C3 bezeichnet waren. Im Zweifel würde ich Udo kontaktieren, aber ich bin zuversichtlich, dass ich richtig liege. Die fertigen Weichen klebe ich mit Heißkleber auf die Rückwand etwa in Höhe der Hochtöner.

Beim Einkleben denke ich darüber nach, wie wohl „Motherboard“ von „Daft Punk“ rüberkommen wird.

Nachdem eine ausreichende Trocknungszeit vergangen ist, werden die Abklebungen und Leimreste entfernt und die Gehäuse geschliffen. Der Mensch von der Baumarktsäge war gnädig und meine Klebeaktion akkurat genug, sodass kaum Überstände zu schleifen waren. Also geschliffen mit Körnung 60, 80, 120 und schließlich mit „Ende Geduld“. Für mich völlig ausreichend – ich will jetzt bald wissen, was ich da vor mir habe.

Voller Vorfreude und Spaß daran, mal seit langer Zeit wieder den Lötkolben zu schwingen (ist wie Fahrradfahren ;-)) mache ich mich nun auf den Weg zur „Hochzeit“, die Terminals und Treiber mit dem Gehäuse vermählen, sowie zwei Stück Sonofill 20 × 60 cm einbringen …

… „Plus“ am TMT suchen und finden …

… vor dem Bohren und Verschrauben die Speaker mittels geeigneter „Abstandshalter“ (hier sind das Pflanzenschildchen von der letztjährigen Tomatenaufzucht bzw. gefaltetes Papier) zentrieren …

… Fertig – mit der Box „No. 1″ …

… jetzt kommt mir „Aldig Mer“ von „Hinkstep“ in den Sinn … jedoch es fehlt alleine noch Box „No. 2″ – bloß eine Wiederholung. Aber auch das war dann nur eine Frage von Zeit – kurzer Zeit.

Da spielen sie nun auf – die BelAirs – seit Anfang Januar und ich hatte nicht den Eindruck, dass sie ein langes „Swing-In“ nötig hätten. Zumindest ist mir keine signifikante Verbesserung aufgefallen. Die „gute Luft“, welche die BelAir52 bei uns seither verströmen, war von Beginn an klar, sauber, wohl temperiert und erfrischend. Im Vergleich zu den Votas (die wirklich Ihren Preis mehr als Wert waren) liegen jedoch Welten. Die Distanz zu den SB12 ACL ist zwar deutlich kleiner – klein genug, dass ich auch diese nach wie vor sehr schätze und ebenso täglich meine Ohren erfreuen lasse.

Schon beim Probehören auf Udos Couch hat mich der Raum und die Tiefe, welche die BelAir 52 ACL vor meinem inneren Auge auftaten, sehr angetan (und hab den Bausatz ja auch gleich mitgenommen). Hier im Heim mit noch mehr Ruhe und Gelassenheit ist das Abhören seitdem ein tägliches Bedürfnis und Vergnügen – einfach toll wie leicht, ausgewogen und rein die Musik förmlich vor mir herum schwebt (in allen drei Dimensionen – entsprechendes „Material“ vorausgesetzt). Dabei bieten die beiden wirklich viel: ein sattes Fundament und gleichzeitig eine ebenbürtige Lockerheit und Verspieltheit, die mir bis dato gänzlich unbekannt war. Die beiden machen auch wirklich jeden Schabernack mit – sofern man es mit der Lautstärke nicht mit einer PA aufnehmen will (man kann dennoch den Nachbarn dazu animieren, mal zu klingeln – ich hab’s getestet.

Hier ein paar Titel, die ich derzeit wirklich sehr gerne damit höre:

Aldrig Mer – Hinkstep
Broken Horses – Krister Linder
Light of the Seven – Ramin Djavadi
Motherboard – Daft Punk
Kalima’s Spirit – Yatao

Da ich mir ansonsten jedoch „laut“ ziemlich abgewöhnt habe (in dieser Disziplin waren die Votas ganz klar vorne), kann ich mir nicht vorstellen, jemals was anderes nutzen zu wollen – ich bin mehr als zufrieden. Allerdings las ich kürzlich den Bericht zur „Big 5“ und frage mich, ob sich meine BelAir 52 „nachrüsten“ lassen ?

Natürlich darf man den WAF nicht vergessen – auch da punkten die BelAir auf ganzer Linie und meine „Bella“ hört seither auch viel öfter mit. Was soll ich sagen: Win, Win, Win – und jeden Cent wirklich mehr als wert.

Herzlichen Dank an Udo und all diejenigen mit Ihren Bauberichten hier, die mir eine Bereicherung sind. Und ich schließe mit dem Zitat von Auguste Gusteau: „Jeder kann Boxen bauen“ … oder war das „Jeder kann kochen“? … egal, ich seh da keinen großen Unterschied.

Jörg

Zur BelAir 52 ACL im Online-Shop

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16 Comments
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Hoffentlich landet dann auch eine Bel Air 52 in Nordhausen…

@ Jörg, vielen Dank!

Kann den Zuspruch im Moment gut gebrauchen, bin seit Tagen mit meiner Tochter hier im Krankenhaus und ein kleiner mentaler Ausflug in ein Bauprojekt ist für mich sehr motivierend und bringt mich auf andere Gedanken!

Wird schon wieder!

Danke Dir!

Hallo,

danke für den Hinweis mit dem Kapillareffekt, kommt gerade noch rechtzeitig! Kannte ich nicht.
Sehr guter Bericht, viel Arbeit beim Schreiben. 😉

Deine Anspieltipps, klasse.

VG Rundmacher

Wundervoller Bericht und Motivation, die nächsten Projekte anzupacken!

Last edited 3 Monate her by Jo_T5

Hallo Jörg,
gut sind die Säulen geworden 👍
Der Raum sieht ein wenig kahl aus… So was wie kleinblättrige Topfpflanze auf den Lautsprechern hätten sogar raumakustische Vorteile zu bieten 😁
Schwarze Streifen im Holz – den bösen Kapillareffekt bin auch begegnet. Bei mir hat der Kapillareffekt im Bassreflex-Schlitz zugeschlagen 😞
Viel Freude mit den Luftnummern 😉
Rincewind

Oh, Achtung. Pflanzen auf Lautsprechern habe ich meiner Partnerin verboten. Sie kleckert immer beim Gießen, sodass sich bereits Furnier ablöste. Jetzt sind die DIY-Teile lackiert, ich bleibe trotzdem dabei. Einzig erlaubt ist ein wenig Deko oder Atmos.

Hallo Jörg
Toller Bericht von dir. Und mit vielen Fotos, das mag ich.
Beim Bild von der Auslegeordnung am Anfang dachte ich an Foto eines Markenkatalogs. Super👍
Auch deine Umsetzung gefällt mir.
Gruss Adi

Und viel Freude mit deinen BelAir’s

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