RS 100 ACL um die Ecke gebracht

Hört auf zu lesen!!! Das ist die Aufforderung an alle Ästheten, Feingeister und empfindsame Menschen. Der folgende Bericht enthält verstörende Bilder und Bastelmethoden, die für diesen Personenkreis schädlich sein können.

Es war im März 2022, als ich mir meinen neuen Schreibtisch besorgte. Eine Arztpraxis stellte den Betrieb ein und seine Möbel aus. Dieser Schreibtisch hat mir sofort gefallen – halbrund, superklasse. Ein Schnäppchen war der auch noch, was will Schwabe mehr. Nun, die Bildschirme waren aufgebaut, die komplette Hardware installiert. Der 2.1 China Amp wurde angeschlossen, einen Reste-Subwoofer hatte ich auch, was will Mann im Büro mehr. Stolz zeigte ich meiner Frau mein neues Büro.

“Findest du die LS eigentlich schön?” war ihr motivierender Kommentar.
“Was meinst du denn? Die habe ich doch schon ewig.”
“Die hässlichen, noch nie schön gewesen Lautsprecher auf dem Tisch, die machen doch alles kaputt!”

Meine Frau kann eine sehr direkte Art haben. Eine ihrer vielen sehr guten Seiten.

Geschichtlicher Einschub 1:
Die Lautsprecher waren meine ersten Chassis, die ich vor ca. 20 Jahren gekauft hatte. Noch ohne Ahnung von Lautsprecherbau stopfte ich sie in 5 L BR und stellte sie auf den Küchenschrank. Hochton konnten die noch nie. Im Namen steckte auch noch ein “m” für Mitteltöner. Zwischenzeitlich 1 hatte ich eine TML mit Weiche im blauen Forum gefunden und das Gehäuse dazu gebaut.

Geschichtlicher Einschub 2:
Die Bekanntschaft mit Udo begann vor ca. 15 Jahren. Der Umzug in eine neue Wohnung vor 17 Jahren hatte zur Folge, dass meine Nuberts im neuen Wohnzimmer so gar nicht mehr klingen wollten. Neue LS kaufen? Neeeee. Bastelei war schon immer mein Hobby – nach ewigem Rumgelese in den einschlägigen Foren bestellte ich eine Needle bei einem Herrn Wohlgemuth. Als das Päckchen aus Bochum ankam, ich die Treiber sah, war mein erster Gedanke “Na gut Achim, die Holzkiste für die Needle ist fast fertig, schick das Päckchen nicht zurück. 90.- € ist nicht die Welt, aber Bass kommt da nie raus!” Ich hatte nullkommanull Erwartung nach dem Blick auch die BB-Teilchen. Der Rest ist Geschichte.

Zwischenzeitlich 2 – aus den Needle wurde eine RS100 ACL. Und die stand fast ungenutzt um Musikkeller herum.

Zurück zu meiner Frau. “…möchtest du eigentlich noch weitere Chassis kaufen?” “…mir geht’s bei Chassis ähnlich wie Dir bei Klamotten…” – ich kommentiere dies nun nicht weiter 🙂

Wie fast immer hatte Sie Recht. Es steht noch ein weiterer qualitativ recht guter BB im Keller rum. So viele Ohren und Zeit habe ich leider auch nicht.

Die Grübelei begann. Was könnte ich denn eigentlich tun? So klein die ACL auch sind, auf dem Schreibtisch passen sie nie und nimmer drauf. 2.1 mit den vorhandenen Treibern und aus der TML geschlossene Kistchen machen? Gefiel mir immer noch nicht. Das “m” war immer noch vorhanden.

Abends beim Daddeln kam irgendwann der erste Gedanke und eine Idee auf. Ich hab ‘ne Skizze gemacht und Udo geschickt. “Hallo Udo, geht das so? Grüße Achim”
“Hallo Achim, ich blicke deine Skizze nicht. Grüße Udo” kam postwendend zurück.

Nach zwei weiteren E-Mails hatte ich Udo soweit. Ein “…wird gehen…” von Udo reichte mir.

Pläne und Berechnungen sind das eine, die Realität eine andere. Den Plan im Kopf, sägte ich mir schon mal 2 Rohre zurecht.

Wie mache ich eigentlich die Rundungen? Farbe? Übergänge? Kanal?
Ich schaute mich im Keller um und fand viele Holzreste. Hier nochmals der Hinweis vom Eingang des Berichts – für die Schöngeister: ab jetzt wird’s hart!

OK – der Plan stand. Volumenberechnung hatte auch so einigermaßen gepasst.

Die Säge- und Fräserei erspare ich euch, hier ist der Bretterhaufen!

Erste Bilder der Klebeparty.

Noch mehr Resteverwertung – der BR-Kanal ist fertig. Schön geht anders.

Hätte ich meine Skizze angeschaut, wäre mir etwas Säge- und Kleberei erspartr geblieben. Nun gut, es wird nicht der letzte Klops bleiben. Hätte ich doch Kirchenbauer anstatt Maschinenbauer werden sollen? Auf jeden Fall war der Kanal drin. Das Unterteil so einigermaßen fertig.

Noch die 2 Liter für den Schreibtisch.

Wieso eigentlich die komische Nierenform und Einfräsungen in das Nierenteil? Das ist der erste ACL-Kanal von oben nach unten. Der wird sich an die Rundung des Tisches anschmiegen. Wenn ich allerdings Tischplatte plus 2 Brettchen zusammenzähle, komme ich auf 4,8 cm Kanalbreite. Ich wollte aber keine ACL – TML bauen. Deshalb habe ich den Kanal nur knapp 2 cm dick gemacht.

Vor der Hochzeit

Zur Sicherheit noch ein paar Schrauben. Hier seht ihr die Bohrungen, die ich posthum reinmachte und dann wieder verstopfte. Wie ihr seht, muss auch erfahrener Boxenbauer improvisieren. Den Bodendeckel hätte ich besser zum Schluss aufgeklebt. Den Winkel für meine Niere vorher berechnet … improvisieren ist weiterhin angesagt.

Nun die Chassis eingeschraubt. Ich hatte schon weniger Spiel zwischen dem Chassis und dem Gehäuse. Die Schieblehre hat sich offensichtlich um 10 mm vermessen. Nun gut, wo ein Problem ist, gibt es auch die Option auf Design. Schließlich heißt die Firma des Entwicklers “aDw”. Also nochmals ran. die Chassis auf ca. 0,5 mm zentrisch ausgerichtet, verschraubt und mit einer Spritze die Farbe eingefüllt. Geht doch!

“He Achim, wieso hast du eigentlich die Kabel raus hängen lassen und kein Loch für ein Anschlussfeld gemacht?” Kein Platz für die im Haushalt vorhandenen großen Anschlussfelder, antworte ich. Das Feld wollte ich seitlich haben, nicht unten. Zudem ist das Thema “Resteverwertung”. Es wird genommen was da ist – basta. Auch die edlen Anschlussbuchsen.

So, probehören am Schreibtisch ist angesagt. Endlich Hochton am Schreibtisch. OK, ein 17-er TT in 40 Liter bringt natürlich mehr Bass, den Kompromiss mit den ACL‘s hatte ich erwartet. Beim Fertigstellen des Bericht war Bochums bekanntester Barde dabei. Seine Stimme war zwischen den Bildschirmen wie festgenagelt und hat wieder bestätigt: Kurzer Hörabstand am Schreibtisch – da geht für mich nur ein BB.

Fertig. Und jetzt ab nach Nordhausen (2022). Da geht es um BelAirs und Boardies und ich war richtig gespannt, was da an meinem Ohr und Hirn ankommt. Aber dass ist dann die nächste Geschichte…

Gipsohr Achim

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Hallo Achim,

ganz ehrlich, ich finde die Dinger mega! Der Teil auf dem Schreibtisch, den man sieht, ist super geworden und passt perfekt zu dem restlichen Equipment. Und das was man nicht sieht, ist egal! War ja eine mega Rechnerei! 🙂
Tolles Projekt! Glückwunsch!

VG Harald

…und ich dachte immer, Udo und mein Regiolekt wär wat schlimm… 😀

Sehe ich richtig, dass die Böxlein als “Klammern” an der Tischplatte befestigt werden?
Das ist sicherlich eine sehr individuelle Lösung, aber Hut ab vor der Idee!

Wie gesagt, im Selbstbau ist nichts unmöglich.

Gruß,
-Sparky

Sauba, i glaub i verreck.

a soichane Stiagnglandamischung hob i no ned xeng! Hauptsach s´basst. So und auch so.

Servus

Peter

(an der bayrisch/schwäbischen Sprachgrenze aufgwaxn)

Wie sage ich als Schwabe immer: „Schee ischs ed!“ und auch wenn sowas nie meine Werkstatt verlassen würde, finde ich das Projekt ganz großes Kino. Resteverwertung, an seine Bedürfnisse anpassen und dann so kreativ das Volumen der LSP‘s zu verstecken ist mega. Selten so einen schönen Bericht zum Schmunzeln gelesen (auch die Kommentare der besseren Hälfte sind Weltklasse). Und dennoch gibt es viel was man für eigene Projekte mitnehmen kann. Danke dir sehr fürs Teilen. Saub‘r gschaffd gibt es dann wieder ein anderes Mal 😁

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