MiniACL – Franks Wiedereinstieg nach 20 Jahren

Nicht ganz genau genommen waren neue Gehäuse für meine in die Jahre gekommenen Hobbyraumboxen (Visaton Alto1 in MDF, hässlich foliert in Esche schwarz und reichlich abgestoßen) ein Projekt über die Feiertage. Altersbedingt bin ich weitgehend mit Visaton sozialisiert worden. Neben der Alto1 im Hobbyraum spielt hier noch die VIB170AL.

Die ersten Schritte waren Ende der 80er ein McFarlow-Bausatz vom einschlägigen Elektronikkaufhaus, sowie nach kurzer Phase der Unzufriedenheit die klassische Erstversion der Visaton VIB. Seit dieser Zeit bin ich übrigens ein Fan von Reflexkanälen.

Von der Holzarbeit sofort wieder angestachelt, suchte ich im Web nach „PC Lautsprecher Selbstbau“ und stieß irgendwie auf den Thread „RS100 vs miniACL vs CT193“. Irgendwie spukte auch schon der Wunsch nach einem Breitbänder-Projekt im Kopf herum. Am liebsten würde man sofort 3 Setups bestellen und alles mögliche ausprobieren.

Für das aktuelle Vorhaben wurde zwischen miniACL und RS 100 hin und her überlegt. Das ACL-Prinzip wollte ich unbedingt ausprobieren und die Höhe gab den Ausschlag für die Monacor-Variante. Das Gehäuse wurde noch 3% niedriger und tiefer gerechnet. Der Zentimeter macht es aus, damit sie auch in meinen Sekretär passen. Ob diese Aufstellung der Qualität gerecht wird, bezweifle ich aber inzwischen…

Den Zuschnitt in 12er Multiplex (€28,-) erledigte der nächstgelegene Baumarkt – online vorbestellt mit dem Hintergedanken, dass ein flexibles Zeitfenster der Genauigkeit ja nicht schaden kann. Die Rechnung ging auf. Was nicht 100% passte (4 Tiefenmaße bei Boden und Deckel) war mit 60er Papier in 2 – 3 Minuten erledigt.

Bei solchen Minigehäusen am besten vor der Anreise abklären, ob der Zuschnitt überhaupt möglich ist – ich kenne auch Häuser mit Mindestmaß 15cm.

Eine kurze Rückfrage an Udo – „Reflexkanal?“ „Mach, wenn es dir besser gefällt!“ – zerstreute eventuelle Bedenken. Da es in der unteren Kammer doch recht eng zugeht, dachte ich zunächst an 5mm HDF. Letztendlich war es mir gefühlt trotzdem zu wenig Luft „um die Ecke rum“ und ich verlegte ihn kurzerhand zum Bodenblech. Nach dem Leimen der Schallwand fiel dann auf, dass ich die volle Rohrlänge von 7cm abgemessen und die Wandstärke nicht abgezogen hatte… also habe ich jetzt einen Korrekturfaktor von 1,2. Wird schon gutgehen. Die Kanten habe ich noch ca. 3 mm gebrochen und gerundet, so als „last frontier“ vor dem Luftauslass. Esoterisch oder sinnvoll?

Zwischenzeitlich traf das Paket ein. Echt knuffig, der kleine Breitbänder. Kurzer Test in der Luft – schon die ersten Gitarrentöne von Mark Knopfler sind vielversprechend. Während ich noch über Inbusschrauben sinniere, stellt sich heraus, dass Torx statt dem ollen Kreuzschlitz bei Udo ohnehin Standard ist. Liebe zum Detail!

Die Fräsung habe ich von 78 auf 73 verkleinert, m.E. ist es günstiger wenn der SPX nicht nur auf der schmalen äußeren Kante aufliegt. Mit den Anschlüssen ist es dann etwas fieselig, geht aber ohne Feilen. Im Aussenkreis habe ich auf 93 korrigiert, sehr knapp bemessen aufgrund meines Öl/Wachs-Finish. Mit Lackierung sollte man bei 94 bleiben.

Eine Bestückung und Hörtest vor dem Gehäusefinish musste natürlich sein.

Wenn ich mit einem Wort beschreiben soll, wie die Kleinen aufspielen: Beeindruckend! Soviel Druck im Keller und Feinzeichnung andererseits hätte ich von einem Mini-Breitbänder nicht erwartet.

Beim Finish des Reflexkanals hat es mir dann gleich mal den Fräser verzogen – 6mm tief und rein in die Seite. Vorsicht im Gleichlauf! Mit einer bewährten Mischung aus Fräsmehl und Holzleim konnte die Stelle aber gut kaschiert werden. Wenn in den Reflexkanal der Bündigfräser reinpassen würde, wäre manches einfacher. Mit der Optik der 6 mm Abrundung bin ich dann voll ins Risiko gegangen. Passt! Nur 2 – 3 Zehntel zu tief geraten und daher etwas viel Korrekturschliff.

Die Kanten waren schon recht passig, den letzten Schliff gab es fallweise mit 120er von Hand. Dann mit dem Schwingschleifer mit 240er drüber und die erste Schicht Auro Öl/ Wachs Nr. 129 mit Lappen aufgetragen. Zwischenschliff nicht nötig, nach einem Tag nochmal nachgeölt und ein wenig poliert. Leider kamen einige schmale Leimreste erst nach der Ölung zum Vorschein. Hoffentlich merkts keiner…

Das Einspielen besorgten Dire Straits, Janis Joplin, diverse Ladies der 80er, Cat Stevens, Heroes del Silencio bis hin zu Paganini. Gemessen am Konzept: Überraschend räumlich.

Preis/Leistung: Spitzenklasse!

Was den Reflexkanal betrifft: Zumindest mit der Test-CD in 5-Hz-Schritten haben sich keine hörbaren Ausreißer ergeben.

Fazit:
Die miniACL ist ein kleines Überraschungspaket. Jeder sollte ein Paar davon haben! Wenn alle Zuschnitte gut passen, ist das auch ein schönes Einsteigerprojekt.

Frank

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Hallo Frank,

saubere Arbeit. Ich hatte mal die U_Do41SAT auf ACL umgebaut. Das ist wirklich ein unglaublicher Gewinn. Die RS100ACL habe ich schon einmal in Nordhausen gehört. Ich glaube Du hast recht. Jeder sollte sie in seinem Haushalt haben. Mal gucken, wann ich Zeit dafür finde…
Ich wünsche Dir viel Freude mit den neuen Lautsprechern!

Gruß
Henning

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