Jörgs grüne, schlanke SB 18

Eigentlich wollte ich Boxen für das Schlafzimmer bauen, eigentlich. Also ab ins Internet und recht schnell bei Udo auf der Homepage gelandet. Nach langem Schmökern besonders der Bauberichte entschied ich mich für die SB18. Sehr schön fand ich die Ausführung als Standbox, aber auch die mit gewölbten Seiten gefielen mir gut. Na gut dachte ich mir, dann machste halt beides, schlank und hoch mit gewölbten Seiten. Den Berichten entnahm ich, das alles geht, Hauptsache 18 Liter.

Ein bisschen auf dem Taschenrechner rumgetippt, heraus kam ein Trapez als Grundfläche mit knapp einem Meter Höhe. Als Material wollte ich MDF verwenden. Das lässt sich prima bearbeiten und auch ebenso lackieren. Bei eBay Kleinanzeigen fand ich eine Platte mit 2,2m x 1,2 m mit 25mm Dicke für schlappe 50€. Dachgepäckträger auf den Mini meiner Süßen und los. Mit dem aufs Dach gezurrten Monstrum wurde die Heimreise mit maximal 70 km/h angetreten.Schneller traute ich mich nicht, wollte ich die Platte doch in einem Stück heimbringen. Zu allem Überfluss braute sich noch ein Unwetter zusammen. Vor meinem inneren Auge sah ich schon eine aufquellende MDF-Platte, die sich über den Mini legt wie eine Käsescheibe über einen frisch gebratenen Burger. Der Wettergott war aber gnädig, die Platte kam trocken und am Stück in die Werkstatt. Nun hieß es Feuer frei.

Aus der großen Platte wurden mit Handkreissäge und Lineal viele kleine Platten gemacht, Front und Rückseite mit rechtwinkligen Schnitten gesägt, die Seitenteile mit dem nötigen Winkel. Um das Zusammensetzen zu vereinfachen, wurden mit einer Oberfräse diverse Absätze gefräst. Das half beim Verkleben ungemein. Zunächst wurden die Seitenteile mit Front und Rückseite verklebt. Nach dem Trocknen wurden die Deckel mit reichlich Weißleim in den gefrästen Nuten versenkt..

Die Wölbung der Seitenteile habe ich durch Einfräsen von Treppen und anschließendes Schleifen erreicht.Die „Treppentiefe “ und Position habe ich anhand einer 1:1 Skizze ermittelt. Anschließend wurde mit einem Stahlvierkant, der mit 36er Schleifpapier beklebt war (Sprühkleber), geschliffen. Hört sich schlimm an, ging aber Dank MDF, recht gut. Okay, eine halbe Stunde pro Seite muss man schon investieren, dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen. Schnell noch die Öffnungen für die Chassis gefräst und die erste Anprobe konnte stattfinden.

Allmählich stellte sich die Frage des Finish. Furnier, Lack, Stahl, auch die Ledervariante wurde in Betracht gezogen. Von einem Lampenprojekt hatte ich noch Steinfurnier übrig. Sehr interessantes Material. Buntschiefer-Blöcke werden mit einer dünnen Lage Glasgewebe und Polyester-Harz beschichtet. Nach dem Aushärten wird der Verbund abgeschält. Eine hauchdünne Schicht Gestein bleibt haften. Haptik und Optik entsprechen dem Gestein, die Platte selbst lässt sich mühelos schneiden, schleifen, kleben und auch aufgrund ihrer Flexibilität biegen. In einem bekannten Baumarkt um die Ecke gab es sogar eine ansprechende Auswahl, aus der ich mir zwei Platten heraussuchte. Damit sollten die Seitenteile aufgehübscht werden.

Schnödes Aufkleben kam natürlich nicht in Frage. Also wurden 3 mm dicke und ca. 20 mm breite Streifen MDF gesägt und als Umrandung aufgeklebt. Zum Abschluss wurden die Kanten noch mit dem Radiusfräser malträtiert.

Soweit, so gut. Spachteln, schleifen und noch zwei Bassreflexrohre aus Kohlefaser bauen waren dann noch Fleißarbeit. Die Farbwahl war auch schnell getroffen, weiß-grün wurde gewählt. Böse Zungen behaupten, man hätte früher mit dieser Farbe Krankenhausflure gestrichen, bis bekannt wurde, dass sie der Genesung der Patienten nicht dienlich war. Also ich finde sie schön.

Der Einfachheit halber wurden Löcher in die Seitenteile gebohrt, um die Boxen drehen und somit in einem Schuss lackieren zu können. Insgesamt habe ich 6 Schichten Lack (auf Wasserbasis) innerhalb von drei Tagen aufgewalzt. Nach getaner Arbeit wurden die Löcher wieder verschlossen. Das Steinfurnier konnte nun eingepasst und aufgeklebt werden. Hierzu habe ich einfaches Malerakryl verwendet. In ca. 1 cm Abstand wurde Raupe neben Raupe gelegt, eine Platte positioniert und mit ein paar Gewichten eine Nacht beschwert. Das ganze vier Mal hintereinander und tadaaaa……immer noch nicht fertig.

Ich wollte die Boxen auf Füße stellen, finde ich persönlich totschick, Doch so Recht konnte mich das Angebot auf dem Markt nicht überzeugen. Naja, um ehrlich zu sein, waren mir die meisten Sachen einfach zu teuer. Aber das macht ja den Reiz des Selbstbaus aus, denn wer Gehäuse und Frequenzweiche bauen kann, der kann auch Füße bauen.

Hierzu wurden triviale Silentblöcke für 80 Cent das Stück mit Rändelmuttern a 1 € das Stück und Kohlefaserstreifen kombiniert. Das ganze mit Holzschrauben verschraubt. Wackelt man an der Box, sieht es ein bisschen wie ein Wackel-Elvis aus. Mit anderen Worten, ich denke die Entkopplung funktioniert prächtig. Fehlten nur noch die Weichen.

Auf der Zielgeraden wurden die Anschlussterimals kannibalisiert. Die „Plastiktöpfe“ wurden durch eine schwarze Glasfaserplatte ersetzt, Watte rein, Chassis angelötet und verschraubt, Bassreflexrohre verklebt…..tja…jetzt waren sie wirklich fertig.

Die guten Stücke wurden ins Wohnzimmer gebracht, mit meinem Yamaha verkabelt und mit zittrigen Fingern in Betrieb genommen. Wie sie klingen? Nun, ich sag’s mal so ….. meine altgedienten Selbstbau-Lautsprecher wurden in den Keller gebracht und für das Schlafzimmer muss ich wohl nochmal was machen.

Jörg

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Moin Jörg,

schöner Bericht, vielen Dank dafür. Immer wieder verblüffend und mit Hilfe der Schwarmkreativität schön zu sehen, was es für Möglichkeiten gibt, Runde Wände zu bauen.
Das mit dem Steinfurnier kannte ich noch nicht, wird die Oberfläche behandelt?
Ciao Chris

Moin Jörg. Schon erstaunlich, was man alles aus einem Kompaktlautsprecher machen kann. Die Farben sind nicht so meins aber die Kombination der Oberflächen samt Rohr, Terminal und Füßen ist einfach KLASSE. Das ist Selbstbau in Perfektion und wäre im Laden unbezahlbar. Alle Daumen hoch!!!!
Gruß Martin
PS. Vor ca. 12 Jahren hab ich mal für eine Wandverkleidung aus ähnlichem Steinmaterial ein sehr Vielfaches des qm-Preises bezahlt…..

Hallo Jörg,

da hast Du eine klasse Form für die SB18-Stand gefunden. Ist wesentlich einfacher als mit Spanten und Leisten oder Platten krümmen.

Das Steinfurnier kannte ich noch nicht, das Grün schon.

Viel Spass mit den SB´s

Peter

Hallo Jörg,

die Dinger sehen prächtig aus. Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Projekt!

Mit dem Fräsen der Treppenstufen habe ich mal wieder etwas neues gelernt.

Die Seitenteile mit anderem Material zu gestalten gefällt mir auch sehr. Ich stecke gerade in einem Projekt, bei dem die Seitenteile aus Alu gefertigt sind. Der Effekt ist bei dir richtig gut gelungen! Da freue ich mich schon auf meine eigenen….

Viel Spaß mit den Teilen.

Gruß
Uwe

Wow! Meins ist die Farbkombinationen nicht, aber das Design mit der Farbkombinationen habe ich in der Form auch noch nie gesehen. Da die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, das Ohr offensichtlich mehr als zufriedengestellt ist, bleibt wohl nichts mehr zu sagen, außer vielleicht: Viel Freude damit!
Grüße Achim

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