2. Juli 2023

BelAir 92 by Matthias

Autor: Matthias_KR

Das Boxenbaufieber packt mich jedes Jahr aufs Neue. Leider konnte es in den Corona-Jahren nicht behandelt werden und der Sommer ging schon wieder seinem Ende entgegen. Udos Webseite bewarb zudem sehr viel Neues. Die SB Satori Serie mit Air Motion Transformer war schnell als das Objekt der Begierde auserkoren. Nach guten Erinnerungen an den Klang der SB 36, entschied ich mich für die BelAir 92 alias Doppel 9. Die Fronten aus schwarzem MDF bestellte ich schön von Udo CNC-gefräst dazu. Sonderwünsche wie Reflexrohr, nicht -kanal und eine um einen Millimeter reduzierte Tiefenfräsung waren kein Problem. Sie kamen wie die übrigen Bauteile auch wohlbehalten bei mir an.

Zunächst ging es an das Abrunden beider Schallwandseiten mit einem 6mm Radiusfräser vorne und hinten. Den Zuschnitt des Korpus aus schwarzem MDF ließ ich mir um einen Zentimeter in der Breite weniger, dafür um 2 cm in der Tiefe mehr im Bauhaus anfertigen, selbstverständlich mit der obligatorischen Leimzugabe.

An den folgenden Bautagen half normaler, wasserlöslicher Leim unter dem Eigengewicht der Bretter eine feste Verbindung zwischen der Rückwand, den Seitenwänden sowie Deckel und Boden herzustellen. Danach fräste ich beide Gehäuse (noch ohne Schallwand) bündig.

Die Seiten und der Deckel erhielten einen Überzug aus bereits vorhandenem Saraifo Black Snow Furnier mit der bewährten Bügeleisenmethode, einem Teppichmesser und einem Schleifklotz.

Die eingangs erwähnten Rundungen der Front auf der Vorder- und der Rückseite erfolgten nicht ohne Grund. Die Seiten der Gehäuse vorne und hinten bekamen ebenfalls mit dem 6mm Abrundfräser eine Rundung. Bewusst habe ich auch hier eine Rundung an den vorderen Seiten angebracht, um zwischen Schwallwand und Korpus eine Schattenfuge zu erzeugen.

Ein Arbeitstisch und Spanngurte fixierten letztlich die Schallwand so auf ihrem Gehäuse, dass sie dank Hilfsbrett mittig unter ausreichend Druck verleimt war. Oben und unten musste lediglich der Überstand bündig gefräst werden. Viel Geduld erforderte es hingegen, den Leim, der zwangsläufig in die Schattenfuge gequollen war, zu entfernen. Dank wasserlöslichem Leim kein Drama. Er wird unter Auftragen von warmem Wasser nicht sofort flüssig, nur zäh genug, um ihn mit einem Teppichmesser vorsichtig herauszukratzen.

Nun zur Oberflächenbehandlung. Über Google (oder war es doch von Udos Bildern?) fand ich Hartwachsöl einer Firma aus Senden. Dort bestellte ich mir 2 kleine Dosen, 1x Hartwachsöl schwarz und 1x Hartwachsöl seidenmatt glänzend. Eine satte Schicht schwarzes Öl trug ich mit Pinsel auf die Schallwand und in die Fuge auf. Es ist eine Sauerei. Aber es brachte den gewünschten Effekt. Das MDF wird selbst an den Stellen schwarz, die sich dem Durchfärbeprozess erfolgreich entzogen haben. Ein weiterer Überzug oder eine Versiegelung war nicht nötig. Die furnierten Seiten bekamen nach 240er Glattschliff von Hand eine satte Schicht Öl seidenmatt glänzend, ebenso die Rückseiten. Auch hier reichte ein Durchgang vollkommen aus. Dabei verhielt sich das Öl perfekt neutral. Das Holz wurde angefeuert, jedoch nicht abgedunkelt.

Das größte Problem für den Weichenbau war die Beschaffung der Brettchen. Fortuna sei Dank, fand sich vom alten Regal die Rückwand aus HDF in schwarz. Das sah sogar gut aus. Bohrungen für Kabelbinder und zum Anschrauben gingen frei Schnauze. Der Heißkleber floss dann auch nach endlosen Minuten in ausreichendem Maße. Vielleicht war ich aber gerade hier nicht gewissenhaft genug und machte einen Anfängerfehler, der mir bei der Endmontage große Kopfschmerzen bereiten sollte.

Der bewährte 2,6mm Metallbohrer zog sich als Vorbohrer schön satt in die markierten Verschraubungspositionen der Chassis und die Polklemmen wanderten nach der Verlötung des Eingangskabels mit ordentlich Zug auf der Mutter in die Rückseiten. Das Weichenbrett fixierte ich mit 4 Schrauben über dem Versteifungsbrettchen. Eine lockere Füllung mit Polyesterflies tat ihr Übriges, bevor die Kabel an die Bässe gelötet und an den Hochtöner geklippt werden konnten.

Erstes Anschließen einer Box. Irgendetwas stimmt nicht. Der Hochtöner lief nicht. Oder spielt er so dezent, dass ich ihn gar nicht wahrnehme? Egal, erst einmal die zweite Box zusammenbauen. Es stimmte, kein Hochton aus der ersten Box. Außerhalb lief der Hochtöner mit vorgeschaltetem Kondensator. Sind es die Klemmen? Sollte ich ihn besser auch verlöten? Nach stundenlangem abendlichen Gegrübel sollte es die berühmte Nacht des Überschlafens richten. Ein letztes Betrachten der Weichenfotos ließ mich dann doch noch erröten. Die kleine Luftspule wird mit den verzinnten Drähten überkreuzt geliefert und genauso klebte sie auf dem Weichenbrettchen. Da hat sich der Strom einfach vorbeigeschlichen. Anfängerfehler gehen anscheinend immer.

Nun stehen sie auf sandgestrahlten Aluminiumfüssen im Stil des Hochtönerrahmens in ihrer Position und ich kann mich nicht beschweren, der Bau der Doppel 9 hat sich mehr als gelohnt. Sie spielt grundtonwarm und feindynamisch, leise wie laut vermisse ich nichts. Ich wurde belohnt mit einer natürlich glänzenden Wiedergabe und mit dem Prädikat, das Udos SB Acoustics Lautsprecher auszeichnet: „Du darfst zuhören.“

Matthias

Zur BelAir 92 Doppel 9 im Online-Shop

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Hey Matthias, das ist super geworden! Danke fürs Teilen.

Sehr schöner Bau. Das Saraifo in schwarz-weiß hatte ich auch schon auf dem Schirm, aber nie umgesetzt.
Da hast du einen optischen Leckerbissen gebaut. Viel Freude damit.

Ich habe es grau mit bräunlichem Schimmer in Erinnerung. Aber vielleicht habe ich auch nicht genug ÖL aufgetragen. Den Eindruck hatte ich damals

Glückwünsche, sehr edel geworden!
Eine Nahaufnahme der Füße würde mich noch freuen, wünsche immer guten Musik Genuss
Namensvetterliche Grüße

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