Blumensäulen und Party-Kisten

Letzten Sommer hat meine Kerstin zu ihrem Geburtstag ein kleines Treffen von Freunden und Familie veranstaltet. Neben allerlei leckerem Essen durfte musikalische Untermalung nicht fehlen. Netterweise hat der Nachbar mit seinem Equipment ausgeholfen. Für den Abend hat das auch vollkommen gereicht. Die Gäste hatten Spaß und zur vorgerückten Stunde wurde auch die Musik lauter. Es war in der Tat ein schönes Treffen. Nur meine Ohren meinten: Beim nächsten Mal darf es laut sein, ohne dass es weh tut..

Udo hatte vor vielen Jahren noch ein größeres Angebot an Party-Kisten. Also größenordnungsmäßig für ein kleines Dorftreffen hinter der Scheune. Die Zeiten, wo sich das Dorf hinter der Scheune traf, scheinen vorbei zu sein. Aber für eine größere Gartenparty findet sich in seinem Angebot immer noch etwas. Derzeit ist es das Audience 12 Kit. Mit 92dB Wirkungsgrad reicht es völlig aus, um damit auch den Nachbarn garantiert gute Musik zu servieren. Dafür reicht ein etwas dickerer HiFi Verstärker. Also Kram im Online-Shop bestellen und in Bochum abholen.

Die Schallwände hat Udo gefräst, den Rest erledigte der Mann an der Säge im lokalen Biber-Markt. Kleiner Tipp: Die ausgedruckte FreeCad Zuschnitt-Liste am Mittwoch abgeben und nochmals betonen, dass der Zuschnitt auch gerne am Freitagabend oder Samstag abgeholt werden kann. Bloß keinen Stress. Die eigene Telefonnummer auf der Sägeliste nicht vergessen. Am Donnerstagabend kam der Anruf, dass der Zuschnitt schon auf dem Wagen ist. Freitagabend habe ich den Stapel MDF abgeholt.

Wie eine Kiste geklebt wird, ist glaube ich nicht mehr so spannend. Hauptsache es sind ausreichend viele Schraubzwingen vorhanden. Spanngurte sind auch nicht verkehrt… Und immer großzügig mit dem Leim sein… Besonders in den Ecken: Wie ein Installateur die Silikonfugen abdichtet, so wird auch die Box bei mir mit Leim abgedichtet. Schön eine Hohlkehle im Leim mit dem Finger formen und trocknen lassen.

Der Überstand wurde abgeschliffen, was bei Baumarkt-MDF ziemlich schnell geht. Dann noch ein paar Runden mit dem Abrundfräser ziehen und die Kiste ist schon fast fertig.

Ich habe schon einige Boxen gebaut. Wer zum ersten Mal einen Bretterhaufen in eine Kiste verwandeln möchte, kann vielleicht aus meinen Fehlern / Erfahrungen lernen:

  • Leim braucht Platz – je nach Menge des Leims, Werkstoff und Pressdruck können sich die Maße um bis zu 1,5mm vergrößern.Beim Leimen auf Stoß (wie ich es bei diesen Kisten gemacht habe) ist es ratsam, dass die Kanten über die Wände stehen. Kanten lassen sich besser passend zur Wand schleifen als umgekehrt.

    Leim ist so etwas wie Schmierseife oder Lagerfett: Die Bretter werden schon bei leichter Druckausübung verrutschen. Besorgt euch ein gutes Wörterbuch der Schimpfwörter. Es gibt dennoch paar Tricks, um das Verrutschen zu minimieren: Die Klebekante so lange vorsichtig leicht hin und her schieben (auch vor und zurück) bis das Gefühl da ist, dass sich das Brett „angesaugt“ hat. Ein paar Minuten warten und erst dann die Schraubzwingen (Spanngurte) festziehen. Für „Weicheier“ ohne Mut zum Risiko sind Dübel oder Lamellos empfehlenswert.

    Ein guter Bündigfräser wird zum Lieblingswerkzeug

Da die Party-Boxen den Wohnraum nicht dauerhaft „verschönern“ dürfen, kann ich mir die Gestaltung des Dekors sehr einfach machen. Dose Warnex Anthrazit plus eine grobe Schaumstoffrolle werden es schon richten. Da der Bibermarkt gerade keine grobe Schaumstoffrolle hatte, musste ich zu einem anderen Baumarkt fahren. Dort gab es auch „Koffer-Schutzecken“ aus Metall (Schrauben übrigens auch).

Die Warnex Farbe wird gerne im PA Bereich eingesetzt, da die Trockenzeit kurz und die Deckkraft ausgezeichnet ist. Meine Kisten sind nach einer Stunde im Heizungsraum „griffsicher“ – also der Lack bleibt nicht an den Fingern kleben. Ein Auftrag mit der groben Schumstoffrolle reicht. Einmal drüber und fertig! Für das Lackieren der beiden Boxen hat mir ein Nachmittag (mit Kaffee & Kuchen für die Trockenzeit) gereicht.

Kleiner Tipp: Der BR Kanal gehört ebenfalls von Innen gestrichen. So sehen die Lautsprecher am Ende halbwegs „professionell“ aus. Wo ich gerade bei „professionellem“ Look bin, dürfen auch Tragegriffe nicht fehlen. In Gegensatz zu Wohnraum-Lautsprechern werden die Party-Kisten öfters durch die Gegend getragen. Da sind Griffe vorteilhaft. Und lange Schrauben zur Griffbefestigung. Also wurden auf die Schnelle noch „Verstärkungsbrettchen“ für die Griffe eingeklebt. Schadet nicht.

Die Griffe sind knapp unterhalb der Mittellinie der Seitenwände positioniert. Da der Schwerpunkt der Box unterhalb der Mitte ist, würde die Box mit mittigen Griffen zum „Pendeln“ beim Tragen neigen. Es ist recht unschön, wenn sich eine pendelnde Kante den Stoßimpuls auf das eigene Fleisch überträgt. Außerdem kann man(n) die Box so auch etwas höher heben.

Die Weiche hat diesmal Platz, richtig viel Platz. Da wirken die wenigen Bauteile ziemlich verloren im Gehäuse.

Die Montage der Chassis verlief unspektakulär, besonders weil Udo dran gedacht hat, gerändelte Schrauben für die Montage des Horns auf dem Treiber beizulegen. Top! Am Ende konnte ich die Kisten mit einem kleinem Arcam Alpha 2 testen. Für Party im Freien reicht das noch nicht, doch deutlich gehobene Lautstärke war drin. Allerdings ohne viel Bass.

Mit den Griffen kam auch gartentaugliches Kabelmaterial (Laut Hersteller wohl auch bühnentauglich). Da ich mir keinen PA-Verstärker anschaffen werde, kann ich bei ollen Bananen-Steckern bleiben – klar, Profis greifen zu Neutrik – doch wird da der Stecker im schlimmsten Fall während einer Woche mehrmals gesteckt und abgezogen. Für den Garten reicht es mit dem beiliegenden Terminal und den Bananas.

Paar Tage später sind die Griffe dran, ein dickerer Verstärker ist auch da (Mission Cyrus II mit PSX) und ein Soundinterface (die Einbausoundkarte im Läppi ist leider grauenhaft). So kann der erste Outdoor-Test gemacht werden – zumal das Wetter mitspielt. Na dann, die Nachbarn bekommen garantiert gute Musik zu hören.

Die erzielbare Lautstärke mit dem Mission Cyrus II (samt PSX) ist für mich mehr als ausreichend. Nach diversen Musikstücken packte mich die Reminiszenz an vergangene Zeiten und der Mut, die Lautstärke weiter aufzudrehen, nahm zu. Es gibt einfach Musik, die muss LAUT sein…

The Bates: Billy Jean
Sisters of mercy: Temple of Love
Heroes del Silentio: Entre dos tierras
Levellers: Liberty Song
New Model Army: Vagabonds
Seufz und einiges mehr….
Auch die aktuelle Version von „Land of confusion
Tool: Pneuma

Damit ist die Grenze der Audience 12 am Mission erreicht. Für Gartenparty reicht es völlig, doch für Live-Feeling fehlt da ganz tief unten eine Schippe, die outdoor durch entsprechend dicke Subwoofer zugelegt werden muss. Projekt abgeschlossen. Party Lautsprecher fertig. Es fehlt nur eine winzige Kleinigkeit: Worauf stelle ich die Boxen im Garten für ne Party?

Die Zeiten, wo´n Bierkasten-Turm praktisch stets zu haben war, sind doch vorbei. Na dann, auf zum Teil 2: Lautsprecherständer. Simple Idee: Holzsäulen, die sowohl als Blumenständer taugen, wie auch ab und an für die Audience 12 als Unterstand dienen können. Dual-Use: Kerstin kann ihre Pracht-Pflänzken vorteilhaft präsentieren und ich zweitweise Musik verteilen. Der Schwerpunkt der Säulen sollte sehr bodennah sein, damit die Kipp-Gefahr klein ist. Außerdem sollen die Säulen trotz hohen Gewichts gut zu bewegen sein. Für den niedrigen Schwerpunkt sorgen ein paar Gehwegplatten und für die Beweglichkeit ein Pflanzenroller. Die Säulen werden wegen Gartentauglichkeit aus Terrassenholz gezimmert. Netterweise bekam ich von Michael eine CAD-Zeichnung, an der ich den Aufbau orientieren konnte. Also wieder ab zum Bibermarkt.

Und dann wieder sägen, kleben und schrauben. So langsam wird’s mit der Erfahrung besser. Testaufbau hinstellen:

Könnte schon ganz gut werden. Kerstin sagt: Das wird zu hoch. Messen, Denken, Messen, Fluchen, Kreissäge (Kapp & Gehr) aufstellen. Theorie trifft auf Praxis: Das endgültige Maß wird empirisch ermittelt. Auf ein Neues: Bibermarkt, Sägen, kleben – mit der Übung geht’s schneller.

Beim Ausrichten nicht vergessen, dass Schraubköpfe etwas über den Metallwinkeln stehen werden. Also ein wenig mehr Abstand einplanen. Auf in die Schrauborgie:

Schnell noch den Pflanzenroller befestigen (Platz für die Feststellbremse nicht vergessen), umdrehen und in den Garten rollen.

Endabnahme quasi erfolgreich:

Es sind da ein paar designtechnische Ideen zur Verbesserung des Erscheinungsbilds der Blumensäulen formuliert worden – das ist aber dann eine andere Geschichte.

Peter Gawrych aka Rincewind

Zur Audience 12 im Online-Shop

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7 Comments
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Hi Peter, solche Multiuse Projekte sind schön aber auch herausfordernd, da das Lastenheft von der besseren Hälfte oft neu geschrieben bzw. interpretiert wird.

Sind toll geworden und auch deine kreativen Lösungen bei den Stands sind sehr praktisch, so kann die nächste Party im Garten starten!

Gegen Verrutschen hilft zuweilen auch eine minimale Prise Salz auf die Fuge vor dem Zusammenlegen…

Schönen Sonntag, Johannes

PS: welche Kappsäge nutzt Du? (will auch eine… gerne per PM)

Absolut richtig. Wollte hier keine Diskussion vom Zaun brechen.

Bei den PA-Berichten beschleicht mich immer so ein haben-wollen-Gefühl 😁 Lamellos sind, vor allem mit passender Fräse, echt praktisch.

Hallo Rincewind,
das Kapitel Fehler/Erfahrungen kann ich so unterstreichen. Ich bin ein Dübel-Feigling, wobei das Geduld und Präzision erfordert.
Viel Spaß mit den Kisten und mit den Säulen darunter kann sich keine Gattin daheim beschweren. Richtig klasse. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, da so viel Energie hineinzustecken.

Gruß
Niklas

Hallo Peter
Sehr schöner Bericht. Und noch schönere Blumenständer. Wenn ich das richtig sehe, sind da bestimmt 3, wenn nicht mehr, Platten im Bodenfach. Das fällt sicher niemals um.
Die Audience sieht auch schön aus. Und ja, ein verleimter Kasten wird grösser , aber niemals kleiner. Diese Erfahrung habe ich auch.
Gruss Adi

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