5. Mai 2024

Chorus 51 und Chorus 11 Sub machen Musik

Autor: Tobei

Prolog
Bedingt durch Corona und dem damit verbundenen Home-Office verbrachte ich, wie viele andere auch, sehr viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Durch die sich einstellende Monotonie fing es bei mir als Ingenieur in den Fingern an zu kribbeln – ein neues Projekt musste her.

Nachdem viele Dinge, die ich immer schon mal tun wollte, erledigt waren, kam ich eines Abends dem Thema Lautsprecher wieder näher. So begann ich im Winter 2020/2021 ein Pärchen MiniACL für unseren Fernseher zu bauen, schön schmal und passten liegend gerade so in unseren Fernsehschrank. Bis dahin existierten keine weiteren Pläne oder konkrete Vorstellungen über dieses kleine Projekt hinaus. Mit zunehmenden Betriebsstunden der Breitbänder festigte sich das Bassfundament und eine gewisse innere Zufriedenheit stellte sich ein.

Dieser kurze Moment der inneren Ruhe stellte sich jedoch als Inkubationszeit des HiFi-Selbstbauvirus heraus. So kam es, dass wenige Wochen vor Weihnachten ein alter Lautsprecherbausatz wieder hervorgekramt wurde. Ein für Bernd Timmermanns (bekannt aus HOBBY HiFi) typischer Bausatz mit Transmissionline-Gehäuse und Helmholzabsorber wurde so von Papier in MDF übersetzt. Allerdings blieben die Lautsprecher nicht bei mir, sondern wurden als Weihnachtsgeschenk weitergereicht.

Die MiniACL machten beim abendlichen Fernsehschauen immer noch so viel Laune wie am Anfang, lehrten mich jedoch, dass diese kleinen Dinger besser klingen als so mancher Studiomonitor, wie er bis zu diesem Zeitpunkt in meinem Büro stand. Da ich fast ausschließlich Musik in meinem Büro höre, war das schon ein herber Schlag.

Wenn schon die ADW Einsteiger-Klasse so rund klingt, dann müssen die höheren Klassen noch etwas Exklusiveres zu bieten haben – so zumindest mein vereinfacht formulierter Gedankengang. Die Randbedingungen waren kurz gesagt: Blues-Klasse, Regallautsprecher, bzw. so kompakt, dass ich sie auf den Schreibtisch stellen kann. Nach 1-2 kurzen und prägnanten E-Mails von Udo waren genügend Randbedingungen (neudeutsch: Constraints) vorhanden, so dass ich mich für die Chorus 51 entschied. Kurze Anmerkung: Evtl. haben mir die doppelten Bassreflexrohre der Chorus 51 aber auch einfach so gut gefallen […].

Form follows function
Ganz so einfach ist es aber doch nicht, denn auch wenn Lautsprecher für die Ohren sind, so ist die Form und optische Gestaltung für die Augen. Da ich gute Erfahrungen mit der Verarbeitung von Multiplex gemacht hatte, mir aber Birke geölt zu gelb für die Lautsprecher war, entschied ich mich für Buche-Multiplex als Werkstoff. Beim Lesen der Bauberichte und stöbern auf der ADW-Homepage war mir eine Chorus 51 Variante mit weißer Front und stabverleimter Holzumrahmung aufgefallen die Farbkombination gefiel mir. Es folgten verschiedene Varianten, die per CAD visualisiert und wieder verworfen wurden. Am Ende blieb folgende Variante bestehen.

Baubericht Teil 1
Nachdem das äußere Erscheinungsbild der Lautsprecher festgelegt war, habe ich mit dem Aufbau der Frequenzweichen begonnen.

Dabei habe ich mich an das Udosche Prinzip des Holzbrettchen-Aufbaus gehalten. Auch wenn ich selbst bereits einige Leiterplatten entworfen habe, so kann ich diesen einfachen und übersichtlichen Aufbau nur befürworten. Der Aufbau dauerte selbst mit dem Bohren der Löcher für die Kabelbinder nicht länger als einen Feierabend.

Weiter gings ein paar Tage später mit dem Zuschnitt der Buche Multiplexplatten, anschließend wurden die Öffnungen für die Lautsprecherchassis sowie für die Bassreflexrohre mit der Oberfräse und einem Fräszirkel gefräst. Ich kann an dieser Stelle einen spiralförmigen Vollhartmetallfräser nur wärmstens empfehlen. Je schärfer der Fräser desto weniger Ausriss beim Fräsen.

Anschließend habe ich die Gehrungen mit der Tischkreissäge an die vier bzw. acht Teilbretter geschnitten und zusätzlich für jede Gehrung Flachdübelschlitze eingefräst. Gehrungen ohne Flachdübel zu verleimen, macht keinen Spaß und ich jedenfalls brauche länger zum Ausrichten als ich fürs Fräsen der Schlitze benötige.

Nachdem jeweils vier Bretter zu einem Korpus zusammengefügt waren und der Leim ausgehärtet war, wurden die Gehrungskanten abgerundet (r=10mm) und an den noch offenen Seiten (Außenkanten) der Gehäuse eine Fase (45°, 1.5mm) angebracht.

Für die Lackierung wurden die beiden Stirnseiten, an die später die beiden Seitenteile angeleimt werden, mit Klebeband abgeklebt. Das Klebeband kann an den Rundungen einfach mit einem neuen und scharfen Schleifmittel angeraut werden, durch die so erzeugte Perforation lässt sich das Klebeband exakt an der Kante abreißen.

Für die weiße Lackierung der Lautsprecher habe ich mir Warnex Strukturlack ausgesucht. Ich hatte bereits ein anderes Lautsprecherpaar mit anthrazitfarbenem Warnex lackiert. Mit etwas Wasser verdünnt und mit der Schaumstoffwalze mehrere dünne Schichten aufgetragen ergab ein leicht strukturiertes, seidenmattes Finish. Dieses Mal sollte es anstatt anthrazit halt weiß sein, mit gleichem Vorgehen, so zumindest mein Plan.

Blöd nur, dass der weiße Lack sich vollkommen anders verhielt als der anthrazitfarbene. Das Trocknen führte nicht wie bisher zu einer glatten Oberfläche, sondern zu kleinen Kratern die sichtbar blieben. Die verschiedenen Lackierexperimente führen dazu, dass die Öffnungen für die Chassis inzwischen zu klein waren und die Kanten für die Bassreflexrohre verrundeten. Also nochmal von vorn. Für die Lackierung habe ich mir eine Druckluftlackierpistole bestellt, damit ließ sich der Warnex Lack einwandfrei verarbeiten und die Oberfläche wurde noch deutlich gleichmäßiger als die bisherigen Lackierungen mit der Schaumstoffwalze. Nach der nun endlich erfolgreichen Lackierung und Trocknung des Lackes wurden die Seitenteile angeleimt.

Die Seitenteile waren zu diesem Zeitpunkt noch einige Millimeter größer, als sie später sein müssen. Dieser Überstand machte eine Verleimung ohne zusätzliche Dübel bedeutend einfacher, darüber hinaus konnten evtl. Fertigungstoleranzen später beim Bündigfräsen kaschiert werden.

Das Entfernen des Überstandes ging mit einem Vollhartmetallfräser spielend einfach und hinterließ eine schön glatte Multiplexkante, die lediglich noch leicht verrundet wurde. Die beiden Seitenteile wurden abschließend mit Hartwachs-Öl mit weißen Farbpigmenten (Osmo Hartwachs-Öl weiß) eingeölt. Da ich eine ungleichmäßige Verteilung der weißen Farbpigmente vermeiden wollte, habe ich die Seiten satt mit dem Pinsel eingestrichen, ca. 1 Stunde einwirken lassen, und anschließend mit einem Blatt Küchenrolle abgerieben. Ergebnis war wie gewünscht gleichmäßig und der Farbton eine Spur heller als Buche Natur.

Für den Betrieb der beiden Lautsprecher hatte ich mir einen Klasse-D-Verstärker von Argon Audio gekauft, dieser ist baugleich zum NAD AMP1 und verfügte über die von mir gewünschten Eingänge und technischen Anforderungen.

In meinem Arbeitszimmer findet der Verstärker seinen Platz unter dem Monitorfuß und nimmt mir so keinen Platz auf dem Schreibtisch weg. Der Argon Audio SA1 erfüllt seine Aufgabe unauffällig und hat mir noch keine grauen Haare beschert.

An dieser Stelle könnte der Baubericht nun einfach zu Ende sein, ich verliere noch ein paar abschließende Worte über den großartigen Klang der Lautsprecher […] oder auch nicht. Erste Hörsessions machten einfach Lust auf mehr, so könnte Alice Cooper noch drückender und Gioachino Rossini noch voller in meinem Büro erklingen.
Wer jetzt meint, ich wäre mit meinen Chorus 51 Lautsprechern unzufrieden gewesen, den muss ich leider enttäuschen, die Grenzen der Physik lassen sich zwar mit digitaler Signalbearbeitung (z.B. Equalizer APO) etwas hinauszögern, allerdings nicht völlig aufheben. Dies war mir von Anfang an bewusst, allerdings unterschätzte ich den Drang nach „mehr“, der sich mit dem detaillierten Klang der Eton-Chassis auf meinem Schreibtisch breit machte. So gab ich erneut eine Bestellung bei Udo auf, ein Chorus Sub 11, geschlossen und mit einem Hypex-Modul aktiviert, sollte es sein.

Baubericht Teil 2
Design und Prinzip habe ich analog zu den kleineren Brüdern umgesetzt. Aus den gemachten Fehlern gelernt, ging der Bau des Subwoofers deutlich einfacher von der Hand. Dafür habe ich dann (unabsichtlich) versucht unsymmetrische Gehrungen zu schneiden.

Dieser Fehler ließ sich glücklicherweise einfach beheben, nach dem Verleimen der Gehrungen eine Fase angefräst und ein Reststück angeleimt. Nach dem Fräsen der Rundung war fast nichts mehr zu sehen, und spätestens nach dem Lackieren des Mittelteils ist dieses Missgeschick nur noch zu erahnen – Glück gehabt.

Das Hypex-Modul sollte in das Subwoofer-Gehäuse integriert werden, hierfür wurde eine luftdichte Box auf der Innenseite der Rückwand eingebaut. Die Rückseite habe ich dann grob mit der Stichsäge ausgesägt und mit dem Bündigfräser plan zur Innenfläche der Box gefräst.

Vor dem Lackieren habe ich noch das Versteifungsbrett eingeleimt. Damit dies über das Verstärkergehäuse passt, habe ich es entsprechend ausgeschnitten und zusätzlich mit der Box verleimt.

Wer ganz genau hingeschaut hat, erkennt, dass ich die Versteifung minimal schmaler bzw. kürzer gemacht habe, als das Gehäuse breit ist. Dadurch vermeide ich, dass die Leimfuge an der Außenkannte evtl. nicht ganz dicht wird. Für die Verklebung der Versteifung mit den Seitenteilen habe ich Montagekleber verwendet, dieser überbrückt den kleinen Spalt (<1mm) ohne Probleme.

Die restlichen Schritte erfolgten analog zu den Chorus 51, auch der Einbau des Hypex-Moduls und dessen Verkabelung gestaltete sich vollkommen unspektakulär, so dass ich an dieser Stelle direkt zum Endergebnis springe.

Schlusswort
Auch wenn das nun das Ende dieses Bauberichts ist, so war es für mich der Anfang von etwas Großartigem. Die Eton-Chassis spielen für mein Empfinden präzise und detailreich. Der Hochtöner wird nicht nervig, wenn man mal die Lautstärke erhöht – für mich eine vollkommen neue Erfahrung. Egal was ich alles davor besaß, mit steigender Lautstärke änderte sich immer auch das Klangbild – hier nicht.

Wenn ich mal gute Laune habe, wird der Chorus Sub 11 dazugeschaltet – frei nach Herbert Grönemeyer „Musik nur, wenn sie laut ist“, ja das 11“ Chassis kann schon was. Alles in allem hat mir der Bau der Lautsprecher den nötigen Ausgleich und das anschließende Musikhören danach die nötige Entspannung während der elend langen Home-Office-Phase ermöglicht. Ich kann jedem, der überlegt, sich Lautsprecher zu bauen nur empfehlen, es zu wagen. Die nötige Geduld und der Fleiß während des Baus werden am Ende belohnt werden – versprochen!

Tobias

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klasse Umsetzung, sehr sauber gearbeitet und durchdacht!

Wie sprichst du den Sub an? wird dieser an den Vorverstärker angeschlossen??

Grüße Oli

Hallo Tobias,

sehr schöne Arbeit, gefällt mir extrem gut! Und der Baubericht ist ebenfalls sehr gelungen. Hier habe ich mir ein paar Ideen für mein aktuelles Bauprojekt (Herausforderungen Gehrung und Lackieren) gemerkt.
Witzig ist, dass ich mir für ein mögliches Folgeprojekt genau Deine Konfiguration (2 15er Boxen und wenn es nicht genug rummst, kommt noch ein Sub dazu) ausgedacht habe und ebenfalls diesen Verstärker für Fernsehton und Bluetooth einsetzen will. Welche es genau werden, weiß ich noch nicht. Erst mal muss das aktuelle Projekt fertig werden und da gibt es gerade viel Störfeuer von Beruf und anderen Dingen, die die Zeit fürs Hobby gerade komplett wegnehmen.

Viel Spaß mit Deiner Anlage!

Uwe

Wunderschöne Arbeit! Würd ich mir auch gerne heim stellen!

Guten Abend Tobias,

die besagten C51 stehen bis heute auf meinem Computerschreibtisch als PC-Lautsprecher und verrichten ihren Dienst virtuos.

“Wie kann man nur?” geht jetzt ein Raunen durch die Community. Aber die Premiere dieser Lautsprecher war auf einem “Spackotreffen” und damals war mir klar, muss ich haben. Also sagte ich Udo, die nimmste nicht wieder heim, sag mir, was du dafür bekommst, die schlafen heute woanders.

Der Chorus-Sound ist was gutes, irgendwo zwischen SB und Eton-HEX. Ohne jetzt böses Blut bringen zu wollen, ich habe noch immer die SB12 ACL im Schlafzimmer, mein Erstlingswerk, aber die Chorusse haben diesen Ton eingefangen und noch etwas schöner gemacht. Das macht Hoffnung, und privat wurde sogar ein gewisser Hochtöner wieder als bald verfügbar gelistet und wer weiß, totgesagte leben länger. Falls Eton sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zieht, ich würde es Udo und uns allen gönnen.

Gruß,
-Sparky

Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass da eine gute Stereo Soundkarte zwischen hängt und ein Röhrenverstärker (Jaaaa, altbacken und ich mach CO² mit Musik) um das in einen Kontext zu setzen. Ich war traurig, als die Chorusse vom Markt verschwanden und jetzt sind sie wieder da! 🙂

Hallo Tobias,

das ist für meinen Geschmack eins der schönsten Sets die hier bislang vorgestellt wurden. Dein Design ist genau meins und ich kann nur sagen, toll gemacht.

Gruß
Norbert

Moin Tobias.

Das Design ist genau meins. Sieht alles sehr wertig aus. Ein feines Set ist da entstanden.

2.1 Systeme hab ich momentan auch im Fokus. Da ist einfach ein super Fundament unten rum vorhanden. 👍

Der Antreiber für die Schätzchen ist optisch und technisch der Hit! Alles richtig gemacht.

Good Job! LG Andreas

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