Joschi baut die SB 18

Eigentlich fängt alles an wie so oft. Das Wohnzimmer unserer kleinen Wohnung wurde renoviert, also frische Farbe an die Wände, neuer Boden und neue Möbel. Selbstverständlich mit den üblichen WAF- Attributen wie Deko, Gardinen usw. Aber da war doch was mit Musik!!!??? Neben den Wohnzimmerschrank wurden die alten Canton Standboxen gequetscht und die Minianlage von Marantz wurde in den Schrank integriert. Musik da – guter Klang unterwegs verloren.

Aber es gibt ja noch eine Ausweichmöglichkeit, die Mansarde. Hier findet sich der Thorens 320 MK nix aus meinem Erstbesitz mit Röhre und Lautsprechern, die einer Zigarrenkiste in Umfang und Klang nicht das Wasser reichen können. Also lautet die Zielsetzung: Guter Klang auf kleinstem Raum.

Der Weg zum Hifi-Händler meines Vertrauens (schon beim Vorgänger gekauft, als es die roten und blauen Massenmärkte noch nicht gab) war ernüchternd. Es gab die üblichen Verdächtigen zu mehr oder weniger moderaten Preisen.

Also ab in den Kleinanzeigenteil der sog. Bucht. Da gab es doch diese kleinen Boxen von dem großen Hornlautsprecherbauer aus Duisburg. Den Klang hatte ich ja beim Kauf des Röhrenverstärkers genießen dürfen. Fazit: auch gebraucht leider nicht meine Preisklasse.

Bei diesen Recherchen taucht immer wieder der Begriff ADW oder Bluesklasse auf. Blues? Ich bin Rock`n Roller und mag Electronic uvm. Eine Box nur für Bluesmusik? Was soll denn so was?

Aber wer lesen kann, ist klar im Vorteil und siehe da – eine Klangklasse von einem Boxenbauer aus dem Pott. Und eine Homepage mit Magazin und viel Lesestoff. Monate später nach Bochum gejückelt, um die SB 12 (inspiriert von Blues für Bärbel) zu hören.

Und wie viele es beschrieben haben: kaum ist man da – ist man auch schon wieder weg, weil die Zeit wie im Fluge vergeht. Im Ergebnis SB12 gehört und gewollt und von SB 36 und SB 240 begeistert gewesen. Nach einigem hin und her zu Hause für SB18 entschieden. Da sich meine handwerklichen Fähigkeiten in sehr überschaubaren Grenzen halten, hat es viel Überwindung gekostet zu starten.

Ab in den Baumarkt und den Zuschnitt auf Siebdruckplattenbasis geordert. Da muss man weniger schleifen, war der Gedanke. FF oder Falscher Fehler. Der Baumarkt ist seinem Ruf in Punkto Maßgenauigkeit und Nulltoleranz beim Verschnitt mal wieder so was von gerecht geworden. Da ist man wie Helene Fischer „ATEMLOS“, weil nix passt.

Ok. Also das Fachpersonal des Holzgewerbes an die Macht. Ein Schreiner, der sich mein Vertrauen noch erarbeiten musste, hat die Zuschnitte aus 21Muliplex gezaubert. Und es dann mit Dübeln noch besonders gut gemeint.

Zwischenzeitlich bei Udo den SB 18 Bausatz mit fertiger Weiche und Impedanzkorrektur für Röhre bestellt. Bestellung hat super geklappt. DPD hat einen Link, wann das Paket kommt. Avisiert für Montags. An diesem Tag hat sich die Uhrzeit der Zustellung mehrfach per Mail geändert. Netter Service, wenn man den ganzen Tag zuhause bleiben will, um zu warten. Also – man ist ja nicht dumm – oder vielleicht doch – das Paket kurzerhand an die 4 KM entfernte Servicestation umgeleitet.

Heißt im Ergebnis für jeden Kilometer Entfernung Umleitung erhöht sich die Zustellung um einen Tag. Läuft doch (Anmerkng der Redaktion: Wir verschicken nun mit GLS, da klappt es besser). Und dann ist D-DAY = Durchführungstag – oder lasset den Bau beginnen.

Und dann kam dieser Bericht im Magazin: SB 18 mal eben zwischendurch. Toll. Unsereins hampelt da rum. Und dann ist da wieder so ein Selbstbaugott (EIN SCHERZ) mit 750000 Jahren Berufserfahrung im Tischlerhandwerk, dabei bestimmt noch mit einer Sägewerksbesitzerstochter verheiratet und baut mal eben. Ein Motivationsschub der besonderen Art.

Also ab in den Keller. Platz muss erst geschaffen werden. Der Zusammenbau bei maßgeschneiderten Teilen wäre so einfach, wenn der Laie – also ich – die Teile auch vernünftig kennzeichnen würde. Also alles munter zusammen gedängelt und 2 Bretter vertauscht. Damit hatte ich einen Überstand auf einer Seite. Und FRUST.

Also was tun? Das ganze Ding zersägen und neu zusammenbauen? Nein! In Ermangelung einer Oberfräse ist schleifen angesagt, bis das alles wieder bündig ist. 60/ 80/ 100/ 120 Körnung und viel Zeit. Ganz viel Zeit. Und noch mehr Zeit. Multiplex schleifen dauert (auch wenn man mit einem Hobel pfuscht).

Passt. Jetzt nur noch schleifen (schon wieder ) mit 240 und wachsen. Es gab Osmo in Kirsche transparent im Angebot. Flachpinsel und schön gleichmäßig drauf mit dem Wachs.

Und dann schleifen wir noch mal. Da das 240 schon aufgebraucht war, hat sich noch 320 in einer dubiosen Restekiste aufgetan. War noch ein D-Mark Aufkleber drauf.Vorher noch nebelfeucht gemacht. Dann geschliffen und nochmal Wachs drauf.

Während der Trocknungsphase des Wachses die Impedanzkorrektur an die Weiche gelötet und alle Kabel gem. Plan angelötet bzw. geklemmt. Dann mit Heisskleber in die Box geklebt. Nach 2 Tagen Ausdünstzeit die Löcher für die Chassis vorgebohrt, Dämmwolle locker eingefüllt und die Chassis verschraubt. Fertig!!

Ab ins Wohnzimmer. Eben die Lautsprecher angeklemmt und eine Cd rein. Und ? Ein Lautsprecher scheint ein Schweigegelübte abgelegt zuhaben. Abklemmen und ab in den Keller. Kurz nachgedacht. Ist bestimmt nur ein Kabel am Terminal. Also kurz raus damit, Und – nix. Wäre auch zu einfach gewesen. Also dann. Chassis vorsichtig ausschrauben, Alufolie unter die Lötfahnen legen und vorsichtig die Kabel ablöten. Selbstverständlich bei Bass und Hochtöner. Dann sachte die Dämmung herausziehen und mit der Taschenlampe auf Fehlersuche gehen.

Yep. Die Plusleitung von der Korrektur hatte sich in Gänze gelöst. Also mit einem Spachtel vorsichtig unter die ganze Weiche und vorsichtig lösen. Weiche heraus nehmen, schadhafte Stellen neu verlöten. Die Klebereste entfernen und flux die Weiche neu eingeklebt. Dann alles wieder gelötet und eingebaut. Und ab in die gute Stube. Ergebnis: Läuft. Könnten eigentlich im Wohnzimmer bleiben?

Mittlerweile sind die SB 18 nochmal versiegelt worden und spielen sich in der Mansarde ein. Der verwaschene Eindruck ist gewollt – sieht alt und vintagemäßig aus. Mit Klangbeschreibungen halte ich mich bewusst zurück. Mir gefällt es, was ich da höre.

Fazit:
An alle, die noch nie was gebaut haben: Einfach mal machen. Wenn man die Tipps aus dem Forum und Udo`s Ratschläge beherzigt, läuft das.

Ich habe im wesentlichen folgende Hinweise:

– Baumarktzuschitte sind zwingend zu prüfen
– alle Teile eindeutig beschriften
– als Einsteiger würde ich persönlich MDF als Werkstoff verwenden
– Alufolie beim Löten schafft Sicherheit.

Und als Wichtigstes : UDO fragen.
Er ist die Seele des Lautsprecherbaus und hat immer eine Antwort auf Deine Fragen.

DANKE Udo.

Und zum guten Schluss die wichtigste Frage :

Würde ich das nochmal machen? Ja, auf jeden Fall.

Auch wenn das Ergebnis in den Augen von Anderen nicht als perfekt oder mit noch einer geringeren Wertigkeitsstufe gesehen werden sollte – es ist selbst gebaut. Es klingt. Es war trotzdem schön zu bauen oder einfach gesagt: ES LEBT.

Viele Grüße Joschi

Zur SB 18 im Online-Shop

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Joschi

Ein freundliches Hallo an alle.
Vielen Dank für Eure Kommentare.

MartinK

Hallo Joschi. Es lebt! Damit hast Du den Kern der Sache getroffen. Und Gefallen tun sie auch. Die Farbgebung gefällt mir sehr gut. Und was kleine Ungenauigkeiten anbelangt: jede findet einen Nachfolger auf ganz anderem Gebiet. Das ist Leben. Viel Spaß mit Deinen Schätzen.
Gruß Martin

Kayhh

Hallo Joschi,

es ehrt mich sehr, dass du mich in den Götterhimmel der Selbstbauer erhoben hast 😂, muss aber zugeben, dass auch mir immer wieder etwas schiefgeht. Ich glaube, das geht uns allen so, egal ob es der erste Lautsprecher ist, den man baut oder der x-te. Ich würde diesen Titel gerne freiwillig weiterreichen. Ich fühle mich noch lange nicht soweit, da haben andere hier schon ganz andere Dinge vollbracht. Ich finde jedes Projekt im Forum spannend und muss dir meine Glückwünsche ausrichten. Deine SB18 passen wunderbar zu dem Verstärker und dem Thorens. Genieße die Stunden mit den Lautsprechern, denn wenn dich der Virus befallen hat, dann hören wir hier in den nächsten Jahren wieder etwas von dir mit dem nächsten Projekt.
LG aus dem Norden
Kay

PS: die Sägewerkstochter ist eine Schlachtertochter😂😂😂

Michael M.

Hallo Joschi,

Es freut mich zu sehen das eine SB18, die ja gar nicht Rock kann, (hab ich mal irgendwo gelesen) gerade von dir gebaut wurde um Rock zu spielen.
Tolles Erstwerk!

Ach, ich glaub es gibt mehrere Michael hier 😉

nymphetamine

Hi,

Das könntest du von mir gelesen haben… Es kommt immer auf die art des rocks an… Hard rock, heavy metal, stoner bzw. Psychodelic rock, usw… Da passt die sb18. Wenn es aber black metal, melodic metal, viking metal, gothic metal, usw… Da verweichlicht die sb18 einfach das essentielle an der musik… Die stimme… Sie wird weich, dass “dreckige” geht einfach flöten.

Das war die kurzfassung… In meinem Bericht zur sb18 stand steht’s ausführlicher 😉

Michael

Hallo Joschi,
lebhafter Bericht eines Einsteigers. War nett zu lesen, und ich hoffe er hilft vielen den ersten zum selbstgebauten Lautsprecher zu wagen. Ich finde dein erstes Werk ist sehr schick geworden.
Die SB18 war auch mein erster Bausatz. Toller Lautsprecher.
Wünsche ganz viel Spaß mit den neuen Schätzen.

Gruß Michael

PS: Udo?? Warum gibt es hier eigentlich zwei “Michael´s” …. *grübel

Michael

Dann gratuliere ich auch zum ersten Werk. Das ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn der Bausatz drin ist und alles läuft. Und ich kenne auch die ganzen Schwierigkeiten. Trotz Alufolie habe ich es geschafft an einem SB26 Hochtöner einen Pol “abzulöten” – aber Udo liefert ja schnell Ersatz 😉 zum Glück kostet der nur 26.- – man stelle sich vor es passiert an einem ER-4.
Auch die Materialwahl ist (für den Anfänger) wichtig. MDF oder Multiplex ist sicher die beste Wahl um den ersten Bausatz zu verwirklichen. Und das “abgefallene” Kabel an Terminal oder Weiche nach dem Einbau kommt mir auch irgendwie bekannt vor…. und am Ende wird trotzdem alles gut. Viel Spaß mit den SB18 (die ich auch besitze).

schlamperl

Moin Joschi und Gratulation zum Erstlingswerk. Schöner Bericht bei dem man mal wieder sehen kann, was so alles Nerven kostet und doch Spass machen kann und vor allem auch schon selbst erlebt hat. Ich sach immer zu mir, Junge Du hast angefangen, nu bring es auch zu Ende, denn am Ende wartet die Belohnung.

Viel Spass und Grüße Jörg

Rincewind

Hallo Joschi!

Ein großartiger Bericht. Du beschreibst genau die gleichen Leiden, die auch ein Wiederholungstäter immer wieder durchlebt. Insbesondere beim Baumarkt. Daher habe ich bei der zweiten Box in einen Bümdig-Fräser investiert – so kann ich einen Teil der Brettchen etwas größer Zusägen lassen. Die Überstehenden Kanten werden abgefräst (obwohl das händische Schleifen, eine gute Übung für die Muskulatur ist). Ebenfalls habe ich mir angewöhnt die Frequenzweichenbrettchen zu schrauben statt zu kleben. Ich denke, bei der nächsten Box wirst Du auch das Eine oder Andere anders machen.

Grüße
Rincewind

Yoga

Guten Morgen Joschi,

erst mal herzlichen Glückwunsch zur SB18.
Man(n) kommt nicht in die Verlegenheit Bluessound zu moderaten Preisen in der Bude zu haben, wenn ma(n) es nicht selbst in die Hand nimmt.
Und da sind wir beim zweiten Glückwunsch – die Entscheidung zum Selbstbau.
Nur einige schaffen den Transfer vom „haben wollen“ zur Durchführung. Du hast es geschafft und bist mit dem Virus infiziert und lamentierst nicht rum.
Die Devise „selbst ist der Mann“ hast Du Dir zu Herzen genommen.
Keiner aus dem Forum der Selbstbauer wird Dein Werk belächeln. Wir alle haben mal angefangen und wissen um die Tücken. Von daher mein dritter Glückwunsch zur Umsetzung.
Ich wünsch Dir viel Spaß und Zeit zum Musik genießen.
Auf dass immer eine gute Lala auf dem Dreher liegt.

Mach et jut und viele Grüße aus Hobbingen (Auenland)

Yoga