2. Juni 2024

Peter und Paul – meine U_Do 53

Autor: Gastautor

Mein Einstieg in den Lautsprecherbau war aus der Not geboren: Seit ein paar Jahren war mir der jämmerliche Zustand meiner ausgeleierten Quadral-Boxen im Wohnzimmer bewusst. Aber zur Behebung dieses Missstandes wollte ich keine 0-8-15-Lösung. Und nach der Lektüre auf Udo’s Seiten, da dachte ich: das ist es!

Anfang März landeten Udo’s U_Do 53 in meinem Bastelkeller – flott angekündigt und geliefert. Wie man unten sehen kann, gelang es mir nicht, den Keller vor dem Aufbau aufzuräumen … aber andererseits ist jetzt – nach erfolgreichem Aufbau der beiden Lautsprecherboxen – immer noch genug in dieser Hinsicht zu tun.

Nachdem ich den Bauplan in der Hand hatte, konnte es ans Bestellen der MDF-Platten gehen. Ich hatte mir Platten der Stärke 22 mm in den Kopf gesetzt, was am Ende wohl eine Philosophie-Frage ist. Standfest und arm an Eigenschwingungen sind die Boxen damit allemal geworden. (Geburtsgewicht mit allem Drum und Dran 21kg pro Box…)

Als die Platten vom Zuschneider meiner Wahl geliefert worden waren, wunderte ich mich etwas über die geringe Menge an Material. Aber ich konnte dem Lieferanten keinen Vorwurf machen: wer nur Material für eine Box bestellt, der darf nicht Material für 2 Boxen erwarten. Also Bestellung wiederholen und nochmal warten …

Absolut zufrieden war ich mit der Maßhaltigkeit der Platten – auf den Millimeter und alles einwandfrei rechtwinklig. Für den Zusammenbau ist das eine große Hilfe und aus der Erfahrung mit selbst gebauten Regalen weiß ich, wie schwer man sich da das Leben machen kann.

Während das Material für die zweite Box im Zulauf war, fiel mir auf, dass die Fronten von Udo nicht nur unten 6cm zu lang, sondern auch die Chassis-Löcher um 3mm nach einer Seite hin schielten … 3mm sind jetzt kein großes Ding, aber wenn man es einmal gesehen hat, dann vergisst man es halt auch nicht mehr … (Anmerkung der Redaktion: ich bitte um Entschuldigung)

Gleichzeitig kam aber die Idee auf, dass sich an der Front rechts und links je eine abgerundete Kante wesentlich gefälliger ausnehmen würden als die originalen rechtwinkligen Kanten. Also musste ich wohl die Front nachbearbeiten: 3mm an einer langen Seite entfernen und danach beide langen Frontkanten mit einem gefälligen Radius versehen.

Das war der Punkt, an dem zunächst die Ausleihe, schließlich aber der Kauf einer Oberfräse nebst Fräsköpfen ins Spiel kam. Die erstmalige Benutzung selbiger mit allen Vorbereitungen ist nicht ganz so einfach, wie die Handhabung einer Bohrmaschine, gelang aber trotzdem recht gut – auch wenn ich ein bis zwei Malheure am Ende mit MDF-Spachtelmasse ausgleichen musste. Finger sind noch alle dran und das Gehör funktioniert auch noch bestens. Außerdem wieder was gelernt und den Hobby-Maschinenpark erweitert.

Mit Eintreffen der zweiten Lieferung MDF-Platten begann ich mit der Montage. Grundsätzlich misstraute ich der Idee, alle Platten per Leim nur kraft-, nicht aber formschlüssig zu verbinden; vor allem in Anbetracht des beachtlichen Gewichts der Bauteile und dem zu erwartenden Gesamtgewicht. Dem folgend verwendete ich 8mm Buchenholz-Dübel nebst zugehöriger Bohrlöcher hier und da um Formschlüssigkeit herzustellen. Es sei aber gesagt, dass solcherlei Finessen die millimetergenaue Montage der Platten erschweren. Zumindest, insofern es einem nicht gelingt, die Bohrlöcher für die Dübel mit exakt der gleichen Präzision wie die der per CNC zugeschnittenen MDF-Platten zu fertigen.

Den Aufbau startete ich mit einer Seitenwand, auf die ich zuerst den Boden der MHT-Box aufsetzte. Dabei klemmte ich den Boxen-Deckel und die MHT-Rückwand als Hilfsmittel auf die Seitenwand, damit der MHT-Boden am Ende auch genau an der richtigen Stelle klebt.

Es hat sich für mich bewährt, auf die Platten ein paar Notizen zu machen: wo ist oben, wo vorn, welche Platten gehören zusammen, etc. Man verwechselt schon gerne mal das eine oder andere, und wenn der Leim erst mal trocken ist, dann wird es schwierig.

Als nächstes wurden die MHT-Rückwand, sowie Boxen-Deckel und -Boden auf die Seitenwand montiert.

Während der Leim trocknen durfte, wandte ich mich der Vorbereitung der elektrischen Eingeweide der Boxen zu – dieser Arbeitsabschnitt lag mir als altem Elektroniker besonders am Herzen. Und wohl aus diesem Grund finde ich es nach wie vor auch einen Jammer, dass die wunderschön gefertigten Spulen der Frequenzweichen hinter all dem MDF verschwinden müssen und sich nicht mehr bestaunen lassen.

Beim Aufbau der MHT-Weiche achtete ich darauf, die 3 Spulen daumenbreit voneinander entfernt und zusätzlich um 90° verdreht zueinander zu montieren, damit alle drei bestmöglich elektromagnetisch voneinander entkoppelt sind. Inwieweit das quantitativ nötig war, vermag ich aber nicht zu sagen…

Obwohl die Schaltung recht übersichtlich ist, kann man doch schon ein beachtliches Kabelgewirr damit veranstalten. Um Herr der Lage zu bleiben, war es nützlich die Kabel mit Stücken farbigem Isoklebebandes zu versehen, und die Farben im Schaltplan für die jeweiligen Anschlüsse zu vermerken. Bunter Schrumpfschlauch hätte es sicher auch getan. Oder Malerkrepp und Buntstifte etc.

In Sachen Gehäuse ging es nun mit der zweiten Seitenwand weiter. Dass ich über ein umfangreiches Reservoir verschieden großer Schraubzwingen verfüge, machte sich immer wieder vorteilhaft bemerkbar. Denn oft galt es, nicht nur die Klebefugen zusammenzuhalten, sondern auch die Maßhaltigkeit in Richtung der anderen beiden Raumachsen zu gewährleisten. Es galt die Devise: das muss zwingend halten!

Die Boxen-Rückwand wurde als nächstes montiert.

Ein stabiles Holz diente zur gleichmäßigen Verteilung des Anpressdrucks auf die Länge der Rückwand.

In die aufgeklebte Rückwand schnitt ich mit der Stichsäge die Löcher für das Terminal ein. Bei der Gelegenheit fand ich bestätigt, dass es eine gute Idee war, die Front mit den sauber ausgefrästen Chassis-Löchern bei Udo bestellt zu haben: meine gesägten „Kreise“ waren alles – nur nicht kreisrund.

Schließlich klebte ich die Frontplatte auf den Korpus. Durch die Reduzierung der Frontbreite um 3mm (damit die Chassis-Löcher wieder mittig sind) fehlten nun an beiden Seiten 1,5mm. Diesem Versatz wurde mit MDF-Spachtelmasse zu Leibe gerückt. Der Überstand war mit der Japansäge fix gekappt.

Zusammen mit der Abrundung der langen Kanten der Front ergibt sich nun eine wunderschön gefällige, schlank anmutende Frontansicht, mit der ich sehr zufrieden bin.

Viele Bilder und einige Bauvorschläge hatte ich mir angeschaut, um mich für eine schöne Oberflächengestaltung zu entscheiden. Meine Wahl fiel recht schnell auf Furnier. Beim Recherchieren im Internet wurde ich dann im Sortiment von SaRaiFo fündig: Neben dem von mir bevorzugten, hellen Holzton, fand ich auch eine schwarze Vogelaugen-Maserung sehr schick. Kurz und gut entschied ich mich, beides auf der Front zu verwenden.

Für das Verkleben des Furniers verwendete ich wasserfesten Bindulin Leim, den ich mittels Lasurwalze zunächst auf Korpus und Furnier auftrug und für 20..30min trocknen ließ. Anschließend bügelte ich das Furnier in der höchsten Einstellung mit dem Bügeleisen und zwischengelegtem Backpapier zum Schutz der Oberflächen auf den Korpus auf. Dies funktionierte sehr gut: Dank der gleichmäßigen Struktur des SaRaiFo – Furniers und dessen Vliesunterlage waren Luftblasen oder Brüche im Furnier kein Thema. Das Furnier musste nicht angefeuchtet werden und auch litt der Haussegen nicht unter dem Einsatz des „guten“ Bügeleisens.

Trotzdem seien an dieser Stelle drei Dinge zur Beachtung für geneigte Hobbyisten empfohlen:

Erstens kann es durchaus sein, dass das Furnier hier und da Fehlstellen aufweist. Ob man dem per Reklamation oder durch eine größere Bestellmenge begegnet, sei jedem selbst überlassen.

Zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Furnier einen Schwund beim Aufbügeln durchmacht. Wenn man dann – wie in meinem Falle – verschiedene Furnierteile Stoß an Stoß aufbügelt, empfiehlt es sich, eine minimale Materialzugabe einzurechnen, damit nach dem Aufbügeln eine fugenlose Oberfläche entsteht. (nach meiner Erfahrung etwa 1mm auf 10cm Furnier rechtwinklig zur Faser – in Faserrichtung gab’s bei mir keine Stoßfugen)

Drittens fand ich die Bearbeitung der Kanten zwischen Front und Deckplatte besonders kniffelig: da beide Flächen furniert sind, sollte man die zuerst furnierte Fläche an deren Kante bündig mit der Korpuskante und ohne Fase abschleifen. Damit kann das Furnier auf der angrenzenden Fläche die Furnierdicke überdecken und erhält dann die Fase beim Abschleifen. Bei einer der Boxen unterlief mir hier der Lapsus, die Fase zu weit abgeschliffen zu haben, sodass der Korpus hier und da an der Kante durchschimmert – sehr ärgerlich.

Aber wie heißt es so schön in Abwandlung eines alten Bauherrenspruches: Die ersten Lautsprecher baust du für deinen Feind, die zweiten Lautsprecher für deinen Freund und die dritten, die baust du für dich selbst. Andererseits: Peter und Paul – wie ich sie nenne – sind mir doch inzwischen zu sehr ans Herz gewachsen, als dass ich sie verschenken würde. Schon gar nicht an meinen Feind.

Nach dem Furnieren einschließlich dem Abschleifen aller Kanten wurde die Oberfläche mit Palm Möbellack 3 mal gewalzt und dazwischen nach dem Trocknen jeweils mit 240er Schleifpapier vorsichtig geglättet. Das Ganze ließ sich im Freien innerhalb eines Nachmittags erledigen, da der Lack sehr schnell ausreichend trocken war.

Der Einbau von Dämmung und Chassis ging flott von der Hand. Obwohl: ich war verblüfft, zu sehen, dass die Chassisanschlüsse offensichtlich für den Einsatz von Flachsteckhülsen vorgesehen sind; zwei unterschiedlichen Größen noch dazu. Beim Terminal und dem ersten Hochtöner hatte ich noch fröhlich das Lot geschwungen, aber beim Mitteltöner und Bass, wollte die von Udo mitgelieferte Litze partout nicht durch die Löcher in den Chassisanschlüssen passen, um verlötet zu werden (Anmerkung der Redaktion: Das ist auch gar nicht vorgesehen). Nun gut, kein Problem: Flachsteckhülsen und Crimpzange lagen im Regal. Also wurden alle restlichen Chassisanschlüsse per Flachsteckhülse realisiert. Die Axt im Hause ersparte also mal wieder den Zimmermann.

Während sich der Aufbau zu Beginn doch eine viel zu lange Zeit hingezogen hatte, so standen Peter und Paul am Ende schneller als gedacht im Wohnzimmer bereit in Erwartung ihres ersten akustischen Auftrittes – im Bild noch in fotogener Pose ohne stereophone Basisbreite …

Händels Wasser- und Feuerwerksmusik durften die neuen Frequenzweichen nebst Schallwandler und umgebenden Gehäuse zuerst passieren – ein Genuss. Später Lighthouse Family als Kontrastprogramm. Demnächst werde ich mir mal wieder The Bad Plus gönnen – mal sehen, wie das wird.

Demnächst werde ich das Regal für die Musikanlage umbauen – MDF und Furnieren geht ja jetzt locker von der Hand. Vielleicht gibt es dann später nochmal zwei kleine Boxen und einen Subwoofer zur Komplettierung der Anlage, damit auch 5.1 wieder funktioniert.

An dieser Stelle ein Dank an Udo und alle, die zu meiner Inspiration und Umsetzung in die Tat beigetragen haben!

Dietmar

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Hallo Dietmar,

wie bist du beim zusammenfügen der verschiedenen Furnierstreifen vorgegangen? Hast du erst einen geraden Schnitt über zwei zu fügende Furnierstücke gemacht, welche du dann mit einem Furnierklebeband verbunden hast? So liest man es in Schreinerforen.
Oder hast du zuerst einen einzelnen Streifen Furnier aufgebügelt und dann den nächsten so bündig wie möglich?

Für eine Antwort schon mal Dank

Peter

Hallo Peter,
der Vorgang beschreibt sich am besten mit “Lernkurve” … aber Spass beiseite.
Furnierklebeband hab ich nicht verwendet. Also eher die zweite Variante:
Vor dem Aufkleben, hab ich alle Stücke zugeschnitten und mit Malerkrepp provisorisch angeheftet um zu sehen, ob es passt. Habe die Stücke dann eins nach dem anderen aneinander angesetzt / aufgebügelt und mich so von der Frontmitte zu den Seiten hin vorgearbeitet.
An den Fräskanten der Treiberlöcher hab ich das Furnier dabei überstehen lassen und dann mit der Halbrundfeile vorsichtig abgetrennt.
Viele Grüße
Dietmar

Hallo Dietmar,
das Design habe ich auch so noch nicht gesehen. Interessant!
Zum Einstieg gleich mal nen 3-Weger: Chappeau!!

Bei gleichwertigen LS frage ich gerne mal wie die „Alten“ geklungen haben, aber in dem Fall 😀

VG und viel Spaß mit dem 2. Bausatz
Achim

Hallo Dietmar, wieder einmal der Beweis, dass man auch ohne Profiwerkstatt tolle Lautsprecher bauen kann. Ich mag das Design sehr und erinnert mich irgendwie an die sechziger Jahre. Liegt wahrscheinlich an den Doppelstreifen im Furnier. Hat was von einem Muscle Car 😁

Viel viel Spaß beim hören und dir geht es sicher so wie mir, dass man seine Musiksammlung komplett neu erlebt.

VG Alex

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