Audience 12 – let’s have a party

… und dann waren da noch die nicht gerade wenigen Leute, die mit einiger Berechtigung seit Wochen nach dem Nachfolger der Party 12 fragten. Die Bausätze mit Monacor-Chassis habe ich schon seit Längerem stark ausgedünnt, eine Reaktion auf die Preispolitik des Bremer Vertriebs. Für mich ist es einfach unverständlich, warum ich als Händler mit Staffelpreis-Rabatten viele Treiber teurer einkaufe, als sie dem Endkunden von anderen Online-Shops angeboten werden. Bastel ich daraus einen Bausatz mit vernünftig kalkulierten Preisen, bin ich die Apotheke im Netz. Berechne ich die Mindestpreise, reiche ich sie im günstigsten Fall ohne jeden Lohn für den Zeitaufwand einfach nur durch.  Das macht dem Kaufmann keinen Spaß. Also habe ich den hauseigenen Entwickler beauftragt, eine nicht nur kaufmännisch sinnvolle Alternative zur Party 12 zu suchen. „SBAudience“ rief mein Alterego sofort.

Seit mehr als 40 Jahren fertigt die indonesische Sina Baja-Tochter Profi-Chassis für den OEM-Markt, nun bietet man mit SBAudience auch eine eigene Marke. Aus den drei Kategorien Bianco, Rosso und Nero suchten wir – der Kaufmann und der Entwickler – die günstigste aus, die gute Qualität zum günstigen Preis verspricht, also genau die Anforderungen an Party-Lautsprecher erfüllt.

Wo Pegel verlangt wird, ist Membranfläche notwendig. Daher bestellte ich schon lange vor Weihnachten den 12 MW 200, dazu gleich den Hochtontreiber 44 CD-T samt zugehörigem H 250-Horn. Nun hätte ich normalerweise die Chassis auf meine Messwand geschraubt und Diagramme gefertigt. Da ich aber gerade viel zu viel mit anderen Dingen zu tun hatte und die Messungen von SB vertrauenswürdig sind, greife ich an dieser Stelle auf deren Schriebe zurück.

12 MW 200


44 CD-T



Horn H 250

Vier Schrauben M6 x 16 werden gebraucht, um das Horn auf den Treiber zu befestigen. Da sie nicht aus Indonesien mitgeliefert werden, packe ich sie zum Bausatz dazu.

Aus den Parametern, die ich vorsichtshalber mit fast identischen Werten auch selbst gemessen habe, errechnete LspCAD ein etwas unhandliches Gehäuse mit 164 Litern und Überschwinger bei 45 Hz. Ich korrigierte es auf knapp die Hälfte und erhielt bei 100 cm² Öffnungsfläche 11 cm Tiefe für den Reflexkanal.

Freecad durfte dann auch ran. Aus der Duetta Top generierte ich das passende Häuschen für die Audience 12, deshalb fehlen in der Zeichnung die drei Versteifungen (zwei hinten, eine vorn zwischen  Bass und Horn) mit Boxeninnenbreite und 10 cm Tiefe.


Den Bau der Boxen habe ich nicht fotografiert. Er unterscheidet sich aber nicht wesentlich von den Bildern, die ich für die Party 12 geknipst habe.  Der größte Unterschied neben den Chassis-Fräsungen ist der Fugenleim, der damals Ponal hieß. Nicht in der Holzliste und der Zeichnung aufgeführt sind die Versteifungen, von denen zwei auf der Rückwand und eine vorn zwischen den Chassis sitzen.

Außerdem habe ich diesmal auf Geheiß von Jonas die MDF-Platten geschliffen und mit einer groben Rolle Warnex blau aufgetragen. Er meint, dass man mit Rohbauten niemanden mehr zum Geldausgeben animieren kann. „Die Leute wollen schön sehen!“ Naja, wir Alten kennen noch innere Werte. Und dort ist alles noch althergebracht.

Das ging schnell, schon der erste Auftrag deckte für das Foto gut genug. Erstaunlich ist die Trockenzeit von wenigen Minuten. Nun ist blau vielleicht nicht jedermanns Lieblingsfarbe, macht nichts. Warnex gibt es auch in schwarz, weiß, grau und feuerrot. Der Kilopreis liegt in manchen Online-Shops bei 22 Euro, andere wollen 35 Euro für die gleiche Menge in identischer Dose. Scheint wohl doch gängige Praxis zu sein.

Das Doppelanschluss-Messterminal schraubte ich in die Rückwand, packte etwas Dämmwatte (80 x 80 cm + 30 x 80 cm, Reflexkanal bleibt frei) in die Box, verband und verschraubte die Chassis, schon konnte ich mit der Weichenentwicklung beginnen.

Wie meist begann ich mit dem Bass, der ohne Bauteile in der Box gemessen wurde. Mit einer Spule und ein paralleler Kondensator gab er sich zufrieden, um einen respektablen Frequenzverlauf auf dem Bildschirm zu hinterlassen. Ebenso bescheiden gab sich der Hochtöner, dem das Horn einen ordentlichen Pegelgewinn zu „tiefen“ Frequenzen bescherte. Auch hier ist ein Filter 2. Ordnung für den sauberen Verlauf verantwortlich. Ein Spannungsteiler mit zusätzlichem Kondensator als Booster für die obersten Töne zähmte den Pegel auf die erforderlichen 94 dB, die auch der Bass bei 2,83 V/ 1m in den Raum warf.

Für die ideale Addition der Zweige muss das Horn phasengedreht angeschlossen werden. Im Schaltplan und fertig aufgebaut sieht das Netzwerk so aus:

Stand noch der Einbau der Weichen an, bevor die beiden blauen Wunder (?) die Werkstatt verließen.

Nun ging es in den Hörraum, wo ich die Partykisten mit den Monoblöcken aus Hypex FA 251 verband. Eigentlich sind das Module, die einen Subwoofer antreiben. Doch da sie nach oben keine Begrenzung aufweisen, taugen sie auch als Fullrange-Amps, die sogar noch eine Anpassung an Raum und Ohr per DSP oder Equalizing erlauben. Nein, sie messen sich nicht selbst ein. Woher sollen sie auch wissen, was deinem Ohr gut tut?

Dass ich nun nicht Mann mit Saxophon oder Frau mit Harfe von der Festplatte zu den Boxen streamte, wird jeder verstehen. Aber so am Rande erwähnt, „Keith don’t go“ hat nicht den Kaufman, den Entwickler oder den Musikgenießer aus dem Raum vertrieben. In ihrer Dreieinigkeit saßen sie vergnügt auf dem Sofa und stellten zufrieden fest, dass auch eine akustische Gitarre Dynamik mit ordentlich Punch ganz gut verträgt. Und schon sind wir mittendrin in dem, was eine Partybox auszeichnet. Laut kann sie, Druck macht sie, audiophil ist sie bestenfalls bei Hardrock oder Heavy Metal. Tiefbass ist nicht ihre Stärke, aber in natürlicher Wandnähe ist das eher kein Nachteil. Nicht wörtlich nahm die Audience 12 das „I can get no satisfaction“ der Stones, dafür machte das Mitgrölen Spaß. Zum Glück hörte das niemand, dafür war es im Zimmer zu laut.

Udo Wohlgemuth

Zur Audience 12 im Online-Shop

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4 Comments
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Sehr schön, etwas Beschallungsspaß hat noch gefehlt in diesem Forum. Bekommen die netten Boxen auch noch eine passende Tieftonunterstützung, um auch im tieferen Bass noch genug Druck zu erzeugen? Oder nimmt man da „ein paar“ der Contra Subs, wenn man es braucht?

Ui, ne zierliche Dezibel-Box,
Wollen wir mal hoffen dass die Omi sich bald verzieht und wieder dicke fette gartenpartys anstehen.
Bei dem Wirkungsgrad sicherlich auch für ein heimkino in einer Scheune oder auf dem dachboden geeignet 🙂

Cool was bei SB gerade alles vorwärts geht

Matthias

Udo, genau zur richtigen Zeit 🙂

Die Omikronwelle rutsch über unsere Gesellschaft hinweg egal ob geimpft, geboostert oder ungeimpft jeder darf mal.

Das macht Hoffnung das Thema bald abzuschließen und sich im nächsten Projekt der Audience 12 zu widmen und vor allem nach Fertigstellung auch zweckbestimmt zu nutzen.

VG Andreas

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