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Nutzt ihr einen DSP?

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  • Dieses Thema hat 12 Antworten und 6 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 4 Jahre, 2 Monaten von Matthias (DA).
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    • #4555
      Ben

      Guten Abend allerseits,

      gibt es hier einige Meinungen zum Sinn/Unsinn von DSP? Ich liebäugle gerade ein bisschen mit einem neuen Verstärker um meine SB240 auszureizen und überlege inwieweit ein Verstärker mit integriertem DSP Sinn macht (z.B. Hifiakademie Power DAC). Mit meinem jugendlichen Leichtsinn bin ich der Meinung, dass mir ein DSP viel Arbeit bei der akustischen Optimierung des Raumes abnimmt (aktuelles Problem: Bassloch auf dem Sofa….) die aus praktischen Gründen ja nur in Grenzen möglich sind 🙂

      Gruß,
      Benjamin

    • #4559
      Udo Wohlgemuth
      Verwalter

      Hallo Benjamin,
      da antworte ich wieder einmal mit Sengpiel:

      “Es gibt keine Raumkorrektur durch EQ-Einstellung.

      Die Idee, Equalizer (Filter) im Lautsprecherweg zu verwenden, um störende Raumantworten zu verbessern, ist ein falscher Weg. In einigen Fällen kann EQ ein wenig helfen, um modale Spitzen bei sehr tiefen Frequenzen zu dämpfen. Aber die meisten Frequenzgangfehler sind in hohem Grade von der Abhörposition abhängig und ergeben Absenkungen bis zu 30 dB. Somit kann eine EQ-Korrektur im elektrischen Verstärkungsweg möglicherweise nur für einen einzigen kleinen spezifischen Ort im Raum nützlich sein; an anderen Orten ist das Ergebnis viel schlechter.
      Sogar an einem Ort der nur 30 cm vom Messpunkt entfernt liegt, kann es völlig anders klingen.
      Das EQ tut nichts für akustische Probleme des Raums, wie erste Reflexionen,
      Tonhöhenschwankungen und Flutterecho, modales Klingeln usw.”

      Über DSP als Weichenersatz lasse ich noch mit mir reden. Doch das ist ein völlig anderes Thema als die in diversen Bastlerforen propagierte “Raumkorrektur”. Das macht ein Architekt besser, gut er ist auch teurer 😉

      Gruß Udo

    • #4563
      max

      Hallo Benjamin,

      ich habe diesbezüglich in den letzten Monaten ein paar Erfahrungen gemacht (ich bin natürlich kein Profi, alles auf “Anwenderebene” ohne großes Know-How:
      In meiner momentanen Arbeitsecke (der Schreibtisch steht in einer ~45° Ecke) ist die Akustik leider alles andere als ideal, lässt sich aber einfach nicht ändern. Ich setze hier seit einiger Zeit Dirac RCS ein und muss schon sagen, dass das klanglich (zumindest nach einiger Spielerei mit dem Programm) nochmal was rausholt.
      Eine ähnliche Situation zeigt sich im Auto, wo ja die Hörabstände zwischen den einzelnen Treibern zum Kopf sehr unterschiedlich sind und man ja vor allem deutlich außermittig sitzt. Eine zwischengeschaltete Laufzeitkorrektur macht hier einen großen Unterschied und lässt zumindest etwas Bühnenartiges entstehen (wenngleich man im Auto wohl nie wirkliches HiFi erreichen wird).

      Die Einschränkung mit der Hörposition ist aber definitv vorhanden: Am PC und im Auto ist mein Kopf ja zum Glück immer (so auf +/- 10cm in alle Richtungen) an der selben Stelle – auf dem Beifahrersitz oder einen Meter neben meinem Arbeitsplatz lässt die Akustik aber stark nach, gefühlt auch deutlich stärker als ungefiltert.

      Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Hauptanlage: Unser Wohnzimmer ist akustisch ebenfalls nicht ideal (Dreieckiger Raum). Wenn ich mit Dirac auf genau einen Hörplatz einmesse, lassen sich für diesen Verbesserungen erzielen, ich konnte aber noch keine Einstellung finden, die ich “übers ganze Sofa verteilt” besser gefunden hätte, als die ungefilterte Variante – egal wie viele Messpunkte ich setze und wie ich die Filter “tune”.

      Für mich ist die aktive Einflussnahme unter bestimmten Bedingungen (dazu zählt eben insbesondere ein fixer Hörplatz) eine brauchbare Übergangslösung (wohne hier nicht mehr ewig) bzw. ein sinnvoller Kompromiss (ich kann ja schlecht den Fahrersitz in die Mitte des Autos schrauben, um im Stereodreieck zu sitzen 😀 ), keinenfalls aber ein Allheilmittel und die “klassischen” Methoden zur Klangoptimierung bringen deutlich mehr.

      Gruß Max

      PS: Ich habe auch eine Weile mit REW und EqualizerAPO gespielt, die Ergebnisse waren tendenziell aber eher schlechter als mit DiracRCS.

    • #4564
      Matthias (DA)

      Moin Benjamin,
      Ganz große Empfehlung für den Hifiakademie, idealerweise gleich als Powerdac mit netplayer.

      Den DSP nutze ich allerdings immer noch nicht…

      Um Basslöcher zu füllen funzt das nicht, auch Hubert Reith sagt da nix anderes.
      Schmalbandig kannst du was rausnehmen was zu viel ist, dazugeben aber nicht, da kommen schnell 10-15dB zusammen die dann nen Meter weiter schon völlig jenseits von gut und böse sind.

      Aufstellung ist King, Queen und Prinzessin in einem.

      Also, erst rumrutschen und sauber aufstellen, dann trotzdem Hifiakademie ausprobieren 😉

      Matthias

      By the way, wo wohnst du denn?

    • #4571
      Ben

      Danke für das Feedback! Also leider keine Wunderwaffe, was für ein Jammer 🙂 Es ist einfach gemein im ganzen Raum traumhaften Bass zu haben außer in Sitzposition auf dem Sofa (davor stehend ist wunderbar aber auf Dauer…). Aber dann ist der DSP wohl kein ausschlaggebendes Kriterium für die Wahl des Verstärkers und ich werde noch etwas Möbel herumschieben. Demnächst steht Haussuche in Rhein-Main an, vielleicht findet sich ja ein akustisch optimales Wohnzimmer! Und neue Verstärker werde ich mir trotzdem mal anhören…oder doch einen Gainclone basteln…??? 😀
      Aktuell in Landeda, Bretagne, Matthias!

      • #4573
        Matthias (DA)

        Doch klar ist der dsp eine Wunderwaffe, die Bluesklasse ist aber so gut, dass es keinen braucht 😉

        Bretagne klingt nach etwas weiterer Anreise, aber wenn du bei der Haussuche mal 2 Stündchen ausspannen magst komm in Darmstadt vorbei, dann kannst du den Hifiakademie mal anhören und mit dem dsp rumfummeln.
        Tipp: schließ die Hifipläne vor dem Umzug ab, danach wirds schwieriger das budget rauszuschaufeln 😉

        Matthias

      • #4580
        max

        (davor stehend ist wunderbar aber auf Dauer…)

        …Sofa einfach einen Meter nach vorne schieben (und eventuell etwas erhöhen)?

    • #4572
      Udo Wohlgemuth
      Verwalter

      Hallo Benjamin,
      die Physik kennt kein Win-Win-System. Was dir an der einen Stelle gegeben wird, musst du an einer anderen entsprechend bezahlen. Anders als im Kapitalismus wird aber für gerechten Ausgleich gesorgt 😉

      Gruß Udo

    • #4574
      KTM-Tod

      Hallo Benjamin,

      grundsätzlich ist schon alles zum Thema DSP gesagt. Da ich mich seit 15 Jahren nach einem Umzug meiner heißgeliebten Anlage, sehr intensiv mit dem Thema Raumakustik beschäftige, muß ich hier auch noch meinen Senf dazugeben.

      Ein normales Auto hat, durch seinen zerklüfteten Innenraum und den vielen Dämmmaterialien, eine von Haus aus fast ideale Raumakustik. Dadurch beeinflusst man in diesem Fall mit einem DSP die Unzulänglichkeiten preiswerter Großserienchassis und die Schalllaufzeiten.

      Das Einzige wofür ein DSP im normalen Wohnraum sinnvoll einsetzbar wäre, ist eine schmalbandige Beeinflussung von Raummoden im Bassbereich. Da diese Moden mit Ihrer hohen Energiedichte, mit physikalischen Mitteln nur sehr aufwändig zu bekämpfen sind. Aber das Ganze macht auch dann nur Sinn, wenn man das Gerät möglichst gleichzeitig noch als aktive Weiche nutzt.

      Das Thema Raumakustik ist extrem Komplex und dadurch auch mit einfachen Allheilmitteln so einfach nicht zu beantworten. Da ich auf meiner Odyssee auch Menschen kennengelernt habe, die ihre Passion gleichzeitig zum Job gemacht haben, möchte ich hier mal auf raumton.com verweisen. Ich finde Ulli Müller hat sich hier viel Mühe gemacht, das komplexe Thema möglichst verständlich zu erklären.

      Grüße Torsten

    • #4578
      Ben

      Jaaa….dringend neuen Verstärker probieren bevor der Umzug beginnt! Im Zweifelsfall klopfe ich auch einfach so mal in Da an um Duettas anzuhören 🙂 Danke für den Link Torsten, Lesefutter für heute Abend!

      Nur zur Klarstellung: ein DSP macht ja nichts anderes als die Amplituden einzelner Frequenzen geziehlt zu ändern, richtig?

    • #4581
      Hannes

      Hallo allerseits,
      ich möchte hier gern eine Erfahrung zum Thema Raum und EQ / Laufzeit etc. kund tun.
      Hierbei handelt es sich um eine persönliche Erfahrung, welche sicher nicht zu verallgemeinern ist. Gewisse Parallelen lassen sich aber vermutlich ziehen.

      Ein Bekannter baute sich ein Lautsprecherset aus Udos Repertoire und kaufte sich dazu einen AV-Receiver (Pioneer – Preis um die 3K). Die genaue Typbezeichnung weiß ich nicht.
      Das ganze wurde vom Fachmann auf seinen Raum eingemessen und der Receiver dementsprechend kalibriert.
      Jedenfalls begab es sich das wir etwas Musik hörten und mein Kumpel meine Meinung zu seinen SB-Lautsprechern einforderte. Nun, ich war etwas verlegen, hatte mir von den Lautsprechern klanglich wirklich mehr erhofft. Es klang zwar gut, aber als wäre ein dicker Vorhang vor der Musik. Irgendwie breiig. Jedenfalls konnte ich meinen Bekannten dazu überreden, dass wir mal alle Klangeinstellungen und -beeinflussungen abschalten und siehe da, es stellte sich eine deutliche Verbesserung ein. Sowohl räumlich, als auch dynamisch. DIe Instrumentewaren deutlich besser durchhörbar.
      Wie es der Zufall so wollte hatte ich eine 78’er Stereo-Endstufe der alten Schule im Gepäck, welche dann auch noch getestet wurde. Wir nutzten dazu denPre-Out des Receivers. Der Verstärker legte noch einmal eine ordentliche Schippe drauf, die sogar ich deutlich hörte. Mit einer derartigen Klangverbesserung hatte ich nicht gerechnet. Wahnsinnig dynamisch und direkt.
      Man muss dazu sagen, dass der Raum scheinbar wirklich keine tolle Akustik hat, damit muss er wohl leben solang er da wohnt. Ich selber habe gewisse Raummoden in meinem Wohnzimmer, da kann man einfach nichts machen.
      Aufstellung kann nochmal einiges herausholen, das muss man testen. Da muss ich meinen Worrednern recht geben.
      Mein Bekannter hört jedenfalls seitdem ohne Klangeinstellung und Musik in Stereo via Pre-Out und 78-er Stereo-Endstufe.

      Ein Hinweis meinerseits zum Thema Verstärker: Ich selbst besitze ein paar Technics-Verstärker aus den 90ern. Die waren klanglich wirklich gut und spielen auch heute bei mir noch, z.B. im Arbeitszimmer. Es kann natürlich sein das Alterung von Bauteilen hin und wieder eine Rolle spielt, aber nach meiner Erfahrung nur wirklich selten. Damit möchte ich nur sagen – erwarte nicht zu viel von anderen Verstärkern. Gut – manche Verstärker sind klanglich anders abgestimmt, was dann eine vermeintliche Klangverbesserung bewirkt. Ich will nur sagen man sollte da mit Objektivität und Geduld ans Werk gehen. Aber das ist natürlich ganz deine Sache.

      Schöne Grüße aus Dresden:
      Hannes

      • #4584
        Matthias (DA)

        Moin Hannes, ja, das alte Trauerspiel mit Pioneer, finger weg von den avrs 🙁
        Geundsätzlich lässt sich damit aus schlechten Lautsprechern sicherlixh mittelklassige machen. Aus sehr guten Lautsprechern auch…
        Auch beim AVR4520 von Denin hab ich Stunden ins Einmessen und probieren investiert – nur um es dann alles auszuschalten…. die Bluesklasse funktioniert einfach so.

        Kann das Beschriebene also voll nachvollziehen, als Ergänzung: nicht alles ist mit einem Kamm scherbar, der Hifiakademie dsp arbeitet allerdings verlustfrei, sprich wenn alles auf 0 steht klingts als wäre er nicht da.

        Bleibt trotzdem beim Fazit: erst mal richtig aufstellen. Und dann passts wahrscheinlich schon.

        Matthias

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