Feb 15 2012

Saschas Duetta nach Martin

Als 2002 die Duetta das Licht der Welt erblickte, beschäftigte ich mich schon eine Weile mit der Materie Lautsprecherselbstbau. Zuerst wohl eher aus dem Gedanken heraus, Geld zu sparen und dabei brauchbare Lautsprecher auf die Beine zu stellen. Damals hatte ich kurz zuvor eine I.T. Pontus für mich verwirklicht in MDF furniert mit Vogelaugenahorn. die seither zufriedenstellend ihren Dienst in meinem Wohnzimmer verrichteten.

Ich blieb jedoch nicht untätig, baute für alle Verwandten und Bekannten je nach Geschmack und Geldbeutel mal mehr, mal weniger aufwändige Konstruktionen.  In 2002 war ich Auszubildender und die Duetta war ein finanzielles Traumziel. Also schob ich sie weit weg und Beschäftigung hatte ich genug.  Immer wieder tauchte noch jemand auf, der auch versorgt werden wollte. Man muss sagen, dass ich das Bauen sehr genieße. Es ist ein erhabenes Gefühl, etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen, wenn es dann auch noch so viel Freude machen kann wie ein Lautsprecher, sind alle Schrammen und Nerven, die ein Projekt durchaus kosten kann, vergessen.

Nun waren die Pontus in die Jahre gekommen und der Drang, etwas Neues für sich selbst zu verwirklichen, wuchs an. Man kennt  alle Schwächen und Versäumnisse seiner bisherigen Projekte und ich wollte nun einen Lautsprecher bauen, bei dem ich nun alles Gelernte umsetzten konnte und wollte. Es dauerte nicht lange, bis ich die Duetta wieder in meinem Kopf hatte und ich las alles was ich zu ihr finden konnte – mit dem Ergebnis, dass ich zu Udo fahren musste, um zu entscheiden, ob nun die Duetta meine Reiseziel sein sollte oder nicht. Ich nahm die 300 km Fahrweg  auf mich und saß nach kurzem E-Mail Kontakt  Zwei Wochen später auf Udos altem Sofa. Kurzum: die Planungen konnten beginnen, denn das war genau das, was ich wollte. Klangbeschreibungen der Duetta  gibt es hundertfach, letztendlich muss man es aber für sich selbst entscheiden, ob sie einem gefällt oder nicht.

Meine Liste im Kopf formte sich zu folgendem:

-Sandwich Gehäusewände mit Quarzsandfüllung
-2 teiliges Gehäuse mit Anlehnung an Martins Duetta Grandiosa (Wunderschöne Interpretation der Avalon Formensprache)
-Bambusfurnier
-externe Frequenzweichenkästchen

Nachdem ich ca. 40 Stunden Google Sketchup bemüht hatte, stand nun ein Gehäuseplan in allen Details mit allen Winkeln und Bemaßungen fest, um den örtlichen Baumarkt nach Zuschnitt aufzusuchen.  110 Zuschnittteile und 14 qm Plattenmaterial später, davon gut 8 qm Multiplex, hatte ich meine Puzzleteile zusammen und konnte mich daran machen, Sandwichplatten herzustellen und diese auf die richtigen Winkel und Abmaße zu bringen.

Die einzelnen Platten wurden immer aufgebaut in der Reihenfolge 12mm MPX , 16mm MDF mit Sandkammer Hohlräumen,  12mm MPX zusammengeleimt mit Ponal Classic und mit Gegenplatten und Schraubzwingen verpresst. Anschließend wurde Stirnseitig eine 10 mm Bohrung gemacht und die Hohlräume mit Quarzsand befüllt, solange bis auch mit vielen Gummihammerschlägen keine weiter Materialverdichtung zu erreichen ist.

Dann einfach mit einem 10mm Riffelstab satt in Leim verschlossen.

Nachdem alle Platten zusammengeleimt waren, kam der Zusammenbau an die Reihe. Dabei kann ich eine absolute Empfehlung für den Polyurethan basierenden Konstruktionskleber „Alcon 10“ aussprechen. Dieser quillt minimal auf und härtet dann extrem hart aus. Bei diesem Projekt mit kaum einem geraden Winkel, die allesamt per Hand mit der Handkreissäge an die Platten geschnitten wurden und somit immer minimale Ungenauigkeiten haben, schließt dieser Klebstoff alle Lücken  luftdicht ab und verklebt zusätzlich ultrastabil. Ein tolles Zeug, was leider auch seinen Preis hat.

Nach dem Auftragen wurden die Platten, um guten Anpressdruck zu erzeugen, mit 100mm Spax Schrauben verschraubt. Nach Abbinden des Klebers wurden diese entfernt und durch 10mm Riffelstab Dübel ersetzt, um später keine Probleme beim Anbringen der Fasen zu bekommen.

Der Bassreflexausschnitt in der Front wurde vor dem Zusammenbau angebracht und im Anschluss der Kanal nach dem Zusammensetzen von Front- und Seitenwänden, sowie Deckel und Boden von hinten in das Gehäuse eingeleimt. Dann wurden noch Versteifungskreuze aus 18mm MPX angefertigt und ebenfalls ins Gehäuse geleimt. Auch Weichfaserplatten bedeckten kurze Zeit später die Gehäusewände.

Nach dem Anbringen der Rückwände, ging es an die erste Fase mit Euphorie und einer für „tiefe Schnitte“ geeigneten Japansäge.

Die aber wohl nur in der Theorie für tiefe Schnitte geeignet ist, denn viel tiefer als auf dem Foto zu sehen, war beim besten Willen bei einer Säge ohne Freischnitt nicht zu machen. Kurz darauf waren Stichsäge mit extra langem Sägeblatt und Bandschleifer meine beiden neuen Freunde und verhalfen mir zur ersten Fase, bei der man schön den Schichtaufbau sehen kann.

Gefühlte 5 Kilo Staub später, machte ich mich an die Tops. Deren Zuschnitt sollte mit Geduld, Konzentration und Ruhe geschehen, da durch nur einen rechten Winkel im Topteil, schnell etwas schief gehen kann. Die Wände der Topteile sind aus „nur“ 28mm Material –  einem Sandwich aus 12 mm MPX und 16mm MDF. Zusammengehalten wird alles wieder durch Alcon 10 und Holzdübel.

Nachdem die Rohgehäuse fertig waren, brauchte ich Unterstützung, um sie 2 Stockwerke nach oben zu tragen, um mich an das Furnieren zu machen. Gemeinsam bringen Ober- und Unterteil im Rohzustand knapp 70 Kilo auf die Waage.

Entschieden hatte ich mich für Bambusfurnier in der Art „gedämpft“, Hochkant-Lamelle. Beim Furnieren selbst muss man nur darauf achten, das überstehende Furnier mit einem scharfen Messer und Gegenplatte zu schneiden. Das Sägen mit der Feile ist nicht zu empfehlen, da die „Grasfaserstruktur“  sehr schnell ins Material läuft.

Fertig

Bleibt nur noch die Klangbeschreibung, doch die steht ja schon ausführlich in Martins Bericht. Ich kann ihr nur zu 100 % zustimmen, muss aber den einen Satz besonders hervorheben: „Es ist einfach alles aufällig unaufällig“

Sascha

Zur Duetta im Shop

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