Schülzkens Granduetta


Lautsprecherbau hat sich bei mir zu einer Art
Droge entwickelt. Udo ist daran sicher nicht ganz unbeteiligt und schon gar nicht, wenn man sich so lange kennt. Angefangen hat es, als ich Mitte der 90er meine Impuls3 gebaut habe. Es kam ein Bausatz zum anderen, bis ich bei Duetta gelandet bin. Ich dachte, am Ziel angekommen zu sein. Wenn man schon Duetta hat, DIY Herz, was willst du mehr?

Seit Jahren kenne ich den Bericht, den Werner über seine Granduetta geschrieben hat, und war sehr beeindruckt. Dann lernte ich Ralf (himbeertoni) auf einer Hörsession im September 2014 in Kerpen kennen. Er brachte seine ADW Abhöre mit. Da war es, Eton d’Appolito, ER4 mit 2 x 5“ MT. Es war um mich geschehen, haben will, aber Nummer größer mit 2 x 7″. Bei einem meiner häufigen Besuche in Udos Hallen, lernte ich so manch einen Boardie schon persönlich kennen. So auch Klaus, ja genau den, der die White Pearl gebaut hat. Wir unterhielten uns, ich erzählte von meinem Vorhaben, und er bot mir an, seine Weiße Perle zu hören. Das lasse ich mir nicht entgehen, dachte ich mir, zudem wohnt er nur 20 Minuten Autofahrt von mir weg. Wir vereinbarten einen Termin. Als ich Ihn besuchte und die ersten Klänge hörte, war ich tief beeindruckt ob der Möglichkeiten, die sich mir boten. Bühne, Auflösung einfach grandios, nicht unbedingt besser als Duetta, aber etwas anders. Sagen wir mal, direkter und mit deutlich mehr Druck. Der Bass des 12“ erschien etwas verhaltener, als ich ihn von der Duetta kannte, was aber dem Hörraum geschuldet war. Jetzt wusste ich, welchen Weg ich gehen wollte. Das war HiFi-Himmel ganz weit oben. Aber von preiswertem Lautsprecher-Selbstbau kann hier jetzt keine Rede mehr sein. Wer mit solchen Apparaten anfangen möchte, der wird entsprechend tief in die Geldbörse greifen müssen, bleibt dabei aber immer noch meilenweit vom Preis entsprechender Fertigboxen entfernt. Da ich zudem schon den Anfang hier stehen habe, brauche ich nur ein Upgrade.

Nun ja, wer braucht solche Lautsprecher, wahrscheinlich niemand, oder doch? Ich wollte es ausprobieren, wie solch ein Lautsprecher bei mir zu Hause klingt, groß genug ist die Bude ja. Jetzt schaute ich mir meine häuslichen Gegebenheiten an. Sparky sagt immer, ich hätte eine Dütten-Kathedrale. Wohnzimmer gut 50qm² inkl. offener Küche. Ja OK, die Duetta fällt kaum auf, wenn man sich dran gewöhnt hat. Dann darf‘s auch ne Nummer größer sein. Meine Frau bekam die Info, dass die SB36 und Duetta rausfliegen. „Was, wie bitte, bist du krank, hast nen Schaden, was kommt danach? So wie jetzt isses doch gut.“ „Ja, gut isses, ich will aber was Anderes, Größeres.“ Sie schüttelte nur den Kopf, und meinte „mach, was du willst“. Mach ich sowieso, dachte ich mir. Manchmal frage ich mich, ob sie nicht doch Recht hat. Was soll‘s, ich hab halt Spaß an der Sache und für mich ist der Weg das Ziel. Zudem halte ich meine Gehäuse relativ schlicht, damit sich der Aufwand in Grenzen hält. Falls sich wider Erwarten der gewünschte Effekt nicht einstellt, kann ich immer noch einen Schritt zurück machen, denn kleiner als Duetta wird’s nicht mehr.

Dann ging es an die Planung, hin und her gerechnet, Mann, Mann, das werden Riesentrümmer. Ich konnte noch so viel rechnen, die wollten einfach nicht kleiner werden. Innenmaße Breite 356mm, Tiefe 450mm, Höhe 1360mm, also ca. 214 Liter Netto-Volumen sollten es werden. Außenmaße H x B x T 1400mm x 400mm x 500mm, 23 Liter für MT/HT, 185 Liter für die Bässe, der Rest für Versteifungen und Weiche. Reflex-Abstimmung rechnete ich mit 2x BR100, ergibt 156cm² Fläche, bei 355mm Tiefe. Das geht ordentlich tief runter, bis 23Hz. So hatte ich mir das gedacht und durchkalkuliert. Rücksprache mit Udo, er seinen Daumen hoch. Sägeliste geschrieben und ab in den Baumarkt. Ernüchterung machte sich breit, 22mm MDF scheint zur Rarität zu werden, zumindest in Schwelm und Wuppertal. Franky informiert, der sich kurzerhand auf den Weg machte und mir das MDF aus Baumärkten in Holzwickede und Dortmund besorgte. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle für deine Mühe.

25mm MDF hatte ich noch hier, sollte für die Fronten reichen, alles Andere aus 22mm MDF. Bei uns in der Firma nachgefragt, ob ich für ein paar Stunden auf das große Bohrwerk kann. Ja geht, war postwendend die Antwort, aber nur nach Feierabend. Ich fragte Kollege Hans, ob er Zeit hätte, mir bisserl was zu fräsen, Er nahm meine Skizze, schaute sich meine Kritzelei an und grinste, „Willst deine Bude abreißen?“ „Nö, nur gescheit Lala hören“ war meine Antwort. „OK, Freitagnachmittag mach ich’s dir fertig!“

Dann kam der besagte Freitag, Hans hatte das Programm für die Fronten schon geklimpert und Vollhartmetall Fräser abgenullt. Die Fronten Hochkant auf Winkel gespannt mit 8 Stück M20 Spannpratzen. Ich schaute verdutzt und dachte, „was macht der Mann da?“ „Hans, hallo, einer da, willst du meine Platten plattdrücken.“ „Halts Maul, geh Kaffee holen“ entgegnete er mir. Ich ging artig zum Kaffeeautomaten. Als ich wieder kam, hatte er schon vorgebohrt. Der Werkzeugwechsler tauschte gerade von 25mm Bohrer auf 25mm Fräser und die Drehzahl heulte hoch bis max. 4000 U/min. Herr im Himmel, der fährt die 25mm Platte voll durch und der Fräser zieht einsam seine Kreise, ohne nur einmal zu zucken. Erst für den MT, dann für die Bässe. Ich schüttelte nur den Kopf. Hans hörte wohl meine Gedanken und meinte, „Alles OK, is nur gepresstes Papier, 5/10tel Aufmaß bleibt zum Schlichten“. „OK, wenn er es sagt, dann isses so.“ Bei den Spiegelflächen (Vertiefungen) und Reflexöffnung fräste er ebenso. Vorsichtiger ging er beim Ausschnitt für den ER4 zu Werke. Bei einer 25mm Platte bleiben also 3mm im Rücken stehen. 10mm Fräser für die R5 Eckradien passte auch. Für die erste Front brauchten wir mit Korrigieren der Maße ca. 2,5 Stunden. Die zweite Platte war nach einer Stunde und fünf Minuten fertig. Ich freute mich wie ein kleiner Junge. Und jetzt kam das, worauf niemand Lust hat, „Schuelzken Maschine putzen“, boa ey, was für ein Dreck und Staub. Auch hier benahm ich mich artig, fegte und saugte, so gut es ging, bis er zufrieden war. So ist es eben, wenn eine Maschine zweckentfremdet wird, die eigentlich für Metallbearbeitung gedacht ist.

Dann ging es ans Kleben. Ich  habe das Glück, über einer Schreinerei zu wohnen, wo Werkstatt üblich alle Werkzeuge und Zwingen bis 1600mm Spannlänge zur Verfügung stehen. Ich konnte mir zwei Arbeitsböcke nehmen, Fronten drauflegen und los ging‘s. Ein Brett nach dem anderen kam auf seinen vorgesehenen Platz. Zwingen drauf, trocknen lassen. Nach der Trocknung, oh wie jetzt heben, Aua, die sind mächtig schwer. Einmal kam meine Frau mir zur Hilfe, das andere Mal einer der Mitarbeiter aus der Schreinerei. Zwei Tage später half mir der Mitarbeiter, die Särge ins Auto zu wuchten, um bei uns in der Firma einen Platz zu finden, wo ich schleifen konnte. Ausladen war kein Thema, hydraulischer Hubwagen und Krananlagen sind bei uns notwendiges Besteck und Geschirr. Vorschleifen mit Mirka Exzenterschleifer und Abranet Korn 80 Gitternetz Grip Schleifscheiben. Ruckzuck waren überstehende Kanten und Kleberreste entfernt. Dann ging’s weiter mit 320er Korn an den Feinschliff. Einzige Problemzone, wie immer wenn man kein BR Rohr nimmt, ist der Reflexschacht. Da dieser aber groß genug ist, und man gut rein kommt, waren auch hier die Kleberreste schnell entfernt und die Kanten etwas verrundet.

Jetzt soll auch noch Farbe drauf. Wo ist mein Buntmacher, „Michel, wo bist du, wann hast du Zeit zum Klecksen“. Eines weiß ich mit Sicherheit zu schätzen, Leute, auf die man sich verlassen kann, sind rar. So auch Michael, unser Kleckser. Sobald er Zeit hatte, ging’s ans Grundieren. Gut eine Woche nach der Fünffach-Grundierung ging’s ans Schleifen. Jetzt kamen die Fehler, die ich beim Vorschleifen gemacht hatte, gnadenlos zum Vorschein. Also nochmals Spachtelmasse angerührt und aufgetragen. Nachdem auch dieser Arbeitsgang beendet war, konnte endlich gelackt werden. Die großen Särge dabei zu händeln, erwies sich als gar nicht so einfach, also verzichteten wir erst mal darauf den Boden zu lackieren, außerdem sieht es sowieso keiner.

Nachdem die Gehäuse ca. 10 Tage getrocknet waren, konnte vorgebohrt werden. Bohrungen 10mm für die Polklemmen an der Rückwand. M5 Gewindelöcher für die Rollen und 2,5mm Befestigungslöcher der Chassis. Durchgangslöcher für HT/MT. Jetzt konnten die Chassis ins Gehäuse montiert werden.

Also, Termin mit Udo abgesprochen, alles ins Auto gewuchtet und ab zum Meister. Mit Ihm hatte ich vereinbart, diese einteilige Variante bei ihm zu komplettieren und zu messen. Einige Weichenteile hatten sich wegen neuer EU-Vorschriften geändert, die MHT-Kammer ist kleiner als bei Werners zweiteiligem Aufbau. Daher war es sinnvoll, diesen Schritt zu gehen. Meine Duetta hatte ich zwischenzeitlich schon geschlachtet, d.h. nur die Chassis abgelötet. Meine Kera 360.1 musste auch dran glauben, da ich ein zweites Paar 7“ MTs benötigte, die schon eingespielt waren. Udo hatte die beiden zusätzlich erforderlichen 11“ Bässe da. Jetzt ging’s ans Montieren, das war nicht in ein paar Minuten erledigt, der Aufwand ist doch erheblich mehr als man meint. Drei Tage später Udos Nachricht, „sind gemessen und alles fettisch, kannst abholen“. Meinen Sohn (26), sehr kräftiger Bursche,  nahm ich mit, damit er mir bei der Hebeaktion helfen konnte, alleine bekomm ich die Kisten nicht mehr hoch. Jetzt standen sie also in Udos Hörraum, jede mit 65 kg Lebendgewicht, angeschlossen am Destiny KT88 Röhrenverstärker. Was für ein imposantes Gespann. Mächtig, Grandios. Ich taufte Sie  „BLACK FAT QUEEN of BLUES“.

Klangbeschreibung

Als wir den Laden betraten, lief gerade „Dvorak – Aus der neuen Welt“, ich habe diese CD selbst, aber die räumliche Darstellung anders in Erinnerung. Die Tiefe war bewundernswert. Eine Klangfülle, die ich so noch nicht wahr genommen habe. Mein Sohn konnte mit den klassischen Nummern nicht viel anfangen. „Udo, hast was Metallisches“. Jetzt kam „Apocalyptica – 4 Cello – Nothing else matters“. Damit hatte mein Sohn nicht gerechnet. Er war erstaunt, was da ging bei gehobener Zimmerlautstärke. Der Tiefgang des Cello zerrte am aufgeplatzten Sofa mit Druck und Präzision, die es in sich hatten. Das hatte ich selbst nicht erwartet. Mein Sohn meinte, „Was habt Ihr da für einen Lautsprecher gebaut, ihr seid irre!“ Ohne jetzt in Superlativen zu schwelgen, aber das übertraf alle meine Erwartungen bei Weitem. Selbst Udo bekam das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht und meinte „Geht doch, kann man sich anhören.“ „Jo, kann man, unglaublich, für so einen Lautsprecher braucht man sich nicht schämen.” Fehlt nur noch ein Vergleich mit der „ADW Abhöre“ von Ralf. Mal sehen, was sich da machen lässt.



Jetzt ab mit den Dingern nach Hause. Was für eine Plackerei, die Gehäuse ins Auto zu wuchten. Selbige Prozedur vor der Haustür beim Ausladen und rein in den Aufzug. Aufstellen und anschließen war schnell erledigt. Meine Frau konnte es kaum glauben, wie groß die Schränke im Vergleich zur zierlichen Duetta links im Bild geworden sind. Aus Ihrem Gesichtsausdruck konnte ich leichte Ablehnung lesen.

Dann die ersten Klänge von BluesRocker „Warren Haynes – Tales of Ordinary Madness – Movers and Shakers“. Das Stück war nicht mal eine Minute gelaufen, ihr Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig ins Grinsen und sie meinte, „Die Klopper spielen grandios, Alter, ich kann dich verstehen“. Sowas hatte sie auch noch nie wahr genommen.

Dann durfte Eric Bibb in „Troubadour Live – New Home“ sein Können unter Beweis stellen. Da war es wieder, die Tiefe der Bühne stellte sich scheinbar endlos dar und seine Stimme war doch so nah und mitten im Raum. Die Anrisse seiner Akustikgitarre wurden mit einer Klarheit projiziert, das es mir den Atem verschlug. Staffan Astners Steel-Guitar untermalte das Bild zur Vollendung. So auch der mittlerweile 65jährige Hans Theessink mit seiner baritonalen Stimme in „Call me“. Ich muss gestehen, dass ich fast Tränen in den Augen hatte. Diese Musik berührte mich richtig. Holly Cole mit ihrem Trio war jetzt an der Reihe, „Tennesse Waltz“, ich liebe hier die Anrisse vom Bass, sehr sauber und differenziert stellt die FAT QUEEN sie in den Raum mit einer Dynamik, die ich so nicht kannte. Ulla Meinecke’s „Tänzerin“ gab sich auch noch die Ehre. Wer das Stück kennt, weiß sofort, was ich meine. Ich hörte noch einiges Andere quer, und entdecke dabei in alten Stücken immer was Neues.

Fazit

Was bleibt zu sagen? Ist die FAT QUEEN jetzt besser als DUETTA? Jain, das ist ein Level ganz weit oben im Regal. Die d’Appolito Anordnung erzeugt mehr Tiefe in der Bühne und den Unterschied, dass die Große aufgrund der doppelten Membranfläche bei max. Pegel bis zu 6dB lauter kann und dadurch noch unangestrengter erscheint. Ich kann jedem nur empfehlen, teste es aus, suche die Herausforderung und baue den größtmöglichen Lautsprecher für deinen Hörraum.

Bei allen Leuten, die hier genannt wurden, möchte ich mich nochmals für die Unterstützung bedanken.

Beste Grüße vom Schülzken

 

Zur Granduetta im Online-Shop

 

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dirk

Was für Teile! Beim lesen konnte ich mit fühlen wie Du Dich abgeschleppt hast. Imposant trifft es.

Heppi

Thommy und ich hatten gestern das Vergnügen diesen Grandiosen Lautsprecher hören.

GranDuetta an Symasym mit grandioser Vorstufe von Yamaha…..Geil….

…….110db in 3 Meter….

Noch nie drengelten sich die Haare so um einen Stehplatz…..

ER4 steht für mich fest ! Der Rest entscheidet die Zeit und der Bauch oder nochn Besuch beim Udo….

Danke schuelzken

Liebe Grüße aus Hamburg

Heppi