Aug 29 2016

Rincewinds Klangkabel-DIY

Viel zu schade, um innerhalb viel zu kurzer Zeit in den Niederungen des Forums versunken zu sein, ist Rincewinds Bericht zum eigenhändigen Kabelstricken. Deshalb habe ich ihn in die redaktionelle Abteilung kopiert, auch wenn er meinem Shop keinen riesigen Gewinn zutragen kann. Ein Magazin, das sich nur um die Finanzen des Herausgebers müht, hat den Namen nicht verdient und einen lupenreinen Katalog des Sortiments stellt man besser in den Shop. Gute Kabel braucht jeder Musikgenießer, sind sie dann auch noch preiswert, weil von jedem VooDoo befreit, gehören sie selbstverständlich hierhin wie jede andere, hilfreiche Peripherie des Lautsprecherbaus.

 

Hallo!

Zu Verstärkern und HiFI Elektronik gehören auch die Strecken dazwischen. Hier lässt sich mit Hausmitteln das Eine oder Andere frickeln.

Warum Cinch-Kabel selber frickeln?

1. Weil’s geht!
2. Weil das HiFi-Voodoo-Zeuch (von Jungfrauen unter Vollmond geflochten) nur der Steigerung der Auflage von einigen Zeitschriften dient
3. Weil Kabel aus gutem Material den Verkäufer mit riesiger Gewinnspanne bereichern
4. Siehe 1

Für diese Anleitung wurde bei Reichelt folgendes gekauft:

Cinch-Stecker (rote Markierung)
Cinch-Stecker (schwarze Markierung)
Mikrophon-Kabel

Der Rest war in der Bastelkommode vorhanden.
Utensilien

Als erstes stellt man fest: Das Kabel ist zu dick.
DIY Cinch 1
Was nicht passt, wird passend gemacht!
DIY Cinch 2
Also ein passendes Stück der äußeren Isolierung abschneiden.
DIY Cinch 3
Isolierung bitte wie auf dem Bild mit einem scharfen Messer anschneiden, aber nicht die Kupfer-Abschirmung beschädigen!
DIY Cinch 4
Die Isolierung vorsichtig soweit abziehen, dass das Isolierband dazwischen passt
DIY Cinch 5
Auf die Isolierte Abschirmung wird dieses schwarze Plastik-Teil später gesteckt. Es ist die Zugentlastung. Die Stecker-Hülse wird mit vorsichtiger Drehbewegung (wie bei einer Schraube) über das Kabel geschoben. Beim Drehen verjüngt sich die Isolierung ein wenig und passt gerade noch durch die Hülse.
DIY Cinch 6
DIY Cinch 7
Das Isolierband verhindert das Ausfransen der Abschirmung und den ungewollten Kontakt zum Stecker.
DIY Cinch 8
Nun wird das rote Kabel mit dem scharfen Messer abisoliert (erfahrene Lötfrickler machen es mit den Schneidezähnen). Danach wird es verzinnt.
DIY Cinch 9
Da die Isolierung beim Verzinnen schrumpft, ist das verzinnte Stück etwas zu lang.
DIY Cinch 10
Also ab damit!
DIY Cinch 11
Jetzt passt es und lässt sich genau einlöten
DIY Cinch 12
Jetzt kommt das Gefrickel! Denn das andere Kabel muss in die Vertiefung rein. Das rumgefrickel dauert bei mir etwa 2 – 5 Minuten je nachdem wie das Kabel sich anstellt.
DIY Cinch 13
Anlöten! Dabei darauf achten, dass sich das Lötzinn nicht über der Vertiefung hinaus aufbaut. Falls es doch passieren sollte, hilft eine kleine Metallfeile.
DIY Cinch 14
Fertig zum Verschrauben.
DIY Cinch 15
Passt!
DIY Cinch 16
Kontrolle: zwischen dem inneren Pin und Außenstecker darf es keinen Kontakt geben!
DIY Cinch 17
Natürlich sollte der Kontakt zwischen Pin und Pin sowie zwischen Außenstecker und Außenstecker bestehen.

Und wie sehen Eure selbst gefrickelten Kabel aus?
Wie bastelt man ein hübsches Lautsprecher-Kabel?

Grüße
Rincewind

 

Und weil es auch schon passende Antworten gab, will ich die nicht vorenthalten:

Teilnehmer

Guten Abend Rincewind,

astrein dokumentierter Beitrag, so können auch „Elektrolegastheniker“ in den Genuss selbstgewastelter Strippen kommen. 😉

Denn Deine Liste der Gründe, warum man etwas selbst machen sollte, kann man auch noch durch Punkt 5 ergänzen: Weil Selbstgemacht einfach besser „schmeckt“ 🙂

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind ebenfalls vielfältig, bspw. lässt sich das Ganze noch mit Gewebeschlauch „sleeven“ und sieht dann optisch noch einmal 50€/m teurer aus.

Das beste Beispiel hatte ich einmal, als ich den DIN-Stecker an meinem Dual 701 gegen Cinche tauschen wollte. Ein entsprechendes Kabel war schnell gefunden, eigentlich aus dem Car-Hifi-Bereich mit einer einzelnen Steuerlitze zu den beiden Cinch-Kabeln für den linken und rechten Kanal.
(Diese war mir wichtig, da sie sich vorzüglich als Gerätemasse „missbrauchen“ lies)

Der Hammer daran war, dass der Händler das Kabel sowohl als Meterware vertrieb, als auch als vorkonfektioniertes Kabel, an dem bereits an einer Seite Cinch-Stecker und ein Gabelschuh für die Masse angebracht waren. Der Preisunterschied war fast dreistellig, insofern ging ich davon aus, dass es vom Papst persönlich gelötet und anschließend geweiht wurde.

Wer auf diesen Zusatzservice verzichten kann, greift selbst zum Lötkolben und beginnt viel zu sparen, was dann sinnvoller in Tonträger etc. investiert werden kann 🙂

Gruß,
-Sparky

  • Pit1310
    Pit1310

    Teilnehmer

    Hallo Rincewind,

    schöne Beschreibung! Habe mir (auf Empfehlung durch Profi) fast genau so ein Kabel gefrickelt, mit dem einzigen Unterschied, dass ich auf einer Seite die Abschirmung des Kabels mit Masse verbunden habe. Die Kabel dann so angeschlossen, dass die verbundene Seite an der Quelle (z.B. CD-Spieler) angesteckt wird.
    Habe das nicht hinterfragt und auch elektrisch nicht so viel Ahnung, aber jetzt kommen die Fragen:
    – Kann die Abschirmung funktionieren, wenn sie komplett in der Luft hängt?
    – Werden umgekehrt vielleicht Störungen eingefangen, wenn man die Abschirmung einseitig anschließt?
    Ich hoffe, Du kannst meine Neugier befriedigen.

    Gruß

    Peter

    • Vadder
      Vadder

      Keymaster

      Hi Peter,

      das funktioniert. Du hast dann eine pseudo-differentielle Übertragung. Das ist nicht ganz so störunempfindlich wie XLR-Kabel, aber immer noch gut.
      Ich habe so etwas mal mit dickem Querschnittl gebaut. Das bringt gefühlt noch mal ein wenig Klangoptimierung.

      Viele Grüße
      Vadder

  • Michael
    Michael

    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    so ein toller Bericht ermutert doch zum Nachbau. Ich sage mal DANKE. Ich liebe DIY über alles. Nix ist so gut für Geist und Seele wie etwas selber zumachen. Früher war so etwas ganz normal. Leider verschwinden diese Werte immer mehr. Gut das es solche Forums gibt. Ich hoffe es werden noch ganz viele Mensche mit dem DIY-Fieber angesteckt werden.

    Gruß Michael

  • Jakal
    Jakal

    Teilnehmer

    Vielen Dank für die Anleitung 😉

  • schuelzken
    schuelzken

    Teilnehmer

    Hallo,

    ich glaube ich erkenne auf den Bildern meine Kabel wieder.

    Gruß

 

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18 Kommentare auf "Rincewinds Klangkabel-DIY"

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Axel A.
Mitglied

Hallo,

guter Überblick, der es schön zusammenfasst.
Ich persönlich kaufe das ganze Kabelzeug bei Thomann.de Ist hin und wieder etwas günstiger in verschieden Qualitätsstufen natürlich.

Meine Frage: sollte man die Schirmung nicht mit durchleiten?

Gruß

Michael
Mitglied
Hallo, von dieser tollen Anleitung inspiriert, hab ich auch meine ersten Chinchkabel selbst gefrickelt. DIY ist immer klasse. Das Bild ist in der Elekronikgallerie. Ich hab keinen Weg gefunden es hier ein zufügen. Und mit einer Gesamtlänge von 666 mm bringen die einen echt “teuflisch” guten Sound. 😉 Und das… Read more »
KTM-Tod
Mitglied

Hallo,
ich wollte Peters Frage nach der in der Luft hängenden Abschirmung nochmal aufgreifen. Wenn ich das Schema der pseudo-differentielle Übertragung richtig deute, liegt dort auch der Schirm einseitig auf Masse auf. Also doch einseitig den Schirm mit der Masse verbinden?

Gruß Torsten

Monti
Mitglied
Hallo zusammen, ich hab da mal ne Frage zu Euren Erfahrungen im Vergleich zu etwas höherwertigen Fertigkabeln: Ich habe mir vor vielen Jahren mal beim HiFi-Dealer meines Vertrauens ein Cinch-Kabel von Black Rhodium spendiert. Kostete kurz nach der Beerdigung der D-Mark um die 50,- €. Zu Hause hatte ich bis… Read more »
Elvis3000
Mitglied

Hallo zusammen,
Wie schauts denn mit dem Mindestquerschnitt der Litzen aus ? Wir stellen Hochabgeschirmte Datenleitungen her, oft aber nur mit geringem Querschnitt .

Schöne grüße aus dem sonnigen Kroatien

Ciao Udo

Audicz
Mitglied

Hallo zusammen,
Meine Wahl des DIY Kabel ist auf das von Stereoplay getestete RG142 gefallen. Dieses hat versilberte Kupferleiter. Das Kabel an sich ist schon recht fest und lässt keine kleinen Biegeradien zu.
Sieht Top aus finde ich. Foto folgt.
Gruß Dino