«

»

Jul 15 2017

Beitrag drucken

Jetzt schlägt es U_Do 13!

Es ist eine einfache Rechenaufgabe, nach U_Do 12 folgt U_Do 13, passenderweise ist sie zusammengesetzt aus den Komponenten der U_Do 6 und U_Do 7. Zwei Zwanziger im Bass sitzen unten mit einem HP 100 im 80 Liter Reflexhaus, zwei Fünfzehner nehmen darüber den 19 mm Hochtöner in die Mitte. Rock in Stereo und Heimkino für alle Altersgruppen ist die angedachte Aufgabe. Damit ist das Ziel gesetzt und wir können sofort mit dem Planen des Gehäuses beginnen.

Hochtöner auf Ohrhöhe und ein kleiner Mitteltöner darüber bedingt eine Höhe von grob 120 cm, wir gaben noch 5 cm drauf, um Tiefe zu sparen. Mit gut 20 cm Außenmaß will der Bass keine Front unter 22 cm Breite, wir gaben für die aufgesetzte Schallwand noch knapp 5 cm drauf, um Tiefe zu sparen. Für die Mitteltöner konstruierten wir eine abgeschlossene Kammer mit 10 cm Tiefe und 40 cm Höhe, das ergab bei 24 cm Innenbreite knapp 10 Liter Volumen. Rechnen wir die 40 Liter pro Bass und die inneren Bretter dazu, müssen wir netto 32,2 cm Tiefe haben. Damit misst die Box bei 19 mm Wandstärke 125 (H) x 27,8 (B) x 36 cm. Zum leichteren Lesen gibt es die U_Do13 als Sketchup-Zip zum Herunterladen. Die Chassis nicht bündig in der Front zu versenken, spart die etwas mühevolle Fräsarbeit und hat klanglich keine wirklichen Nachteile. Wer dennoch seine Chassis bündig einlassen will, kann die Option “gefräste Front” nutzen.

Traditionsgemäß ließen wir im Baumarkt OSB zuschneiden, das wir bisher für alle U_Do’s verwendet haben. Es ist preiswert, die Oberfläche ist schon (nahezu) fertig und die akustischen Eigenschaften unterscheiden sich kaum von anderen Holzwerkstoffen. Somit ist es ideal für den schnellen Aufbau, für den jungen Nachbauer entfällt die Geduldsprobe. Und ganz ehrlich: Schöner als unbehandeltes MDF mit deutlich sichtbaren Leimresten ist das Zeugs auf lange Sicht doch auch noch.


Auf die Front leimten wir Deckel, Rückwand und Boden auf, danach konnte die MT-Kammer-Rückwand den Aufklebeort für seinen unteren Partner markieren. Die MDF-Platte sollte auch aus OSB sein, die hab ich aber um 1,9 cm zu kurz sägen lassen.
Damit das Rückbrett der MT-Kammer einen Anschlag hat, wurde ein kleines Hilfsbrett unter den Deckel geklebt. Rechts steht die erste Versteifung an ihrem Platz.

Nach einer halben Stunde ist der Leim so weit durchgetrocknet, dass die Box auf die Seite gelegt werden kann. Nun lässt die Newton’sche Bewegungsrichtung die hinteren Versteifungen nicht Richtung Erdmittelpunkt rutschen und auch die zweite Seitenplatte wird nicht nur vom Leim an ihrem Platz gehalten.

Nach weiteren 30 Minuten wird die Box noch einmal gedreht und die Rückwand kann aufgepappt werden. Vor dem Weg in die Messkammer mussten noch ein paar Kabel und das Dämmmaterial in die Boxen.

Zum Durchführen der Kabel bohrten wir zwei 8 mm Löcher in die Bodenplatte der MHT-Kammer, die wir nach dem Durchführen mit Heißkleber wieder verschlossen. Gefüllt wurde sie mit einer 40 x 50 cm großen Matte. Unter das Reflexrohr legten wir einen weißen Teppich mit 40 x 30 cm.

Je einmal 40 x 80 cm passt hinter die MHT-Kammer und jeden Bass, das Reflexrohr in seine Durchfräsung.

Die schmale Fahne markiert den Minuspol der Chassis, daran löteten wir das schwarze Kabel. Vor dem Anschrauben wurde selbstverständlich vorgebohrt. Zum leichteren Verrücken der Boxen nutzen wir seit Längerem Rücken schonende Möbelrollen. Wir benötigten sie jedoch nicht, um die Boxen aus dem Verleimzimmer in den Messraum zu rollen. Dafür reichte es aus, den Werktisch abzubauen und den Messständer an den selben Platz zu stellen. Nun wurde noch die Kamera gegen das Mikrofon getauscht und schon ging es los mit dem Weichenbau. Den vorher vielleicht sinnvollen Weg über den Schleifkeller sparten wir uns, die U_Do 13 darf zukünftig auch im Rohzustand im Laden herumstehen. Das stört beim Probehören sicher nur wenig und auf den Klang hat das Aussehen keinen Einfluss.

Für die Frequenzweiche, die den Lautsprechern die Arbeitsbereiche zuteilt, hatten wir ein paar Vorgaben für den Mittel- und Hochton, die für das perfekte Zusammenspiel der Komponenten beim Heimkino-Einsatz zu berücksichtigen waren. Einfach nur ein paar Lautsprecher mit mehr oder weniger geradem Frequenzverlauf wild zusammen zu würfeln, ergibt keinen homogenen Klang, der zum Mindesten auf der Front zwingend ist. Hilfreich für das Verständnis sind hier Sparkies Artikel “Elektrik für Nicht-Elektriker” und natürlich Wikipedia.

Wir begannen mit der MHT-Einheit, der wir testweise die U_Do 6-Weiche überstülpten. Das passte schon gut, doch als wir einen großen Kondensator als Hochpass einfügten, reagierten die parallel geschalteten SB 15 PFC-8 mit leichtem Aufbuckeln. Ein kleiner Widerstand beseitigte das, hinterließ jedoch kleine Unstimmigkeiten im Trennbereich zum Hochtöner. Also überarbeiteten wir die Bauteilwerte ein wenig und erhielten eine akzeptable Messkurve, die auf Achse zwar wellig, unter zunehmendem Winkel jedoch nahezu glatt verläuft. Parallel zu den Seitenwänden aufgestellt, liefern die Boxen mithin dem Ohr einen gleichmäßigen Schalldruck in allen Frequenzen.

Die Bässe wurden mit einem Tiefpass 2. Ordnung, also Spule in Reihe und Kondensator parallel zu den Chassis, phasengedreht zur MHT-Weiche angeschlossen. Nur so addieren sich die Zweige, auch wenn es im ersten Draufblick verkehrt erscheint und häufiger zweifelnd nachgefragt wird.


Messungen:

Eingeklebt oder -geschraubt wird die Weiche auf der Rückwand unterhalb der unteren Versteifung. Dort ist sie weit von allen Magnetfeldern entfernt, kann aber bei Bedarf mühelos nach Ausschrauben des Basses und Entfernen der Dämmwatte auf niemals auszuschließende Fehler untersucht werden. Hierfür ist auch nützlich, dass bei unserem Holzbrett-Aufbau alle Lötpunkte sichtbar bleiben.



Als beide Boxen montiert waren, fuhren wir sie in den Hörraum, wo unser alter Marantz Receiver schon sich auf die Arbeit freute.

Um Lautsprecher gleichzeitig auf ihre Eignung für Stereo und Heimkino zu testen, bietet sich Filmmusik an, die heute fast ausnahmslos großorchstral aufgenommen wird. In aller Ohren ist derzeit “Game of the Thrones”, also suchte ich auf Youtube nach Aufnahmen in HQ. Ich fand das “Main Theme“, das in epischer Breite und Tiefe aus meinen U_Do 13 strömte. Dezent, aber detailreich spielten die Streicher ihre begleitenden Töne, andere Instrumente wechselten sich bei der Melodie ab. Energisch ließen die Bässe und Kesselpauken mein Sofa vibrieren. Ob ich mir die ganzen knapp 32 Minuten des Soundtracks hätte anhören wollen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Als ich nach etwa drei Minuten mehrmals nach vorn sprang, änderte sich im musikalischen Ablauf eher nichts. Also klickte ich auf das ebenfalls angebotene Hauptthema des Terminators, das zwar schon 33 Jahre alt und nur gut 4 Minuten lang ist, dennoch weit mehr Abwechslung in den Hörraum brachte. Das kann man wirklich dynamisch nennen. Mehr mein gewohntes Terrain war jedoch das “Crossroads”-Cover (auf deutsch: Pakt mit dem Teufel) von Ry Cooder, das mir dann auch noch über den Weg lief. Die großartige Slide Guitar mit all ihren Facetten konnte so gar nicht zum Titel passen: “Feelin Bad Blues”. Alles in allem eine gelungene Darbietung der U_Do 13, Stereo passte, im Heimkino dürfen sich noch U_Do 6 als Center und U_Do 2 oder 5 als Rear dazu gesellen, für ganz groß ist als Subwoofer der ContraSub 12 geeignet, von dem es schlimmstenfalls auch zwei sein dürfen. Wer auch noch seine Decke mit vier U_Do 8 behängt, wird kaum mehr den Weg in den realen Filmpalast finden.

Udo Wohlgemuth

 

Zur U_Do 13 im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2017/07/15/jetzt-schlaegt-es-u_do-13/

Hinterlasse einen Kommentar

22 Kommentare auf "Jetzt schlägt es U_Do 13!"

Benachrichtige mich zu:
avatar
jean
Mitglied

meine is da meine is da meine is da *im dreieck spring*

Rincewind
Mitglied

Hallo!

Ich hatte gestern die Gelegenheit die U_Do 13 zu hören. Angeschlossen an Udo’s Marantz Verstärker wurde gehört:
– London Grammer mit Hey Now!: Test bestanden, kontrollierter Bass. Die Stimme kommt der Sängerin kommt auch nicht zu kurz und wird gut aufgelöst wieder gegeben
– Wardruna mit den Liedern Tyr und UruR. Tolle Bühne gepaart mit schöner Auflösung, insbesondere bei der vorbeilaufenden Herde der Tiere im Hintergrund. Bass geht richtig tieeeef
– Robag Wruhme mit den Liedern Wupp Deck und Thora Vukk. Große Überraschung dabei, die U_Do 13 kommt hier noch besser raus und das noch bei Pegeln oh, oh, da hatten die Nachbarn mal wieder was von Musik gehabt. Habe ich schon den pegelfesten und druckvollen dabei fast trockenen Bass schon erwähnt? Der Hochtöner, der in den anderen U_Do s verbaut ist und mich immer wieder mit seiner sauberen Wiedergabe begeistert, läuft hier ohne Vorwiderstand zur Hochform auf.

Ich habe hier im Thread gelesen, dass die U_Do 13 die Nachfolge der FT11 übernimmt. Das stimmt so nicht. Der Bausatz ist definitiv KEIN Nachfolger der FT11, da die U_Do 13 mindestens zwei Liga-Stufen darüber spielt.

Grüße
Rincewind

nymphetamine
Mitglied

Warum sollte udo auch einen bausatz kopieren??? Es kann nur besser werden 😁

Jedoch muss ich echt sagen (persönliche Meinung an), dass die chassis mich optisch nicht ansprechen (persönliche Meinung aus).

Es wäre echt cool, wenn irgendwer irgendwann mal einen Bericht schreibt, indem es rein nur um lautsprecherabdeckungen und deren Montage/Anbringung geht. So en kleines “how to”… Grad für uns Anfänger bzw. Welche die sich zum Selbstbau trauen aber nicht wissen, wie se die front “verschönern” (waf / kleinkinder bezogen) können, ohne an der Qualität einzubüßen…

nymphetamine
Mitglied

Z.b. Akustikstoff, Gitter, Lautsprecher von innen an die Front befestigen, magnethalterungen für einen rahmen oder verschrauben und so weiter… Vielleicht gibt es sogar Lösungen, wo keiner dran gedacht hat… Weil zu einfach

Köter
Mitglied

Hallo Ihr beiden.
Wie der Zufall es so will habe ich gerade eine Bespannung für meine SB417 fertig gestellt. Ein Rahmen aus Nadelholz, wird fixiert mit Neodym Magneten und ist bespannt mit Akustikstoff. Ich hab auch ein paar Bilder vom Bau falls interesse besteht.
Beste Grüße,
Köter

Köter
Mitglied

Ich schick Dir ne Mail sobald ich Zeit finde! 😉

MartinK
Mitglied

Hallo zusammen. Das ist der erste Lautsprecher mit den eckigen Chassis, der mich optisch anspricht. Bin auf einen Hörversuch gespannt.
Gruß Martin

michael gebel
Mitglied

Werde mit Frauchen morgen bei udo aufschlagen.und Katze braucht bestimmte streicheleien und leckerli.

waterdrinkingman
Mitglied

Prima! Jetzt wird es allerdings schwieriger für mich, zwischen Udo4 und 13 zu wählen… 😉
Der Vergleich der beiden impedanzverläufe lässt schlussfolgern, dass die U_Do 13 dieselbe (Bass)Abstimmung wie die U_Do 4 hat, korrekt?

Magst Du für die U_Dos die Sketchup-Dateien hochladen, das wäre prima! Danke!

Braini75
Mitglied

Guten Tag Zusammen,

sehr schön, ist das der Nachfolger der FT11? Ich muss wohl mal wieder nach Bochum fahren :-).

wpDiscuz