MiniACL – kleine Box, großer Klang

Vor ein paar Tagen schickte mir Rincewind einen Artikel aus einer Computer-Zeitschrift, der sich ausführlich mit smarten Lautsprechern befasste. Sehen wir einmal davon ab, dass diese Kisten die Kommunikation mit allen Datensammlern so einfach machen, wie es sich ein Geheimdienstler nur ganz im Stillen wünschen kann, es gab auch Messdiagramme. Schwer vorstellbar, dass sich jemand so etwas freiwillig in die Bude stellt, wenn er es geschenkt bekommt. Noch weniger verständlich ist allerdings, dass für solch echte Mono-Liten zusätzlich zur Umgehung der grundgesetzlich verankerten Unverletzlichkeit der Wohnung sogar bis zu 230 Euro gezahlt werden. Ob ich diese Welt noch verstehe, darf man mich gern fragen, eine Antwort habe ich darauf nicht. Etwas Gutes hatte der Bericht dennoch: Wir dachten über ein System nach, das auch ohne Spracherkennung musikalische Untermalung in die Wohnung bringt, nicht unbedingt in die “gute Stube”, sondern eher in alle anderen Räume, in denen man sich sonst ohne jede Ansprache zu einsam fühlt.

Werfen wir einen Blick auf das Pflichtenheft, das wir uns zum Projekt Smartbox erstellten. Zuerst einmal muss ein kleiner Verstärker her, der sich über Bluetooth aus dem Smartphone füttern lässt. Schön wär es, wenn er ebenfalls die Kommunikation mit einem PC’s oder Raspi per USB ermöglicht, wodurch das heimische Musik-Center, das Internet-Radio oder die Streaming-Dienste Anschluss haben. Übertragen soll er das Signal an einen kleinen Lautsprecher, der mit wenig Technik auskommen und bei sparsamem Umgang mit Volumen dennoch ausreichend Basstiefe liefern muss. Und weil wir seit 1958 der Monowidergabe ade gesagt haben, schrieben wir “zwei Lautsprecher” in die Liste. Die Kosten für das Stereo-Set samt Amp und Holz sollten kaum über 100 Euro liegen, ein eher tollkühnes Unterfangen.

Überrascht waren wir, als wir bei Nobsound tatsächlich einen fertig aufgebauten 2.0-Verstärker fanden, der alles erforderliche für 32,99 Euro samt 12V-Netzteil, Kabelzeugs, Metallgehäuse, ordentlichen Polklemmen und das sogar in fünf Farben bot. Umgehend wurde das Teil bestellt, obwohl die Skepsis durchaus groß war.

Wer nicht wagt, kann nicht überzeugt werden, und bisher hatten wir mit dem chinesischen Elektronik-Vertrieb wirklich gute Erfahrungen gesammelt. Zwei Tage später war das kaum Handteller große Spielzeug da und die Augen setzten das inzwischen wieder erlangte Vertrauen nahe an Null herunter. Fast mutlos verbanden wir die Streichholzschachtel testweise mit den Mona-Satelliten.

Ok, es fehlte den geschlossenen Quadern etwas Grundton, dickere Männer machten sich künstlich schlank, diese Vorstellung hatten wir trotzdem nicht erwartet. Bei Internet-Radio von Qualität zu reden, gehört sich nicht. Doch die Verständlichkeit der Sprache, sogar die Dynamik ließen nicht viel Platz zum Meckern. So hatten wir schon die Basis für den Bauvorschlag, den wir nur noch untenrum etwas aufpeppen mussten.

Mittlerweile fast schon eine feste Größe in unseren Bauweisen ist das ACL-Prinzip, das seit der SB 12 ACL vielfach Zuhörern die Kontrolle über ihren Unterkiefer raubte. Eine Konstruktionsanleitung gaben wir in der Vorstellung der Chorus 51 ACL,  die jedoch keine in Stein gemeißelte Regeln festlegte. Das kam uns in diesem Fall zu Gute, denn die Parameter des SPX-30 M sind bestenfalls bedingt Reflex geeignet. Im Zweikammer-Reflex-Abteil von LSPCad machte er dennoch eine gute Figur, als wir ihn mit 1,5 Liter im Nacken und gut 3 Liter hinter dem ersten Reflexauslass simulierten.

Nun sind grob fünf Liter nicht ganz klein, aber lieber opferten wir etwas freie Raumluft als “Tiefgang”. Für den unterteilten wir die angehängte Kammer in drei Teile mit je einem Liter Inhalt, die wir per Kopfrechnen in praktischer Weise hinter und unter die erste Kammer platzierten. Die Durchlässe halten sich an die 80%-Regel, die wir für unser ACL (um es mal wieder auszuschreiben: Acoustic Chamber Line) festgelegt haben. Mit 12 mm sollten die Wände dick genug für den kleinen SPX-30 M sein, die Sketchup-Zeichnung der MiniACL war nun einfach.

 

Als Baumaterial wählten wir Grobspan, eine Verlegeplatte mit 67,5 x 205 mm für 3,49 Euro sägte uns der Bauhäusler für den einfacheren Transport in der Mitte durch, den genauen Zuschnitt machte unsere Tischkreissäge.  Ob es nötig ist, das Verkleben zu zeigen, könnte man berechtigt fragen. Lassen wir die Fotos weg, wird nach ihnen von Neueinsteigern verlangt, die wir fraglos mit der preisgünstigen Fullrange-Box in die Selbstbau-Falle locken wollen. Weil sie zudem die Seite so schön mit Buntem füllen, …

Geschliffen und mit farbloser Wachslasur eingerollt haben wir die Kästchen auch, sogar eine seitliche Rundung wurde vorn angezogen, bevor es an die Begradigung des Frequenzgangs ging. Die drei Schritte von BB in Box (braun) bis fertig haben wir als vergleichende Diagramme festgehalten.

Am spektakulästen wirkt sich das Einfügen einer Spule in den Signalweg (grün) aus, die den Anstieg ab 500 Hz auf die 80dB-Linie herunter zieht. Ein übergelegter Widerstand puscht den Pegel oberhalb 6 kHz (rot) an, ein kleiner Kondensator unterstützt ihn ab 10 kHz (blau). Den Grundton-Gewinn durch das ACL (blau) zeigt der Vergleich mit dem Mona-Satelliten (rot) im unteren Diagramm.


Bei den Messungen testeten wir diverse Reflexrohr-Längen, am besten gefiel uns die Variante mit 7,1 cm Länge. Mit kürzerem HP 35 wird der Bereich um 70 Hz leicht angehoben, mit längerem Rohr sollte experimentieren, wer die MiniACL auf den Schreibtisch stellt.

Auch der Einbau war uns zwei Fotos wert. Der Sperrkreis klebt auf dem Terminal, das Pluskabel wurde an das freie Ende gelötet. Die erste Kammer wird mit einer Lage Dämmwatte (10 x 20 xm) gefüllt, die Schraublöcher mit einem 3 mm-Bohrer vorgebohrt.

Im Hörraum durfte sich der Nobsound-Amp mit dem PC verbinden, der ihm zunächst einmal aus dem Internet ein wenig Untermalung von SWR 1 zuführte. Beim Schreiben von Berichten darf das keinesfalls unnatürlich klingen, denn dann sucht das Hirn ständig nach Ursachen statt nach Worten.  Dünne Männer durch zu wenig Grundton wie im ersten Schnelltest mit den Mona-Sats oder Drums wie aus dem Telefon kann der Schreiber so gar nicht brauchen, Nerviges stört den Schreibfluss, abgehackte Satze sind die Folge. Es ist zu hoffen, dass meine Worte nicht so gelesen werden, denn das Radio lief die ganze Zeit. Der Nachrichtensprecher ist gut verständlich, auch wenn das für den Inhalt nicht immer stimmt, irgendwo auf der Welt spielt man Fußball.

Etwas länger als 30 Sekunden dauerte die Verbindung via Bluetooth, was die Ungeduld junger Menschen auf eine harte Probe stellt. Doch nach dieser gefühlt ewigen Wartezeit war auch das Smartphone als Zuspieler einsetzbar. Sensationell (ein in diesem Magazin bisher ungenutzter Superlativ) war der Klanggewinn im Vergleich zum Geräte eigenen Quaker, als diverse Hip-Hopper und Chartsstürmer die Lautsprecher für ihre Inszenierung nutzten. Der ausreichende Tiefton konnte durch entsprechende Manipulation des Mini-Computers sogar auf nahezu spürbares Niveau angehoben werden, der Pegel litt selbst bei freier Aufstellung für die beschallten 42 m² keine Not, blieb dabei aber leicht unter Party tauglich.

Der Sweetspot ist nicht eng,  der Klang löst sich von den Boxen, die Bühne öffnet sich in Breitbänder typischer Breite und Tiefe, um auch einmal die üblichen, klangbeschreibenden Floskeln einzusetzen. Positiv überrascht, dass der Bass auch bei gehobener Lautstärke sauber durchzeichnet, wo andere längst schon überanstrengt herumploppen. Hier zeigt das ACL seine Vorzüge, die wir – ich geb es zu – nur zufällig entdeckt haben. Doch wie es oben schon zu lesen war: Wer nicht wagt, …

Udo Wohlgemuth

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Octopus

Moin,
meine spontanen Gedanken von gerde eben … nur mal so als kleine Anregung für LS DIY Virus infizierte:
Zwei MiniACL … liegend nebeneinander …gerade mal 64,4 x 13,2 x 18,6 cm (L,H,T) könnte ne prima kompakte Soundbar für den TV im Wohnwagen werden … juhuuu schon wieder einen neuen „Raum“ für ein ADW Konstrukt gefunden (nachdem das Vorzelt schon mit den High Jack’s bestückt ist 😉 ).

Viele Grüße
Martin

Fabian_1988

Ich suche auch noch was kleines für unsere nächsten gartenparty ich kann mich zwischen der ct193 und der mini acl nicht entscheiden. Welche bietet mehr pegel und tiefgang?

Audicz

Hallo Udo,
genau zum richtigen Zeitpunkt, das Kribbeln wurde gerade wieder unerträglich. 😉
Nachdem die Chassis mich in der Mona schon überzeugt hatten, habe ich nun die minis geordert. Das Ganze soll dann in der Küche dudeln, wo ich keinen Platz für den Subwoofer der Mona hätte und auch keine Bluesklasse benötige.
Passt!
Gruß Dino

Sparky

Guten Abend,

bei der Auslöse des Move12 habe ich heute einen Nachmittag in Bochum auf der Couch verbracht, wobei die kleinen Kästchen zuerst leise als Radio im Hintergrund spielten.
Als Rincewind dann noch den Laden betrat, nutzte er die Chance, das künftige Küchenradio auch mal auf zu drehen. Was soll man sagen, für den Preis, kaufen. Natürlich haben die kleinen Knöpfe aus den Mona Satelliten auch ihre Grenzen, aber was da raus kommt ist rund und in der Liga richtig hörenswert. Besonders ist es langzeittauglich, die Kleinen können einen ganzen Nachmittag mitspielen, ohne irgendwo zu nerven.

Gruß,
-Sparky

jean

Ein.Neues.Projekt. … 😀

Bei dem Kampfpreis, musste ich einfach zuschlagen.

derFiend

Hallo Udo,
kurz zu meinem Verständnis: laut Monacor hat der SPX30m eine Membranfläche von 32 cm/q. Wenn ich die Durchlassfläche laut Bauplan hier ausrechne komme ich auf knapp 30 cm/q…
Bist Du von einer anderen Membranfläche ausgegangen, oder hab ich hier irgendwo einen Denkfehler? Ich versuch das ganze gerade umzurechnen, und das macht es mir gerade etwas schwer…

Matthias (DA)

Ja schick, das ist doch vielversprechend!
Für die diesjährige Kanutour / Führungskräfteseminar in Ungarn nen Tick zu spät, aber kann mir durchaus vorstellen, nächstes Jahr unsere Teilnehmer damit zu beschallen, scheint mir der bislang kleinste ernstzunehmende Entwurf mit machbar zu sein,
Daumen hoch!

Matthias

Norbert Rausch

So. Bausatz ist geordert. Habe vor den kleinen ein rotes Ledermäntelchen anzuziehen und einen Bericht zu schreiben wenn ich mein Handy nicht wieder überfahre wie bei der RS100. Bin gespannt.

derFiend

Ich konnt auch einfach nicht wiederstehen! Zu verführerisch dieses Angebot 😉

MartinK

Hallo zusammen. Ein geniales Projekt. Genau das richtige um das Angebot nach “unten” abzurunden. Was mich von den ersten Nachbauen oder von Udo interessieren würde: liegt die tolle Bassausbeute auch am Amp bzw am Bluetooth? Ich habe diesbezüglich enorme Unterschiede festgestellt. Insbesondere bei BT-Adaptern.
Liebe Grüße Martin

rodscher

Hai
Ernährungstechnisch könnte man ACL als das Eiweiß des basssuchenden Kleinraumbesitzers bezeichnen.
Habe selber 2 davon, 51 ACL und SB15ACL
Bin bestens bedient und erstaunt, was da an tiefen Tönen kommt
Bei der Gelegenheit ein lautstarkes DANKE UDO, für die Hilfe zur SB15 ACL und das stets offene Emailbüro.

Rodscher

derFiend

Da gibts sicher auch bald einen Baubericht? 😉

Norbert Rausch

Hallo. Wirklich erstaunlich. Gestern habe ich noch überlegt welche Box für nicht zuviel Geld demnächst den Arbeitsschreibtisch verklangschönern kann und jetzt ist der passende Bausatz da. Echt cool zumal ich den Amp schon habe. Daumen hoch.

Rundmacher

Hallo,

tatsächlich wurde vor ein paar Wochen mir gegenüber von jemand philosophiert das doch jetzt so ziemlich alle erdenklichen Wünsche bezüglich verschiedenster audophiler Ansprüche abgedeckt sind, hier in diesem Forum -samt Shop- beim Thema Schallwandler.
Es gibt doch eine Kleinstklasse, eine Mittelklasse und eine Oberklasse um einmal die Terminologie der Automobilindustrie zu verwenden.
Was soll denn da jetzt noch kommen.
Hier haben wir etwas.
Das Segment der smarten Lautsprecher ist besetzt, zu einem bemerkenswerten Preis ein Produkt das es in sich hat. Die ACL-Variante ist der Wolf im Schafspelz, da wird ein Frequenzbereich quasi aus dem Ärmel geschüttelt was dann wie schon genannt eine ungläubige Mimik im Gesichtsfeld hervor ruft.
Und wenn mit ‘Selbstbau-Falle’ keine Einkerkerung gemeint ist 😉 sondern eine gesunde, positiv angelegte ‘Das_baue _ich_auch_’ Einstellung hervor gerufen wird dann ist alles gut.
Irgend wann merkt man dann das entgegen der o.g. Automobilindustrie der Preissprung zur Oberklasse (hier die Bluesklasse) doch recht moderat ist, umso frappierender ist das was man dann geboten bekommt.
Die ‘Selbstbau-Falle’ führt einen dann zielgerichtet dahin, und das ist gut so.

Toll, Produkt, Preis, Leistung.

Nein, das ist falsch, so stimmt es: Produkt, Leistung, Preis.

Es grüßt freundlich
Rundmacher

Markus

Hallo an alle,
ist mit wasserfester Oberflächenbehandlung bestimmt prima im Schrebergarten zu gebrauchen.

LG Markus

schuelzken

Hallo in die Runde,

am Dienstag wurde noch in der WhatsApp Gruppe darüber philosophiert wie und wo die ACL Version eingesetzt werden können und jetzt sehe ich diese Mini Variante.
Mit Sicherheit wird’s dafür viele Liebhaber geben. Über den Preis braucht man auch nicht weiter nachdenken. Kaum vorstellbar für weniger als nen Hunni.

Gruß Schülzken

derFiend

In letzter Zeit hast Du ein sensationelles Timing Udo! Gerade vorgestern hab ich mir über ein schreibtischtaugliches ACL Format Gedanken gemacht! 😉
Wird ganz sicher ausprobiert, wenn die anderen zwei oder drei Projekte abgeschlossen sind…