Basteln für Weihnachten – der Staubabscheider

Es sagt der so gern von mir zitierte Volksmund:  “Wo man singt, da lass dich ruhig nieder”. Dummerweise ist für den Boxenbastler vorher jedoch auch Handwerk nötig und das hat nicht nur goldenen Boden. Meist ist der danach nur noch recht staubig. Gern erinnere ich mich an ein großartiges Bild, das Matthias (DA) von seinem Bad geschossen hat, nachdem er darin die Duetta glatt geschliffen hatte.

Dass der feine Staub nicht an der Badezimmertür halt gemacht hat, gestand er später ein.  Die Wohnung speicherte das zerriebene MDF noch lange Zeit in allen Zimmern. Den Staubsauger hätte er nehmen sollen, der hätte wenigstens den größten Teil des Puders inhalliert, solang sein für solche Zwecke sicher unterdimensionierter Staubbeutel es ertragen hätte.  Fünf bis sieben Mal vier Stockwerke zur Mülltonne runter und wieder rauf zu laufen, ersetzt den Trimmpfad, hält aber auch erst einmal auf. Das Niederlassen zum Gesang gerät auf diese Weise in weite Ferne. Geheiratet hat er erst später, da war das Bad schon wieder in halbwegs frauentauglichem Zustand.

Sicherlich ist Matthias kein Einzelfall. Wer eine Werkstatt hat, hat damit auch ein nicht unerhebliches Staubproblem, das allein durch das Ausleihen des weiblichen Heulbesens nicht wirklich gemildert wird.  “Warum sind denn keine Staubbeutel mehr in der Kammer?” ist die zwangsläufige Frage, gefolgt von: “Wer hat denn das Fusslmopped so verstaubt?” Als wir unsere neue Werkstatt einrichteten, haben darüber nachgedacht und fanden eine recht einfache Lösung: Das Pulver muss weg, bevor es den Sauger erreicht., ein Zyklonabscheider muss her. “Kann man kaufen” ist für den Bastler kein Weg, “baut man selbst” ist die einzig passende Antwort.

Einfach ist das Prinzip, ebenso in wikipedia erklärt: “Ein Tangential-Zyklonabscheider besteht im Wesentlichen aus vier Teilen: Dem Einlaufzylinder (oben), dem Kegel (Mitte), dem Partikelauffangbehälter (Bunker, unten) und dem Tauchrohr (mittig von oben herab im Einlaufzylinder angebracht). “

(Bildquelle: wikipedia)

Da wir keinen Kegel basteln konnten, entschieden wir uns für einen Axialabscheider, bei dem die abgeschiedenen Partikel durch einen Ringspalt zwischen der Abscheiderwand und dem Tauchrohr in einen Sammelbehälter fallen.

Vor dem Bau ging es zuerst in die Sanitärabteilung des Baumarktes, wo wir ein 50 cm langes Abfluss-Rohr mit 150 mm Innendurchmesser, sowie ein paar Adapter-Elemente in den Einkaufswagen legten. Das Rohr halbierten wir zu Hause, so konnten wir gleich zwei Abscheider basteln. Aus zwei Multiplexplatten frästen wir uns den Deckel (170 mm Durchmesser) mit Ein- (außen) und Auslass (mittig), sowie der Ringspalt-Bilder (110 mm Durchmesser), der zugleich auch der Stopfen (40.5 mm Durchmesser) für das Tauchrohr ist. Einen stabilen Eimer fanden wir im Keller, aus Grobspan frästen wir dessen Deckel, in den das orangefarbene Rohr eingelassen wird. Wo nicht zufällig eine CNC-Fräse herumsteht, können diese Arbeiten auch problemlos mittels Handfräse ausgeführt werden. Sind ja nur sechs runde Löcher und vier Vertiefungen. Beim Eimerdeckel muss eine davon oben (160 mm Durchmesser, 10 mm tief) und die andere unten nach den Eimermaßen gefräst werden.

Mit einem 8 mm Bohrer lochten wir das Tauchrohr 12 mal, hierdurch wird später vom Katzenschreck die Luft angesaugt. Schön muss das nicht sein, Finanzbeamte und Lehrer würden die Positionen anzeichnen, statt freihändig zu arbeiten.

An- und Absaugstutzen wurden in den Deckel eingesetzt und luftdicht mit Heißkleber verpappt. Der geknickte Adapter soll dabei sehr nah an der Innenwand des Rohres sitzen, aber nicht außen heraus schauen. Auf das Tauchrohr wird der Stopfen gesteckt.

Nun noch ein vorerst letzter Blick auf das Innenleben und den Abschluss für den Eimer unter geklebt. Das war es dann auch schon.

Mit grob 10 Euro waren wir dabei und weil es ein Geschenk für eines jeden Liebste ist:

Wir haben den Abscheider im harten Werkstatteinsatz getestet, wo er an die Absaugvorrichtungen der Kreissäge und der Handfräsen angedockt wurde. Er hat dem Raum grob 96 % des anfallenden Staubes entzogen, 2 % wurden von der kreiselnden Maschine weggeschleudert, bevor sie in den Saugbereich kamen. Die restliche 2 % waren so fein, dass sie unsere Fliehkraft-Konstruktion mühelos verlassen konnten. Sie haben aber nicht mit dem Filtersystem des elektrischen Hexenbesens gerechnet, das hat sie einfach absorbiert. Auf diese Weise hält der Auffangbeutel etwa 50 Mal länger, bevor wieder der Weg über die Treppe angetreten werden muss.

Udo Wohlgemuth

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Chrisdrei

Hallo Udo,
es gibt auch gute Werkstattsauger mit etwas mehr Leistung und größeren Auffangbeuteln.
Mir wäre wichtig, das Ganze noch mit einer “Erdungssonde” (an der Steckdose/Netzstecker abgreifen, am Schlauch in den Eimer führen), damit nicht ein Funke den ganzen Spaß mit einem Schlag vernichtet.
Eine Staubexplosion ist kein Kinderkram.
Ich betreibe mittlerweile keine Maschine mehr ohne Absaugung. Die saubere Luft im Werkraum ist doch wesentlich angenehmer und der Kaffee schmeckt auch nach dem Schleifen ;o)
Viel Freude noch mit dem Zyklopen wünscht Chris!

Markus_oesi
Sebastian

Gerade dann solltest du dir über einen Sauger Gedanken machen 😉

Gruß Sebastian

Markus_oesi

Natürlich… Hab ich ja auch! Problem: Auffangbehäler ist viel zu schnell voll und der gute alte Besen ist bei weitem schneller als der Sauger 😉

Matthias (DA)

😂😂😂👍

Matthias (DA)

Au man Udo,
Das Internet vergisst echt nix, 8 Jahre ist das her, aber jedes Staubkorn hat sich gelohnt 😉
Wenn ich dann mal ne Granduetta in der Badewanne baue nehm ich die Innovation gern auf.
Liebe Gruß