Steinheimers Linie 54

Rundum zufrieden mit meinen „tollen“ Dali Opticon im Komplettset mit Subwoofer und Marantz AVR „Hasdenetgesehen“ lud mich ein Kumpel Anfang des letzten Jahres ein, mit ihm nach Bochum zu fahren: „Wat willst Du in Bochum?“ fragte ich ihn. „Will mir ein paar Lautsprecher anhören und selber bauen!“ war seine Antwort (Lautsprecher selber bauen? Hat der einen am Helm?) „Naja, wenn Du meinst, ok, ich hab nix vor“ entgegnete ich.

Aus Langeweile fuhr ich dann an einem kalten Mittwochnachmittag im Januar mit nach Bochum und war doch etwas verblüfft, angesichts der vielen zusammengeschusterten Holzkisten, die mich da anstarrten. Meine Erwartungen waren schon vorher nicht besonders groß, aber jetzt hatte ich gar keine mehr …  ein Lautsprecher, der so aussieht! Was soll das denn sein? Nur gut, dass ich meine „tollen“ Dali´s hab, dachte ich mir. Naja, dann hören wir uns mal ein paar der Kisten an!

Udo hatte leider nicht viel Zeit, da er einem aus dem Ausland angereisten Kunden noch beim Einstellen seiner Lautsprecher behilflich sein musste. Also haben wir selbst Hand angelegt und eine Box nach der anderen Probe gehört. Was ich da hören durfte, war nicht schlecht, hat mich aber überhaupt nicht vom Hocker gehauen und dann noch diese Holzkisten! Da dachte ich mir: gut das ich meine „tollen“, naja ihr wisst schon!

Irgendwann war Udo dann mit seiner Arbeit fertig und wollte seinen Kunden verabschieden. Da kommt dieser Typ doch tatsächlich auf die Idee, sich noch die „Linie 54“ anhören zu wollen!

„Willst du Dir das wirklich antun?“ fragte Udo
„Äh, ja klar“ meinte er
„Willst Du Dir das WIRKLICH antun?“ fragte Udo noch einmal
„Ja sicher – reiß an!“

Na toll! Noch zwei Holzkisten, die den Raum beschallen. Ich wollte doch eigentlich nach Hause, aber mein Kumpel machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Die ersten Töne kommen aus den Holzkisten… oooh…oha…okay. “Geht das auch lauter?“ …  ja das ging tatsächlich! Ach du sch…..  was ist das? Bekomm ich da etwa eine Hühnerkombi? So kalt ist es hier drin doch gar nicht! Mein lieber Scholli!!! Wahnsinn!!! Tja, da war es um mich geschehen!

Auf dem Heimweg wurde natürlich viel über die Linie 54, den wehmütigen Gesichtsausdruck des anderen Kunden und den Bau eigener Gehäuse philosophiert. Dass meine (t)ollen Dali´s das Feld räumen müssen, stand zu diesem Augenblick schon fest!

In den nächsten Tagen und Wochen habe ich mich dann recht intensiv mit dem Thema HIFI, Lautsprecherbau und allem, was noch so dazu gehört, beschäftigt und dieses Forum und eure Berichte haben mir dabei wirklich sehr weitergeholfen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die hier ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen!!!

Meine vorhandene Lautsprecherkombi aus Dänemark hat genau eine Woche nach meinem Besuch in Bochum den Besitzer gewechselt und ich fing an, mir zu überlegen, in welches Kleid ich die Linie 54 stecken sollte. Und plötzlich war da dieser Gedanke: Gibt es vielleicht noch etwas mit noch mehr Schub! Na klar, die Granduetta! Habe mir dann auch dazu einiges angesehen und kurzerhand per Mail bei Udo nachgefragt, was er mir für einen 50m² Raum empfehlen würde. Seine Antwort „Mehr Membranfläche bewegt auch mehr Luft“ !

OK, also bau ich dann doch die Granduetta. Aber halt! Erst mal sehen, wie groß die Teile werden. Ein Blick auf das Gehäusevolumen verhieß schon nichts Gutes. Mit dem Zollstock rumgelaufen und mal grob eine Vorstellung von den Ausmaßen gemacht.

Also ich will es mal so ausdrücken, ich bin ein Freund von großen Standlautsprechern, aber solche Kühltürme möchte ich mir dann doch nicht ins Wohnzimmer stellen … obwohl … nein lieber nicht. Oder vielleicht doch? Nochmal einen Tag drüber nachgedacht und dann den Bausatz für die Linie 54 bestellt – die Vernunft hat gesiegt!

Aber wie soll denn jetzt das Gehäuse aussehen? Da ich an diesem Punkt einfach nicht weiter kam, habe ich mich dazu entschieden, mal schnell die einteilige Version zu bauen. Damit kann ich wieder Musik genießen und mir dann in Ruhe Gedanken zu einem endgültigen Gehäuse zu machen.

Also erst mal ab in den Baumarkt und Zuschnitte aus 22mm MDF besorgt. Zu Hause die Zuschnitte zusammengelegt, um zu kontrollieren, ob alles passt. Ich muss sagen, der Meister im Baumarkt hat hier schon recht genau gearbeitet. Die Zeichnung in HaZu´s Bericht, sowie die Zuschnittliste waren dabei sehr hilfreich.

Bevor ich dann begonnen habe, die Gehäuse zu verleimen, wurden zunächst die Ausschnitte in der Schallwand angezeichnet und dann ausgefräst. Für die Ausfräsung des ER4 habe ich mir eine einfache Schablone angefertigt und ruckzuck die Tasche ausgefräst.

Die Ausschnitte für die Mitteltöner gestalteten sich da deutlich schwieriger, da ich mit Oberfräse und (meinem) Zirkel keine solch kleinen Kreise fräsen kann. Da es sich ja nur um Übergangsgehäuse handeln sollte, wollte ich auch kein Fass aufmachen. Also Originalplatte der Oberfräse abgeschraubt, eine noch rumliegende Sperrholzplatte grob zugeschnitten und drunter geschraubt. Den Radius grob gemessen, im entsprechenden Abstand ein Loch gebohrt und eine M4er Schraube durch, die dann als Drehpunkt diente.

Fräsen konnte ich damit, war aber eine recht wackelige Angelegenheit. Am Ende war die Ausfräsung dann rundum ca. 1mm zu groß, was mich aber nicht weiter gestört hat, da das bei den Basschassis ebenfalls so war (Vorher messen! Durchmesser muss 22,2mm und nicht 22,4mm sein!) und es sich ja wie gesagt nur um Übergangsgehäuse handelt. Die fertigen Schallwände sehen dann so aus:

So, jetzt noch den ganzen Sarotti verleimen, Frequenzweichen zusammenkloppen und dann endlich wieder Musik hören – Denkste!

Als es ans Verleimen ging, fiel schnell auf, wie viele Schraubzwingen dafür notwendig sind und vor allem, dass ich dafür ja auch ein paar ganz schön lange Zwingen benötige. Tja, hab ich aber keine! Alles auf einmal zu verleimen, schied daher aus, also alles in Zwischenschritten. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass bei mir zwei Stunden Presszeit vollkommen ausreichend waren. Entscheidend war der eigentliche Anpressdruck in den ersten 30 Minuten und die Raumtemperatur lag bei weit über 20 Grad.

Nachdem die Gehäuse fertig verleimt waren, habe ich die Kanten und Überstände zuerst mit einem einfachen Handhobel bearbeitet. Das geht wesentlich schneller, als alles bündig zu schleifen. Anschließend noch ein paar Rundungen dran und fertig.

Es handelt sich zwar nur um Übergangsgehäuse, aber die rohe MDF-Oberfläche wollte ich mir dann doch nicht ins Wohnzimmer stellen. Also habe ich beide Gehäuse mit zur Arbeit genommen und zweimal weiß grundieren lassen.

Danach ging es dann an den Zusammenbau der Frequenzweichen. Ich habe mich dazu entschieden, MT/HT und Bass voneinander zu trennen, um die Weichen im Gehäuse leichter unterbringen zu können. Nach mehreren Versuchen, wie die einzelnen Bauteile am sinnvollsten und einfachsten miteinander verlötet werden können, habe ich kleine Holzbrettchen zugeschnitten, die Bauteile aufgelegt und Löcher angezeichnet, um die Drähte nach unten zu führen. Dann noch alles miteinander verlötet und schon war auch dieser Teil erledigt.

Jetzt wo die Linie 54 an ihrem Platz steht, bin ich froh, dass ich doch keine Granduetta gebaut habe. Die Abmessungen der einteiligen Linie 54 finde ich ziemlich passend! Obwohl die Lautsprecher nur grundiert sind, gefallen sie mir so gut, dass ich schon mehrfach überlegt habe, sie fertig lackieren zu lassen, mein eigentlicher „Gehäusewunsch“ lässt mich aber irgendwie nicht in Ruhe und ich habe auch Lust darauf, etwas zu bauen. Hier mal ein Entwurf, wie ich mir das so vorgestellt habe:

Achso, zum Thema, wie die Linie 54 denn so klingt, möchte ich nur kurz etwas sagen: Ich vermisse weder Dolby Surround, noch einen Subwoofer! Im Gegenteil, jetzt hört sich alles harmonisch an und die vier 20er Bässe haben so viel Druck, dass ich manchmal Angst um mein kleines Häuschen habe?!

Ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an Udo für diesen großartigen Lautsprecher!

Viele Grüße
Tobias

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Michaturbo

Moin.

Die einteilige 54 sieht immer noch am besten aus. Kann mich mit der Top-Version nicht anfreunden. Schlicht und Hell, gefällt mir gut ;o)

Jan

Moin! Ich bin der Kunde, der damals die ganze Zeit zum Beseitigen eines kleines Weichenproblems verbraten hat, und am Ende noch die Linie 54 hoeren wollte. Sorry dafuer, aber eine Verschiffung stand an, da musste die Geschichte geklaert werden.
Freut mich, dass die Anregung damals solche Folgen hatte. Die Linie 54 ist auch bei mir auf der Wunschliste, aber zuvor muss die Wohnsituation mal geklaert werden – aehnlich wie bei Dir ist die GD auch eine Alternative, aber nur bei entsprechendem Platz. Schaun wir mal viel Spass auf jeden Fall mit der Linie!

Viele Gruesse,

Jan

Frank

Weiß schon jemand, wie es mit der Aktivierung der L54 vorran geht?
Leider habe ich bis jetzt nur die Ankündigung von Udo gelesen.
Meine L54 sollte in ca. 2-3 Wochen auch vor mir stehen (Vorfreude:-) )

schuelzken

Moin Tobias,

endlich mal wieder einer der nen gescheiten Männerlautsprecher gebaut hat.
Einfach nur Klasse!

Im Oktober ’16 hatte ich auch mal aus Spaß an der Sache nen Layout für die L54 skizziert. Die Maße sind da bis auf wenige cm und mm sehr nahe an deiner Konstruktion.

Den Vorgänger ADW Abhöre hatte ich im direkten Vergleich zur GD bei mir stehen. Beides sind einfach sehr gute Lautsprecher.

Gruß Schülzken

HaZu

Also, mir gefallen die in weiß ja super 😁

Frank

Sehe ich auch so, echt schön anzuschauen!

Steinheimer

Herzlichen Dank für eure Kommentare!
Danke Jan, dass du damals darauf bestanden hast die Linie 54 noch zu hören.
Wie ihr an meinem Gehäuseentwurf sehen könnt, hat mich Dali doch noch nicht ganz losgelassen 😉 aber auch der richtige Männerlautsprecher die GD hat sich immer wieder in meinem Kopf gemeldet…aber jetzt nach einem Verstärkertausch ist es wieder ruhiger geworden 😀

Vadder

Moin,

keine Angst, die GD kommt irgendwann wieder ins Hirn 🙂
In dem Fall hätte ich dann einen mit Udo abgestimmten Bauplan in der läppischen Größe von 40/125/45 cm B/H/T für dich.

Gruß vom Vadder

Matthias (DA)

Nein ich brauche keine gd auf 20m2, nein ich brauche keine gd, nein ich brauche keine gd…

derFiend

Als wäre es bei irgendeinem von uns schon mal ums “brauchen” gegangen 😀

Peterfranzjosef

Peterfranzjosef

Haha, genau, klasse Bemerkung. Es geht nicht wirklich ums “Brauchen”. Ab und zu ja, wenn mal was irreparabel wird (harte Sicken).
Ansonsten ist und bleibt Lautsprecherselbstbau ein wunderschönes Brauchtum!
Hobt´s mi??

Jan

Wenn Du die GD wirklich in Angriff nimmst, lass es mich gern wissen. Ich habe schon ein bisschen ueberlegt und gezeichnet. Habe ein paar Ideen zu Doppel-D’Appolito und ggf. “Zerlegbarkeit” (in so was wie Ober- und Unterteil), damit man das Teil auch irgendwie bewegt bekommt ohne Banscheibenvorfall oder 3 Helfer.