Die SB 12 ACL Soundbar

Manchmal bringt einen das Pensionärsdasein auf seltsame Gedanken. Im Extremfall passiert das schon sechs Monate vor dem Ruhestand. So geschehen bei meinem Moppedkumpel Udo (nicht zu verwechseln mit unserem ADW-Udo). Vor knapp einem Jahr legte besagter Udo sich einen Luxusfernseher zu und bemerkte recht schnell, dass die eingebauten Quäken langfristig noch nicht einmal für den Ton der Nachrichten taugen. Wo er doch seit Jahrzehnten mit einer Kompaktanlage aus dem Fernen Osten lebt, war das schon erstaunlich.

Ebenso erstaunlich war seine Entscheidung gegen Ton wiedergebende Überwachungsanlagen, sprich irgendein Plastikgedöne mit Alexa an Bord. Als Resultat erfolgte eine kleine Anfrage an mich, was man da machen könnte.

Antwort: SB 12 ACL oder SB 24 ACL.

Entgegnung: Passt nicht. Das Sideboard ist maßgefertigt und hat zu den Zimmertüren rechts und links nur 8 cm Luft.

Neue Antwort:
Dann versuche ich mal, zwei SB 12 ACL in eine 124 cm breite Soundbar zu zwängen.

Nach ein wenig Rechnen und Zeichnen sowie Abstimmung mit dem anderen Udo hatte ich etwas zu Bildschirm (Papier benutzt ja niemand mehr) gebracht, das vom Mopped-Udo samt Gattin abgenickt wurde. Das war Anfang 2019.

Kleiner Zeitsprung zum Ende Oktober 2019…

Nach der endgültigen Zurruhesetzung sowie Abarbeitung aller Familienurlaube und gemeinsamer Moppedtouren trafen sich also Udo und Udo zwecks Austausches zweier SB 12 ACL Bausätze gegen Euros.

Recht schnell waren die Frequenzweichen gelötet und offenbarten ihre wahre Größe.

Das passt auf gar keinen Fall durch die Chassisöffnungen. Also sollte entgegen dem ursprünglichen Plan pro Kanal eine Revisionsklappe auf der Rückseite eingebaut werden. Das wäre mir vielleicht besser aufgefallen bevor die MDF-Zuschnitte geordert wurden. Aber was soll‘s…

Passend zum langen Wochenende waren dann die Zuschnitte versammelt und warteten auf das Zusammenkleben.

Sägeliste eingesetzte Front und Rückseite, Materialstärke 18 mm

Front/Rückseite: 2 Stück 120,4 cm x 12,4 cm
Deckel/Boden: 2 Stück 124 x 30 cm
Seiten: 2 Stück 30 x 12,4 cm
Teiler: 1 Stück 26,4 x 12,4 cm
Kammerbretter: 4 Stück 20 x 12,4 cm
BHT-Bretter: 2 Stück 18,5 x 12,4 cm

Leider war der Mann an der Säge nicht gerade eine Zierde für seinen Berufsstand. Ein bis zwei Millimeter stellten für ihn wohl kein relevantes Maß dar. Zum Glück fiel alles in den Bereich zu lang. Das ist jetzt bei den Innenbrettern egal. Aber wenn es Auswirkungen auf die Außenmaße hat, sind Anpassungen gefordert. Absägen kann meine Bandsäge, auch wenn diese Minimalmaße etwas friemselig zu handhaben sind.

Weitere Bilder erspare ich euch. So spannend ist es auch nicht, die verschiedenen Stadien des Zusammenbaus zu sehen. Eins gibt es aber noch vom fast fertigen Endprodukt für alle, die wissen wollen, wie die Kammeraufteilung aussieht.

Die Revisionsklappe fiel übrigens einer verschraubten Rückwand zum Opfer. Das macht den Zugang im Notfall deutlich komfortabler.

Mopped-Udo nutzte den Lautsprecherbau gleich für eine Runderneuerung seiner Wohnzimmerbeschallung. Die Fernost-Plastikquietsche musste einem Stereo-Netzwerk-Receiver weichen. Wie bei allem neuen Gerät, das über Nicht-Smart-Home-Eierkocherniveau liegt, verlangte das Ding nach einem umfangreichen Setup. Und das dauert…

Den ersten Klangtest musste die Soundbar dann also bei mir am ollen Rotel RA-840BX3 mit Raspberry abliefern. Die Kombi liegt so etwa auf dem Level von Udos Neuteil. Die SB 12 ACL-Soundbar am Destiny Purer mit Marantz SA-CD-Player anzuschließen wäre dem endgültigen Zuspieler gegenüber unfair gewesen.

Zunächst kam leichte Kost zum Einsatz. Ulla Meineckes Tänzerin stand schön klar im Raum. Das Fingerschnipsen kam sauber und der leicht übertriebene Hall schön hallig.

Damit war die nächste Mädelsstufe angesagt. Ganes mit For Eva wurde zum Besten gegeben. Die Drumattacken aus der legendären TR-808 waren druckvoll und analog-präzise, die drei Damen ordentlich im Raum verteilt.

Wer jetzt zum krönenden Abschluss ein Bild der Soundbar mit schmucker Oberfläche erwartet, wird leider enttäuscht. Frau Udo möchte den Look mit der gleichen Shabby-Chic-Oberfläche wie das Sideboard gestalten. Nur waren Grundierung und Decklack beim örtlichen Farbenhändler nicht vorrätig, sondern nur auf Bestellung lieferbar. So muss unveredeltes MDF von der Probehör-Session fürs Foto reichen.

Schneller Vorlauf auf Mitte November…

Zwischenzeitlich ist die Soundbar oberflächenbehandelt und der neue Receiver eingerichtet.

Einen großen Wortschwall zum Klang gab Udo nicht von sich. Nur ein „Hoffentlich ist es den Nachbarn nicht zu laut“. Mit der alten Plastikbüchse lief Musik mehr als Hintergrundgeräusch. Jetzt setzt er sich hin und hört zu.

Was will man mehr?

Viele Grüße vom Vadder

Zur SB 12 ACL im Online-Shop

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Nabend

sehr schön, endlich mal ne Soundbar Variante die den Namen verdient.
Da ACL vergleichsweise viel Volumen benötigt bin da eher bei Michael und bevorzuge seine 2.1 Variante.
Vielleicht sollte ich auch mal da dran gehen und eine 5″ Eton Soundbar basteln.

Gruß Schülzken

Hallo Vadder,

eine richtig gute Soundbar, 16 cm hoch, das passt perfekt unter die heutigen großen Fernseher. Ja, selbst wenn es eine Mini-ACL Soundbar wäre -welche noch ein paar wenige cm flacher ist- ist der Klanggewinn gegenüber den im Fernseher eingebauten Quäkern gigantisch.

Und jetzt eine Soundbar mit SB Chassis. Mit richtigen Hochtönern, guten Hochtönern. Eine Blues-Klasse Soundbar, wow.

Ich vermute wenn ein Neueinsteiger das nachbaut und aus versehen mal ein paar audiophile Titel zu der Soundbar gelangen verlangt ihm nach mehr…

In der Frequenzweiche hast du die Induktivitäten verdreht befestigt, vor kurzem gab es im Forum Fragen zum Aufbau der Frequenzweichen.
Ich glaube vor recht langer Zeit (in der gelben Periode?) wurde mal ein Grundlagenartikel veröffentlicht über die optimale bauliche Anordnung der Induktivitäten. Der Quell-Link zu diesem Thema ist immer noch online, da isser: http://www.troelsgravesen.dk/coils.htm

Ich platziere sie immer in den Ecken meines Montagebrettchens, und dann auch so verdreht.

Gruß Rundmacher

Moin Vadder,

jawohl da fängt Soundbar an. Das muss selbst der Teufel sich eingestehen. Und ganz neben bei kann man damit auch gut Musik verzehren. Und ich weiß was ich schreibe denn eine SB12 Soundbar tut unseren Ohren in unserem Esszimmer immer richtig gut. Da sagte vor einem Jahr selbst die Chefin des Anwesens “Respekt”.

PS: Man kann die SB12 als 6Liter Version mit ovalem Sub gut als 2.1 in den gleichen Abmessungen bauen. Da vibrieren nicht nur die Teller wenn man es übertreibt. 😉

https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/sb-soundbar-by-michael/

Gruß Michael

Hats den Baubericht dazu dann eigentlich noch gegeben? Ich wüsste aktuell zb nicht wie ich den Subwoofer da rein bekomme.

Hallo, nein einen Baubericht hat es noch nicht gegeben. Wenn aber Interesse daran besteht, mache ich gern mal eine Zeichnung mit einem Bauvorschlag.

Gruß Michael

Moin Vadder, schönes Projekt!

Ich versuche aktuell den ein oder anderen Freund oder die Schwester für DIY zu begeistern. Da mag das hier auch nochmal eine gute Unterstützung sein.

Das BHT Brett, ist das Brett, das in der Zeichnung nach links bei der 27cm Markierung läuft richtig?

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