Einmal die U_Do 71 bitte!

Nachdem Udo auch mich gebeten hat, mich mit einem Baubericht einzubringen, werde ich natürlich gerne dergleichen tun. Immerhin bin auch ich einer von denen, denen das Lesen der vorhandenen Bauberichte den letzten Anstoß dazu gegeben hat, ein Bauprojekt anzugehen. Ursprünglich hatte ich nämlich gar nicht den Bedarf nach neuen Lautsprechern.

Bei uns zu Hause lief Musik eigentlich immer nur als Hintergrund-Beschallung entweder über unsere Smart Speaker, die mehrfach in der Wohnung verteilt sind oder über das Z906 von Logitech, das im Wohnzimmer hauptsächlich die immer seltener gewordenen Filmabende akustisch untermalte.

Richtig Spaß an Musik hatte ich bis vor Kurzem eigentlich immer nur im Auto. Und das hauptsächlich, weil man da ordentlich aufdrehen kann und den „Bumms“ spürt. Im neuen Auto wollte ich jetzt aber mal richtig guten Klang. Dieser Umstand hat mich nun auf Umwegen zu Udo geführt.

Im Zuge des Anlagenumbaus in unserem Tiguan bin ich auf YouTube auf die Kanäle von Michael Truppe (Let’s Bastel) und Kirby Meets Audio aufmerksam geworden. Michael baut extrem unterhaltsam, Kirby baut einfach schön. Nach dem Konsum etlicher Videos der Beiden habe ich mich interessehalber auf die Suche nach Bausätzen gemacht. Und da kommt man an Udo wirklich einfach nicht vorbei.

Da ich erstmal kein Vermögen ausgeben wollte, hatte ich mich in der Einsteigerklasse umgesehen. Zuerst dachte ich an ein paar Standlautsprecher. Allerdings wollte ich nicht gleich bei meinem ersten Lausprecherprojekt den WAF komplett ausreizen und, nachdem ich einige Bau- und Klangberichte gelesen hatte, war ich mir auch gar nicht mehr sicher, ob es solche Riesendinger für unser kleines Wohnzimmer sein müssen. Zu klein sollten sie aber auch nicht werden, da ich gerne ohne Subwoofer auskommen wollte. Ein Bassreflexgehäuse mit Port nach vorne sollte es auch werden, da die Lautsprecher sehr nah an der Wand stehen müssen.

Ich bin also bei den U_Do 71 hängen geblieben und um die dreht sich nun auch der Bericht.

Da ich die „Zuschnitt-Qualitäten“ unseres örtlichen Baumarktes schon von früheren Projekten kenne, hatte ich mich dazu entschlossen, die Zuschnitte online zu bestellen. Das hätte auch von Anfang an prima funktioniert, würde die gewählte Firma nicht per DPD verschicken, deren Zustellung in unserer Gegend eine absolute Katastrophe ist.

6 von 10 Brettern waren an einer Seite eingedrückt und so konnte/ wollte ich sie nicht verwenden. Eine kurze Mail an expresszuschnitt.de und ich bekam ein paar Tage später anstandslos die defekten Bretter – diesmal auch besser verpackt – nachgeliefert. Ein kurzes Zusammenstellen zur Kontrolle hat mir dann auch bestätigt, was ich hier schon öfter gelesen hatte: Die aufgesetzten Teile sollte man sich IMMER in leichtem Übermaß bestellen! Hab ich nicht gemacht, hat mich einige Bögen Schleifpapier für meinen Schwingschleifer gekostet – wieder was gelernt.

Schlussendlich hab ich die Übergänge dann aber doch noch ganz gut hinbekommen. Da eh nur die Front und die Rückseite der Boxen lackiert werden sollte, musste es nicht absolut perfekt werden.

Lackiert hab ich dann doch erstmal die ganzen Boxen mit normalem Acryl-Lack vom Baumarkt, um auch für die Klebefolie einen einigermaßen glatten Haftgrund zu schaffen. Cremeweiß mit Nussbaumoptik sollten sie werden, passend zu unserer Wohnwand, die ich im Zuge des Boxenbaus auch noch etwas modernisieren wollte. Ein Denon Verstärker mit der Option, in Zukunft bis auf 7.2 Kanäle ausbauen zu können, sollte im ziemlich beengten Mittelfach untergebracht werden. Dazu musste ich erstmal ein entsprechendes Kühlsystem unterbringen. Wer hierzu Fragen hat, gerne melden!

Die U_Do’s mussten natürlich mehrfach lackiert und geschliffen werden. In der Zwischenzeit hab ich mich an den Bau der Rähmchen für die Abdeckungen gemacht. Ganz normale Holzleisten zugesägt, verleimt, in Cremeweiß lackiert und dann mit dem farblich zufällig perfekt passenden Stoff von Udo bezogen. Ein Abrunden der Kanten sowohl an den Boxen als auch an den Abdeckungen hatte ich erst geplant (man will ja die Einhandfräse nicht umsonst gekauft haben!). Das habe ich aber wieder verworfen, weil die Boxen in der komplett kantigen Form doch eher zur Wohnwand passten.

Den Stoff habe ich übrigens mit einem ganz normalen Büro – Tacker befestigt, die Kante nachher mit Sekundenkleber verklebt und den überschüssigen Stoff dann mit einem Teppichmesser abgeschnitten.

Von der Bauphase, in welcher ich dann die Seiten, Deckel und Boden noch mit der Nussbaumfolie bezogen habe, gibt es leider keine Fotos. Hier kann man aber auch nicht wahnsinnig viel erklären, außer dass ein Heißluftfön absolute Wunder bewirkt. Die Oberfläche und die Ecken sehen nach einer Behandlung damit absolut gekonnt aus und stehen der gekauften Wohnwand in nichts nach.

Die Weichen … ja, die wollte ich eigentlich erst nur auf Karton kleben. Sieht ja niemand. Zwischenzeitlich ist dann aber der Anspruch an mich selbst sprunghaft angewachsen und ich hatte mir Lochrasterplatinen nachbestellt. So war der Aufbau deutlich einfacher, auch wenn nur ich weiß, wie es im Inneren der Boxen aussieht. Das beruhigt einfach das Gewissen. Außerdem hab ich jetzt noch 18 der gelieferten 20! (statt 2) Platinen übrig. Das reicht noch für einige nachfolgende Projekte 😉

Und dann war es endlich soweit. Kabel verlöten, den Verstärker aufbauen und anschließen, die U_Do’s dran und was soll ich sagen?

Als ich in Udo’s Klangbericht gelesen hatte, dass man auf den 71ern Musik hören kann, „ohne dass einem die Ohren bluten“, waren meine Erwartungen ehrlich gesagt eher etwas gedämpft und ich hatte nicht mit einem derart genialen Klang gerechnet. Was man auf einmal alles in jahrelang gehörten Musikstücken entdecken kann und wie unglaublich klar und detailliert gute Aufnahmen plötzlich klingen! Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht zum doch immerhin THX-zertifizierten Surround-System. Wie mögen dann erst die Lautsprecher aus der Bluesklasse klingen?!

Seit die Udo’s jetzt ihren Dienst im Wohnzimmer verrichten, höre ich Musik komplett anders. Meistens im Stillsessel 😉 fixiert auf die Musik und nicht mehr nur so nebenbei. Ich wähle meinen „Stoff“ mittlerweile nicht mehr nach Genre aus, sondern nach Qualität der Aufnahme. Mit Klassik oder Jazz hätte man mich früher jagen können! Heute nicht mehr. Pünktlich zur Fertigstellung der Boxen kam das Live-Album von Pearl Jam bei MTV raus. Seitdem greife ich mir alles, was irgendwie Live ist.

Ich kann also nur jedem, der noch unentschlossen ist, raten, was auch Truppe – the old Fox 😉 raten würde:

Einfach machen!

Für mich war das sicher nicht der letzte Bausatz, aber ich muss jetzt erst einmal wieder ein paar WAF-Bonuspunkte sammeln 😉 Als nächstes dann vielleicht ein Upgrade auf die 74er? Oder doch gleich in die Bluesklasse? Wir werden sehen.

Viel Spaß bei Euren Projekten!

Kai

Zur U_Do 71 im Online-Shop

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Hallo Kai,

jetzt mal ehrlich 🙂 Ich weiß um die Vorzüge Udos Kreationen. Und daher weiß ich dass die U-Do 71 in Sachen Auflösung, Feinzeichnung und Bühnenbildung dem Plastikbrüllwürfeln deren Name ich nicht neenne, die jedoch auf den Fotos zu identifizieren sind, um Lichtjahre voraus ist. Das hast du ja nun selbst erlebt.

Aber du hast den Sub weggestellt und diesen mit den 71er getauscht. Und das macht mich nun wirklich neugierig.

Vermisst du da nichts? Haben die 71er echt so einen Mehrwert dass du auch im Bassbereich rundum zufrieden bist?

Wenn ja, kann ich es mir nur so erklären – habe das schrecklich undefinierbare Gewummere eingetauscht gegen definierte, satte und klare Bässe. Da stört es mich auch nicht, wenn der Druck etwas dezenter ist.

Eine Beschreibung deinerseits, wie du das empfunden hast, würde mich freuen. Andere leser wahrscheinlich auch. Den viele denken, ein Subwoofer ist die einzige Option die man hat zum Filme gucken oder um tiefe und laute Bässe zu generieren.

Und nun bzgl. “Liveaufnahmen” – wenn du schon auf Pearl Jam stehst… ich empfehle folgende Kost zum Nachtisch:

“Alter Bridge – Live At The Royal Albert Hall”

Viel Spass!

greez

Shamanic

Moin Moin,
endlich mal einer der Creed kennt 😉 .. aber das von Shamanic erwähnte ist doch nicht Creed oder .. muss ich mal gucken.

Zum Bass: ich hab die 71er ja für meinen Sohn gebaut. Ich persönlich war mit der Bassausbeute und -Qualität ganz zufrieden (auch bei uns im Wohnzimmer). Mein Sohn anfänglich auch … allerdings hat sich dann doch einen SUB dazu gebaut (U_Do Sub 20). Er hört aber auch sehr viel Rap, Hip-Hop und das Zeug was die Charts verstopft.
Gruß, Markus

Der Sound von Creed war ganz in Ordnung, jedoch bin ich mit den Liedertexten nie so ganz klar gekommen. Die Ironie, obwohl Myles Kennedys Vater Pastor war, sind seine Texte viel weniger religionsbezogen als die von Stapp.

Mir war das bisschen zu viel Gottesbezug, für Rockmusik…

Mit gefällt AB um einiges besser als seinerzeit Creed.

Im übrigen es war der Wahnsinn um wieviel Kohle Tremonti und Marshall aus den Creed-Verträgen freigekauft werden mussten. Es hätte um ein Haar ihre Musikerkarriere zerstört.

greez
Shamanic

😉 .. wieder was gelernt … und direkt mal Spotify gestartet …

Moin Moin,

sehr schön! Die Bespannung hat was.
Kann es sein das auf den Bildern noch keine Chassis unter dem Stoff sind? Scheinen die schwarzen Chassis noch mehr durch? Wirkt irgendwie edel!
Viel Spaß damit! Und viel Spaß bei der Zukunftsplanung 😉

Gruß, Markus

Sehr gut gemacht! Ich mag es ja immer, wenn sich die Lautsprecher schön in die Wohnung integrieren. Und ganz ehrlich, passt das farblich perfekt zum Sideboard. Ich finde aber auch die Steinwand hinter dem Fernseher mehr als gelungen. Ich hatte da mal bei mir eine Tapete in Steinoptik, aber das war nichts.

Von dem her Respekt für die ganze Umsetzung und viel Spaß beim hören deiner neu entdeckten Musik!

VG Alex

Oh ha, Das hätte ich nicht gedacht! Aber beim genauen reinzoomen sieht man die Tapete. Dennoch top! Meine Tapete sah dagegen wirklich gruselig aus.

Jetzt habe ich an der Ecke allerdings ohnehin keinen Platz mehr, da der Fernseher aus dem Wohnzimmer verbannt wurde und da nur noch Sound rumsteht – dafür reichlich ;))

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